Kühlmittel Klimaschutz auf Kosten der Sicherheit
Ein neues umweltfreundliches Kältemittel in Auto-Klimaanlagen gefährdet bei Unfällen Insassen und Unfallhelfer. Alle tun überrascht – dabei waren die Probleme bekannt.
Alles hätte so schön sein können. Das neue Kältemittel für Autoklimaanlagen namens R1234yf glich einem Wundermittel: Es ist nicht nur rund 99 Prozent klimafreundlicher. Die Autohersteller können damit auch ihre bisher verwendeten Klimaanlagen ohne teure Änderungen weiterbauen.
Groß waren die Hoffnungen der Kältemittelhersteller: Die US-Chemieunternehmen Honeywell und Dupont haben erst im Oktober eine Produktionsanlage in der chinesischen Stadt Changshu in Betrieb genommen. Gute Geschäfte lockten, denn seit Anfang dieses Jahres müssen in Europa alle Neuwagen mit dem neuen Kältemittel ausgerüstet sein.
Eigentlich. Doch plötzlich gehen Autos bei Crashtests in Flammen auf, und hochgiftige Flusssäure tritt aus. Schuld ist das neue Wundermittel. Nun ist die ganze Branche alarmiert. Denn 10.000 Fahrzeuge sind mit der neuen Chemikalie bereits ausgestattet, die das Fachblatt AutoBild als "Killer-Kältemittel" brandmarkte.
Daimler stellte die Gefahr in einem Test als Erster fest und zog die Notbremse: Bei Unfällen könne R1234yf zu einem enormen Risiko für Insassen werden, teilte das Unternehmen mit. Auch Ersthelfer wären in Gefahr. Daimler rief prompt 705 Mercedes-SL-Sportwagen zurück, die als erste Serienautos mit dem neuen Kältemittel auf dem Markt waren. Zurück in der Werkstatt, füllten die Mechaniker wieder die alte, nicht brennbare Chemikalie ein.
Man hätte gewarnt sein können
Das ist gegen das Gesetz. Denn seit dem 1. Januar machen sich Autohersteller mit jedem neu zugelassenen Fahrzeug strafbar, das mit dem alten Kühlmittel fährt.
Daher hat Daimler bei der zuständigen EU-Kommission ein halbes Jahr Aufschub erbeten, um nach ungefährlicheren Alternativen zu suchen. Doch bisher schweigt Brüssel. Alle prüfen den ungeheuerlichen Verdacht. Auch die Lobbyisten vom Verband der Automobilindustrie (VDA) sind an der Sache dran. Nur sagen wolle man noch nichts. Auch das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg, das einzig den Rückruf anweisen kann, prüft, ob das Kühlmittel einen gefährlichen Mangel darstellt. Wann Ergebnisse vorliegen, wollte aber auch in der Flensburger Behörde niemand sagen.
Dabei waren die Probleme längst bekannt. Die Bundesanstalt für Materialprüfung in Berlin verweist auf ein Gutachten für das Umweltbundesamt, das bereits 2010 auf die Brennbarkeit des Stoffes und den Austritt gefährlicher Flusssäure hinweist. Allein: Die Frage, warum weder Autohersteller noch Behörden früher das Mittel unter realistischen Bedingungen – statt nur im Labor – geprüft haben, will oder kann niemand beantworten.
- Datum 02.02.2013 - 13:37 Uhr
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- Quelle WirtschaftsWoche
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Ist es ist mal wieder Zeit für eine Inszenierung wie seinerzeit beim Elchtest? Mir scheint dass hier noch eine pressewirksame Veranstaltung nach der anderen folgen könnte.
Am Ende wird dem Verbraucher eine sicherere Lösung teuer verkauft!
Wer will das nicht?
Autos gibt es viele. Welches gekauft wird, ist häufig eine emotionale Entscheidung. Wenn Autobild es als "Killer-Kältemittel" beschreibt, ist es populistische Panikmache. AUTBILD lädt das neue Kälemittel "emotional negativ" auf.
In vielen Autos wird nch das alte umweltschälichere Mittel verkauft, weil die Baureihe schon länger läuft. Neue Baureihen müssen es nutzen. Ärgerlich ist es für die neuen Baureihen, weil auch wohl die Servicekosten der Klimaanlagen steigen werden. Wenn nur momentan wenige Autos das neue Kältemittel haben, muss die Werkstatt totzdem investieren und die Kosten auf weniger Autos umlegen. Es dürfte teurer werden.
Und eine neue Technik steht bald auch vielleicht vor der Tür:
http://www.wiwo.de/techno...
Dies wäre allerdings keine Evolution der alten Technik, sondern eine Revolution.
Die Situtation ist vertrakt. Hier das neue Mittel, umweltfreundlicher, und ohne Technikeinschränkung in bestehenden Anlagen verwendbar. Dort das alte Mittel - aber umweltgefährlicher und klimaschädlicher (aber harmloser im Unfallereignis). Dort CO2, aber nur bei Anlagenneukonstruktion zu verwenden, was die Technikkosten etwas nach oben treibt. Dort eine vielleicht völlig neue Technologie.
Der EU-Druck eine einheitliche Enscheidung durchzusetzen ist schon richtig. Es bietet eine klare Orientierung für Kunden und Hersteller. Trotzdem beginnt nun eine neue Suche nach einer neuen Technik.
Klimaanlage im Auto?
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Heizung ja, hier in Europa, aber "kühlen"? Diese thermisch "suboptimalen" Blechbüchsen. Ist genau so sinnvoll wie das "klimatisieren" einer Wellblechbaubude:)
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Ich schätze einmal mit "passiven" Elementen aka Verringerung des Wärmeeintrages, Konvektionskühlung .... wäre da mehr "Klimaschutz" zu erreichen.
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Meint
Sikasuu
(der schon oft in Wüstenländern gut gekühltes Trinkwasser aus dem Segeltuchwassersack auf dem Dachgepächträger genossen hat!)
in der Klimaanlage ist ungefährlich? Brennt doch auch, nicht nur im Gasbrenner.
("Interpretationsverschiebung" kannte ich bisher nicht, und ich bin unsicher ob ich das Wort richtig verstehe. so ne Art Richtigstellung?)
Überrascht tun jetzt nur diejenigen, die sich von der Lobby der Chemieindustrie haben "landschaftspflegen" lassen.
Ursprünglich hatte sich der VDA nämlich zur Verwendung von CO2 in Auto-Klimaanlagen verpflichtet, dies aber 2009 zurückgenommen und sich für das damals bereits als gefährlich bekannte R1234yf entschieden.
Wie diese Entscheidungsänderung zustande gekommen ist, sollte eigentlich von unabhängiger Seite genauestens untersucht werden. Das wird aber, wie immer in solchen Fällen, ganz sicher nicht passieren...
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