Automodelle : Wer in diesem Jahr zum Oldtimer wird
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Dank gutem Rostschutz gibt es noch viele Golf II

Volkswagen Golf II von 1983 © Volkswagen

Mit mehr als 1,8 Millionen verkauften Wagen war der 190er ein Verkaufsschlager von Mercedes-Benz. Für seine Zeit war er revolutionär: Er brach mit vielem, was man davor von der Stern-Marke gewohnt war. Da war das recht kurze, für damalige Verhältnisse ungewöhnlich hohe Heck, das sich von anderen Mercedes-Reihen wie dem sogenannten Strich-Acht völlig unterschied. Zudem ging es beim 190er deutlich schlichter zu. Der von Mercedes bekannte Chromschmuck fand sich nur noch am Kühlergrill, auch innen wirkte das Modell im Vergleich recht sparsam. Marktforscher unkten, Mercedes beschädige damit sein Image – andere lästerten, der 190er sei wohl nur etwas für Leute, die sich keinen echten Benz leisten könnten.

Doch schnell etablierte sich der Junior-Benz als beliebter Mercedes. Zunächst war die neue Baureihe mit zwei Vierzylinder-Benzinern (90 und 122 PS) sowie als 190 D mit 72-PS-Dieselmotor zu haben. Im Lauf der Jahre gesellten sich weitere Varianten dazu. Zehn Jahre lang hatte Mercedes den Wagen im Angebot, dann folgte die C-Klasse. Noch heute rollt ein Großteil der gefertigten 190er über die Straßen.

Golf II, die moderne Legende

Und noch ein Modell lief 1983 erstmals aus der Fabrik: die zweite Auflage des VW Golf. Der Volkswagen-Bestseller, 1974 auf den Markt gebracht, war in die Jahre gekommen – vor allem technisch. Optisch unterschied sich das überarbeitete Modell nur geringfügig vom Vorgänger, zumindest von außen. Innen waren dagegen nun auch im Basismodell sämtliche Blechteile verkleidet. Mehr Platz bot er auch, denn er war 17 Zentimeter länger als der alte Golf. Das Fahrwerk mit neu entwickelten Achsen und Achslagern überzeugte technisch.

Ein Meilenstein war der Golf II natürlich nicht. Das war der erste Golf, der im Hinblick auf die Kompaktklasse Maßstäbe gesetzt hatte. Aber schon aufgrund der langen Bauzeit – der Golf II wurde bis Ende 1992 gefertigt – und der hohen Stückzahl ist er zu einer modernen Legende geworden, mit der eine ganze Generation groß und zur Schule gebracht wurde. 6,3 Millionen Stück fertigte Volkswagen insgesamt.

Dass er auch lange nach Produktionsende noch auf den Straßen zu sehen war und ist, hat er auch dem Korrosionsschutz zu verdanken: Dank einer besonders dicken Wachsschicht war der neue Golf weniger rostanfällig als sein Vorgänger.

Trotzdem hat er seine Schwächen. Anfällig ist der Golf II an den Radbremszylindern, die öfter undicht sind, und an den Bremsschläuchen, die porös sein könnten. Wer sich einen Golf II anschafft, sollte beides prüfen. Immerhin sind Ersatzteile recht leicht und preiswert zu bekommen. Weitgehend unproblematisch ist der Motor. Am häufigsten ist der Golf II noch mit 54-PS-Benzinmotor zu finden. Die stärker motorisierte Variante GTI mit 112 PS wurde erstmals Anfang 1984 angeboten – sie wird also frühestens ab dem kommenden Jahr zum Oldtimer.

Neben den drei Klassikern können sich in diesem Jahr noch erstmals Exemplare weiterer Modelle mit einem H-Kennzeichen adeln. Dazu gehören der Fiat Uno und der Fiat Panda mit Allradantrieb. Beide kamen 1983 neu auf den Markt.

Der Fiat Uno ist typisch für seine Zeit: Er hat die in den Achtzigern so beliebten Kanten. Runde Formen waren damals nicht gefragt, das Autodesign verlangte klare Linien. Das zeigt auch der Renault 11, eine weitere Neuheit des Jahres 1983. Die Mittelklasse-Limousine hatte, anders als ihr Schwestermodell Renault 9, ein Fließheck. Ähnlich kantig waren auch die im Herbst 1983 erschienene dritte Generation des Honda Civic oder der neue Toyota Corolla.

Kommentare

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Auto-Lebenszeit aus der Sicht eines Oldtimer Besitzers

In Bezug auf die Anmerkung "das werden die letzten Oldtimer werden"

Das man keine Elektronik instandsetzen kann ist ein Mythos der von der Industrie gepflegt und stetig genährt wird. Wenn es nur hinreichend viele sich zu Wort meldende Spezialisten kundtun wird es weiter erzählt. Nichts ist billiger als die Bauteile der in der Massenproduktion elektronischer Geräte der 70iger und 80iger Jahre.
Anfang der 90iger wurde die Migration und Komplexität in der Fahrzeugelektronik tatsächlich extrem gesteigert. Bis in das letzte Jahrzehnt wurden sogar fast baugleiche elektronische Bauteile bei sämtlichen Automobilherstellern verwendet. Diese sind reparabel und sogar bedingt untereinander austauschbar.
Heutzutage wird aber dilettantisch jegliches elektrisch-elektronische Ersatzteil wenn nur irgendwie möglich fahrzeugbezogen gebrandet. Sprich nur für ein einzelnes Fahrzeug programmiert/konfiguriert ist dessen Funktion gewährleistet. Im Wesentlichen bedeutet dies dass die Autobesitzer und Werkstätten absolut vom Automobilhersteller abhängig sind wenn Teile ausgetauscht oder erneuert werden sollen. -vom Fensterheber bis hin zur Leistungschrakteristik der Motorsteuerung-

Nüchtern betrachtet nutzt heutzutage dem Autobesitzer nicht mal die Verfügbarkeit von Teilen alleine etwas.

Einfach und deshalb unkaputtbar

Wer seinen alten "Stinker" trotz Konsumverweigerungssteuer über die Zeit gerettet hat, zeigt damit sein Umweltbewusstsein. Denn nur Wenigfahrer haben lange an ihrem Fahrzeug. Wer aber viel fährt und ordentlich Ressourcen verbraucht, kommt zwangsläufig eher zu einem neuen Fahrzeug und wird für sein umweltschädliches Verhalten noch belohnt. So ist das in einer vom Firmengeld ferngelenkten Politik.

Hallo Herr Breitinger,

ich stimme Ihnen vollkommen zu und wollte auch gar keinen Hinweis zum Text geben. Ich habe mich einfach nur daran erinnert, dass ich und viele meiner Freunde, die damals im Fahrschulalter waren, den Golf II tatsächlich als gewaltig anders als den Golf I empfanden, eben als viel zu rund, viel zu fett und geradezu behäbig. Dabei war er das aus heutiger Sicht gar nicht.

dank Lopez...

... wird der 3er Golf viel schneller weggerostet sein als der 2er! Wenn davon mal einer übrigbleibt... um den 2er brauch man sich keine Sorgen zu machen!
Interessanter ist die Frage, ob ein Massenprodukt allgemein das "H" verdient, denn der Finanzminister wird sich nicht zu unrecht über Steuerausfälle grämen, zu leiden haben dann die seltenen Exemplare anderer Firmen, wenn es zur Abschaffung dieser Regel kommt. Siehe Holland...

Golf I vs. Golf II

Bei allem Respekt, aber man muss schon ein besonderes Desinteresse an Kraftfahrzeugen haben, wenn man einen Golf I nicht von einem Golf II unterscheiden kann.

Ich finde die Unterschiede jedenfalls schon sehr signifikant und hatte da noch nie Zweifel. Ab Golf V aufwärts könnte man dagegen trefflich streiten, welches Modell vor einem steht.

Persönlich bedauere ich, dass auch der Golf II immer mehr aus dem Straßenbild verschwindet, wenngleich er auch viele seiner Zeitgenossen überlebt hat.

Schon lange abgemeldet...

Der Golf II ist für mich der letzte Vertreter der "Generation Golf" gewesen. Bei der heutigen Modell-Flut und dem schnellen Generationswechsel ist es kaum noch vermittelbar, dass es mal Zeiten gegeben hatte, wo gefühlt jedes zweite Auto ein Golf oder vorher ein Käfer gewesen ist.

Von dieser Dominanz im Straßenbild ist später nicht mehr viel übrig geblieben. Gerade bei PKW jenseits der 5 Jahre dominierte später die Konkurrenz von Opel und Ford. Legendär beim Golf II war auch die schwarze Dichtungsmasse, die von der Heckklappe bis zur Stoßstange gelaufen ist.

Trotzdem hat der Golf II größere Chancen als Oldtimer eine gewisse Verbreitung zu bekommen, als seine Nachfolger:
Ab dem Golf III wurde der Produktionszeitraum von 9 auf mittlerweile 4 Jahre reduziert. Für einen Oldtimer-Fan bedeutet das auch weniger Gebrauchtteile und Fahrzeuge zum ausschlachten. Mittlerweile werden ja auch ein Großteil der Fahrzeuge nicht mehr verschrottet, sondern nach Osteuropa oder Afrika verkauft. Gerade bei einem Fahrzeug, bei dem auch ein Oldtimer-Fan auf den Euro schaut, ist dies eine Katastrophe.

Generell ist es bei den Oldtimern eine Krankheit, dass gerade die Exoten überrepräsentiert sind. Für Museen ist dies sogar ein Problem: Gerade die typischen Modelle der jeweiligen Zeit sind später nicht mehr aufzutreiben. Der Grund liegt auf der Hand: Die Halter der Exoten (z.B. 911) geben sehr viel Geld für die Instandhaltung aus, während die normalen PKW zu wirtschaftlichen Totalschäden werden.