Citroën DS5 : Hartes Fahrwerk unter stylisher Hülle

Mit dem DS5 macht Citroën seine extravagante DS-Reihe komplett. Doch bringt die Mittelklasse-Limousine mehr mit als nur ein auffälliges Design?
Citroën DS5 © Hersteller

Für die Zukunft bemüht Citroën die Vergangenheit. "Aus Tradition anders" schreiben die Franzosen als Motto in das Prospekt ihres Mittelklasse-Modells DS5. Extravagantes Design, Technologie und Komfort sollen wieder Werte bilden, mit denen man Citroën verbindet. Frankreichs Regierung hat sich dafür gern engagiert: Nach seinem Wahlsieg ließ sich Präsident François Hollande im offenen Citroën DS5 an den jubelnden Parisern vorbei zur Amtseinführung chauffieren. Frankreich hatte nicht nur einen neuen Staatspräsidenten, sondern anscheinend auch eine neue Staatskarosse.

Wer vorn durch die sich weit öffnenden Türen in den DS5 einsteigt, nimmt Platz in einem geräumigen Reisewagen. Das griffige Lenkrad ist in Tiefe und Neigung verstellbar. Die körpergerecht geformten Sitze lassen sich ebenfalls elektrisch verstellen, die Sitzfläche kann man manuell verlängern. Somit finden auch groß gewachsene Passagiere bequem und selbst bei langen Strecken ermüdungsfrei Platz.

Das gilt auch für den Fond. Allerdings sind die Sitze dort nicht ganz so körpergerecht ausgeformt wie vorn, und das abfallende Dach schränkt die Kopffreiheit hinten etwas ein. Wenig überzeugen konnte die Zweizonen-Klimaautomatik. Sie braucht lange, bis sie das Wageninnere auf eine angenehme Temperatur bringt. Noch mehr enttäuscht hat die Sitzheizung: Ihre Wirkung war so gut wie gar nicht zu spüren – ganz davon abgesehen, dass ihr Einstellrad am Sitz fummelig zu bedienen ist.

Fernlichtassistent reagiert spät

Die breite Mittelkonsole mit Panamera-Dimensionen ist Geschmackssache. Einen designgesteuerten DS5-Käufer wird sie kaum stören, im Gegenteil. Zumal die Materialien wertig wirken und sauber verarbeitet sind. Die Vielzahl der Knöpfe und ihre Platzierung nerven allerdings. Auf der Mittelkonsole etwa sind auch die Schalter für die Fensterheber untergebracht. Und um fehlerfrei die Tasten im Dachhimmel zu bedienen, muss man schon genauer hinsehen.

Kaum läuft der Motor, da schwingt ein Headup-Display ins Sichtfeld des Fahrers. Es zeigt gut ablesbar die Geschwindigkeit und etwaige Einstellungen des Tempomaten an. Die Sicht vom Fahrersitz ist durchschnittlich. Das relativ kleine Heckfenster bietet nur einen eingeschränkten Blick. Die optionale Einparkhilfe oder besser noch die Rückfahrkamera sind also kein überflüssiger Luxus.

Für gute Sicht bei Nacht sorgen Bi-Xenonscheinwerfer mit Kurvenlicht und Nebelscheinwerfer mit Abbiegefunktion. Die LED-Tagfahrleuchten sind in die Hauptscheinwerfer integriert. Nicht wirklich nötig ist es, gegen Aufpreis den Fernlichtassistenten zu ordern. Im Praxistest funktionierte das automatische Abblenden bei nahendem Gegenverkehr nicht immer. Der menschliche Fahrer hätte oft deutlich früher abgeblendet.

Kommentare

11 Kommentare Kommentieren

Leider zu wenig Fotos

So ist der Innenraum durchaus sehr gelungen:

http://www.citroen.de/cit...

Auch der Preis ist bei der Motorisierung durchaus angemessen. Im Design hat Citroen aufgeholt und ist etwas mainstreamartiger geworden, was der Marke gut bekommt. Das "egozentrische französische Designausleben" wurde zurückgefahren.

Schade ist allerdings, dass CITROEN seine "Wurzeln" der hochtechnischen weichen Kompfortfederung einfach über Bord wirft und das (nach)macht, was vornehmlich deutsche Hersteller praktizieren: ein hartes Fahrwerk. Hier hätte es sich gelohnt in der Sonderausstattungsliste dem Kunden die Option eines Kompfortfahrwerkes zu bieten. Hier kann CITROEN auch historisch auf seine Wurzeln verweisen, was durchaus positiv besetzt werden könnte. Verstellbare Fahrwerksysteme mit Wunschkennlinien (Sport - Kompfort) sind heute durchaus Stand der Technik. Es muss somit nicht immer nur "hartes Fahrwerk" sein - Jeder wie sie/er mag.

CITROEN kann auch traditionell sehr weiche Fahrwerke - aber das mag CITROEN heute vielleicht nicht mehr. Schade.

Wozu braucht man das?

Der Sinn dieses Autos erschließt sich mir nicht. Ein "geräumiger Reisewagen" soll das sein, in dem "auch groß gewachsene Passagiere" Platz finden. Hm -- laut http://www.citroen.de/cit... beträgt die Sitzhöhe vorn 88 und hinten 85 cm. Für mich mit über 1,90 m bedeutet das, dass ich mir den Scheitel am Dachhimmel nachziehen kann. Dass man trotz "weit öffnender Türen" wegen der extrem flachen Frontscheibe wahrscheinlich nicht gut wird einsteigen können, hat Guzzi_Cali2 schon vermutet. Der Kofferraum ist klein, die Klappe schwingt nicht hoch genug, die "Sicht vom Fahrersitz ist durchschnittlich. Das relativ kleine Heckfenster bietet nur einen eingeschränkten Blick", ohne Assistenzsysteme scheint der Wagen nicht fahrbar, und einparken kann man nur mit einer Rückfahrkamera (!). Und eine Zuladung von 480 kg für einen Fünfsitzer halte ich nicht für "ganz ordentlich", sondern für etwas knapp (allein ich wiege ja schon 2 1/2 Zentner).

Alles in Allem: Wozu braucht man so ein Auto?

Jagdbomber Look

lieber beim Inerieur als beim Eterieur... Ansonsten kann man über Design lange und ermüdend streiten. An Unübersichtlichkeit leiden im Übrigen auch sehr viele andere Modelle, und das Markenübergreifend. Von daher schließe ich mich der Empfehlung an: der Übersichtlichkeit halber nen Berlingo oder Doblo, was auch immer, es sei denn der Jagdbomberlook ist wichtig, dann ganz klar Audi.

Eine gute Wahl - der Vel Satis

Da hat Renault sich in der "Neuzeit" mal in einem extravaganten Design versucht, und dann wird dies quittiert mit mieserablen Absatzzahlen. Dabei war der VS technisch nicht störanfällig und von solider Qualität.
Schade, dass die Zeit für ausgefallene Designs vorbei ist, womit man einen Konsummarkt bedienen kann.
Statt dessen wird ja seit einiger Zeit auf der Retrowelle geschwommen. Vgl. New Beetle, Fiat 500, Mini etc.. Wenn sich dann wenigstens Technik, Gewicht und Verbrauch simplifizieren ließen - aber das ist offenkundig nicht gewollt.