Alternativer Antrieb70 km/h mit reiner Druckluft

Ein Franzose experimentiert mit Druckluft als Kraftstoff-Alternative, Tata aus Indien zeigt Interesse am AirPod. Experten zweifeln aber an der Effizienz des Antriebs. von Marcel Sommer

AirPod von Motor Development International

AirPod von Motor Development International  |  © press-inform/Hersteller

Vom günstigsten Treibstoff ist mehr als genug auf unserem Planeten zu finden: Luft. Öl wird knapp, und so befassen sich die Automobilingenieure mit jeder Alternative, die sich zu rohölbasierten Kraftstoffen finden lässt. Dazu zählt eben auch Druckluft. Sie soll eine kostengünstige und zugleich umweltfreundliche Mobilität ermöglichen.

Derzeit sorgt ein 2,07 Meter langes und 220 Kilogramm schweres Vehikel für Wirbel. Der eiförmige Dreisitzer AirPod wird mit komprimierter Luft angetrieben, die unter 350 Bar Druck in einem 175-Liter-Tank gespeichert wird. Auch wenn sein Name auf ein US-Unternehmen mit einem angebissenen Obst als Logo schließen lässt – der AirPod stammt von einer Firma namens Motor Development International (MDI) mit Sitz in Luxemburg und dem südfranzösischen Carros.

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Während der Fahrer des Dreirads nach vorn schaut, müssen die beiden Mitfahrer in der zweiten Reihe mit dem Blick auf den nachfolgenden Verkehr vorlieb nehmen – sie sitzen mit dem Rücken zum Fahrer. Für den Antrieb verfügt der AirPod über einen Einzylinder-Kolbenmotor mit vier Kilowatt Leistung. Die Druckluft wird aus dem Tank in den Zylinder geleitet, dehnt sich dort aus und drückt den Kolben nach unten. Das treibt wiederum die Räder an. Am Ende tritt die auf bis zu minus 15 Grad heruntergekühlte Luft aus dem Auspuff aus – der AirPod ist also zumindest lokal völlig klima- und umweltfreundlich.

Französischer Tüftler mit langem Atem

Der Tank lässt sich laut MDI an jeder Druckluft-Tankstelle befüllen, und zwar innerhalb von drei Minuten. Eine Tankfüllung soll für eine Strecke von bis zu 220 Kilometern ausreichen. Überzeugend klingen dabei vor allem die Kosten von 50 Cent pro 100 Kilometer. Als Höchstgeschwindigkeit gibt MDI 70 km/h an. Damit brächte sich der AirPod vor allem als potenzielles Stadtmobil ins Gespräch.

Hinter Motor Development International steckt ein Mann, der sich schon lange mit dem Druckluftprinzip befasst: Guy Nègre. Der 71-jährige Franzose entwickelte als Ingenieur in den 1980er Jahren zunächst Motoren für die Formel 1. 1991 begann er mit der Entwicklung eines Druckluftautos. 1997 war der CityCAT fertig, er sollte als Taxi fungieren. Bis heute haben es Nègres Erfindungen jedoch nicht über eine groß angelegte Ankündigung hinausgebracht, von einer Serienreife waren sie weit entfernt.

Auch beim AirPod bleibt zweifelhaft, ob er tatsächlich zu Preisen ab 7.000 Euro auf den Markt kommen wird. Zumindest in Europa. Der indische Unternehmer Ratan Tata, Chef des Autoherstellers Tata Motors, erwarb 2007 für 20 Millionen Euro eine Lizenz für das Druckluft-Konzept und möchte die Technik auf den indischen Markt bringen. Auch die Fluggesellschaft Air France-KLM zeigte Interesse, Prototypen von MDI-Druckluftfahrzeugen auf Flughäfen zu testen.

Leserkommentare
  1. Was interessiert mich denn der Wirkungsgrad bei der Erzeugung? Viel wichtiger ist doch der Wirkungsgrad bei der Speicherung! Und da dürfte Druckluft doch wesentlich besser abschneiden als Strom ...

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    Antwort auf "Windkraftwerke"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • andiman
    • 29. Januar 2013 15:54 Uhr

    Die Energiedichte ist bei LI-Batterien höher.

  2. müssten mit 350 bar-Kompressoren ausgerüstet werden.
    Die Druckstufe ist ungewöhnlich hoch. Die Druckluftbehälter
    im Fahrzeug bedürften der ständigen TÜV-Überwachung.
    Die Luft muss getrocknet werden, andernfalls vereist die Antriebs-
    anlage durch gefrierendes Wasser bei der Entspannung.

    5 Leserempfehlungen
    • Xdenker
    • 28. Januar 2013 16:56 Uhr

    Druckluft ist eher ein guter Speicher für Überschussstrom aus Windmühlen, wenn zusätzlich die Wärme genutzt werden kann.

  3. Wenn man mit einer Tankfüllung 220km weit kommt ist ein Problem der Akkus überwunden. Die Abwärme kann man bestimmt auch verwerten.

  4. Wir brauchen Leute mit Ideen, Visionen. Außerdem wäre das eine Technologie, die ohne Weltkonzerne umzusetzen wäre.
    Ps.: Warum wohl werden auch heute noch an ihrer tollen
    Limousine noch die Radmuttern mit Druckluftschraubern gelöst und angezogen?

    Eine Leserempfehlung
  5. querdenken mit Druckluft gefällt mir. Bei Druckluft fällt mir immer Rohrpost ein. Wie wärs mit einem PipePod, quasi der Stadtrohrpost für Menschen+Tier?

    • tk1986
    • 28. Januar 2013 18:08 Uhr
    Antwort auf "Windkraftwerke"
    • wasd
    • 28. Januar 2013 18:20 Uhr

    bevor es zentrale parkscheinautomaten gab, war in der stadt neben jeder parklücke eine mechanische parkuhr. so schwer wird es doch nicht sein, so was mit steckdose hinzustellen, jede straßenlaterne hat strom.

    ich habe in berlin ein paar tage lang ein elektroauto ausprobiert und es war gar nicht so übel, es gibt hier ladestetionen, die tatsächlich wie parkscheinautomaten aussehen, und die parkplätze dazu sind halteverbotszonen, elektroautos beim laden frei. außer das man mal in zweiter reihe stehen bleiben muss und die örtlichen geschäffte absucht um einen lieferwagenfahrer zu verjagen ist das ganze unproblematisch. ich hatte allerdings das gefühl dass es im genzen ring nur 50 säulen gibt, es ist schon ein wenig doof nach dem parken mit der straßenbahn nach hause fahren zu müssen, aber von 1,2 mio autos in berlin sind vielleicht 1000 (?) elektrisch, dass wird sich schon ergeben sobald der bedarf da ist.

    Antwort auf "Es wäre doch schön,"

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