Lifestyle-SegmentKein Cabrio für Frischluft-Fanatiker

Nach Fiat 500 und Mini öffnet auch der Citroën DS3 das Dach. Cabrio würden Puristen ihn nicht nennen. Kommt mit gerollter Haube dennoch Cabrio-Feeling auf? von Wolfgang Gomoll

Citroën buchstabiert Lifestyle seit drei Jahren ganz einfach: als DS. Damals erweckten die Franzosen den historischen Namen, der in den 1950er und 1960er Jahren für die als "Göttin" bezeichnete Limousine stand, zu neuem Leben. 2010 kam der DS3 auf den Markt. Er beruht technisch auf dem Kleinwagen C3, hat aber ein etwas futuristischeres Design und lässt sich zum Beispiel durch Zweifarblackierung optisch individualisieren.

Auf den DS3 folgten die größeren Modelle DS4 und DS5. Mit der DS-Serie gelang es Citroën, im Lifestyle-Segment Fuß zu fassen. Dort konkurriert der DS3 etwa mit dem Mini oder dem Fiat 500, die sich mit ihrem Retro-Image aber anders positionieren als der progressive DS3. Mit der extravaganten DS-Reihe wollte Citroën vor allem eine anspruchsvollere Klientel ansprechen, bei der sich bessere Margen erzielen lassen. Oder wie es der Markenchef Frédéric Saint-Geours formuliert: "Citroën wird durch die DS-Linien nach oben Richtung Premium gezogen."

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Jetzt soll die Cabrio-Variante des DS3 dafür sorgen, dass die Sogwirkung in die gewinnträchtige Premiumwelt andauert. Dafür nimmt der schmucke Kleinwagen auch Anleihen beim Konkurrenten Fiat 500C: Das Dach verschwindet nicht komplett im Kofferraum, sondern faltet sich an den zwei Längsholmen entlang zusammen. Also ist auch das DS3 Cabrio mehr Targa als Cabrio. Wenn man den Windabweiser an der Stirnseite nicht ausklappt, kommen trotzdem leichte Cabrio-Gefühle auf, da die Luft das Haar durcheinander wirbelt.

Straffes Fahrwerk, kräftiger Motor

Lässt man nur eine schiebedachgroße Lücke geöffnet, werden die Windgeräusche aber laut. Das sollte einen echten Cabriofahrer nicht schrecken. Geschlossen ist eine Unterhaltung in normaler Lautstärke problemlos möglich, denn das Dach besteht aus drei Lagen plus der Innenverkleidung. Und immerhin kann man die Stoffhaube bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von 120 km/h elektrisch zusammenrollen. In 16 Sekunden ist das Verdeck offen.

Citroëns Entscheidung gegen ein konventionelles Cabriodach bringt den Vorteil, dass sich die Interessenten mit Genuss an den Konfiguratoren austoben können. Schließlich werden 90 Prozent der geschlossenen DS3-Exemplare zweifarbig geordert. Jetzt gibt es auch das Faltdach in drei verschiedenen Farbvarianten. Besonders stolz sind die Franzosen auf die Gestaltung der 3-D-Rückleuchten: Mithilfe von Spiegeln entsteht der Eindruck von visueller Tiefe.

Ein Auto, das so sehr die Dynamik-Karte spielt, muss allerdings die optische Erscheinung auch in einen entsprechenden Vortrieb umsetzen. Die Voraussetzungen dafür stehen gut. Zum einen wiegt das Cabrio nur 25 Kilogramm mehr als die geschlossene Version. Dank der direkten Lenkung nimmt der 3,95 Meter lange Wagen auch schnelle Kurven problemlos. Der Fronttriebler schiebt kaum über die Vorderräder. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt. Das macht sich bei groben Schlägen deutlich bemerkbar, ist aber nicht zahnplombenerschütternd.

Dazu passt der kräftige Motor. Der Testwagen verfügte über einen 155-PS-Benziner, der mit dem 1,3 Tonnen schweren Wagen kaum Mühe hatte. Wer will, kann auch bei niedrigen Drehzahlen entspannt cruisen – das maximale Drehmoment von 240 Newtonmetern macht's möglich. Der Verbrauch lag bei den Testfahrten aber gut 1,5 Liter über den angegebenen 5,9 Litern Super je 100 Kilometer.

Leserkommentare
  1. 1. Stupid

    Beim C2 waren die Fenster extra noch nach unten gezogen, damit die nicht 1,90 m grossen Kinder auch mal was sehen. Dann wird ihnen auch nicht dauernd schlecht. Für mich glatt ein Grund, den zu kaufen (ok, es wurde dann ein C3).

    Und jetzt? Gegenteil: nach oben gezogen!

    Kann ich nicht brauchen, da kotzen mir die Kleinen ständig den Fond voll, sorry, ausser eben wenn das Dach offen ist, aber wann ist es das schon?

    Hätte mir sonst ganz gut gefallen, das Teil.

    aj

    2 Leserempfehlungen
    • pekaef
    • 30. Januar 2013 19:33 Uhr

    ... bestenfalls Cabrio-Limousine. Rolldach, ähnlich wie beim Vorkriegs-DKW (der noch eher ein Cabrio war). Oder auch beim Döschwoh. Und wer hätte den Citroen 2CV je als Cabrio bezeichnet?

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    Stoffschiebedach oder Faltdach ist wohl zu unspektakulär für Herrr Gomoll ;)

  2. Stoffschiebedach oder Faltdach ist wohl zu unspektakulär für Herrr Gomoll ;)

    • Sauzahn
    • 30. Januar 2013 23:41 Uhr

    Nun möchte den werten Schreiber dieses Textes doch höflichst daran erinnern, dass der Döschwo(Ente) das Rolldachurmodell war.

  3. ... und zwar dafür, daß bei ZEIT online die jeweiligen Autorennamen im Kopf stehen. Da kann man sich Press-Inform-Artikel gleich sparen. Sind eh nur Zeit-Verschwendung ...

  4. Es ist ein Modetrend, dass immer mehr Baureihen sich für ein Panoramaschiededach oder ein Stofffaltschiebedach entscheiden. Nun auch beim DS3. Also Cabrio es zubezeichnen ist allerdings grenzwertig, aber wird gerne getätigt. Die alten TWINGO-Modelle mit Stoffdach wurden damals nicht als CABRIO bezeichnet; heute tendiert das Marketing eher dazu. Es klingt wertiger.

    Fast keine Baureihe wird sich im Ausstattungsbereich einer Optionswahl auf ein Panoramaschiebedach/Faltdach entziehen können. Das ist gut für den Kunden und gut für den Wiederverkaufswert (wenn es gepflegt und dicht geblieben ist).

    Interssant ist, dass japanische Autos vielfach kein Schiebedach/Textilschiebedach mögen; allerfals wird eine Scheibe eingeklebt, die aber nicht zu öffnen ist. Es wäre einmal untersuchenswert, warum japanische Designer keinen Blick auf den freien Himmel und die frische Zugluft mögen. Warum dem Kunden eine Entscheidungsoption verwehrt wird ? Solche Designverständnisunterschiede, die gelebt werden sind iteressant. Hintergründe sind bemerkenswert.

    • pekka
    • 31. Januar 2013 7:47 Uhr

    ist ja ganz nett, aber irgendwie ist die Schüssel dann doch etwas klein, dann schon lieber ein richtiges Auto:
    http://5z8.info/nic_cage_...

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  5. Die Zukunft des eigenen Autos lautet klein, leicht (<500kg), langsamer (<120kmh), windschnittig, besser ausgelastet, kurz: sparsamer und kostenminimal. Die Mobilität, d.h. von A nach B kommen um in B ein Bedürfnis befriedigen, wird wichtiger. Das Verkehrsmittel auf dem Weg ist dann nur Mittel zum Zweck!

    In einer multimobilen Gesellschaft werden gut vernetzte Mobilitätsdienstleistungen wie z.B. ÖPNV, CarSharing, Mietwagen, Taxi, E-Räder/Roller, Mitfahrangebote der Zukunftsmarkt mit vielen neuen Jobs sein.

    Das eigene teure, schnelle Auto wird unwichtiger durch Abbau der staatlichen Autoindustriesubventionen (Pendlerpauschale, Straßenbau, Dienstwagen-Steuervorteile...) und die notwendige (!) verursachergerechte Anlastung der Lärm-, Abgas-, Unfall- und Klimakosten in einer Maut und Krankenkassenbeiträge (höher bei Bewegungsarmut). Dies senkt die Kosten der Gesellschaft.

    Nahräumlich und funktionsgemischt sind die Wohnorte der Zukunft! Randlagen und lange zeit- und energieaufwändige Wege werden Luxus.

    Das E-Fahrrad/-Roller wird von der Freizeitnische in die Alltagsmobilität integriert werden. Hier müssen die Städte entsprechende Flächen bzw. Wege zur Verfügung stellen.

    China, Russland, Indien, Brasilien, USA... werden die fossilen Energieträger durch unsere Premiumautos schneller abschöpfen und verknappen und damit noch stärker verteuern!

    P.S.: Wirtschaftlich ist nur, was sozial ist, was ökologisch ist! Wir müssen weg vom Leben auf Kosten anderer (Generationen).

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    Hoffenlich werden Sie nicht ALT

    • Calzone
    • 01. Februar 2013 12:00 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und verfassen Sie konstruktive Kommentare. Danke, die Redaktion/ds

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  • Schlagworte Fiat | Frankreich
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