ElektromobilitätIm Twizy kommt man ohne Heizung aus

Im Renault Twizy bleibt es trotz Seitenscheiben kühl. Handschuhe und Mütze helfen aber wirkungsvoll. Was dem E-Mobil wirklich fehlt, ist Konkurrenz. von 

Renault Twizy

Renault Twizy  |  © Christoph M. Schwarzer

Der Winter ist nach Hamburg zurückgekehrt. Das Thermometer zeigt minus drei Grad. Morgens um sieben Uhr kratzen die Berufspendler eine dünne Eisschicht von den Scheiben.

Im Renault Twizy wäre diese Früharbeit auch auf der Innenseite notwendig, wo das Wasser ebenfalls gefroren ist und die Sicht versperrt. Wäre, denn das französische Mikromobil – das von Kindern als Auto und von der Zulassungsstelle als Quad bezeichnet wird – hat eine Frontscheibenheizung. Sie gehört bei der stärkeren Version mit 13 kW Leistung zur Serienausstattung, bei der auf 4 kW gedrosselten Ausführung müssen 150 Euro Aufpreis bezahlt werden. Ein Dreh am rechten Lenkstockhebel, und nach zwei Minuten ist das Eis geschmolzen. Es kann losgehen.

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Für die Passagiere allerdings hat der Twizy keine Heizung. Immerhin verfügt das Testfahrzeug über Seitenscheiben. Nicht die vom Hersteller, sondern ein Nachrüstsatz von ELIA. Sie halten den größten Teil der Zugluft ab, die den Twizy im Sommer so reizvoll macht. Luftdicht sind die Seitenscheiben nicht. Es gibt definierte Lücken für eine Zwangsbelüftung. Sie sorgen dafür, dass der Atem nicht kondensiert.

Kälte wird überbewertet

Zugegeben, am Anfang neigt man zu übertriebener Bekleidung. Man zieht noch ein Fleece drüber, schlüpft in noch eine Jacke – bereit für die Himalaya-Expedition. Nach ein paar Ausfahrten, die man verschwitzt beendet, bleibt die Erkenntnis, dass genau die Kleidung im Twizy ausreicht, in der man zur U-Bahn gehen oder aufs Fahrrad steigen würde. Handschuhe und Mütze sollten immer dabei sein.

Auf den kurzen Strecken, für die der Elektro-Quad erdacht worden ist, spielt das Wetter also eine kleinere Rolle, als es die Abwesenheit der Heizung vermuten lässt. Zugleich bereitet der Twizy aber mit seiner Agilität und Wendigkeit Fahrspaß wie ein Urmini – nur eben mit Heckantrieb – und findet Parklücken, die es vorher gar nicht gab. Das Grundkonzept findet offenkundig seine Anhänger: Seit Mai 2012 hat sich der Twizy gut 2.000 Mal verkauft, mehr als manch anderes Elektrofahrzeug. Obwohl er eisenhart gefedert und laut ist.

Damit wirft Renault drei Fragen auf. Wie können Elektroautos beheizt werden? Haben Mikromobile dieser Machart überhaupt eine Berechtigung? Und wo bitte bleibt die Konkurrenz?

Die Masse der Autofahrer wird den Verzicht auf eine Heizung nicht akzeptieren. Da ein Elektromotor im Gegensatz zum Verbrennungsmotor keine Abwärme erzeugt, muss die Energie aus der Batterie kommen. Die Folge: Im Winter bricht die Reichweite gern um die Hälfte ein. Die Ingenieure zerbrechen sich den Kopf, wie sie dieses Problem lösen können. Inzwischen werden Wärmepumpen verbaut, um den Stromverbrauch für die Heizung zu senken. Noch im Entwicklungsstadium steckt die Idee, nicht den Luftstrom, sondern Teile der Innenverkleidung elektrisch zu erwärmen und so gezielt fürs Wohlgefühl zu sorgen.

Leserkommentare
    • dj09111
    • 16. Januar 2013 22:31 Uhr

    In der Tat! Beides hoch interessante Fahrzeuge und ich warte voller Spannung. Wobei ich grundsätzlich kein Freund von batterieautos bin und auch nicht an deren zukunft glaube (was habe ich heute in einer Fachzeitschrift gelesen:"erdölreserven der Erde heute größer als vor 10 jahren") Aber diese beiden Exemplare sprechen mich designtechnisch doch sehr an und der spaßfaktor dürfte ordentlich sein.

  1. Sie wohnen definitiv nicht in der Innenstadt. Dann kennen Sie das Gefühl 3 mal um den Block zu fahren.

    Das Problem ist eher ein anderes. Die die dieses Auto brauchen, haben keine Garage, vor allem keine Steckdose

    3 Leserempfehlungen
  2. Wenn ich - wie beschrieben - im Twizzy den gleichen Komfort wie in der U-Bahn oder auf dem Fahrrad erfahre, warum fahre ich denn dann nicht mit der U-Bahn oder dem Fahrrad,
    Weil nicht überall u-Bahnen fahren, und das Fahhrad auch nicht die Lösung aller Mobilitätsprobleme ist?
    Im Winter bei Schnee/Glatteis fahre ich jedenfalls kein Zweirad.

    für dessen Akku Lithium-Frachter um die Welt geschickt werden, die Herstellungskette (Aufbereitung Lithium) zwischen Australien, Deutschland, China und Japan pendelt,
    Irgendwelche Belege für diese Behauptung?
    Die Hauptabbauländer kommen in der Liste auch nicht vor.

    damit nach der äußerst knappen Lebenszeit die giftigsten Abfälle einzulagern sind
    Was für ein äußerst hirnknapper Unsinn.
    Lithium wird sogar als Medikament eingesetzt, und statt Einlagerung ist Recycling möglich (außer bei den Akkus, die irgendwelche Vollpfosten in die Hausmülltonne werfen).

    Es ist unfassbar, was heute für Umweltverbrechen im Namen des Umweltschutzes verübt werden.
    Es ist unfassbar, was heute für Unsinn im Namen des Besserwissertums gepredigt wird.
    Sicher betreiben Sie Ihr Handy/Laptop mit total umweltfreundlichen NiCd-Akkus, damit Ihr Umweltgewissen rein bleibt.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Komfort"
  3. Aber das Video sagt nicht viel aus ohne Geschwindigkeitsangaben und die Messwerte an den Dummies.

  4. Da ein Elektromotor im Gegensatz zum Verbrennungsmotor keine Abwärme erzeugt, muss die Energie aus der Batterie kommen.

    Nein, das muß sie nicht.
    Sicher kann Herr Schwarzer mal investigativ recherchieren, welche Produkte Firmen wie Webasto, Truma und Eberspächer herstellen.

    Bereits die über 10.000 seit 1992 von Renault und PSA produzierten E-Autos waren mit Verbennerheizungen ausgestattet, und heute wieder z.B. der Stromos, Tazzari Zero (optional) oder der Citroen Berlingo Venturi.

    Ich verstehe nicht, wie eine seit über 20 Jahren bekannte Heizungsmöglichkeit für E-Autos bei Journalisten und "Experten" scheinbar völlig in Vergessenheit geraten konnte.

    OK es ist unangenehm mit einem E-Auto alle paar Wochen mal zur Sprittankstelle zu müssen (oder einen neue Gasflasche einzusetzen).
    Aber Fahren mit Strom und Heizen mit Verbrennung ist trotzdem viel besser als andersrum :-)

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    Mit Strom heizen und das Heizöl (den Diesel) in's Auto scheint mir nicht so verkehrt - schließlich müssen dann keine schweren Akku-Packs durch die Gegend gekarrt werden.
    Abgesehen von der Entsorgung dieser Akkus scheinen modernste Li-Ion-packs auch beim Dreamliner gerade ein Sicherheitsrisiko zu sein.

  5. Mit Strom heizen und das Heizöl (den Diesel) in's Auto scheint mir nicht so verkehrt - schließlich müssen dann keine schweren Akku-Packs durch die Gegend gekarrt werden.
    Abgesehen von der Entsorgung dieser Akkus scheinen modernste Li-Ion-packs auch beim Dreamliner gerade ein Sicherheitsrisiko zu sein.

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    Mit Strom heizen und das Heizöl (den Diesel) in's Auto scheint mir nicht so verkehrt
    Das scheint nur, weil "das haben wir doch schon immer so gemacht" also muß es ja toll sein.

    schließlich müssen dann keine schweren Akku-Packs durch die Gegend gekarrt werden.
    Ich warte immer noch auf einen Praxistest, wieviel Mehrverbrauch das noch vorhandene Mehrgewicht von E-Autos beim Energieverbrauch tatsächlich ausmacht, und ob es nicht durch die Reku (über)kompensiert wird.

    scheinen modernste Li-Ion-packs auch beim Dreamliner gerade ein Sicherheitsrisiko zu sein.
    Ja, scheinen.
    Allerdings kann man JEDEN Akku durch Kurzschluß oder falsche Behandlung zu Explosion bringen, auch die bisher verwendeten NiCd-Akkus.
    Anstatt in die unter "Experten" beliebte Lithiumakku-Hysterie zu verfallen (gegen die übrigens Lithium helfen würde http://de.wikipedia.org/w... )
    tippe ich eher auf ein falsch designtes BMS oder Temperaturmanagement und hoffe, dass die Untersuchungsergebnisse am Ende veröffentlicht werden.

    Akkus explodieren oder brennen nicht einfach so von selber, auch nicht LiCo.

  6. Googeln sie doch mal bei den "großen" Gabelstaplerherstellern was es dort alles für hübsche Spielzeuge gibt. Sitz- und Fahrgastzellenheitzung, Radio und Boardcomputer, Parkplatzschaffer/Gabel :) und das alles bei einem Gesammgewicht von 1,2-3,5t, wobei jeweils 500-1000Kg Batterie dabei ist, welche aber, mit richtigen Hilfmitteln einfach zu wechseln sind. Viele solcher Arbeitsgeräte fahren ebenfals auf Gas oder sogar noch besser Hybrid Elektro/Gas. Wundert mich eh, das nicht schon lange Jungheinrichs oder Mitsubishis oder, oder, oder, auf den Strassen unterwegs sind.

    Mit Autopilot und allen anderen möglichen Schnickschnack wie Annäherungssensoren oder automatischen Einparken bekommt der Spruch "Nur blinde fahren Linde" dann auch wieder einen ganz anderen schnack.

    PP

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  • Schlagworte BMW | Volkswagen | Audi | Renault | Carsharing | Elektroauto
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