Oldtimer : Das Blech ist von vorgestern – der Gurt ebenso
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Unterwegs ohne Gurtstraffer

Der Einsatz von Sicherheitsgurten und Kopfstützen war zwar ein riesiger Schritt in Sachen Sicherheitsgewinn, jedoch lassen sich selbst diese Neuerungen kaum mit dem aktuellen Stand der Technik vergleichen. Einst sollte der Gurt den Menschen im Fall eine Unfalles vor allem auf seinem Platz festhalten – sodass es nicht mehr zu jenen schrecklichen Verletzungen kommen konnte, wenn etwa der Fahrer mit dem Kopf aufs Lenkrad prallte oder gar die Windschutzscheibe durchschlug.

Erkenntnisse, dass der menschliche Körper Belastungen nur bis zu einen gewissen Grad überlebt, spielten dabei noch kaum eine Rolle. Moderne Gurtsysteme hingegen halten den Körper nicht einfach nur, sondern verfügen auch über einen Gurtstraffer und einen Gurtkraftbegrenzer. Sie dienen dazu, das Verletzungsrisiko der Passagiere im Oberkörper zu verringern. Außerdem haben heutige Autos eine Reihe von Airbags, die den Menschen auffangen. Und nicht zuletzt hilft die Karosserie, die mit einem ausgeklügelten Konzept aus festen und nachgiebigen Elementen Aufprall-Energie absorbiert.

Das alles soll nun nicht bedeuten, die Fahrt in einem klassischen Automobil sei allein selbstmörderischen Naturen zu empfehlen. Oldtimer-Liebhaber sollten sich jedoch der Unterschiede und möglichen Gefahren bewusst sein. "Wer sich einen Oldtimer anschafft, sollte es erst einmal vorsichtig angehen", empfiehlt TÜV-Experte Hans-Ulrich Sander. Wichtig sei, sich mit dem meist deutlich schwammigeren Fahrverhalten auseinanderzusetzen und sich langsam an die Möglichkeiten des Wagens heranzutasten.

In geringem Maße an Unfällen beteiligt

Vor allem müssen sich Käufer eines betagten Autos damit abfinden, dass selbst ein einstiges Topmodell womöglich nicht einmal mit einem Kleinwagen von heute konkurrieren kann. Oder wie es Sander formuliert: "Wer einen Oldtimer will, soll einen Oldtimer kaufen. Wer viel fahren will, soll sich ein aktuelles Auto kaufen."

Immerhin: Dem überwiegenden Teil der Klassiker-Fahrer sind die Tücken offenkundig bewusst. Eine aktuelle Untersuchung der Technischen Universität Dresden im Auftrag des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA) hat ergeben, dass Oldtimer – also Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre sind – nur an wenigen schweren Unfällen beteiligt ist. Demnach haben solche Autos einen Anteil von 0,9 Prozent am gesamten Fahrzeugbestand, sind aber nur in 0,1 Prozent aller Unfälle verwickelt.

Im Jahr 2011 waren laut dem VDA je 100.000 zugelassener historischer Fahrzeuge nur 91 an Unfällen mit Personenschäden beteiligt. Für die Gruppe der bis zu neun Jahre alten Autos lag die Quote dagegen bei 753 Fällen je 100.000 Fahrzeugen. Technische Mängel als Unfallursache kamen für die alten Wagen auf eine Quote von 0,8 je 100.000 Fahrzeuge, bei den bis zu neun Jahre alten Autos betrugt die Quote 1,5. Warum das so ist, liegt auf der Hand: Der Besitz von Oldtimern ist Liebhaberei. Alte Autos werden gehegt, gepflegt und in aller Regel vorsichtig bewegt.

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