Ulrike Saade : Netzwerken für mehr Radverkehr
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Fahrradmesse ins Leben gerufen

Auf der Gründungsveranstaltung des VSF wurde sie in den Vorstand gewählt. "Als Quotenfrau", sagt sie und winkt lachend ab. Damals habe sie eher zugehört. "Ich war schüchtern, nicht so selbstbewusst wie heute", sagt sie. Zuhören kann sie immer noch gut, das sagen jedenfalls ihre Wegbegleiter. Und dass sie ein Gruppenmensch sei. Auf Veranstaltungen sieht man die kleine Frau mit den rotblonden Haaren stets inmitten der Männer angeregt diskutieren. Im Gespräch entwickelt sie ihre besten Ideen, sagt sie.

Etwa die für den Fahrradmarkt Zukunft, eine Fahrradmesse mit Vorträgen, Schulungen und Publikumsschau. Was aus heutiger Sicht fast langweilig klingt, weil es so alltäglich ist, war 1997 revolutionär. Fahrradmessen, wie sie heute alle paar Monate stattfinden, gab es nicht. Die Gesellschaft schenkte dem Alltagsrad noch wenig Aufmerksamkeit, innerhalb der Branche gab es wenig Austausch. Das drückte auf Stimmung und Selbstbewusstsein der Branche. Saade wollte das ändern.

"Das Fahrrad war so ein tolles Produkt, darauf konnte man stolz sein und so musste man es auch präsentieren", sagt sie. Mit diesem Vorsatz mietete sie die schönsten Räume, die sie für diesen Zweck kriegen konnte: das Kongresszentrum in Bremen. Allerdings fehlte ihr das Budget für die Miete. Also rief sie vier große Hersteller an und fragte, ob und was diese zu spenden bereit seien. Innerhalb kurzer Zeit hatte sie die Miete zusammen.

Saades Idee ging auf. Alle kamen: Händler, Hersteller, außerdem Kunden, Presse und Politiker. "Die Branche hatte förmlich darauf gewartet, dass so etwas passiert", sagt die Berlinerin rückblickend. An diesem Tag entstanden neue Netzwerke, aber es etablierte sich auch eine neue Gesprächskultur zwischen Kollegen und mit den Kunden. Inspiriert und voller Ideen fuhren alle heim. Noch heute loben die Teilnehmer den ersten Fahrradmarkt Zukunft. Für sie war es ein Wendepunkt – für Saade ein Meilenstein in ihrer Karriere. Mit dieser Veranstaltung hatte sie sich einen Namen gemacht.

Freude am Querdenken

Diese Messe zeigte auch: Saade hat ein Gespür für Strukturen. Sie kann viele Fäden, die auf den ersten Blick nichts gemein haben, zu einem Strang verknüpfen, der dann in ein Projekt mündet. Sie ist überzeugte Netzwerkerin, die gerne Menschen zusammenbringt, die einander inspirieren. So ist 1996 der Bike Brain Pool entstanden, ein runder Tisch für Experten aus der Branche, die jenseits von Wettbewerbs- und Verbandsgrenzen das Radfahren fördern wollen. Saade leitet und koordiniert die Treffen und lädt auch branchenfremde Gäste ein, etwa Psychologen, die über Themen jenseits der Fahrradtechnik sprechen. Auf diese Weise quer zu denken, gefällt ihr.

Wer so arbeitet, dem ist selten langweilig. Der entdeckt aber auch immer wieder neue Aufgaben. Saade entwickelte sich von der Schrauberin zur Organisatorin, von der ewig Diskutierenden zur Geschäftsführerin ihres Unternehmens Velokonzept. Sie arbeitete stets viel, häufig sechs Tage die Woche. Der Sonntag ist oft ihr liebster Tag. Dann ist sie allein im Büro. "Ich arbeite gar nicht", sagt sie, "ich lese meine E-Mails und plane meine Woche."

Seit 30 Jahren engagiert sie sich jetzt für fahrradfreundliche Städte. Auf den Kongressen und Symposien, die sie regelmäßig besucht, hört sie selten Neues. Frustriert ist sie deshalb nicht. "Warum sollte ich das sein?", fragt sie erstaunt. "Schauen Sie nur, wo wir heute tagen." Das Image des Radfahrens hat sich verändert. Statt in Fahrradläden zwischen Rädern und Ersatzteilen diskutiert Saade nun in Botschaften und Landesregierungen. Einmal im Jahr trifft sich die internationale Fahrradwelt in Friedrichshafen zur Messe Eurobike. Das Fahrrad ist längst wieder in der Gesellschaft angekommen. Saade hat daran gewaltigen Anteil.

Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Technik soll sich am Menschen orientieren

schade daß die Radhersteller nicht mal Fahrräder für Menschen bauen.

ZB sind "Besenstillenker" völlig ungeeignet für menschliche Handgelenke (mal in jede Hand einen Kochlöffelstil nehmen und mit geraden Handgellenken gucken wie die Lenkerkröpfung in der gewünschten Sitzposition sein sollte, kleiner 20° dürfte das kaum werden) und die aktuellen Schaltsysteme für den normalen Asphalt!fahrer auch.

Asphaltfahrer brauchen um die, gegenüber dem Gelände, MTB-Schaltungen, relativ hohe Asphaltgeschwindigkeit herum feine Gangabstufungen (á la Rennrad, ist ergonomisch bedingt) mit stark progressiv wachsenden Gangsprüngen nach unten hin.

Also genau entgegengesetzt zu den so toll beworbeneen =% Stufungen bei denen die absoluten! Gangsprünge nach oben immer größer statt kleiner werden.