EinparkenSchluss mit der nervigen Parkplatzsuche

Die Entwicklung des autonomen Parkens hat Hochkonjunktur. Ein bayerisches Unternehmen setzt auf ein Konzept aus der traditionellen Warenlogistik. von Wolfgang Gomoll

Das Einparksystem von Serva Transport Systems setzt in einem Parkhaus ein Auto in einen Stellplatz.

Das Einparksystem von Serva Transport Systems setzt in einem Parkhaus ein Auto in einen Stellplatz.  |  © press-inform/Hersteller

Autofahrer kennen das scheinbar endlose Kreiseln durchs Parkhaus – bis man endlich einen freien Stellplatz gefunden hat. Das nervige Ritual könnte bald der Vergangenheit angehören. Das Unternehmen Serva Transport Systems aus Bernau am Chiemsee hat ein Technikkonzept erfunden, das die Autos selbständig sortiert und wieder abholt.

Der Ansatz unterscheidet sich diametral von der Variante des autonomen Parkens, mit der derzeit Autohersteller experimentieren. Audi etwa lässt die Fahrzeuge in freie Parklücken fahren, reagiert also auf bestehende Verhältnisse. Das System von Serva dagegen ordnet die Autos aktiv möglichst platzsparend an. Das Prinzip ist einfach und aus jedem Warenlager bekannt: Wie bei einer überdimensionalen Variante des Computerspiele-Klassikers Sokoban, bei dem Kisten hin und her geschoben werden, werden Automobile an einen bestimmten Platz der Garage gebracht und wieder abgeholt.

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Die Software stammt aus der Paletten-Logistik, zentrales Element ist das fahrerlose Transportfahrzeug (FTF). Das ist eine Art Gabelstapler für Autos mit vier vollbeweglichen Rädern. Damit kann der Transporter wie ein Einkaufswagen Manöver auf engstem Raum ausführen, die ein Auto so nie hinbekommen würde. So ist eine optimale Ausnutzung der verfügbaren Fläche garantiert. Die Navigation in der Garage wird via Laser gewährleistet.

Transportschlitten sortieren die Autos ein

"Bei konventionellen Parkhäusern schaffen wir eine bis zu 40 Prozent bessere Raumausnutzung", sagt Rupert Koch, Geschäftsführer Vertrieb bei Serva Transport Systems. Ist das Unternehmen an der Planung der Garage beteiligt, soll der Vorteil der Raumnutzung demnach auf bis zu 60 Prozent steigen. Denn das Problem an herkömmlichen Garagen ist die Anordnung der Säulen. Sie stehen einer optimierten Verwendung des Parkplatzes bisweilen im Wege – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Alles, was der Fahrer bei der Anwendung des Serva-Konzepts tun muss: das Auto in einer Übergabestation abzustellen und auszusteigen. Die Station ähnelt einer Waschanlage. Das verstellbare FTF vermisst nun das Auto mit Hilfe von Sensoren und hebt es vorsichtig an. Dazu fahren die mit Gummiwalzen versehenen Schienen seitlich unter jedes Rad des Autos. Dann wird es autonom an den vorgesehenen Platz gefahren und dort abgestellt.

Will der Fahrer seinen Wagen wieder abholen, kann er den Vorgang mit einer Smartphone-App oder seinem Parkticket auslösen. Das Ausparken läuft dann im Grunde rückwärts. Doch was ist, wenn ein Fahrzeug in einem Pulk von Autos eingekeilt ist? Dann kommt wieder die Sokoban-Taktik ins Spiel: Das System bewegt die im Weg stehenden Wagen mit den Transportschlitten weg, parkt sie um und merkt sich die neue Position.

Einen ersten Praxistest auf dem Düsseldorfer Flughafen hat das System schon hinter sich. "Das Parksystem von Serva Transport Systems funktionierte erstklassig im Probebetrieb", sagt Christian Jahncke, der Geschäftsführer des Parkhausbetreibers SITA Airport IT GmbH am Düsseldorfer Flughafen, voller Überschwang. Auch auf der Münchner Bau-Messe demonstrierte Serva das Können seines Parksystems. Es gab anerkennende Worte von Verkehrsminister Peter Ramsauer.

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Leserkommentare
  1. Wenn dem so ist wie beschrieben, kann es ja nur sein, daß dieses System die Zukunft ist. Die Frage wird sein, was kostet es dem Benutzer? Schon jetzt sind die Parkhäuser ja nicht die Billigsten. Das wird so sein wie überall in der Wirtschft, wieviel Systeme werden gebaut, je mehr, umso billiger. Wenn es darauf hinausläuft, das man um die 50 Cent pro Stunde als Kurzparker mehr zahlen müßte, sollte dem nichts im Wege stehen. Wobei man anfangen sollte mit den Stellflächen für Langzeitparker, weil die an Ballungszentren, wie Flughäfen, Bahnhöfen, am ehesten davon profitieren würden und man damit üben könnte.

    2 Leserempfehlungen
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    • bayert
    • 25. Januar 2013 10:12 Uhr

    da Parkgaragen mit bis zu 40% höherer Auslastung rechnen können.

  2. Wenn man ein Parkhaus wie ein Hochregallager bauen würde, dann könnte man dort noch viel mehr Fahrzeuge unterbringen: Die Höhe der Etagen könnte stark abgesenkt und an die Höhe der Fahreuge angepasst werden. Es bleibt die spannende Frage nach den Kosten.

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    Sogar in Deutschland: In Dresden steht so ein Ding (Einparken in einer Art Garage, aussteigen, Auto wird ins Regal gebracht) an der Neustädter Markthalle. Würde mich mal interessieren, wie der Betrieb läuft.

    • Dumdi
    • 25. Januar 2013 9:01 Uhr

    was passiert wenn das System ausfällt! :)

    3 Leserempfehlungen
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    Mit einem kompletten Systemausfall ist nicht zu rechnen. Mal ein bisschen was grundsätzliches aus der Logistik. Ich gehe davon aus, dass Industriestandards auch hier umgesetzt werden.

    Zunächst einmal gibt es mehrere FTF. Ein Vorteil solcher Systeme ist Skalierbarkeit: Es sind immer nur so viele Geräte aktiv wie notwendig. Weitere werden bei Bedarf aktiv (hohe Auslastung, Defekt anderer Geräte). Problematisch ist nur, wenn ein FTF mitten im Betrieb total ausfällt. Dann muss ein Mensch manuell eingreifen. Das der Hersteller diesen Fall eingeplant hat, kann man annehmen.

    Dann die Sensorik. Optische Sensoren (u.A. Laser) sind zwar grundsätzlich verschleißfrei, können aber verdrecken oder - was auch gerne vergessen wird - von Spinnen mit Netzen zugebaut werden. Da helfen nur intelligente Steuerung bei Sensorausfall (Unfallvermeidung) und Reinigen.

    Zuletzt die Lagerverwaltung. Das ist schlicht ein Softwaresystem, dass gegebenenfalls hardwaremäßig redundant ausgelegt wird. Ein Lagerverwaltungssystem (LVS) für ein Parkhaus gehört vermutlich zu den simpelsten Anwendungen von LVS in der Logistik. Wenn bei Systemimplementierung nicht geschlampt und bei Inbetriebnahme ordentlich getestet wird, gibt es üblicherweise keine Probleme. Steuerung per Smartphone (Internet) öffnet jedoch eine potenzielle Sicherheitslücke.

    Und was, wenn wirklich mal alles schief geht? Dann freuen sich Taxi- und Mietwagenunternehmen. Nur nicht der Parkhausbetreiber: Der wird entstehende Kosten ersetzen müssen.

  3. Sowas habe ich vor 10 Jahren in Thessaloniki, ja bei den Griechen (!) gesehen. Das Parkhaus stand lustigerweise direkt neben so einem Umparkplatz. Also so einem bei dem man den Schlüssel dem Parkwächter gibt und er dann permanent die Autos umparkt damit möglicht viel auf eine Fläche passt :D.

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    Ich kenne das aus den USA. Heißt da wohl Valet-Parking. das hat den großen Vorzug, daß man nicht selbst in so ein enges ungemütliches Parkhaus muß und die typ. Niedriglöhner Chancen für Lohn (incl. Trinkgeld) bekommen. Besser als H4.
    Da in Deutschland das Auto neben Hunden zu den "Lieblingen" gehört, ist ein gutes Trinkgeld sicher. dann könnte man noch eine Pflege-Infrastruktur darum aufbauen. Waschen, Innenreinigen, SMART-Repair....
    Man kann zwar alles automatisieren, aber JObs, Jobs, Jobs..

  4. schon vor 30 Jahren gab es das System im Parkhaus von Venedig, allerdings, daß alles von Hand durchgeführt wurde.
    aber funktioniert hat es, was ich eigentlich nie geglaubt hatte.
    Es ist schon schön: Man gibt das Auto unten ab und kann gehen.
    wenn der Strom ausfällt gibt es ein Notstromaggragat.

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  5. Das System hat nur für bereits bestehen Parkhäuser Vorteile. Da dann mehr Fahrzeuge sicherer und ohne Schäde untergebracht werden können.

    Ansonsten halte ich Parksysteme nach einem Hochregallager-Prinzip für die Besten. Der Fahrer muss sein Auto nur in der Box abstellen und alles andere geht automatisch. Der Vorteil dieser Parkhäuser ist, dass Platz gespart (durch eingesparte Fahrwege und Rampen) wird und keine Menschen ins das Parkhaus müssen. Ausserdem können alle Fahrzeuge ungefähr gleich schnell wieder zum Besitzer zurück gebracht werden können.

    Bei allen Systemen hat man aber immer das Problem der Wartung und der Hilflosigkeit im Falle eine Computer- bzw Systemfehlers.

  6. gesehen, gestaunt, und staune jetzt wieder, was es so alles Neues gibt.
    :-)

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    • smojoe
    • 25. Januar 2013 9:48 Uhr

    Die Idee ist nicht neu:http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42625485.html

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Audi | Peter Ramsauer | Auto | Autohersteller | Fahrzeug | Flughafen
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