Derzeit dreht Navia auf dem Gelände der École polytechnique fédérale (EPFL) im schweizerischen Lausanne seine Runden. Die naturwissenschaftlich-technische Universität definiert sich als "lebendiges Labor" und unterstützt die Entwicklungsarbeit der Franzosen mit eigenen Forschungsprojekten. Daneben engagiert sich eine Investorengruppe aus Luxemburg, die das Konzept für zukunftsweisend hält.

Noch lässt sich das fahrerlose Vehikel nicht per Smartphone an eine bestimmte Position auf dem Campus locken. Doch sind die Passagiere einmal an Bord, erweist sich die Bedienung des Shuttles als kinderleicht. Man muss nur den Startbutton auf dem Borddisplay anklicken, schon setzt sich Navia in Bewegung und steuert das nächste Ziel auf dem einprogrammierten Parcours an.

Das Fahrzeug bewegt sich dabei souverän über die schmalen Schotterstraßen auf dem Campus, mit einer Geschwindigkeit von zehn bis zwölf Kilometern pro Stunde. Viel schneller soll das Shuttle auch später, im praktischen Einsatz, nicht fahren, sagt Lefèvre. Tests hätten gezeigt, dass Passanten ein fahrerloses Fahrzeug eher akzeptieren, wenn es sich mit maximal 20 Stundenkilometer bewegt.

Mit diesem moderaten Tempo sei Navia ohnehin noch deutlich flotter unterwegs als ein normales Auto in der Pariser City, fügt der Entwickler hinzu. "Denn da quälen sich Pkw heute mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von zehn km/h durch die chronisch überlasteten Straßen."

Einsatz in Kassel an VW gescheitert

Für die Mathematiker und Informatiker in Lausanne gibt es aber noch einiges zu tun. Beispielsweise sollen Algorithmen entwickelt werden, mit denen Navia die schwarmartigen Bewegungen einer Menschenmenge analysieren und intelligenter darauf reagieren kann. Bislang stoppt das fahrerlose Fahrzeug jedes Mal, wenn ein Hindernis in seinem Koordinatenfeld auftaucht. Könnte Navia die Bewegungen einer Menschenansammlung vorausberechnen, wären viele Stoppmanöver überflüssig.

Im realen Einsatz könnte der Betrieb des Roboter-Shuttles über die Monitore in einer städtischen Sicherheitszentrale überwacht werden, erläutert Christophe Cairoli, Marketing-Direktor beim Navia-Entwickler Induct. Mitarbeiter, die an den Bildschirmen zum Beispiel das Geschehen auf überwachten öffentlichen Plätzen verfolgen, könnten nebenbei auch ein Auge auf die Bewegungen der fahrerlosen Transporter haben. Bei Bedarf könnte die Zentrale dem Shuttle Navigationsbefehle geben und auch Kontakt zu den Passagieren aufnehmen.

Eigentlich wollten die Franzosen ihre Navia-Flotte im vergangenen Sommer in Deutschland präsentieren. Die Stadt Kassel hatte schon das Okay für den Betrieb der fahrerlosen Shuttles für die Besucher der documenta gegeben, berichtet Cairoli. Doch dann sei das Vorhaben am Einspruch von Volkswagen, dem Hauptsponsor der Kasseler Kunstschau, gescheitert. "Unser Ansatz passt offenbar nicht zum Weltbild eines Autobauers. VWs Marketing-Strategen zumindest scheint unser Konzept nicht besonders sympathisch zu sein."