Fahranfänger : Kommt das Pflichttraining nach der Fahrprüfung?

Der Auto Club Europa wirft Fahrlehrern Abzocke ihrer Schüler vor. Das Motiv ist durchsichtig: Er wehrt sich gegen eine mehrstufige Ausbildung.

Günstig ist ein Führerschein nicht. Bis zu 1.800 Euro kann die theoretische und praktische Ausbildung kosten, rechnet der Auto Club Europa (ACE) vor. Etwa ein Viertel aller Fahrschüler fällt aber beim ersten Mal durch. Für sie wird es noch teurer.

Diese Zahlen hat der ACE als Anlass genommen, gegen die Fahrlehrer zu wettern. Er wirft ihnen vor, die Schüler nur mangelhaft auf die Prüfungen vorzubereiten. Schließlich sei das für Fahrschule ein gutes Geschäft: Wer durchfällt, muss weitere Übungsstunden nehmen, noch mal zur Prüfung antreten und somit weiter Geld an die Fahrschule zahlen.

Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände weist den Vorwurf entschieden zurück. Der Dachverband begründet die hohe Durchfallquote mit der Nervosität der Prüflinge. Außerdem würden Fahrlehrer häufig dem Drängen ihrer Schüler nachgeben und sie zu früh zur Prüfung anmelden.

In Deutschland ist eine Diskussion über die Qualität der Führerscheinausbildung und deren Kosten entbrannt. Sie zeigt, welche unterschiedlichen Interessen aufeinandertreffen, wenn Fahrschüler zur Prüfung antreten. 

Bislang etwa kann der ACE keinen überzeugenden Beleg dafür vorlegen, dass Fahrlehrer wirklich aus finanziellem Eigeninteresse daran gelegen ist, dass ein Teil ihrer Schüler durch die Prüfung fällt. Er spricht lediglich einen Verdacht aus. Verdächtig ist folgender Satz des Autoclubs: "Die Fahrausbildung zum Erwerb eines Führerscheins muss für junge Leute auch künftig noch erschwinglich bleiben."

"Viele Fahranfänger überschätzen ihr Können"

Damit zielt der ACE vor allem auf die von verschiedener Seite geforderte Mehrphasen-Ausbildung. Dabei werden junge Fahranfänger auch nach dem Erwerb des Führerscheins weiter betreut. Für das Modell sprechen sich der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR), aber auch die ACE-Konkurrenten ADAC und AvD aus.

Das "Begleitete Fahren ab 17" habe sich als Erfolgsmodell etabliert, findet DVR-Präsident Walter Eichendorf. Er schlägt zusätzlich vor, sogenannte verpflichtende "Feedbackfahrten" für Fahranfänger einzuführen. Bei solchen Fahrten erhalten junge Fahrer von erfahrenen Coaches Rückmeldung darüber, was sie können und was sie nicht beherrschen.

"Viele Fahranfänger überschätzen ihr Können", sagt Ulrich Chiellino, Verkehrspsychologe des ADAC. Der Automobilclub fordert ebenfalls eine gesetzlich vorgeschriebene "Ausweitung der Lernphase". Auch die Deutsche Akademie für Verkehrswissenschaft führt an, dass Fahranfänger weiterhin die am stärksten unfallgefährdete Gruppe von Verkehrsteilnehmern sind. Diese Vorschläge diskutiert dieser Tage der Verkehrsgerichtstag in Goslar. Er gibt der Politik Empfehlungen für Gesetzesänderungen.

Der ACE steht mit seiner Kritik an einem mehrstufigen Modell allein da. Dass es ihm vor allem um mögliche Mehrkosten geht, ist bedenklich. Man gewinnt den Eindruck, der Club stelle die Kosten über die Verkehrssicherheit. Offenbar will der ACE von der Diskussion über das Mehrphasensystem ablenken.

Dabei wird über das Modell schon seit Langem gesprochen. Im Juni 2011 ließ das Bundesverkehrsministerium mitteilen, man prüfe die Einführung von verpflichtenden Fahrstunden nach der Führerscheinprüfung. Bereits damals war von Feedbackfahrten die Rede – und schon damals äußerte der ACE Zweifel an der Sinnhaftigkeit.

Befürworter des Stufenmodells verweisen indes auf Österreich als Vorbild, wo das Mehrphasenmodell vor zehn Jahren eingeführt wurde. "Dort werden junge Fahrer auch nach Erhalt der Fahrerlaubnis weiter gezielt unterstützt", sagt ADAC-Verkehrspsychologe Chiellino. Zwischen 2000 und 2009 ging die Zahl der tödlich verunglückten jungen Fahrer laut österreichischem Verkehrsministerium um 55 Prozent zurück. Ähnliche Erfolge kann auch Finnland vorweisen.

Teurer wird die Fahrausbildung allerdings: In Österreich stiegen die Kosten durch die verbindliche zweite Stufe insgesamt um 150 bis 200 Euro, sagt Chiellino.

Kommentare

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Ausbildung (2)

Ich merke schon als Student in der Innenstadt, dass ich nach 2 Monaten ohne Auto wieder meine Zeit brauche bis wieder alles automatisch läuft.

Wie oben angesprochen, in alltäglichen Situationen komme ich gut zurecht. Aber wenn es mal eng wird, möchte ich bei keinem Fahranfänger ohne Sicherheitraining bei ADAC etc. im Auto sitzen. Wer glaubt, auch nach 200.000 km, dass er sein Aut 100% im Griff hat, liegt weit daneben.
Ich bin dafür, dass solche eine Art Fahrertraining für jeden Fahranfänger Pflicht wird, die Theoriestunden dagegen kann man halbieren. Es fahren genügend Leute unfallfrei, die keine Ahnung von der Theorie haben. Damit könnte man dann auch einiges an Fixkosten sparen.

Motorradfahrer.

Wenn ich in der Stadt 10 Schulterblicke pro Minute mache und vor mir ein Motorradfahrer plötzlich bremst (die Unterschätzen die Kürze Ihres Bremsweges leider häufig), dann sitzt der bei mir ganz schnell auf der Scheibe. Wenn Sie meinen Kommentar richtig lesen würden, beschreibe ich ein durchgegendes Beobachten des Verkehrs hinter mir. Das erfordert ein wenig Praxis, ist aber die deutlich ungefährlichere Variante.

Motorradfahrer. (2)

„Der durchschnittliche Autofahrer macht vielleicht bei jedem 10ten mal einen Schulterblick (wenn überhaupt). Aber das ist in den meisten Fällen auch gut so. Ein Schulterblick heißt auch immer, dass man einen Moment nicht nach vorne guckt.“

"„Wenn mir von denen eins fehlt guck ich zum Seitenfenster raus, ob es neben mir fährt“

Voilà, genau das ist der Schulterblick."

Wie gesagt, jedes 10. mal (also 1/10 der vorgeschriebenen SChulterblicke ist wirklich nützlich).
Bei Abbiegen auf einer normalen Landstraße ohne Radweg mache ich ernsthaft keinen Schulterblick (obwohl er verpflichtend wäre). Wenn ich von 100km/h auf 15 km/h zum Abbiegen bremse, dann ist kein Fahrradfahrer neben mir, den ich vorher nicht überholt habe.
Im normalen Stadtverkehr, Reißverschlussverfahren etc. muss man ich normalerweise nur zwischen 2 Fahrzeuge einordnen, die man vorher selbst (oder andersrum) überholt hat. Da ist jeder Blick, der nicht nach vorne geht Unsinn.

Ich denke, Sie verstehen, was ich meine. Und wenn Sie mal im Auto genau mitzählen, reicht einer von 10 Schulterblicken.

Okay, das wird ein wenig Off-Topic jetzt. :D

Nein leider gibt es Keine Provisorische Fahrerlaubnis

1500 kommen für einen Führerschein als kosten schon hin ist aber häufiger etwas günstiger(ca. 1k).
Die kosten setzzen sich wie folgt zusammen:
100 €(Anmeldungsgebühr und Preis für 12 Theoriestunden im Gruppenuntericht)
12*35€(12 Verbindliche dürchzuführende Sonderfahrten wie z.B. Nacht- oder Autobahnfahreten)
8*30€(Führ Fahrstunden zur Prüfungvorbereitung etc.)
150€(Vorstellung zur Praktischen Prüfung)
Zudem muss man 100€ an den TÜV für die Prüfung bezahlen
Ansonsten komme n och Verschiedene Gebühren und andere Kosten(Sehtest,Passfoto,Erste Hilfe Test,Kosten zur Austellung des Führerschien) von ca. 60€
Somit komme ich auf 1070@ und in der Regel benötigt man noch einige Fahrstunden mehr.