MobilitätFahrerlose Shuttles sollen Innenstädte entlasten

In vielen Städten hat der Personennahverkehr Lücken. Damit die Bewohner trotzdem aufs eigene Auto verzichten, hat ein Unternehmen einen Roboter-Transporter entwickelt. von Susanne Kilimann

Das fahrerlose Shuttle Navia

Das fahrerlose Shuttle Navia  |  © Hersteller

Zugeparkte Straßen, überfüllte Fahrbahnen, lange Staus: Jeden Tag zeigt sich, dass der Individualverkehr ein Ausmaß mit absurden Folgen angenommen hat. Pierre Lefèvre, ein französischer Spezialist für integrierte Ortungssysteme und drahtlose Kommunikation, will gegensteuern. Sein 40 Mann starkes Unternehmen hat jetzt eine Art Shuttle-Fahrzeug vorgestellt, das die Innenstädte von überflüssigen Autos befreien soll.

Die Idee: Das Shuttle schließt in urbanen Zentren die Lücken im Netz des öffentlichen Personennahverkehrs – und zwar flexibler und kostengünstiger als konventionelle, fahrplanmäßig verkehrende Busse oder Bahnen, weil es ohne Fahrer auskommt und stärker auf den Nutzerbedarf ausgerichtet ist. Navia haben die französischen Entwickler dieses Fahrzeug genannt. Es sieht aus wie eine überdimensionierte Rikscha und kann auf Stehplätzen bis zu acht Passagiere an Bord nehmen.

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Die Rolle des Steuermannes haben die Ingenieure an Laser-Fernmessung, GPS und Sensoren und Navigationsprogramme delegiert. Das rein elektrisch angetriebene Fahrzeug berechnet in Echtzeit seine aktuelle Position, die bereits zurückgelegte Strecke sowie die gewünschte Route. Mit Hilfe der Ortungssysteme kann es sein Umfeld auf allen drei räumlichen Achsen erfassen. Über zwei Kameras, die zehn Mal pro Sekunde Bilder liefern, hat Navia einen 360-Grad-Rundumblick und ein Sichtfeld von 200 Metern.

Unterwegs auf vorprogrammierten Strecken

Die Fahrzeugtechnik wertet die Bilder aus, sodass der Roboter im Navia Hindernisse erkennen kann, auf die es mit automatischem Bremsen reagiert. Eine 100-prozentige Sicherheit biete zwar auch ein so robotisiertes Fahrzeug nicht, sagt Lefèvre. "Der Roboter ist aber nie abgelenkt und unkonzentriert. Deshalb sind fahrerlose Fahrzeuge deutlich sicherer als vom Menschen gesteuerte Pkw."

In Zukunft könnten sich fahrerlose Shuttles wie Navia durch Innenstädte bewegen, aber auch über Flughafengelände oder durch Freizeitparks pendeln. Das Konzept sieht vor, dass sich die Transporter auf vorprogrammierten Routen bewegen. Nutzer könnten sie per Smartphone anfordern und an eine bestimmte Position entlang der Strecke bestellen können.

In einigen französischen Städten, darunter Paris und Lyon, haben die Entwickler ihr fahrerloses Fahrzeug bereits ausprobiert – allerdings nur auf ausgewiesenen, für den allgemeinen Verkehr gesperrten Strecken. Denn hierzulande und auch in Frankreich können Kraftfahrzeuge bislang nur dann eine Straßenzulassung bekommen, wenn ein Mensch am Steuer sitzt und für die Kontrolle des Fahrzeugs verantwortlich ist.

Doch in diesem Punkt könnte es eventuell neue Regelungen auf europäischer Ebene geben, hoffen Lefèvre und seine Mitstreiter. Bei der EU-Kommission in Brüssel sind sie bereits vorstellig geworden. Noch schauen die Ingenieure neidvoll nach Kalifornien, wo die Behörden den Betrieb von Googles selbstfahrenden Autos auf öffentlichen Straßen genehmigt haben.

Leserkommentare
  1. immer noch nicht billig genug zu haben? Muss sie jetzt auch im Dienstleistungsbereich substituiert werden?

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    im Kapitalismus ist genau das das Problem: menschliche Arbeitskraft ist nie billig genug und nichts desto trotz einzige Quelle von Profit: „Umgekehrtes Verhältnis von Profit und Lohn. Gegensatz der beiden Klassen, deren ökonomisches Dasein der Profit und der Lohn sind.“ K. Marx, Arbeitslohn, MEW 6, 535
    Dieser Grundwiderspruch bestimmt das kapitalistische Wirtschaften: Konkurrenz über den Preis->Versuch (Arbeits-)Kosten zu minimieren->Sinken des Anteils der "lebendigen Arbeit" (Arbeiter) zu Gunsten der "toten" (Maschinen), aber: "Das Mittel – unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte – gerät in fortwährenden Konflikt mit dem beschränkten Zweck, der Verwertung des vorhandenen Kapitals.

    Wenn daher die kapitalistische Produktionsweise ein historisches Mittel ist, um die materielle Produktivkraft zu entwickeln und den ihr entsprechenden Weltmarkt zu schaffen, ist sie zugleich der beständige Widerspruch zwischen dieser ihrer historischen Aufgabe und den ihr entsprechenden gesellschaftlichen Produktions-verhältnissen.“ K. Marx, Kapital III
    http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_p/profitrate.html

    ich finde die konzeption geht absolut in die richtige richtung. anstelle busse mit 40 sitzplätzen in festem takt und haltestellen praksich leer den tag über fahren zu lassen und in den sstosszeiten den gewinn zu machen...

    • Chris79
    • 07. Januar 2013 15:44 Uhr

    ...könnten Sie auch einem Fahrradfahrer vorwerfen, er gefährde den Arbeitsplatz von Busfahrern.

    Das öffentliche Verkehrssystem ist in vielen Großstädten bankrott, da sind solche neuen Ideen mehr als willkommen. Ist allerdings fraglich, ob sich das in der Praxis umsetzen lassen wird. Wenn die Dinger auf Hindernisse reagieren und bei jedem vorbei laufenden Fußgänger abstoppen, werden aus 20km/h im Schnitt schnell mal 10. Für längere Strecken lohnt sich das nicht - da haben also weiterhin Bus und Bahn klare Vorteile.

  2. 1. Weil ich immer noch von Fahrstuhltueren "erschlagen" werde.
    2. Weil die elektrischen Handtrockner in den WCs immer noch nicht schnell genug meine Haende erkennen.
    3. Weil die Fuehrerlose Metro no14 in Paris die Tueren einfach so schliesst oder bei irgendwelchen Sensor-Fehlablesungen abrupt stoppt.

    Nicht dass ich glaube ein Mensch wuerde es besser machen, aber dann habe ich wenigens Jemanden bei dem ich mich beschweren kann ; D

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    • Gibbon
    • 07. Januar 2013 9:04 Uhr

    Es ist ja schön, die öffentliche Mobilität zu fördern und den schädlichen Individualverkehr zu begrenzen, aber warum um Himmel willen, kann man keinen Fahrer in das Shuttle setzen. Der kann dann auch etwas schneller fahren, als 12-20km/h.
    Vielleicht sollten wir auch an die Zukunft und das Ende der billigen Energie denken (bzw. an Stromausfälle aus welchen Gründen auch immer). Menschen mögen viele Fehler haben, aber zuverlässiger als empfindliche Geräte sind sie in einer unsicheren Zukunft allemal.

  3. 8. Toll!

    Der Öffentliche Personennahverkehr "spart" den Fahrer und wir als Gemeinschaft bezahlen dann dem Fahrer Hartz-IV.

    Super Idee!

    Die BWLer-Denke in einer Volkswirtschaft ist schon echt putzig und vor allem so günstig für uns Steuerzahler...

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    • Helmist
    • 07. Januar 2013 10:40 Uhr

    War klar, dass wieder sowas kommt. Neue Jobs gibt's naturgemäß ja nicht, oder nur noch in begrenztem Maße, wie wir alle wissen. Irgendwann sind alle Menschen arbeitslos und das alles wegen dem verfluchten Kapitalismus, nicht wahr?
    Alle Rationalisierungen der Vergangenheit waren gut, aber genau jetzt muss es aufhören, weil ist besser so?

    Wer entdeckt, plant und baut denn die Technologien der Zukunft? Wir brauchen freie Arbeitskräfte und das geht nunmal nur, wenn Leute ihren Job verlieren. Das Problem sind die teilweise tragischen persönlichen Schicksale und die im Schnitt zu geringe Bildung.
    Ihren Aufschrei gibts regelmäßig, z.B. schon beim Aufkommen von Traktoren für die Landwirtschaft, bei Automobilen die keinen Chauffeur mehr brauchten oder beim Tonfilm, der allen Stummfilmpianisten den Job kostete.

    Was also jetzt? Sollten wir stehenbleiben und langsam zum Entwicklungsland werden? Oder doch eher den Rationalisierungen gelassen gegenüberstehen und uns auf den kommenden Lebensqualitätszuwachs freuen?

    • Helmist
    • 07. Januar 2013 10:40 Uhr

    War klar, dass wieder sowas kommt. Neue Jobs gibt's naturgemäß ja nicht, oder nur noch in begrenztem Maße, wie wir alle wissen. Irgendwann sind alle Menschen arbeitslos und das alles wegen dem verfluchten Kapitalismus, nicht wahr?
    Alle Rationalisierungen der Vergangenheit waren gut, aber genau jetzt muss es aufhören, weil ist besser so?

    Wer entdeckt, plant und baut denn die Technologien der Zukunft? Wir brauchen freie Arbeitskräfte und das geht nunmal nur, wenn Leute ihren Job verlieren. Das Problem sind die teilweise tragischen persönlichen Schicksale und die im Schnitt zu geringe Bildung.
    Ihren Aufschrei gibts regelmäßig, z.B. schon beim Aufkommen von Traktoren für die Landwirtschaft, bei Automobilen die keinen Chauffeur mehr brauchten oder beim Tonfilm, der allen Stummfilmpianisten den Job kostete.

    Was also jetzt? Sollten wir stehenbleiben und langsam zum Entwicklungsland werden? Oder doch eher den Rationalisierungen gelassen gegenüberstehen und uns auf den kommenden Lebensqualitätszuwachs freuen?

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    Antwort auf "Toll!"
    • dp80
    • 07. Januar 2013 11:20 Uhr

    Der Artikel wirft zwei Aspekte durcheinander:

    - Mehrere Passagiere in ein Fahrzeug --> Gibt es im normalen ÖPNV schon

    - Fahrzeuge, die ohne Fahrer unterwegs sind --> Ist nicht auf Busse beschränkt, sondern könnte man auch für normale Autos umsetzen. Wurde bereits von Google vorgestellt (das Google Car).

    Ganz so innovativ ist das also nicht. Davon abgesehen scheitert das vorerst an juristischen Fragen. Selbst wenn es mit fahrerlosen Gefährten weniger Unfälle gibt als mit normalen Autos, stellt sich die Frage, wer bei einem Unfall Schuld ist. Der Hersteller? Der Besitzer? Wer verklagt wen auf ein paar Millionen (vgl. Schmerzensgelder in den USA)? Wenn mit einem normalen Auto ein Kind überfahren wird, kennt man immerhin den Schuldigen.

    Die Frage ist letztendlich, ob wir uns Gesetze geben wollen, die solche Fahrzeuge zulassen. Das sehe ich auf lange Frist als nicht realistisch an.

    Das optische Design des im Artikel erwähnten Fahrzeugs zeigt übrigens schon, für welchen Markt es gedacht ist (Rikscha...). Mit asiatischen Rechtssystemen kenne ich mich nicht aus, aber vielleicht zählt dort ein Menschenleben weniger als bei uns (?)

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    kennen sich die Macher des Fahrzeugs auch nicht mit asiatischen Verkehrsverhältnissen aus.
    Jedenfalls danke für ihren Kommentar, interessanter Aspekt, der eher eine Redaktionsempfehlung verdient hätte als das naive "Wozu Fahrer?-die sitzen ja eh nur rum"-Geschreibsel.

    <em>Die Frage ist letztendlich, ob wir uns Gesetze geben wollen, die solche Fahrzeuge zulassen. Das sehe ich auf lange Frist als nicht realistisch an.

    Och. Wenn die Lobbyarbeit gut ist, geht das bestimmt.

    Und wenn der Betreiberkonzern gross genug ist, kann er auch ein paar hundert Millionen Dollar für plattgefahrene Kinder in seine Kalkulation schreiben. Strafrechtlich wird es keine Folgen haben, denn der Hersteller wird ein Qualitätssicherungssystem haben und dieses einhalten, infolgedessen wird niemand schuld sein.

    Technisch und haftungsrechtlich werden sich nur Grosskonzerne den Betrieb solcher Systeme leisten können. Nur wenige Konzerne weltweit werden im Spiel sein bzw. bleiben, keiner davon hier vor Ort. Die lokale Lösung lokaler Verkehrsprobleme wird leider nicht mehr möglich sein.

  4. Technophobie scheint für viele Kommentatoren ein Totschlagargument zu sein...
    Das "Sozial-Argument" wiegt sehr schwer, denn man kann das von Ihnen angebrachte "Argument" der Industrialisierung und Automatisierung nicht 1:1 auf Dienstleistungsberufe übertragen.
    Auch ist Ihr Einwand von wegen es brachte "Vollzeitbeschäftigung" nicht mehr up to date.
    Von der Vollzeitbeschäftigugn sind wir sehr weit entfernt.
    Immer mehr Dienstleistungberufe werden wegrationalisiert; und nicht etwa um den Arbeitnehmern unzumutbare Arbeit zu nehmen. Nein, aus reiner Profitgier!
    Das dadurch die gesamte Gesellschaftliche Stabilität in Gefahr gebracht wird interessiert die Vorstände & Aktionäre leider nicht...

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Angst vor der Zukunft?"
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    "...man kann das von Ihnen angebrachte "Argument" der Industrialisierung und Automatisierung nicht 1:1 auf Dienstleistungsberufe übertragen."

    Klar kann man. Siehe Ryanair: Wenig personenbedienter Servie -> Billigere Preise -> Erfolg beim Kunden. Es ist der gleiche Effekt wie bei industrieller Fertigung: Menschliche Arbeit ist teuer, wenn Automatisierung zu niedrigeren Preisen führt, wird das Produkt eher gekauft.

    "Auch ist Ihr Einwand von wegen es brachte "Vollzeitbeschäftigung" nicht mehr up to date. Von der Vollzeitbeschäftigugn sind wir sehr weit entfernt."

    Weil Sie es aus dem Kontext reißen. Ich sagte, dass im 19. Jahrhundert Massearbeitslosigkeit wegen Industrialisierung vorhergesagt wurde, dies aber nie eintrat. Entgegen damaliger Prognosen haben wir heute wahrlich Vollbeschäftigung.

    "Immer mehr Dienstleistungberufe werden wegrationalisiert; und nicht etwa um den Arbeitnehmern unzumutbare Arbeit zu nehmen. Nein, aus reiner Profitgier!"

    Richtig - die Profitgier der Kunden. Wie gesagt, die Bahn wollte EUR 3,50 Schaltergebühr erheben, da gabs einen mords Aufschrei. Das ist unsere Doppelmoral: In Internet-Kommentaren plädieren alle für mehr Servie-Arbeitsplätze. Aber dafür zahlen, aus dem eigenen Geldbeutel? Will keiner.

    Deshalb werden sich auch automatische Busse durchsetzen: Weil die Fahrgäste letztlich mit dem Geldbeutel abstimmen.

  5. Bei der Geschwindigkeit, und wenn ich auch noch stehen muß, kann ich auch gleich laufen.

    In Nürnberg gibt es eine fahrerlose U-Bahn. Die spart aber überhaupt keine Kosten, weil zur Rush Hour überall Fahrer bereitstehen.

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