VW up! mit ErdgasEin Auto für gemächliche Sparer

Der VW eco up! punktet mit niedrigen Kraftstoffkosten. Der Aufpreis muss aber erst mal reingeholt werden. Das gelingt vor allem urbanen Vielfahrern. von 

Ein VW eco up! wird mit Erdgas betankt.

Ein VW eco up! wird mit Erdgas betankt.  |  © Hersteller

Erdgas tanken ist eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Die Euro-Zahl an der Zapfsäule steigt kaum schneller als die der Kraftstoffmenge. 1,18 Euro kostete das Kilogramm während der zweiwöchigen Ausfahrt im sparsamsten Auto von Volkswagen, dem Kleinwagen eco up!. Bei einem Testverbrauch von durchschnittlich 3,6 Kilogramm ergibt das 4,25 Euro auf 100 Kilometer.

Wann sich allerdings der Mehrpreis von 2.575 Euro gegenüber dem up! mit Ottomotor amortisiert, lässt sich nur beispielhaft beantworten. Das Internetportal www.spritmonitor.de weist für den Standard-up! einen Verbrauch von 5,4 Litern Superbenzin je 100 Kilometer aus. Für einen Liter verlangen die Mineralölkonzerne derzeit etwa 1,62 Euro. Bei diesen Werten wäre die schwarze Null in der Wirtschaftlichkeitsberechnung nach gut 57.000 Kilometern erreicht. Danach setzt der eigentliche Spareffekt beim eco up! ein – es kann aber sehr viel schneller gehen.

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Für Firmenautos etwa von Altenpflege- oder Bringdiensten ist der innerstädtische Verbrauchswert interessanter. Der gasbetriebene Kleinwagen kam hier – ohne Rücksicht auf die Hochschaltanzeige, mit Vollgas an der Ampel und sehr zügig bewegt – auf 5,5 Kilogramm Erdgaskonsum pro 100 Kilometer. Dieser gezielt provozierte schlechtere Wert führt paradoxerweise zu einer schnelleren Amortisation. Denn da gilt die Faustregel: Mit Benzin verdoppeln sich die Fahrenergiekosten unabhängig von Streckenprofil und Fahrweise.

Kaufinteressenten dürften sich über die stark variierenden Preise fürs Erdgas (CNG) wundern. Das liegt an den unterschiedlichen Qualitäten, in denen der Kraftstoff verkauft wird. Am meisten Energie enthält das so genannte H-Gas, das in unseren Testfahrten ausschließlich zum Einsatz kam. Am Straßenrand gab es aber auch Tankstellen, die statt 1,18 Euro lediglich 93 Cent pro Kilogramm verlangt haben – allerdings für L-Gas mit geringerem Energiegehalt. Wer das in die Drucktanks presst, erntet einen höheren Verbrauch. Folglich sinkt die Reichweite, die bei uns gut 300 Kilometer betrug. Danach schaltet der eco up! automatisch auf Benzinbetrieb um. Hier fasst der Tank zehn Liter.

Autogas (LPG)

Autogas ist ein Gemisch aus Butan und Propan, das unter geringem Druck flüssig gespeichert wird. So erklärt sich das Synonym Flüssiggas sowie das Kürzel LPG (Liquified Petroleum Gas). Campingkocher und Feuerzeuge funktionieren ebenfalls damit. Autogas eignet sich auch als Nachrüstlösung für Benzinmotoren. Das Tankstellennetz ist mit gut 6.000 Säulen sehr dicht. In Polen und Italien ist Autogas schon lange sehr verbreitet. Bei der Verbrennung entsteht etwas weniger CO2 als bei Benzin.

Erdgas (CNG)

Chemisch ist Erdgas im wesentlichen Methan. Es wird unter hohem Druck von etwa 200 bar in die Tanks gepresst. Daher stammt die Abkürzung CNG (Compressed Natural Gas). Die CO2-Ersparnis liegt bei bis zu 25 Prozent. Das Tankstellennetz ist mit rund 1.000 Säulen nur ausreichend. Mehr als ein Drittel der deutschen Haushalte heizen mit Erdgas. Es stammt aus fossilen Quellen, zum Beispiel aus Russland, kann aber auch in Biogasanlagen oder als "Windgas" aus erneuerbaren Quellen produziert werden.

Die größte Stärke des up! ist der Geräuschkomfort. Da macht dem Wagen keiner etwas vor. Man fährt entspannt, und entspannt sollte man sein, denn der Antrieb ist müde. In den Fahrleistungen fällt der eco up! hinter den 91 Kilogramm leichteren Benziner-up! mit 44 kW (60 PS) zurück, obwohl er mit 50 kW (68 PS) nominell mehr Kraft hat. Wer gelassen fährt und für sich unterwegs ist, wird sich daran nicht stören. Alle anderen werden feststellen, dass Runterschalten und Hochdrehen wenig ändern.

Das fällt vor allem im Vergleich zum einzigen Konkurrenten des Erdgas-up! auf, dem Fiat Panda Natural Power. Der 59 kW (80 PS) starke Zweizylindermotor mit Turbolader im Italiener ist viel lebhafter. Das spiegelt sich nicht nur in den Werten für den Sprint von 0 bis 100 km/h wieder – der eco up! braucht dafür laut Hersteller 16,3 Sekunden, der Panda Natural Power 12,8 Sekunden. Auch im Alltag ist der Fiat souveräner.

Den entscheidenden Unterschied liefert das Drehmoment, also vereinfacht gesagt die Zugkraft der Maschine: Der Fiat-Motor entwickelt 145 Nm bei 1.900 Umdrehungen pro Minute, das Aggregat im eco up! kommt auf 90 Nm bei 3.000 Touren. Im Test verbrauchte der Panda etwa 3,8 Kilogramm Erdgas je 100 Kilometer.

Leserkommentare
  1. Falls man , wie wohl die meisten, sein Auto least, bzw. finanziert über mehrere Jahre, dann bezahlt man genauso viel, wie für den Benziner, da man die höheren Raten durch geringere Kraftstoffkosten direkt wieder ausgleicht.

    An die Hybrid Freunde: Ja, ich finde die Hybridtechnik auch toll, aber es ist NICHT die wirtschaftlichere Variante ggü. CNG. Weil 3l Super sind immernoch teurer, als 3,5kg CNG.

    @Umwelt: Ein drittel der CNG Tankstellen in Deutschland bieten inzwischen Biogas aus z.B.: Abfällen an. Das toastet jeden Hybrid bei der Umweltfreundlichkeit und derzeit sogar die E-Autoles.

    • Statist
    • 22. Januar 2013 11:40 Uhr

    wäre ich aus einem anderen Grund für eine derartige Besteuerung gewesen:

    Es würde den Transitverkehr und die Logistik verteuern, weshalb zumindest einige Produkte wieder günstiger regional zu machen wären. Die Einsparung von Fahrten würde sicher der Umwelt mehr helfen als die (geringe) Reduktion des Verbrauchs. Zudem würde es die Straßen ein wenig entlasten.

    Des weiteren stören mich nach wie vor zwei Dinge in Bezug auf Autos:

    1. das Verbrauchsermittlungsverfahren - auf dem ja immerhin die Besteuerung beruht, inclusive der Berechnung für E-Antriebe
    1.1 die Normfahrt sollte eine längere Zeit bei 130 erfolgen (nicht nur jeweils kurz bei 110)
    1.2 Hybride sollten max 30% Akku haben, in der Realität werden sie selten bei 100% aufgeladen sein (zu Fahrtantritt)
    1.3 rein elektrisch sollte auf den Drittelmix bezogen werden
    1.4 Vorab sollte die Außentemperatur 5°C betragen, der Motor sollte kalt starten (betrifft immerhin größere Teile Europas)
    1.5 das Umschalten zwischen den Geschwindigkeiten (beschleunigen/bremsen) sollte der Realität angepasst sein

    2. konzeptionell

    man sollte davon wegkommen, eierlegende Wollmilchsäue als Autos zu bauen. Es spricht m.E. nach überhaupt nichts dagegen, neben den klassischen Modellen so etwas wie den Twizzy aufzuziehen, also ein Minimalauto (für 2 Personen, hintereinander, 2. Sitz umklappbar, möglichst leicht), welches nur für den Stadtverkehr geeignet ist. Ziele: Einkaufen, mittlere Wege, Kind in den KiGa etc, denn ÖPNV deckt nicht jeden Bedarf

    Eine Leserempfehlung
  2. 19. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf die Verlinkung auf Seiten mit kommerziellem Inhalt. Danke, die Redaktion/jp

    • r0me
    • 22. Januar 2013 12:22 Uhr

    ... ist schon wirklich sehr, sehr wenig. Für Stadtschleichereien im Berufsverkehr und zum Ausliefern italienischer Gerichte an bestellwütige Studenten sollte es reichen, auch wenn hierfür der Preis eigentlich schon zu hoch ist. Mich würde interessieren, welche Zielgruppe VW mit dem Up! (als CNG-Variante) ansprechen will.

    Prinzipiell mag die Idee mit dem Gas-Up! keine schlechte sein, aber auch dieser Alternative mangelt es an Nachhaltigkeit.
    Auch der Rohstoff "Erdgas" ist endlich, was letztlich zum gleichen Problem führt wie beim allseits beliebten Benzin (steigende Preise, etc.).
    Momentan mag es noch günstiger sein, doch wie lange?

  3. bis man die Brennstoffzelle und den Wasserstoff in den Griff bekommt und dieses Verfahren einen angemessenen Preis hat. Genauso sehe ich es im Moment mit den Elektroautos. Da ist die Verbrennung von Erdgas und die Hybridtechnik die richtige Brückentechnik.

    Erdgas könnte theoretisch an allen Tankstellen angeboten, die ans Gasnetz angebunden sind. Es gibt also eigentlich kein Problem bei der Infrastruktur. Nachteil bei Erdgas ist das höhere Gewicht im Vergleich zum reinen Benziner.

    Insgesamt ist ein kleines Auto mit Platz für bis zu 4 Personen und einen Co2 Ausstoß von 79g/km der richtige weg, um Umweltfreundlich von A nach B zu kommen. Ob man damit leben kann, dass der Komfort ein wenig dabei leidet, muss jeder für sich selbst entscheiden.

    Der Seat Mii ist auch mit Erdgas zu haben und einige Euro günstiger als der schönere Up!

  4. In eine Amortisationsrechnung gehören auch eventuelle höhere Folgekosten. Erhöhen sich Inspektions- und HU-kosten? Wie verändert sich ggf. die Lebensdauer des Motors/Fahrzeugs? Wieviel km muss ich zusätzlich fahren um CNG tanken zu können?

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    Also aus eigener Erfahrung mit inzwischen 3 Erdgasautos in der Familie und von Taxifahrern kann ich sagen, dass CNG Autos die gleiche Zuverlässigkeit, wie Benziner aufweisen.

    B-Klasse CNG Taxis fahren im Alltag 400.000km ohne größere Defekte an Tanktechnik oder Motor.

    Ist auch logisch: Hochdruck-Gastechnik ist eine seit einem Jahrhundert etablierte ausgereifte Technologie. Der Einzige Unterschied zum Benzinmotor besteht im Einspritzsystem und in der etwas höheren Verdichtung.

    btw. CNG Kisten brennen bei Unfällen nicht so oft, wie Benziner. Sicherheit++

  5. Also aus eigener Erfahrung mit inzwischen 3 Erdgasautos in der Familie und von Taxifahrern kann ich sagen, dass CNG Autos die gleiche Zuverlässigkeit, wie Benziner aufweisen.

    B-Klasse CNG Taxis fahren im Alltag 400.000km ohne größere Defekte an Tanktechnik oder Motor.

    Ist auch logisch: Hochdruck-Gastechnik ist eine seit einem Jahrhundert etablierte ausgereifte Technologie. Der Einzige Unterschied zum Benzinmotor besteht im Einspritzsystem und in der etwas höheren Verdichtung.

    btw. CNG Kisten brennen bei Unfällen nicht so oft, wie Benziner. Sicherheit++

    3 Leserempfehlungen
    • ecerium
    • 22. Januar 2013 13:05 Uhr

    5,4 Liter für einen up sind ein paar Schluck zu viel, aber Sprit sparen interessiert bei VW ohnehin keinen. Mir hat erst vor Kurzem ein Tiguan-Benziner mit 10 l/km (100 PS) die Tränen in die Augen getrieben, die Transporter schlucken 50 % mehr als vergleichbare Modelle. Schleierhaft, warum VW noch so populär ist. Anscheinend ist Benzin tatsächlich noch viel zu billig.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Fiat | Volkswagen | Erdgas | Euro | Internetportal | Auto
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