Mercedes E-KlasseDas Vier-Augen-Gesicht hat ausgedient

In zwei Wochen feiert die neue E-Klasse Messepremiere in Detroit. Coupé- und Cabrioversion kommen erst im Juni zu den Händlern. Lohnt sich das Warten? von Wolfgang Gomoll

Die E-Klasse hat im vergangenen Jahr die Erwartungen von Mercedes-Benz nicht erfüllt. Bis Ende November 2012 wurden in Deutschland 42.736 Exemplare des Manager-Mercedes verkauft. Vom BMW 5er waren es 44.230 und vom Audi A6 50.253 Fahrzeuge.

Diese Abstimmung beim Autohändler ist ein harter Schlag in das Kontor der Schwaben, schließlich ist die E-Klasse das wichtigste Modell von Daimler. Händler sprachen von enttäuschenden Verkaufszahlen. Also musste Mercedes handeln, um in der oberen Mittelklasse wieder Boden gutzumachen. Die Stuttgarter nahmen richtig viel Geld in die Hand: Die Modellpflege der E-Klasse kostete fast eine Milliarde Euro, das wohl teuerste Facelifting in der Firmengeschichte. Weltpremiere feiert die überarbeitete Limousine Mitte Januar auf der Automesse in Detroit.

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Das Design wurde deutlich aufgefrischt. Das altbekannte Vier-Augen-Gesicht ist passé: Die diamantförmigen Doppelscheinwerfer sind verschwunden, ebenso die pausbäckigen Ponton-Anleihen der hinteren Radläufe. Die neuen Frontscheinwerfer mit LED-Technik wirken moderner, die neuen Rückleuchten lassen das Heck breiter und bulliger als bisher wirken. Auch das Cockpit ist mit drei Rundinstrumenten und einer Analog-Uhr in der Mittelkonsole neu gestaltet.

Zwei unterschiedliche Kühlergrills

Die Cabrio- und Coupé-Varianten des Mercedes E profitieren optisch am meisten von der dynamischeren Linienführung. Beim Coupé fehlt die B-Säule, und die Dachlinie fällt ohne die hinteren Türen ab. Die neuen einteiligen Scheinwerfer, die kantigere Motorhaube und die größeren LED-Heckleuchten passen zu dem sportlichen Duo.

Am Kühlergrill erkennt man die unterschiedlichen Modelle: Bei der Limousine und dem Kombimodell T zieren mindestens zwei verchromte Querstreben die Front, bei Coupé und Cabrio nur eine. Der Stern prangt immer mittig, nur in der Ausstattungslinie Elegance der Limousine und des T-Modells thront er traditionell auf der Haube.

Technisch bietet die neue E-Klasse unter anderem eine mit einer Stereokamera arbeitende Fußgänger-Notbremsfunktion und einen aktiven Spurhalteassistenten, der jetzt auch Unfälle mit dem Gegenverkehr verhindern soll. Das Arsenal an Assistenzsystemen nimmt schon Entwicklungen vorweg, die für die S-Klasse vorgesehen waren. Das zeigt, wie wichtig der Erfolg der modellgepflegten E-Klasse für den schwäbischen Autobauer ist.

Motor ab 184 PS

Der Käufer kann für Cabrio oder Coupé eine Motorvariante zwischen 184 und 408 PS wählen – sechs Benziner und drei Diesel sind im Angebot. Alle Aggregate haben ein Start-Stopp-System. Neu ist der 184 PS starke Ottomotor mit Direkteinspritzung als Einstiegsmodell im E 200. Der Vierzylinder bietet ein maximales Drehmoment von 300 Nm und verbraucht offiziell 5,8 Liter Super je 100 Kilometer. Die Kombination aus Magerschichtverbrennung, Turboaufladung und einer mit sehr hohem Druck arbeitenden Abgasrückführung führt dazu, dass der Motor die Abgasnorm Euro 6 erfüllt.

Auch der jetzt zweifach aufgeladene Sechszylinder-Motor im E 400 mit 333 PS schafft die Euro-6-Norm. Er verbraucht 7,7 Liter auf 100 Kilometer. Topmodell bleibt der E 500 4matic mit 408 PS und 600 Nm maximalem Drehmoment. Bei den Getrieben gibt es nichts Neues. Der Kunde hat die Wahl zwischen einem manuellen Sechsganggetriebe und der bekannten Siebengang-Automatik.

Die Coupé- und Cabrio-Fans müssen sich allerdings noch etwas gedulden. Diese beiden Varianten der E-Klasse kommen erst im Juni in die Schauräume der Händler. Den Auftakt machen die Limousine und das T-Modell, die voraussichtlich ab März zu haben sind. Aber die Cabrio-Saison ist ja auch erst im Sommer.

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Leserkommentare
  1. und die wird - solange der Herr Wagener bei Mercedes Narrenfreiheit genießt - wohl nie mehr wieder kommen. Mercedes hat mich, der ich den Stern förmlich mit der Muttermilch aufgesogen habe (Heckflosse, Strich-8, W123 im Elternhaus - selbst W201, 3 x W124T und zum Schluß einen W210, das Desaster) als Neuwagenkäufer verloren. Ich fahre gemütlich meine Youngtimer mit Stern und freue mich daran, daß es noch genügend Geldverbrenner gibt, die die Neuwagen von Mercedes kaufen. So ist wenigstens gesichert, daß ich noch jederzeit Teile für die Altbenze bekomme.

  2. Ja, ich habe mich auch auf Ihren Kommentar bezogen, aber auch andere angesprochen.
    Ich muß Ihnen jetzt auch nochmal in dem Punkt Recht geben, dass mit dem neuen ("organischeren angeformten") Design ein Stilbruch begangen worden ist.
    Auch hier nochmal kurz ein Vergleich zu BMW: Der alte 1er war toll, der daraus hervorgegangene X1 hat mich schockiert, weil dort alles (sorry, salopp gesagt) "rundegelutscht" aussieht. BMW hat schon ein sehr solides Design. Am konsequentesten ist m.E. Audi, aber an dem dominanten Grill habe ich mich mittlerweile auch satt gesehen.
    Es ist heutzutage schwer etwas Neues zu gestalten. Vielleicht sind die Unterschiede deshalb so deutlich.
    Um aber auf Ihren Einwand zurückzukommen und meine Zustimmung zu dem Bruch Front-/Heckpartie auszudrücken: Ich habe oft das Gefühl, dass sehr unterschiedliche Designvorschläge aus internen Prozessen umgesetzt werden und Front und Heck oft gar nicht zusammenpassen. Das wirkt dann oft so gewollt und dann ist nicht mal das einzelne Fahrzeug "aus einem Guss". Da würde ich mir oft mehr Mut der Entscheider wünschen. Weil ich mir ziemlich sicher bin, dass bei allen Automobilherstellern extrem talentierte Designer am Werk sind, deren Entwürfe oft nicht durchgesetzt werden und dann ein schlapper Kompromiss das Endergebnis ist. Viele Köche verderben nunmal den Brei. Je mehr Instanzen bei Entscheidungsprozessen, desto schlechter schmeckt's dann auch.

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    • RGFG
    • 04. Januar 2013 19:17 Uhr

    Es gab auf n-tv mal einen 'gesponserten Bericht' über die Entwicklung bei BMW: offensichtlich heißt es da "the winner takes it all" - d.h. es gibt einen Designer für's Exterieur und einen für Interieur. Die gewinnen mit ihren jeweiligen Entwürfen ganz oder gar nicht.

    Jau, den sehe ich auch gerne, vor allem wie er ganz schnell im Rückspiegel kleiner wird.

  3. ...zum Thema Design bei MB unbedingt den Mercedes Ener-G-Force anschauen ;)

    • RGFG
    • 04. Januar 2013 19:17 Uhr

    Es gab auf n-tv mal einen 'gesponserten Bericht' über die Entwicklung bei BMW: offensichtlich heißt es da "the winner takes it all" - d.h. es gibt einen Designer für's Exterieur und einen für Interieur. Die gewinnen mit ihren jeweiligen Entwürfen ganz oder gar nicht.

    Antwort auf "@JarodRussell"
    • IQ130
    • 04. Januar 2013 20:59 Uhr

    durften wir tatsächlich mehrfach erleben. Am Ende wollte ich vom kfz-verkäufer wissen, wie viel er denn verdiene.

    Es gibt natürlich eine Reihe von Alternativen, die wir gerne nutzten. Heute sind wir dem arroganten M-Verk. dankbar, da wir ein tolles und zweckmäßiges Auto zu einem weitaus günstigeren Preis fanden.

    Übrigens: Selbst ein Brief nach Stuttgart zum Beratungsvorgang wurde nicht beantwortet.

    Wir gehen nicht mehr zu einem Mercedes-Händler. So einfach kann der Nicht-Mercedes-Kauf sein.

  4. Um die Sache mal ganz nüchtern zu betrachten:

    Beim VW-Golf findet ein Baureihenwechsel alle 5 Jahre statt. Das Design ist langweilig und bieder, aber man kann die verschiedenen Modellreihen gut auseinanderhalten. Der Standard-Käufer wird alle 5 Jahre genötigt, sich ein neues Fahrzeug anzuschaffen, wenn er nicht mit einem alten Modell herumfahren will.

    Bei Mercedes findet der Baureihenwechsel regulär alle 7 Jahre statt. Der Käufer hat hier etwas mehr Zeit.
    Aufgrund der Verkaufszahlen wurde der Wechsel jetzt nach 5 Jahren vollzogen.

    Ansonsten lese ich hier doch teilweise ziemlich übersteigerte Anforderungen an die Marke MB.

    Ein großer Teil der E-Klassen geht an den Fuhrpark/Firmenwangen von Konzernen. Hier wird mittlerweile mit einem ziemlich spitzen Stift kalkuliert. Das Markenimage, dass ja auch von der Presse kräftig heruntergeschrieben wird, rechtfertig kaum noch einen Mehrpreis.

    Auf der anderen Seite kann ein Audi auch viel kostengünstiger hergestellt werden, weil der letztendlich nur ein VW mit anderem Label ist.

    Unter diesen Voraussetzungen eine höhere Qualität und Service von MB erwarten, aber nur den Preis eines Audis (oder noch weniger) zahlen wollen, passt nicht zusammen.

    Nebenbei ist auch die Anzahl der Zulieferbetriebe überschiebar geworden. Teilweise produzieren die für alle drei Anbieter.

    In der Zukunft wird sich bei Mercedes und BMW einiges tun müssen. Genießen wir die Zeit, wo es diese eigenständigen und in Deutschland produzierten Modelle gibt.

    Antwort auf "Arroganz"
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    ....verkauft werden soll, braucht man sich da wohl
    keine Gedanken machen. Oder?

    "Der Standard-Käufer wird alle 5 Jahre genötigt, sich ein neues Fahrzeug anzuschaffen, wenn er nicht mit einem alten Modell herumfahren will."

    Gut, aber dafür muss auch schon eine sehr spezielle Beziehung zu seinem Auto haben, wenn man Probleme damit hat, dass man nicht mehr das aktuellste Modell fährt ;)

  5. ....ich werde es nie vergessen, als wir (eine Frau und zwei Mannsbilder)
    bei Mercedes-Benz in Muenchen-Neuperlach vor dem Schreibtisch standen,
    ueber dem ein Schildchen hing: Reparaturannahme PKW. Geschlagene
    20 Minuten (!!!) plapperte der Reparaturannehmer in sein Hdy ohne auch nur
    ein einziges Mal zu uns aufzusehen.....
    Kabarett-Reif war in dieser Situation das Gross-Poster, das hinter ihm hing:
    "Wir lassen Sie nicht stehen".
    Waehrend der ganzen Zeit grinste uns der Mensch hinter einem Schreibtisch
    an, ueber dem ein Schildchen hing "Reparaturannahme Nutzfahrzeuge" und
    als ich schliesslich zu ihm ging, um meine Raparatur anzumelden, deutete er
    nur wortlaus auf sein Schildchen......

    Fazit: die Wirklichkeit schlaegt (meistens) die Einfaelle sog. Humoristen!!!

  6. ....verkauft werden soll, braucht man sich da wohl
    keine Gedanken machen. Oder?

    Antwort auf "Marketing bla.bla"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte BMW | Audi | Mercedes-Benz | Automesse | Detroit | Schwaben
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