Fällt das Wort "Unfallwagen", führt das Kopfkino gern eine fürchterlich demolierte Karosse vor, die mit viel Mühe hergerichtet wurde. Ob wirklich wieder alles in Ordnung ist, kann man nur hoffen. "Unfallfrei" dagegen steht für Makellosigkeit, es bedeutet das Fehlen jeglicher durch Fremdkontakt im Straßenverkehr entstandenen Blessur.

Wie in vielen anderen Fällen unterscheidet sich die Realität jedoch deutlich vom allgemein Angenommenen. Hier ist nicht die Rede von wirklich großen Schäden, welche aufwändige Blecharbeiten oder den Austausch von Teilen erfordern. Da ist die Sache weitgehend klar. Doch ab wann ist ein Fahrzeug nicht mehr wirklich unfallfrei beziehungsweise frei von Vorschäden? Schon eine Beule im Blech durch unsanfte Begegnung beim Einparken kann das Auto zum Problemfall machen.

"Nach aktueller Rechtsprechung ist im Grunde alles ein Unfallschaden, was über eine leichte Lackbeschädigung hinausgeht", sagt Nicolas Eilers von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltsverein. Dreh- und Angelpunkt ist ein Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2007 (Az.: VII ZR 330/06). In dem verhandelten Fall ging es um den Verkauf eines Wagens, bei dem der Eigentümer keine Angaben zu Vorschäden machte. Später stellte sich heraus, dass es einen Blechschaden an einer Tür und dem hinteren Seitenteil gab. Das Gericht urteilte, dass diese Sachmängel über der Definition einer Bagatelle lagen.

Besser nichts verschweigen

Blechschäden werden also grundsätzlich nicht mehr als Bagatellschaden angesehen – selbst wenn die Reparaturkosten dafür gering waren. Ebenfalls wichtig: Die Begriffe Unfallwagen und unfallfrei sind nicht komplementär. Selbst wenn Mechaniker in der Werkstatt nur leichte Karosserieschäden ausbessern und deshalb das Fahrzeug nicht als Unfallwagen bezeichnen, ist es nicht mehr unfallfrei.

Wer also nicht vor Gericht landen will, sollte sich genau überlegen, welche Informationen er einem möglichen Kaufinteressenten vorenthält. "Jeder Verkäufer ist gut beraten, wenn er einem Käufer alles offenbart", sagt Eilers. Es geht dabei nicht darum, einen Gebrauchtwagen als Unfallwagen abzustempeln, sondern um die Rechtssicherheit.

Besitzt das Auto nämlich die vertraglich zugesicherten Eigenschaften nicht wirklich, können auf den Verkäufer große Probleme zukommen. Am Ende könnte er gezwungen sein, den verkauften Wagen wieder zurückzunehmen. Niemand fordert, den Wagen mit Hinweisen auf behobene Unfallschäden anzupreisen – aber wer auf die reparierte Beule im Kotflügel nach einem Parkrempler hinweist, wird damit wohl kaum einen Interessenten abschrecken.