CivicHonda schrumpft den Diesel

Honda bot für den Civic bisher nur einen Dieselmotor, dessen 150 PS für manche zu viel waren. Nun verpassen die Japaner ihrem Modell einen kleineren, sparsamen Diesel. von Marcel Sommer

Honda Civic

Honda Civic  |  © Hersteller

Alle 138 Sekunden wird im britischen Swindon ein neuer Honda-Motor produziert. 500 Stück sind es am Tag. Das Besondere ist allerdings nicht die Stückzahl, sondern der Motor an sich: Honda verpasst seinem Civic einen neuen Dieselmotor. Das 1,6 Liter große Vierzylinder-Triebwerk wird von April an in dem leicht futuristisch anmutenden Kompaktwagen und ab September auch im Kompakt-SUV Honda CR-V arbeiten.

Honda folgt mit dem neuen Motor dem Trend des Downsizing: Er ergänzt das bisherige 2,2-Liter-Aggregat, das mit 110 kW (150 PS) manchem zu leistungsstark ist. Der kleinere Diesel bietet 88 kW (120 PS) und ist mit 170 Kilogramm um 47 Kilogramm leichter als der größere Bruder.

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Der speziell für den europäischen Markt entwickelte 1.6 i-DTEC zeigt sich zudem laufruhiger und sparsamer. Das liegt vor allem an der geringeren Reibung in dem Aluminiummotor. Die Honda-Ingenieure haben gute Arbeit geleistet: Der Spritverbrauch von 3,6 Litern je 100 Kilometer überrascht – so wenig benötigt kaum ein Motor mit solcher Leistung. Denn zugleich bietet das 1,6-Liter-Triebwerk mit 300 Newtonmetern nur 50 Nm weniger Drehmoment als der größere Motor.

Schwammige Lenkung

Ein ebenfalls neu entwickeltes Getriebe bringt die Energie des 1.6 i-DTEC an die Vorderräder des Honda Civic. Der Kompaktwagen schafft damit den Sprint von 0 auf 100 Stundenkilometer in 10,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 206 km/h. Das neue Aggregat ist zwar um ein paar Dezibel leiser als sein Vorgänger, nagelt aber bei höheren Drehzahlen immer noch recht laut. Positiv fällt dennoch die Laufruhe auf, vor allem im Stand.

Enttäuscht hat die Start-Stopp-Automatik: Bisweilen ließ sie sich auch durch Auskuppeln nicht zur Arbeit überreden. Das erschwert es dem Fahrer, den Normverbrauch von 3,6 Litern überhaupt zu erreichen. Bei Testfahrten nahm sich der Motor je 100 Kilometer deutlich mehr aus dem Tank.

Der 4,30 Meter lange Civic überzeugt mit einer ordentlichen Fahrdynamik. Dafür sorgt neben dem neuen Sechsgang-Schaltgetriebe auch das Leergewicht von 1.346 Kilogramm. Die Lenkung fällt noch etwas zu schwammig aus. Ein wenig mehr Präzision würde ihr gut stehen.

Heck des Honda Civic

Heck des Honda Civic  |  © Hersteller

Abgesehen vom Schleuderschutz ESP und einem Tempomat gibt es im Civic keine Assistenzsysteme für ein stetiges Spur- oder Abstandhalten. Das überarbeitete Modell, so modern es von außen wirken mag, verzichtet auf das vom Honda Accord bekannte Überangebot an piepsenden und blinkenden Helferlein – im Civic ist der Fahrer noch selbst für sein sicheres Ankommen verantwortlich.

Dass über Geschmack durchaus gestritten werden kann, zeigt das nach wie vor extravagante Heck des Civic. Und selbst wer Gefallen daran findet, dürfte ohne den Luxus einer Rückfahrkamera echte Schwierigkeiten während des Einparkmanövers bekommen. Wegen des Designs beträgt die Übersicht nach hinten fast null. Nach vorn ist sie auch nicht besser. Hier hilft auf Wunsch ein Einparkpieper.

Auffällig – auch wenn sie nur knappe 15 Zentimeter lang sind – erscheinen auf den beiden hinteren Radkästen zwei senkrecht zum Boden verlaufende Streben. Diese beiden Anbauten wirken auf den ersten Blick wie zwei übrig gebliebene und spontan verklebte Spoilerkanten. Honda verbaut sie nur an den Dieselfahrzeugen, und sie sollen tatsächlich aerodynamische Funktionen besitzen – ein Relikt aus der Formel-1-Zeit des japanischen Autobauers.

Rückbank wie im Kino

Pluspunkte bekommt der Civic für seinen Kofferraum: Das neue Umklappsystem zur Vergrößerung des Ladevolumens schont die Sitzoberflächen der Rückbank. 1.378 Liter schluckt der Fünfsitzer in der umgeklappten Zweisitz-Konfiguration.

Auf Wunsch kann aber auch mal eben ein Kasten Wasser durch die fast um 90 Grad öffnende Fondtür in den Fußraum gewuchtet werden. Damit das Leder nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, lässt sich die Rückbank mit einem Handgriff hochklappen – wie die Stühle im Kino. So wird der Fußraum sogar zu einer kleinen Ladezone, die auf Dauer dem Kofferraum den Rang ablaufen könnte.

Der Preis für den Civic mit dem neuen kleineren Dieselantrieb soll voraussichtlich knapp 1.500 Euro unter dem für den 2,2-Liter-Civic liegen. Das ergäbe einen Basispreis von etwa 18.000 Euro.

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Leserkommentare
  1. sind ein Freifahrschein für Designer. Es besteht darum überhaupt keine Veranlassung mehr ein Auto übersichtlich zu gestalten.

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    Es gibt eine breite Stömung, die signalisiert dem Käufer emotional... "wie willst Du von außen wahrgenommen werden - sicher agil, sexy, sportlich ... also kauf mich". Diese Stimme "peift" auf Ergonomie, Übersicht in die Umgebung (große Scheiben). Hier spielt der neue seine Vorteile aus ... in der klassischen Coupésicht.

    Der Motor hat überraschende Topwerte: 3,6 Liter/100km und 300 Nm sind schon TOP-Werte. Es darf aber gespannt sein, welche Werte sich in der Realität einspielen.

    Zu Übersichtlichkeit hat HONDA bessere Autos:
    http://www.zeit.de/auto/2...

    Nur werde diese dann als pummelig und häßlich wahrgenommen. Viele Käufer wollen "schön" unterwegs sein und nehmen dabei auch gewisse Einschränkungen in Kauf. Ob das logisch ist ... ist mehr ein philosophischer Ansatz. Je jünger der Mensch ist, desto wichtiger sind für in attraktive optische Werte (=Reize).

    Auch Daimler brach mit der alten ergonomisch sinnvollen A-Klasse, die sogar bestens auf das Hybrid- und Elektrozeitalter vorbereitet war (doppelter Fahrzeugboden) - es folgte auch hier die schickere flache neue Coupé-A-Klasse.

    Nach jedem breiten Trend folgt aber wieder ein Gegentrend. Der heißt Miniatur-SUV. Diese Kategorie koppelt die guten ergonomischen Eigenschaften mit auch "jugendlich-sportlicher-Akzeptanz". Für Marketing- und Verkaufsstrategen eine gute Orientierung. Daher kündigen bereits viele Hersteller neu "Miniatur-SUV-Ableger" auf ihre Kleinplattformen an. Geht doch.

  2. Es gibt eine breite Stömung, die signalisiert dem Käufer emotional... "wie willst Du von außen wahrgenommen werden - sicher agil, sexy, sportlich ... also kauf mich". Diese Stimme "peift" auf Ergonomie, Übersicht in die Umgebung (große Scheiben). Hier spielt der neue seine Vorteile aus ... in der klassischen Coupésicht.

    Der Motor hat überraschende Topwerte: 3,6 Liter/100km und 300 Nm sind schon TOP-Werte. Es darf aber gespannt sein, welche Werte sich in der Realität einspielen.

    Zu Übersichtlichkeit hat HONDA bessere Autos:
    http://www.zeit.de/auto/2...

    Nur werde diese dann als pummelig und häßlich wahrgenommen. Viele Käufer wollen "schön" unterwegs sein und nehmen dabei auch gewisse Einschränkungen in Kauf. Ob das logisch ist ... ist mehr ein philosophischer Ansatz. Je jünger der Mensch ist, desto wichtiger sind für in attraktive optische Werte (=Reize).

    Auch Daimler brach mit der alten ergonomisch sinnvollen A-Klasse, die sogar bestens auf das Hybrid- und Elektrozeitalter vorbereitet war (doppelter Fahrzeugboden) - es folgte auch hier die schickere flache neue Coupé-A-Klasse.

    Nach jedem breiten Trend folgt aber wieder ein Gegentrend. Der heißt Miniatur-SUV. Diese Kategorie koppelt die guten ergonomischen Eigenschaften mit auch "jugendlich-sportlicher-Akzeptanz". Für Marketing- und Verkaufsstrategen eine gute Orientierung. Daher kündigen bereits viele Hersteller neu "Miniatur-SUV-Ableger" auf ihre Kleinplattformen an. Geht doch.

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  • Schlagworte Diesel | Honda | Dieselmotor | Motor
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