Klassiker VW T2Der Bulli lebt – in Brasilien

Der T2, den alle nur Bulli nennen, hat Kultstatus. 1979 lief in Deutschland das letzte Exemplar vom Band – in Brasilien wird er noch gebaut. S. Grundhoff fuhr eine Runde. von Stefan Grundhoff

Für die einen war er Lastesel, für andere ein Wohnmobil, für manche der erste Schritt in die Freiheit. Der VW Bulli ist seit Jahrzehnten ein Liebling der Massen. Das Design mit den rundlichen Formen, den Kulleraugen und großen Glasflächen kennt fast jeder seit Kindertagen. Während in Europa die fünfte Generation des VW-Transporters zu Preisen von bis zu 70.000 Euro angeboten wird, läuft der Klassiker – das hierzulande in den sechziger und siebziger Jahren gebaute Modell T2 – in Brasilien noch immer vom Band.

Abgesehen von der wenig schmuckvollen Kühlerblende zwischen den Scheinwerfern ist fast alles beim Alten geblieben. Volkswagen do Brasil verkauft den T2 unter dem Namen Kombi, in nur einer Farbe: weiß. Seinen charakteristischen Boxerklang und die damit verbundenen Auspuffknaller beim Ausdrehen hat er jedoch verloren, wie man bei der Ausfahrt am brasilianischen VW-Stammwerk im Südwesten von São Paulo feststellt.

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Wie in einem deutschen Bulli vor 40 Jahren sitzt man auch im südamerikanischen T2 hoch zu Ross. Der Fahrer erklimmt beim Einsteigen durch die recht dünnen Türen den Thron und hält dann ein Lenkrad in den Händen, dessen großer Durchmesser mindestens genauso ungewöhnlich ist wie die Neigung. Die Lenksäule sticht zwischen den Beinen steil und gefährlich nach oben. Einmal im Leben Busfahrer, nur eben in einem kleinen Bus.

Kuscheln auf dem Testbild

Das Cockpit ist karg. Tachometer, ein paar Blinkleuchten und eine LCD-Anzeige für den Kilometerstand, dazu zwei Lichtschalter und ein Lüftungsregler – mehr gibt es nicht. Neben der mörderischen Lenksäule befindet sich die zweite, kaum kalkulierbare Gefahrenquelle des Volants. Diesen Schalthebel hätte Hochspringer Sergej Bubka einst für seine Rekordsprünge missbrauchen können.

Ohnehin lässt die Sicherheitsausstattung erhebliche Wünsche offen. Vorn gibt es Gurte und Kopfstützen, das war's auch schon. Auf der Rückbank muss man auf die Künste des Fahrers und sein Sicherheitsgefühl hoffen: Die Mitfahrer hinten haben weder Gurte noch Kopfstützen. In Europa längst etablierte Sicherheitstechnik wie ABS und ESP steckt im T2 natürlich auch nicht.

Die Sitze lassen sich nicht nennenswert verstellen. Wenn auf allen drei Frontsitzen Erwachsene Platz genommen haben sollten, wird es kuschelig. Der graue Sitzbezug mit dem Testbildmuster findet sich auch auf den beiden Sitzbänken hinten wieder.

Der nagelneue T2 fährt sich wie ein alter Bekannter, den man viel zu lange vermisst hat. Die Lenkung ist schwergängig, der Wendekreis gigantisch. Die vier Gänge sind nicht immer leicht einzulegen. Die aus den fünfziger Jahren stammende Fahrwerkstechnik des Bulli kommt schnell an ihre Grenzen, nicht erst bei den riesigen Hügeln, die die Stadtverwaltung zur Verkehrsberuhigung in die Straßen hat bauen lassen. Unschlagbar ist die Übersicht. Wo die Scheiben enden, ist beim 4,51 Meter langen Auto auch Schluss.

Leserkommentare
  1. Wer ein "sicheres" Auto haben will, das er bei der kleinsten Hüstelei in die Werkstatt bringt, soll sich einen VW Truthahn kaufen. Wer hingegen ein übersichtliches, einfach zu wartendes Auto haben möchte, der ist mit dem T2 gut bedient. Wer moderne Autos gewohnt ist, wird sich mit dem T2 schwer tun, denn der erwartet einen Fahrer, der zupackt, ein "Herrchen", das weiß und sagt wo es lang geht. Das ist wie bei allen etwas älteren Autos - sie verlangen Zuwendung und auch technisches Verständnis, honorieren Pflege und gute Behandlung aber meist mit stoischer Zuverlässigkeit. Und wenn mal was ist, braucht man keinen Laptop, der den Fehlerspeicher ausliest.

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    es mit einer Kutsche. ;-)

    Der Bulli ist süß, aber seine Zeit ist zum Glück schon lange vorbei in Europa. 10 Liter Verbrauch, so ein Schluckspecht und unbequem ist er auch noch.

    Sicher hängen an dem Wagen schöne Erinnerungen, er ist aber einfach nicht mehr zeitgemäß.
    Heute sind die Erwartungen an einen Pkw ganz andere.

    Der alte Bulli ist eines der wenigen Fahrzeuge von VW, die wirklich Charakter haben und eine zeitlang das Straßenbild geprägt hatten. Wenn ich mal zuviel Zeit habe und dann das nötige Kleingeld wäre solch ein Transporter schon ein lustiges Spassmobil für die Wochenendausflüge.

    Das große Problem von T1 und T2 ist: Die verfügen über keinerlei Knautschzone und Sicherheitstechnik: Da waren schon bei geringfügigen Auffahrunfällen oft die Beine ab. Bei den Rettungsdiensten wurden diese Fahrzeuge damals auch als "Krüppelkutschen" bezeichnet. Im Internet gibt es einige Fotos von T1 Unfallfahrzeugen, bei dem einen schon ganz anders werden kann. Übertragen auf den NCAP-Crashtest wäre das nicht einmal ein Stern. Robustes Fahrzeug und einfache Reparierbarkeit in allen Ehren, aber das ist für mich für ein Gebrauchsfahrzeug ein absoluter Show-Stopper.

    So denken wohl mittlerweile auch die Brasilianer, zumal 17000€ dafür auch ein stolzer Preis ist.

    • xl
    • 13. Januar 2013 11:26 Uhr

    Mir persönlich wären 10 Liter ja auch zuviel aber ein T5 Benziner braucht da im wirklichen Leben leider auch nicht viel weniger. Da frisst das exzessive Gewicht und die viele Elektronik den Effizienzgewinn bei den Motoren einfach wieder auf.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Noch einfacher geht "
  2. ... hätte auch hier geholfen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Alkohol"
    • Ingres
    • 13. Januar 2013 17:52 Uhr

    Mit Führerschein 1955 und weit über die Millionmarke Km, war ich noch nie in die Lage gekommen, ESP oder ABS benutzen zu müssen! Schön das es sowas gibt, aber auch bei zügigem fahren (nicht rasen...) kann mann vorherschauen und dieser Fahrhilfen entbehren, ESP schon allemal.
    Grüsse aus Orléans.

    2 Leserempfehlungen
  3. "Die aus den fünfziger Jahren stammende Fahrwerkstechnik des Bulli kommt schnell an ihre Grenzen, ..."
    Für den Brasilienbus stimmt das m.W. Der hat noch die Hinterachse vom T1 (split screen). Bei uns gab's ab '67 eine Schräglenkerachse und damit fährt er sich wirklich fein - und zwar verglichen mit allen(!) anderen Kleintransportern bis zum heutigen Tag.
    Eine dezidierte Knautschzone (Deformationselement) gab es ab dem '73er Modell und an der ist bei meinem schon mal ein zeitgenössischer PKW bei 'ner Frontalkollision zerschellt, der anschließend mit der Winde auf den Abschlepper gezerrt und verschrottet werden mußte. Ich habe die Scherben von meinem Scheinwerfer zusammengefegt und konnte weiterfahren.
    Die Lenksäule ist übrigens über eine Knickstrebe an der Front abgestützt und schwenkt beim Aufprall nach vorne. Der Lenkkranz kann sich um die Speichen verdrehen, die deshalb bei Geradeausfahrt stets quer ausgerichtet sein sollen.
    Verglichen mit heutigen Sicherheitsstandards ist das zwar alles etwas archaisch, aber das Auto ist dennoch alles andere als 'ne Mausefalle.
    http://vimeo.com/29327958

    2 Leserempfehlungen
  4. es mit einer Kutsche. ;-)

    Der Bulli ist süß, aber seine Zeit ist zum Glück schon lange vorbei in Europa. 10 Liter Verbrauch, so ein Schluckspecht und unbequem ist er auch noch.

    Sicher hängen an dem Wagen schöne Erinnerungen, er ist aber einfach nicht mehr zeitgemäß.
    Heute sind die Erwartungen an einen Pkw ganz andere.

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    • xl
    • 13. Januar 2013 11:26 Uhr

    Mir persönlich wären 10 Liter ja auch zuviel aber ein T5 Benziner braucht da im wirklichen Leben leider auch nicht viel weniger. Da frisst das exzessive Gewicht und die viele Elektronik den Effizienzgewinn bei den Motoren einfach wieder auf.

    • Sauzahn
    • 13. Januar 2013 11:32 Uhr

    Der T2 ist, wie auch die alten Ford Transit, bestens mit dem Fuß zu schalten. Der Fahrer kann natürlich die Gänge auch klassisch einrühren.

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    • scoty
    • 13. Januar 2013 11:43 Uhr

    die ich von diesem damals Wagen kannte war das vorne befestigte Reserverad was bei diesem Fahrzeug im Kofferraum liegt.

    " Einige Firmen importieren den Klassiker "

    Gebrauchte Ersatzteile werden wohl z.B. bei den Ludolfs zu finden sein.

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