Automodelle : Wer in diesem Jahr zum Oldtimer wird

Autos, die 1983 auf den Markt kamen, können jetzt das begehrte H-Kennzeichen beantragen. Es sind Klassiker wie der Baby-Benz und der Golf II.
Mercedes-Benz 190 © Daimler

Für Liebhaber ist das Oldtimer-Kennzeichen ein Gütesiegel. Es nennt sich Historisches Kennzeichen, bekannt auch als H-Zeichen. Nur Fahrzeuge, die vor mindestens 30 Jahren zugelassen wurden, gut erhalten sind und weitgehend dem Originalzustand entsprechen, können es erhalten. Wer ein H-Kennzeichen besitzt, der genießt Steuervorteile und niedrigere Versicherungskosten. Schließlich trägt er, so die Fahrzeugzulassungsverordnung, "zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes" bei.

Zum Jahreswechsel hat sich der Kreis der H-Fahrzeuge wieder erweitert. Dazu zählen nun auch Modelle, die 1983 als Neuheiten auf den Markt kamen und für Autofans mittlerweile wahre Klassiker sind.

Da wäre zunächst der aufgebrezelte Opel Kadett D. Die Marke mit dem Blitz stellte Anfang 1983 den Kadett GTE vor. Aus heutiger Sicht klingen die 115 PS nicht nach viel, doch die vierte Kadett-Generation, die bereits 1979 auf den Markt gekommen war, verfügte bislang nur über 90 PS.

Matthias Breitinger

Matthias Breitinger ist Redakteur im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Neben dem stärkeren Einspritzmotor mit Leichtmetall-Zylinderkopf fiel der Kadett GTE vor allem durch seinen Frontspoiler und einen schwarzen Folienrand rund um die Schrägheckscheibe auf. Fahrer und Co-Pilot saßen auf Recaro-Sportsitzen, gesteuert wurde mit einem Sportlenkrad. Auch am Tacho war der GTE zu erkennen: Die Skala ging bis 220 km/h, also 20 km/h weiter als in den anderen Kadett-Versionen.

Das Mercedes-Wagnis "Baby-Benz"

Der zweite Klassiker, der 1983 auf den Markt kam, ist der Mercedes-Benz 190, der Vorläufer der heutigen C-Klasse. Der 190er wurde leicht spöttisch auch "Baby-Benz" genannt, weil er bis zum Start der A-Klasse das kleinste Modell der Marke mit dem Stern war.

Mit dem 190er, intern als Baureihe W 201 bezeichnet, reagierte Mercedes vor allem auf den erfolgreichen 3er-BMW, den die Bayern ab Mitte der siebziger Jahre verkauften und wenige Jahre zuvor generalüberholt hatten. In der Mercedes-Führung dauerte es lange, bis sich die Erkenntnis durchsetzte, dass man angesichts von Ölkrisen und steigenden Kraftstoffpreisen auch ein kleineres, etwas günstigeres Fahrzeug anbieten müsste. Daher präsentierte Mercedes erst 1982 den 190er. 

Kommentare

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Auto-Lebenszeit aus der Sicht eines Oldtimer Besitzers

In Bezug auf die Anmerkung "das werden die letzten Oldtimer werden"

Das man keine Elektronik instandsetzen kann ist ein Mythos der von der Industrie gepflegt und stetig genährt wird. Wenn es nur hinreichend viele sich zu Wort meldende Spezialisten kundtun wird es weiter erzählt. Nichts ist billiger als die Bauteile der in der Massenproduktion elektronischer Geräte der 70iger und 80iger Jahre.
Anfang der 90iger wurde die Migration und Komplexität in der Fahrzeugelektronik tatsächlich extrem gesteigert. Bis in das letzte Jahrzehnt wurden sogar fast baugleiche elektronische Bauteile bei sämtlichen Automobilherstellern verwendet. Diese sind reparabel und sogar bedingt untereinander austauschbar.
Heutzutage wird aber dilettantisch jegliches elektrisch-elektronische Ersatzteil wenn nur irgendwie möglich fahrzeugbezogen gebrandet. Sprich nur für ein einzelnes Fahrzeug programmiert/konfiguriert ist dessen Funktion gewährleistet. Im Wesentlichen bedeutet dies dass die Autobesitzer und Werkstätten absolut vom Automobilhersteller abhängig sind wenn Teile ausgetauscht oder erneuert werden sollen. -vom Fensterheber bis hin zur Leistungschrakteristik der Motorsteuerung-

Nüchtern betrachtet nutzt heutzutage dem Autobesitzer nicht mal die Verfügbarkeit von Teilen alleine etwas.

Einfach und deshalb unkaputtbar

Wer seinen alten "Stinker" trotz Konsumverweigerungssteuer über die Zeit gerettet hat, zeigt damit sein Umweltbewusstsein. Denn nur Wenigfahrer haben lange an ihrem Fahrzeug. Wer aber viel fährt und ordentlich Ressourcen verbraucht, kommt zwangsläufig eher zu einem neuen Fahrzeug und wird für sein umweltschädliches Verhalten noch belohnt. So ist das in einer vom Firmengeld ferngelenkten Politik.

Hallo Herr Breitinger,

ich stimme Ihnen vollkommen zu und wollte auch gar keinen Hinweis zum Text geben. Ich habe mich einfach nur daran erinnert, dass ich und viele meiner Freunde, die damals im Fahrschulalter waren, den Golf II tatsächlich als gewaltig anders als den Golf I empfanden, eben als viel zu rund, viel zu fett und geradezu behäbig. Dabei war er das aus heutiger Sicht gar nicht.

dank Lopez...

... wird der 3er Golf viel schneller weggerostet sein als der 2er! Wenn davon mal einer übrigbleibt... um den 2er brauch man sich keine Sorgen zu machen!
Interessanter ist die Frage, ob ein Massenprodukt allgemein das "H" verdient, denn der Finanzminister wird sich nicht zu unrecht über Steuerausfälle grämen, zu leiden haben dann die seltenen Exemplare anderer Firmen, wenn es zur Abschaffung dieser Regel kommt. Siehe Holland...

Golf I vs. Golf II

Bei allem Respekt, aber man muss schon ein besonderes Desinteresse an Kraftfahrzeugen haben, wenn man einen Golf I nicht von einem Golf II unterscheiden kann.

Ich finde die Unterschiede jedenfalls schon sehr signifikant und hatte da noch nie Zweifel. Ab Golf V aufwärts könnte man dagegen trefflich streiten, welches Modell vor einem steht.

Persönlich bedauere ich, dass auch der Golf II immer mehr aus dem Straßenbild verschwindet, wenngleich er auch viele seiner Zeitgenossen überlebt hat.

Schon lange abgemeldet...

Der Golf II ist für mich der letzte Vertreter der "Generation Golf" gewesen. Bei der heutigen Modell-Flut und dem schnellen Generationswechsel ist es kaum noch vermittelbar, dass es mal Zeiten gegeben hatte, wo gefühlt jedes zweite Auto ein Golf oder vorher ein Käfer gewesen ist.

Von dieser Dominanz im Straßenbild ist später nicht mehr viel übrig geblieben. Gerade bei PKW jenseits der 5 Jahre dominierte später die Konkurrenz von Opel und Ford. Legendär beim Golf II war auch die schwarze Dichtungsmasse, die von der Heckklappe bis zur Stoßstange gelaufen ist.

Trotzdem hat der Golf II größere Chancen als Oldtimer eine gewisse Verbreitung zu bekommen, als seine Nachfolger:
Ab dem Golf III wurde der Produktionszeitraum von 9 auf mittlerweile 4 Jahre reduziert. Für einen Oldtimer-Fan bedeutet das auch weniger Gebrauchtteile und Fahrzeuge zum ausschlachten. Mittlerweile werden ja auch ein Großteil der Fahrzeuge nicht mehr verschrottet, sondern nach Osteuropa oder Afrika verkauft. Gerade bei einem Fahrzeug, bei dem auch ein Oldtimer-Fan auf den Euro schaut, ist dies eine Katastrophe.

Generell ist es bei den Oldtimern eine Krankheit, dass gerade die Exoten überrepräsentiert sind. Für Museen ist dies sogar ein Problem: Gerade die typischen Modelle der jeweiligen Zeit sind später nicht mehr aufzutreiben. Der Grund liegt auf der Hand: Die Halter der Exoten (z.B. 911) geben sehr viel Geld für die Instandhaltung aus, während die normalen PKW zu wirtschaftlichen Totalschäden werden.