Citroën DS5Hartes Fahrwerk unter stylisher Hülle

Mit dem DS5 macht Citroën seine extravagante DS-Reihe komplett. Doch bringt die Mittelklasse-Limousine mehr mit als nur ein auffälliges Design? von Jürgen Wolff

Citroën DS5

Citroën DS5  |  © Hersteller

Für die Zukunft bemüht Citroën die Vergangenheit. "Aus Tradition anders" schreiben die Franzosen als Motto in das Prospekt ihres Mittelklasse-Modells DS5. Extravagantes Design, Technologie und Komfort sollen wieder Werte bilden, mit denen man Citroën verbindet. Frankreichs Regierung hat sich dafür gern engagiert: Nach seinem Wahlsieg ließ sich Präsident François Hollande im offenen Citroën DS5 an den jubelnden Parisern vorbei zur Amtseinführung chauffieren. Frankreich hatte nicht nur einen neuen Staatspräsidenten, sondern anscheinend auch eine neue Staatskarosse.

Wer vorn durch die sich weit öffnenden Türen in den DS5 einsteigt, nimmt Platz in einem geräumigen Reisewagen. Das griffige Lenkrad ist in Tiefe und Neigung verstellbar. Die körpergerecht geformten Sitze lassen sich ebenfalls elektrisch verstellen, die Sitzfläche kann man manuell verlängern. Somit finden auch groß gewachsene Passagiere bequem und selbst bei langen Strecken ermüdungsfrei Platz.

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Das gilt auch für den Fond. Allerdings sind die Sitze dort nicht ganz so körpergerecht ausgeformt wie vorn, und das abfallende Dach schränkt die Kopffreiheit hinten etwas ein. Wenig überzeugen konnte die Zweizonen-Klimaautomatik. Sie braucht lange, bis sie das Wageninnere auf eine angenehme Temperatur bringt. Noch mehr enttäuscht hat die Sitzheizung: Ihre Wirkung war so gut wie gar nicht zu spüren – ganz davon abgesehen, dass ihr Einstellrad am Sitz fummelig zu bedienen ist.

Fernlichtassistent reagiert spät

Die breite Mittelkonsole mit Panamera-Dimensionen ist Geschmackssache. Einen designgesteuerten DS5-Käufer wird sie kaum stören, im Gegenteil. Zumal die Materialien wertig wirken und sauber verarbeitet sind. Die Vielzahl der Knöpfe und ihre Platzierung nerven allerdings. Auf der Mittelkonsole etwa sind auch die Schalter für die Fensterheber untergebracht. Und um fehlerfrei die Tasten im Dachhimmel zu bedienen, muss man schon genauer hinsehen.

Kaum läuft der Motor, da schwingt ein Headup-Display ins Sichtfeld des Fahrers. Es zeigt gut ablesbar die Geschwindigkeit und etwaige Einstellungen des Tempomaten an. Die Sicht vom Fahrersitz ist durchschnittlich. Das relativ kleine Heckfenster bietet nur einen eingeschränkten Blick. Die optionale Einparkhilfe oder besser noch die Rückfahrkamera sind also kein überflüssiger Luxus.

Für gute Sicht bei Nacht sorgen Bi-Xenonscheinwerfer mit Kurvenlicht und Nebelscheinwerfer mit Abbiegefunktion. Die LED-Tagfahrleuchten sind in die Hauptscheinwerfer integriert. Nicht wirklich nötig ist es, gegen Aufpreis den Fernlichtassistenten zu ordern. Im Praxistest funktionierte das automatische Abblenden bei nahendem Gegenverkehr nicht immer. Der menschliche Fahrer hätte oft deutlich früher abgeblendet.

Leserkommentare
  1. Wenn ich mir die beiden Winkel vorne dran wegdenke und da ein Fiat, Ford oder Kia-Logo dranschraube, dann ist das Auto genau wie alle anderen Autos dieser Klasse: Ein versicktes Etwas, mit vielen Linien, Ecken, Rundungen etc. - Effekthascherei. Dazu die mittlerweile üblichen Leuchteinheiten, die in ausgebautem Zustand vermutlich irgendwas um 80 cm lang sind, eine Gürtellinie, die ein Rausgucken selbst für Größere unmöglich macht, eine stark geneigte Frontscheibe, die das Auto ohne Klima-Anlage brutalst aufheizt und wegen der man in das Auto eher hineingleiten muß als sich hineinsetzen kann. Jagdbomber-Cockpit-Look gehört ja mittlerweile zum guten Ton und ich frage mich, wie man im Falle eines Falles das richtige Knöpfchen findet.
    Das Schlimmste aber finde ich die absolute Kritiklosigkeit der sog. Motorjournalisten an diesen Fehl-Entwicklungen. Vermutlich ist der größte Teil von ihnen schon so abgestumpft, daß sie die ganzen Unzulänglichkeiten als normal empfinden. Im Unterschied dazu merken die Konsumenten offenbar langsam, was ihnen da von allen Herstellern verkauft werden soll und bedanken sich dafür - mit Nichtkauf.

    3 Leserempfehlungen
  2. wurde meines Wissens im C5 als Option angeboten. Oder eben McPershon Stahlfedern.

    Ohne das jetzt recherchieren zu wollen, würde es mich wundern, wenn ausgerechnet beim DS5 diese Option weggefallen sein soll. Aber wiederrum nicht wundern würde ich mich, wenn es dem Tester bzw. Verfasser des obigen Artikels nicht aufgefallen wäre.

    Wie auch immer. Ein besseres Fahrwerk als das hydraktiv-dynamische mit Komfort- und "Sport"-Umschaltung, wie es von Citroen auch im XM verbaut wurde, gab es nicht. Mercedes, BMW und Audi standen zur Wahl. Nach mehreren Probefahrten entschied ich mich für den XM in Leder und Holz. Ich habe es nie bereut.

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    Antwort auf "Komfort"
  3. Citroen hat eine Kernkompetenz: Die Hydro-Pneumatische Federung. Damit steht (stand??) Citroen für unerreichten Fahrkomfort. Will man davon abgehen? Das ist wie Selbstmord! Die Straßen werden schlechter und die Leute werden älter! Das schreit in dieser Kombination geradezu nach Federungskomfort. Wenn sich Citroen etwas bei deutschen Fahrzeugen abschauen will, dann Qualität, niedrige Windgeräusche und gute Sitze. Das stylische Design der DS-Serie ist ok. Und statt sich Doppelkupplungsgetriebe abzuschauen, bitte in jedem Fall bei einem weich einsetzenden Wandler mit Planetensatz bleiben!

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    wurde meines Wissens im C5 als Option angeboten. Oder eben McPershon Stahlfedern.

    Ohne das jetzt recherchieren zu wollen, würde es mich wundern, wenn ausgerechnet beim DS5 diese Option weggefallen sein soll. Aber wiederrum nicht wundern würde ich mich, wenn es dem Tester bzw. Verfasser des obigen Artikels nicht aufgefallen wäre.

    Wie auch immer. Ein besseres Fahrwerk als das hydraktiv-dynamische mit Komfort- und "Sport"-Umschaltung, wie es von Citroen auch im XM verbaut wurde, gab es nicht. Mercedes, BMW und Audi standen zur Wahl. Nach mehreren Probefahrten entschied ich mich für den XM in Leder und Holz. Ich habe es nie bereut.

  4. ... wäre vieleicht ein Citroën Jumper, wahlweise ein MB Sprinter/VW Crafter das geeignete Fahrzeug. Mit Hydrauliklift zum Erreichen des Fahrersitzes.

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    Antwort auf "Wozu braucht man das?"
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    für die freundliche Empfehlung, aber mir ist weder nach einem Hochdachkombi noch nach einem Lieferwagen. Zumal mein jetziges Auto das gewünschte Anforderungsprofil recht gut erfüllt: Ein Renault Vel Satis. Franzose; Sänfte; extravagantes Design (von "stylischer Hülle" zu schreiben weigere ich mich) ohne Sicken, Falten und schwellende Linien; große Fenster, guter Überblick; Platz ohne Ende in Höhe, Länge und Breite: gut zu entern und gut zum Aussteigen, ganz ohne Verrenkungen, ohne Leiter oder Hydrauliklift; und, nun kommts, eine Zuladung von 700 kg.

    Schade, dass der Wagen nicht mehr gebaut wird.

  5. für die freundliche Empfehlung, aber mir ist weder nach einem Hochdachkombi noch nach einem Lieferwagen. Zumal mein jetziges Auto das gewünschte Anforderungsprofil recht gut erfüllt: Ein Renault Vel Satis. Franzose; Sänfte; extravagantes Design (von "stylischer Hülle" zu schreiben weigere ich mich) ohne Sicken, Falten und schwellende Linien; große Fenster, guter Überblick; Platz ohne Ende in Höhe, Länge und Breite: gut zu entern und gut zum Aussteigen, ganz ohne Verrenkungen, ohne Leiter oder Hydrauliklift; und, nun kommts, eine Zuladung von 700 kg.

    Schade, dass der Wagen nicht mehr gebaut wird.

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    Antwort auf "Nun, für Sie ..."

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  • Schlagworte Dieselmotor | Frankreich
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