GebrauchtwagenHändler haften für den Tachostand

Der Tachostand eines Gebrauchtautos muss im Internet richtig genannt sein. War er falsch, darf der Käufer vom Händler das Geld zurückfordern. von 

Wer sich ein gebrauchtes Auto kaufen möchte, will sich auf die Angaben des Händlers verlassen können. Das gilt auch für eine im Internet veröffentlichte Anzeige, zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf (Az.: I-3 W 228/12). Handelt es sich um eine so wichtige Größe wie den Kilometerstand, darf der Käufer auch vom Vertrag zurücktreten, wenn die Angabe falsch war.

Eine falsche Zahl sei ein erheblicher Sachmangel, der den Rücktritt vom Kaufvertrag zulasse, so die Richter. Nur wenn der Verkäufer in der Anzeige deutlich mache, dass er nicht sicher ist, ob der Tachostand stimmt, müsse er dafür nicht einstehen, urteilten die Richter.

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In dem Fall hatte ein Mann einen sieben Jahre alten VW Lupo gekauft, den ein Händler auf der Internetplattform mobile.de angeboten hatte. Der Händler hatte den Wagen mit einem Kilometerstand von 137.800 Kilometern beworben. Im Kaufvertrag tauchte der Wert nicht mehr auf. Laut Händler wurde auch beim Verkaufsgespräch nicht über die Laufleistung gesprochen.

Händler hätte sich einfach befreien können

Der spätere Kläger kaufte den Wagen – und musste feststellen, dass der Wagen schon viel mehr Kilometer zurückgelegt hatte: Es waren tatsächlich schon drei Jahre vor dem Verkauf mehr als 270.000 Kilometer. Bei einem späteren Werkstattbesuch hatte der Lupo dann nur noch rund 215.500 Kilometer auf dem Tacho – ganz offenkundig war der Tacho manipuliert worden. Die Tachostände ließen sich mit der VW-Werkstatthistorik rekonstruieren. Allerdings ließen sich die Manipulationen dem Verkäufer nicht nachweisen. Er wusste nach eigener Aussage auch nichts davon.

Das war für die Richter am OLG Düsseldorf jedoch unerheblich. Der niedrigere Kilometerstand war in der Online-Anzeige ohne weitere Einschränkung genannt worden. Das sei als Beschaffenheitsgarantie anzusehen, urteilten die Richter. Wird im später geschlossenen schriftlichen Kaufvertrag die Laufleistung nicht mehr erwähnt, müsse sich der Händler auf die Angabe im Inserat festnageln lassen.

Wolle er dies vermeiden, hätte er "nach Angaben des Vorbesitzers" oder "abgelesener Tachostand" schreiben müssen. Darum gab das OLG dem Kläger recht: Er darf vom Verkäufer eine Rücknahme des Fahrzeugs und die Erstattung des Kaufpreises und der Überführungs- und Reparaturkosten verlangen.

Leserkommentare
    • zappp
    • 16. Januar 2013 15:23 Uhr

    Wenn die Hersteller kein Interesse an fälschungssicheren Tachos an den Tag legen und die Händler Inzahlungnahmen nur oberflächlich prüfen, dann verdienen sie es vom Markt zu verschwinden.

  1. Ihr Erlebnis zeigt ja, wie man da wirklich über den Tisch gezogen wird. Meine Vermutung ist die, dass die Auto-Lobby einfach zuviel Einfluß hat, als dass sie "marktschädigende"
    Einflüsse untebinden würde, was sie ja tun würde, wenn der Händler ein Auto mit Mehr-KM verkaufen müsste, statt wie Ihnen leider pasiert das ganze, de Technik sei Dank, als "neuwertiger" verkaufen würde. Eigentlich verwunderlich, das der Staat hier keine Mehrwertsteuer zusätzlich verlangt, denn der ist ja tatsächlich da, wenn ein Autor plötzlich 100KkM weniger auf dem Buckel hat. Verzeihen Sie den kleinen Scherz. Ich denke Ihnen wird wahrscheinlich nicht nach Scherzen zumute gewesne sein, als Sie erfahren haben, was Ihr Auto tatsächlich auf dem Buckel hat?
    Mann kann da eigentlich nur sagen, wo ein WIlle da ein Weg. Aber da kein Weg da, ist wohl auch kein Wille da.

    • zappp
    • 17. Januar 2013 4:44 Uhr

    Die Hersteller sitzen auf Überkapazitäten für die Produktion technisch überzüchteter und überteuerter Autos. Die lassen sich nur übers Firmenkundengeschäft einigermaßen auslasten. Das wiederum funktioniert nur, weil die zu versteuernden geldwerten Vorteile für die private Nutzung unter- und die Restwerte überkalkuliert sind. Und wenn die Händler beim zurückgedrehten Leasingrückläufer nicht beide Augen zudrücken und bewußt nur oberflächlich prüfen, dann gibt es keinen Anschlußvertrag für einen Neuwagen. Fälschungssichere Tachos störten das System. Die Wartungshistorie wird erst recherchiert, wenn ein späterer privater Käufer nach Garantiereparatur oder Kulanz fragt.

    Vielleicht dämmert es mittlerweile manchem markenbewußtem privatem Gebrauchtwagenkäufer, dass die für unter 50% vom (Mond-) Listenpreis angeboteten Ex-Firmenwagen doch kein Schnäppchen sind. Mit professioneller Aufbereitung lassen sich durchaus 200.000km in optischen Jahreswagenzustand versetzen. Die in Inserat und Verkaufsgespräch gemachten Versprechungen dann im schriftlichen Kaufvertrag wegzulassen oder zu relativieren ("abgelesener" Tachostand) ist eine uralte Masche unseriöser Verkäufer.

    • zappp
    • 17. Januar 2013 4:44 Uhr

    Die Hersteller sitzen auf Überkapazitäten für die Produktion technisch überzüchteter und überteuerter Autos. Die lassen sich nur übers Firmenkundengeschäft einigermaßen auslasten. Das wiederum funktioniert nur, weil die zu versteuernden geldwerten Vorteile für die private Nutzung unter- und die Restwerte überkalkuliert sind. Und wenn die Händler beim zurückgedrehten Leasingrückläufer nicht beide Augen zudrücken und bewußt nur oberflächlich prüfen, dann gibt es keinen Anschlußvertrag für einen Neuwagen. Fälschungssichere Tachos störten das System. Die Wartungshistorie wird erst recherchiert, wenn ein späterer privater Käufer nach Garantiereparatur oder Kulanz fragt.

    Vielleicht dämmert es mittlerweile manchem markenbewußtem privatem Gebrauchtwagenkäufer, dass die für unter 50% vom (Mond-) Listenpreis angeboteten Ex-Firmenwagen doch kein Schnäppchen sind. Mit professioneller Aufbereitung lassen sich durchaus 200.000km in optischen Jahreswagenzustand versetzen. Die in Inserat und Verkaufsgespräch gemachten Versprechungen dann im schriftlichen Kaufvertrag wegzulassen oder zu relativieren ("abgelesener" Tachostand) ist eine uralte Masche unseriöser Verkäufer.

    • zappp
    • 17. Januar 2013 4:44 Uhr

    Die Hersteller sitzen auf Überkapazitäten für die Produktion technisch überzüchteter und überteuerter Autos. Die lassen sich nur übers Firmenkundengeschäft einigermaßen auslasten. Das wiederum funktioniert nur, weil die zu versteuernden geldwerten Vorteile für die private Nutzung unter- und die Restwerte überkalkuliert sind. Und wenn die Händler beim zurückgedrehten Leasingrückläufer nicht beide Augen zudrücken und bewußt nur oberflächlich prüfen, dann gibt es keinen Anschlußvertrag für einen Neuwagen. Fälschungssichere Tachos störten das System. Die Wartungshistorie wird erst recherchiert, wenn ein späterer privater Käufer nach Garantiereparatur oder Kulanz fragt.

    Vielleicht dämmert es mittlerweile manchem markenbewußtem privatem Gebrauchtwagenkäufer, dass die für unter 50% vom (Mond-) Listenpreis angeboteten Ex-Firmenwagen doch kein Schnäppchen sind. Mit professioneller Aufbereitung lassen sich durchaus 200.000km in optischen Jahreswagenzustand versetzen. Die in Inserat und Verkaufsgespräch gemachten Versprechungen dann im schriftlichen Kaufvertrag wegzulassen oder zu relativieren ("abgelesener" Tachostand) ist eine uralte Masche unseriöser Verkäufer.

  2. Der Fall:
    Ich habe über mobile.de ein Fahrzeug gekauft welches als "scheckheftgepflegt" angeboten wurde. Bei der Abholung lag kein solches vor. Der Verkäufer stellte mir ein Dokument aus, in dem er sich verpflichtete, das Scheckheft kurzfristig nachzureichen.
    Als dieses nicht geschah (es hat sich herausgestellt, dass nie eines existiert hat) bestand ich auf Rücknahme des Fahrzeugs. Der Richter am OLG München war der Meinung, dass es sich bei einem Scheckheft um ein unwichtiges Detail handelt und lehnte meine Klage ab !!
    Meine Empfehlung: Jede Schrottkarre mit manipuliertem Tacho als "scheckheftgepflegt" zu verkaufen !!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Audi | Anzeige | Auto | Bundesgerichtshof | Fahrzeug | Gebrauchtwagen
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