OldtimerDas Blech ist von vorgestern – der Gurt ebenso

Oldtimer sind schön, aber auch gefährlich. Wer sich einen zulegt, muss bedenken: Die Sicherheit ist kaum vergleichbar mit dem heutigen Standard. von Heiko Haupt

Für den Autofahrer von heute steht außer Frage: Muss gebremst werden, dann tritt der Fuß mit aller Kraft aufs Bremspedal – den Rest regeln die Sensoren des Antiblockiersystems (ABS). Stillstehende Räder, qualmende Reifen und verzweifeltes Rutschen in Richtung Hindernis, das gibt es nicht mehr. Das ist auch gut so.

Problematisch wird es aber, wenn der moderne Autofahrer ein Faible für betagtes Blech entwickelt und das Lenkrad im Old- oder Youngtimer mit dem Gefühl oder der Erwartung ergreift, dass auch dieses Fahrzeug sich wie gewohnt bewegen lässt. Klassiker erfordern jedoch ein Umdenken. Neben den Bremsen lassen sich auch das Fahrwerk und die Sicherheitsausstattung der Oldtimer nicht mit aktuellen technischen Errungenschaften vergleichen.

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Das zeigt sich gerade dann, wenn ein Fahrzeug zum Stillstand gebracht werden soll. Eine Vollbremsung ohne ABS führt schnell zu blockierenden Rädern, die nicht nur schwarze Striche auf dem Asphalt hinterlassen. Es kommt dabei auch zu dem, was Techniker als Verlust der Seitenführungskräfte bezeichnen: Das bremsende Auto lässt sich schlicht nicht mehr lenken.

Trommelbremsen verlängern den Bremsweg

"Außerdem sind alte Autos vielfach noch mit Trommelbremsen ausgestattet", sagt Hans-Ulrich Sander, Fahrzeug-Experte des TÜV Rheinland. Diese Trommelbremsen verzögern nicht nur schlechter als moderne Scheibenbremsen, sie haben auch einen höheren Wartungsbedarf. Werden sie vernachlässigt oder schlecht eingestellt, führen sie unter Umständen dazu, dass der Wagen nicht an allen Rädern gleich stark bremst und daher die eingeschlagene Richtung verlassen will.

Doch selbst wenn ein Oldtimer mit perfekt justierten Bremsen und frischen Bremsbelägen unterwegs ist, sollte man nicht auf vergleichbare Verzögerungen wie in aktuellen Modellen hoffen. "Ein modernes Auto benötigt für einen Stopp aus Tempo 100 einen Bremsweg von etwa 35 Metern. Selbst bei einem Youngtimer wie einem Mercedes der Baureihe W123 ist noch mit zehn bis 15 Metern mehr zu rechnen", erläutert der ADAC-Oldtimer-Experte Dirk Jurgasch.

Ähnlich groß sind die Unterschiede bei der Insassensicherheit. Das gilt natürlich vor allem für solche Oldtimer, die vor dem 1. April 1970 erstmals zugelassen wurden – dem Stichtag für die Pflicht, Autos mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten auszustatten. Autoklassiker aus den fünfziger und sechziger Jahren haben nur in Ausnahmefällen Gurte. Doch auch in Autos aus jener Ära, in der man sich bereits mit der Erhöhung der Überlebenschance von Passagieren beschäftigte, gilt erhöhte Vorsicht.

Leserkommentare
  1. Beim Lesen dieses Artikels musste ich die ganze Zeit an dieses Meme denken:

    http://i2.kym-cdn.com/pho...

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    • 可为
    • 31. Januar 2013 20:49 Uhr

    das wäre das perfekte Bild zum Artikel gewesen^^

  2. außer in der Zeit, wo die Straßen regelrecht gepökelt sind. Derzeit ist es trocken, also werden die auch bewegt. Weil diese Oldtimer (außer einem) kein ABS und geringe Leistungen haben, fahre ich mit denen extrem vorsichtig. D.h. nicht "schleichend", aber sehr vorausschauend, denn eine selbstverschuldete Kaltverformung mag man an diesem liebevoll gepflegten Altmetall nicht haben. Wann immer ich mit den Oldies (immer auf der rechten Spur) unterwegs bin, fasziniert es mich, mit welch halsbrecherischen Tempi die Leute an mir vorbeizischen.

    Kommentator Gerd Ruhlauf mag recht haben, daß damals die Verkehrstotenquote höher war. Das lag aber auch daran, daß die damals aktuellen Autos, ebenso wie die heute Aktuellen eben auch "ausgefahren" wurden. Er möge sich ein durchelektronisiertes Auto mit X Airbags etc. kaufen. Ich will das nicht.

    Wer heute einen 450SEL 6.9 (W116) von 1976 oder einen 79er Porsche 911 mit rd. 300 PS besitzt, könnte theoretisch den 4-Ring-Heizern auch hinterherfräsen, aber diese Oldiebesitzer sind üblicherweise auch Besitzer eines Hirns, das sie zum Denken einsetzen und sich nicht auf die Errungenschaften automobiler Elektronik-Hightech verlassen. Auch wegen der Spritrechnung.

    Daher sollte der Autor auch mal die Unfallzahlen der Autos mit H-Kennzeichen anschauen. Wenn diese auch nur annähernd so unfallträchtig wären, wie uns der Artikel glauben machen möchte, wären die Versicherungsbeiträge - auch in der Vollkasko - sicher nicht so sensationell günstig.

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    Ich heize sowohl mit meinem 2012'er Alltagsfahrzeug als auch mit den 80'er & 90'er Boliden ab und zu Vollgas auf der BAB. Eben intelligent, wenn's geht OK, wenn es nicht passt oder ich keine Lust zum Heizen habe, dann eben nicht! Was denn nun hirnlos ist, darüber könnte man zwar streiten aber ich denke aufgrund einiger Kommentare sollte man sich das ersparen. Manche denken eben, sie sind das Maß aller Dinge & alle anderen, die sich nicht so verhalten wären "hirnlos"

  3. Ich heize sowohl mit meinem 2012'er Alltagsfahrzeug als auch mit den 80'er & 90'er Boliden ab und zu Vollgas auf der BAB. Eben intelligent, wenn's geht OK, wenn es nicht passt oder ich keine Lust zum Heizen habe, dann eben nicht! Was denn nun hirnlos ist, darüber könnte man zwar streiten aber ich denke aufgrund einiger Kommentare sollte man sich das ersparen. Manche denken eben, sie sind das Maß aller Dinge & alle anderen, die sich nicht so verhalten wären "hirnlos"

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    aber nicht, weil ich mich für das Maß der Dinge halte, sondern weil ich meine, daß mit den modernen Autos aufgrund der guten Dämmung der Außen- und Motorengeräusche jegliches Gefühl abhanden kommt, wie schnell man wirklich unterwegs ist. Ich habe selbst einen großen V8 (mit ESP, ASR, ABS) gehabt, der abgeriegelt 250 gefahren ist - ich weiß, von was ich rede. Jeder, der behauptet, sein 300 oder mehr PS habendes Fahrzeug bei Geschwindigkeiten über 200 (Vollgas heißt ja bei den modernen Autos immer noch deutlich mehr) voll im Griff zu haben, ist entweder Aufschneider oder Rennfahrer. Wenn man mal interessehalber ein Fahrsicherheitstraining auf abgesperrtem Gelände mitgemacht hat, dann merkt man sehr schnell, daß einem für eine angemessene Reaktion (auch bei allen eingeschalteten elektronischen Helferlein) schlicht die Übung fehlt. Die Physik läßt sich nicht überlisten, nur der Grenzpunkt, an dem sie greift, läßt sich durch allerlei Elektronik ein wenig hinausschieben. Auch bei solchen Sicherheitstrainings geht man ja nicht an die Grenzen - wer will schon seinen 70.000 Euro-Hobel auf die Seite legen - der den meisten ja noch nicht mal selbst gehört, sondern der Leasingfirma. Ich würde Ihnen auf der Straße jedenfalls mit keinem Ihrer "Boliden" begegnen wollen.

  4. ...die Schlussfolgerung von 60000 Toten ist falsch, da sie Vernachlässigt, dass die Anzahl der Verkehrsunfälle nicht linear mit der Anzahl der Autos steigt, dass ettliche Gesetze eingeführt wurden um der vielen Unfälle herr zu werden (Alkohol, Geschwindigkeit etc) und dass das Notrettungssystem und die medizinischen Künste stark verbessert wurden.

    Ich behaupte, dass wenn man die Resourcen nicht in eine Verbesserung der passiven Sicherheit gesteckt hätte, sondern in aktive Sicherheit man Verletztenzahlen wie beim offentlichen Verkehr (Bus und Bahn) erreichen könnte!

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Vergleich 1970 - 2010"
    • zarath
    • 31. Januar 2013 17:55 Uhr

    Radfahren auf dem Radweg (bis zu 12mal gegenüber der Fahrbahn Quelle:BASt).

    Kann man allerdings durch Treppensteigen oder Duschen noch locker toppen.

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    Antwort auf "Relativ sicher"
  5. Wie vielfach bewiesen ist Radfahren (ohne Schutz zumindest) im Schnitt lebensverlängernd und gesundheitsverbessernd. Damit ist Radfahren sicherer als Nicht-Radfahren, etwas was selbst die allersichersten Autos nie erreichen werden!

    Wobei ich mir vorstellen kann, dass die entspannende Wirkung des Fahrgenusses eines Oldtimers sich auch sehr positiv auf die Gesundheit auswirkt...

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    Antwort auf "Relativ sicher"
  6. aber nicht, weil ich mich für das Maß der Dinge halte, sondern weil ich meine, daß mit den modernen Autos aufgrund der guten Dämmung der Außen- und Motorengeräusche jegliches Gefühl abhanden kommt, wie schnell man wirklich unterwegs ist. Ich habe selbst einen großen V8 (mit ESP, ASR, ABS) gehabt, der abgeriegelt 250 gefahren ist - ich weiß, von was ich rede. Jeder, der behauptet, sein 300 oder mehr PS habendes Fahrzeug bei Geschwindigkeiten über 200 (Vollgas heißt ja bei den modernen Autos immer noch deutlich mehr) voll im Griff zu haben, ist entweder Aufschneider oder Rennfahrer. Wenn man mal interessehalber ein Fahrsicherheitstraining auf abgesperrtem Gelände mitgemacht hat, dann merkt man sehr schnell, daß einem für eine angemessene Reaktion (auch bei allen eingeschalteten elektronischen Helferlein) schlicht die Übung fehlt. Die Physik läßt sich nicht überlisten, nur der Grenzpunkt, an dem sie greift, läßt sich durch allerlei Elektronik ein wenig hinausschieben. Auch bei solchen Sicherheitstrainings geht man ja nicht an die Grenzen - wer will schon seinen 70.000 Euro-Hobel auf die Seite legen - der den meisten ja noch nicht mal selbst gehört, sondern der Leasingfirma. Ich würde Ihnen auf der Straße jedenfalls mit keinem Ihrer "Boliden" begegnen wollen.

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    Abgesehen davon, das ich diverse BMW Fahrsicherheitstrainings (von Einsteiger-Fortgeschrittene) absolviert habe, die letzten 10 Jahre 60000-80000 km pro Jahr fahre, und das seit 1992 unfallfrei habe ich deutlich geschrieben - wenn's geht. Und da müsste man sich schon arg dämlich anstellen um "an die physikalischen Grenzen" zu stoßen. Und wer aufgrund guter Dämmung/Schallisolierung keine Ahnung hat, mit was für einer Geschwindigkeit er sich bewegt, der sollte es lieber ganz bleiben lassen - solche Fahrer sind auch mit 80 km/h eine Gefahr für sich & die Umwelt. Jetzt könnten Sie natürlich auch noch mit dem beliebten Argument "platzender Reifen" oder ähnlich kommen, aber ab da macht's dann eher keinen Sinn mehr... Allerdings würde mich eines noch interessieren, warum haben Sie einen großen V8 gekauft? Nur wegen des Sounds? Das geht auch mit einem kleineren V8...

  7. Muss nicht immer zutreffen.

    Ein auf der Straße wendender LKW übersah mich und rammte mich hinten seitlich. Mein alter Volvo, der schnell den Spitznamen "Schweden-Panzer" verpasst bekam, steckte den heftigen seitlichen Aufprall locker weg und blieb stoisch in der Spur, bis ich ihn schließlich zum Stehen brachte. Im massiven Blech des Volvo war jedoch nur eine Delle zu sehen.

    Einen Unfall mit meinem alten Volvo hätte so manch jüngeres Auto zerlegt.

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    • Calzone
    • 01. Februar 2013 13:05 Uhr

    Zitat
    "Einen Unfall mit meinem alten Volvo hätte so manch jüngeres Auto zerlegt."

    So gern ich auch Oldtimer mag, aber das ist nonsense. Ein modernes Auto "knautscht" deswegen, um soviel kinetische Energie des Aufpralls wie möglich abzufangen. Ihr "Schwedenpanzer" gibt diese Energie fast ungeschmälert an die Insassen weiter, sodaß diese dann "geknautscht" werden.
    Ich denke, einen Frontalaufprall mit einem Hyundai-Kleinwagen würden Sie nicht überleben.

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  • Schlagworte Airbag | Auto | Autofahrer | Autoklassiker | Fahrzeug | Oldtimer
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