AutoherstellerDaihatsu macht in Europa Schluss

Nach jahrzehntelanger Marktpräsenz zieht sich Daihatsu aus Europa zurück. Schuld waren eine verfehlte Modellpolitik – und fehlendes Verständnis für den hiesigen Kunden. von Susanne Kilimann

Anfang 2008 stellte Daihatsu auf dem Autosalon in Brüssel noch den neuen Cuore vor. (Archivbild)

Anfang 2008 stellte Daihatsu auf dem Autosalon in Brüssel noch den neuen Cuore vor. (Archivbild)  |  © Mark Renders/Getty Images

"2009 war der Anfang vom Ende", sagt Udo Auchter, der Vorsitzende des Daihatsu-Händlerverbandes in Deutschland. Dabei hätte es ein gutes Jahr werden können für den japanischen Autohersteller. Dank der Abwrackprämie verkauften sich Klein- und Kompaktwagen, die Spezialität der Toyota-Tochter, in Deutschland sehr gut. Doch die hiesigen Daihatsu-Händler hatten der Kundschaft nicht viel zu bieten. "Nur Lagerbestände", erinnert sich Auchter. Bestellungen liefen ins Leere. "Japan hat fast nichts geliefert."

Grund dafür waren nicht etwa Engpässe bei der Produktion in den japanischen Werken. Schuld sei das völlig zerrüttete Verhältnis zwischen der Konzernzentrale und der Daihatsu Deutschland GmbH gewesen, sagt Auchter. In Japan sei man verärgert darüber gewesen, dass die deutsche Konzernrepräsentanz zuvor Neuwagen weit unter Listenpreis verscherbelt und durch einen großen Autovermieter und Leasinganbieter zumeist als Tageszulassungen in den Markt gedrückt hatte – um die Absatzzahlen nach oben zu schrauben.

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Damit habe man die Japaner dazu bringen wollen, auch in Europa ein Werk zu eröffnen. Dieser Schritt hätte sich allerdings nur gerechnet, wenn pro Jahr mindestens 40.000 Einheiten eines Modells – man dachte an den Kleinwagen Sirion – europaweit verkauft worden wären. Die Dumpingpreis-Strategie der Daihatsu-Vertreter in Deutschland ging nicht auf. Am Ende hatte man hierzulande 8,5 Millionen Euro Verlust gemacht. Die Zentrale in Japan musste den Fehlbetrag ausgleichen statt Gewinne abschöpfen zu können.

Cuore war das Zugpferd

Also wurden die deutschen Daihatsu-Händler danach kurzgehalten und mussten Kaufinteressenten vertrösten, als die Absatzchancen so rosig waren wie lange nicht. "Daihatsu-Händler in den Niederlanden bekamen dagegen alles, was sie bestellten", berichtet Auchter. Und so hätten einige der rund 330 deutschen Händler versucht, Autos bei den Holländern zu kaufen, um die eigene Kundschaft bedienen zu können.

Das funktionierte aber nur bedingt. Es waren nicht nur Lieferkosten zu stemmen, die niederländischen Händler wollten auch das Geld für die Ware sofort. "Viele Händler hier hatten den finanziellen Spielraum gar nicht", erinnert sich Auchter.

Die Folge: Während die Konkurrenz Absatzrekorde einfuhr, konnte Daihatsu 2009 gerade einmal 11.000 Autos an die deutsche Kundschaft bringen. Ein Jahr später schrumpften die Verkaufszahlen auf 5.317 Stück. Anfang 2011 dann der Paukenschlag: Die Daihatsu-Zentrale in Japan gab bekannt, dass sich die Marke Ende Januar 2013 aus Deutschland und aus Europa zurückziehen werde.

Dabei hatte es in Deutschland auch gute Jahre gegeben für Daihatsu. Rund lief es in den neunziger Jahren. Damals setzte der Importeur deutschlandweit pro Jahr etwa 20.000 Neuwagen ab. Stärkstes Zugpferd war der Kleinwagen Cuore, der mittlerweile in der fünften Generation von den Bändern rollt.

Leserkommentare
    • Zeugma
    • 23. Januar 2013 9:08 Uhr

    Schon ein Ding. Die Modellpolitik war gewiss unglücklich. Allerdings bin ich vor allem davon überzeugt, dass die Wagen einfach zu gut für den deutschen Markt waren.

    Null Prestige, dafür sehr durchdacht gebaut, äußerst zuverlässig, sparsam und immer optimal viel Platz im Innenraum. Allein wie gut in den letzten Cuore vier Erwachsene hineinpassten, dazu noch 90° öffnende Türen und ein unkaputtbarer sehr sparsamer Motor. Spritzig und recht schnell. Parkplätze fand man auch sehr leicht. OK, glücklicheweise musste ich nie die passive Sicherheit testen - hier schlägt Masse fast alles (das ist Physik).

    Hatte Ende der 90er einen Cuore als Neuwagen gekauft, 50tkm im Jahr gefharen und bei 200tkm wieder verkauft. Unterhaltskosten minimal, VK ohne SB nicht erwähnenswert, Verbrauch sehr gering und vor allem zuverlässig.

    Aber klein, sparsam und umweltfreundlich lag und liegt entgegen mancher Lippenbekenntnisse nicht im Trend. Nach wie vor nicht.

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  • Schlagworte Europa | Daihatsu | Toyota | Autohersteller | Geländewagen | Japan
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