Ulrike SaadeNetzwerken für mehr Radverkehr

Ulrike Saade initiierte eine Fahrradmesse, als derlei als utopisch galt. Heute sind ihre Ideen verbreitet. Seit 30 Jahren ist die Berlinerin ein Fixpunkt der Radszene. von Andrea Reidl

Ulrike Saade

Ulrike Saade  |  © privat/Glaubitz&Heidepriem

Mit Ulrike Saade ist es ein bisschen wie mit dem Hasen und dem Igel. Ganz gleich wo man hinkommt im deutschen Fahrradkosmos, sie ist schon da – oder bereits wieder unterwegs zum nächsten Zielpunkt. Seit 30 Jahren ist das Velo ihr Job, aber auch Lebensaufgabe. Sie will sein Image verbessern und ihm mehr Raum im Stadtverkehr verschaffen.

"Früher war ich eine begeisterte Autofahrerin", sagt sie lächelnd. Sie erzählt das gerne. Zu recht, denn jeder, der Saade kennt, stutzt. Schließlich ist ihr Name seit Jahrzehnten eng verwoben mit Leuchtturmprojekten rund ums Fahrrad. Sie gehörte zum Kollektiv des ersten alternativen Fahrradladens in Deutschland und zählte zu denen, die Mitte der achtziger Jahre den Verbund Selbstverwalteter Fahrradbetriebe (VSF) gründeten.

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Aber Saade fuhr auch gerne Auto und konnte sich ein Leben ohne Pkw nicht vorstellen. Das war Ende der Siebziger. Da war sie Mitte zwanzig und arbeitete als Lehrerin in Berlin-Spandau. Jeden Tag pendelte sie mit ihrem Kollegen zur Schule. Dann sattelte er aufs Fahrrad um. Die Sportlehrerin war fassungslos. "15 Kilometer sind doch viel zu weit", fand sie. Aber der Stachel saß. Kurze Zeit später kaufte sie sich ein Fünfgang-Rad und radelte mit. Überrascht stellte sie fest: Es geht. Mehr noch: Es ist einfach und toll.

"Ich wollte etwas erschaffen"

Die Freude hatte jedoch Grenzen. Die Berlinerin fand das Radfahren in ihrer Stadt gefährlich. Deutschland war Autoland. Die Verkehrsplaner bauten die autofreundliche Stadt, Radfahrer waren nicht vorgesehen. Die wenigen, die pedalierten, galten schnell als Ökos. Es war die Zeit, in der Buchläden das Adjektiv alternativ im Schriftzug trugen und manche Männer Latzhosen, Bärte und Birkenstocks. Viele Akademiker begannen nach ihrem Abschluss zu töpfern und zu tischlern.

Das war nichts für Saade. Aber sie ließ sich beurlauben und heuerte im damals bekanntesten alternativen Fahrradladen der Republik an, dem FahrradBüro in Schöneberg. Das hatten Stadtplaner gegründet, die gegen die geplante Stadtautobahn in Berlin mobil machten und Alternativen zum Auto in der Stadt aufzeigen wollten. Mehr als jedes theoretische Konzept interessierte Saade jedoch die Praxis. Sie wollte mit den Händen arbeiten. "Ich wollte etwas Richtiges lernen, etwas erschaffen", sagt sie. Von da an reparierte sie Räder, lernte schweißen und besuchte Metallkurse.

Jeden Dienstag tagte zudem das Plenum. Stundenlang wurde über Mobilitätskonzepte und hochwertige Räder diskutiert, und darüber, wie man ihr Image in der Gesellschaft verbessern konnte. Themen, die Saade bis heute begleiten.

Doch im Gegensatz zu heute "boten die meisten Händler nur Billigware an", sagt sie. Das FahrradBüro gründete mit anderen Radläden den VSF. In Holland und Frankreich kauften sie gemeinsam solide Räder und Komponenten. "Wir waren damals die größten Abnehmer von Brooks-Sätteln", erzählt sie. Die Kunden standen Schlange. "Wir haben verkauft wie verrückt."

Leserkommentare
  1. Es ging hier um Frau Saade. Kaum erscheint ein Beitrag zum Thema Fahrrad, schon wird von beiden Seiten wieder aufeinander gedroschen. Ich kenne Frau Saade und gratuliere ihr zu ihrem Standing. Sie hat sich um das Fahrrad verdient gemacht und es muß doch wohl für sie eine Freude sein, wie das mit den Rädern so läuft (in doppeltem Wortsinn)! Jetzt erfährt das Fahrrad durch die Elektrofizierung auch noch weiteren Schwung (auch in doppeltem Wortsinn) Interessanterweise stand die Handwerkskammer Berlin den Absichten von Frau Sade mal etwas ohne Meisterprüfung machen zu wollen, sehr reserviert um nicht zu sagen feindlich, gegenüber. Sie hat es trotzdem geschaft! Chapeau!

  2. Sie schruben:
    ".. Menschen vom derzeit energetisch effizientesten Verkehrsmittel überzeugt werden.."

    Ihrem Ansinnen stimme ich gerne zu,
    sehe hier jedoch ein andere Verkehrsmittel klar im Vorteil.
    Der menschliche Körper ist als Transportmittel höchst uneffektiv.

    Auf einer angenommen Strecke von 15 km Radfahren verbraucht der menschliche Körper ca 500 kcal.
    Das entspricht ca 50g Fett - oder, in SI-Einheiten 0,58 kWh Brennwert. (1 kcal = 0.001163 kWh)

    Um allerdings 1 kcal Nahrungsmittel zu produzieren, zuzubereiten und auf Ihren Frühstückstisch zu stellen erfordert es 10 kcal Primärenergieaufwand.

    15 km Fahrradfahren schlagen also mit ca 5,8 kWh Primärenergieeinsatz zu Buche.

    Ein Auto mit 6l/100 km verbraucht auf 15 km 0,9 l Treibstoff - entsprechend ca 8 kWh Primärenergie.

    Die durchschnittliche PKW-Nutzung in Deutschland liegt bei ca 1.5 Personen.
    Pro beförderte Person braucht der PKW dann 5,3 kWh.

    Bei durchschnittlicher Nutzung spart der PKW gegenüber dem Radfahrer also ca 9% Primärenergie ein.

    mfG
    Felefon

    Antwort auf "@ felefon"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • rap2
    • 11. Januar 2013 22:50 Uhr

    Sie meinen der Autofahrer ißt nichts?
    Wer atmet muß auch essen :(

    Woher dann auch das ganze Übergewicht (Autos und Fahrer..)?
    Und die ganzen Rückenprobleme (Bewegungsmangel -> Verkümmerung der Rückenmuskulatur). Sitzen: vom Autositz auf den Bürostuhle danach auf den Fernsehsessel etc.
    Der unmenschliche Fortschritt frißt seine Jünger.

    Die Luft in Autos übersteigt auch alle MAKwerte bei weitem.

    Die Herstellung der Fahrzeuge und der nötigen Fahrbahnen, der Unterbau für Radlerautobahnen dürfte eher light sein dürfen, sind energetisch auch nochmal um Größenordnungen unterschiedlich.

    Und die Krankenkassen sparen bei Radlern das vielfache einer nötigen Steuer für die Leichtbaufahrbahnen ein.

    Außerdem könnte man Menschen regerativ ernähren. Wenn die Landwirtschaft nicht so pervertiert (fortschrittlich) wäre.
    Autos und Butterbrote sind nicht so kompatibel.

    Feinstaub und Lärm und Tote und Schwerverletzte und und und... es gibt viele Unterschiede.

    Und mit sowas hier (mal nach "go-one evo ks" goo****, weiß noch nicht wie das hier mit Links ist...) kann man mit 180W 50kmh fahren :)
    Also bei Tacho 55 im Verkehr mitschwimmen.

    Ich tüftele gerade an deiner cw-förderlichen Verkleidung für "Uprights" mit kurzem Vorbau :) . Sollte 5 kmh bringen.
    Also von ca 25 auf 30 kmh.
    Leicht, transparent, trägt nicht so auf etc...

    Gibt noch sehr viel zu erfinden fürs Nicht-E-Rad.
    Obiges ist nicht mein einziges Projekt...

    Wie andere hier dazu bereits geantwortret haben völlig unzureichend.
    Nur noch als kurze Ergänzung, im Stadtverkehr werden Sie kaum ein Auto finden, erst Recht beim heute üblichen Wagenpark, der 6 Liter/100 km braucht, allein dies Annahme ist schon schön gerechnet zu Guntsen des Autos...
    Die meisten Autos leisten sich eher 8 und mehr Liter im dichten, staugefärdeten Stadtverkehr mit ständigem stopp and go.

    Wie meine Vorredner schon zu Recht anmerkten, rechnet man die komplette Umweltbilanz einen Autos dazu, dann ist Fahrardfahren um längen effektiver, gesünder und vor allem umweltschonender als Auto fahren.

  3. Lustige Rechnung; sie vergessen aber den Energieaufwand für die Förderung und den Transport des Öls. Nicht ganz unwesentlich. Außerdem haben viele es hier schon geschrieben: Radfahren macht einfach Spaß und tut gut. Ich würde auch Rad fahren, wenn es mehr Energie verbrauchen würde, als ein Auto. Ich verstehe aber, lieber Felefon, daß sich das nicht jeder leisten kann.

    • rap2
    • 11. Januar 2013 22:50 Uhr

    Sie meinen der Autofahrer ißt nichts?
    Wer atmet muß auch essen :(

    Woher dann auch das ganze Übergewicht (Autos und Fahrer..)?
    Und die ganzen Rückenprobleme (Bewegungsmangel -> Verkümmerung der Rückenmuskulatur). Sitzen: vom Autositz auf den Bürostuhle danach auf den Fernsehsessel etc.
    Der unmenschliche Fortschritt frißt seine Jünger.

    Die Luft in Autos übersteigt auch alle MAKwerte bei weitem.

    Die Herstellung der Fahrzeuge und der nötigen Fahrbahnen, der Unterbau für Radlerautobahnen dürfte eher light sein dürfen, sind energetisch auch nochmal um Größenordnungen unterschiedlich.

    Und die Krankenkassen sparen bei Radlern das vielfache einer nötigen Steuer für die Leichtbaufahrbahnen ein.

    Außerdem könnte man Menschen regerativ ernähren. Wenn die Landwirtschaft nicht so pervertiert (fortschrittlich) wäre.
    Autos und Butterbrote sind nicht so kompatibel.

    Feinstaub und Lärm und Tote und Schwerverletzte und und und... es gibt viele Unterschiede.

    Und mit sowas hier (mal nach "go-one evo ks" goo****, weiß noch nicht wie das hier mit Links ist...) kann man mit 180W 50kmh fahren :)
    Also bei Tacho 55 im Verkehr mitschwimmen.

    Ich tüftele gerade an deiner cw-förderlichen Verkleidung für "Uprights" mit kurzem Vorbau :) . Sollte 5 kmh bringen.
    Also von ca 25 auf 30 kmh.
    Leicht, transparent, trägt nicht so auf etc...

    Gibt noch sehr viel zu erfinden fürs Nicht-E-Rad.
    Obiges ist nicht mein einziges Projekt...

  4. Wie andere hier dazu bereits geantwortret haben völlig unzureichend.
    Nur noch als kurze Ergänzung, im Stadtverkehr werden Sie kaum ein Auto finden, erst Recht beim heute üblichen Wagenpark, der 6 Liter/100 km braucht, allein dies Annahme ist schon schön gerechnet zu Guntsen des Autos...
    Die meisten Autos leisten sich eher 8 und mehr Liter im dichten, staugefärdeten Stadtverkehr mit ständigem stopp and go.

    Wie meine Vorredner schon zu Recht anmerkten, rechnet man die komplette Umweltbilanz einen Autos dazu, dann ist Fahrardfahren um längen effektiver, gesünder und vor allem umweltschonender als Auto fahren.

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  • Schlagworte Frankreich | Niederlande | Miete | Bremen | Friedrichshafen
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