Wasserstoff : Studie nährt Zweifel am Erfolg der Brennstoffzelle
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Studie: Brennstoffzelle nur für Nischenanwendugen

"Die Wasserstoff-Infrastruktur und -Herstellung ist nicht die größte Hürde auf dem Weg zu einer Wasserstoffwirtschaft", schreibt der Lux-Analyst Brian Warshay. "Außer für Nischenanwendungen bleiben die Investitionskosten für Brennstoffzellen schlicht zu hoch." Im Bereich Mobilität kämen sie zum Beispiel am ehesten für Industriefahrzeuge wie Gabelstapler infrage.

Damit trübt sich auch eine weitere Hoffnung der Brennstoffzellen-Befürworter ein. Sie setzen auf fallende Gaspreise in den USA, um die Technik konkurrenzfähig zu machen. Aber auch die könnten die hohen Kosten für die Brennstoffzellen nicht wettmachen, sagt Warshay. Derzeit sind Brennstoffzellen für die Heimanwendung, zum Beispiel in Japan, hochsubventioniert. Bei serienproduzierten Pkw rechnen die Hersteller mit einem Aufpreis von mehreren tausend Euro für ein Brennstoffzellenfahrzeug.

Welche Daten Brian Warshay für seine Berechnung zugrunde gelegt hat, erläutert er in einer E-Mail. Er schreibt: "Selbst wenn die Kosten für Brennstoffzellen bis 2030 einen Preis von 47 Dollar je Kilowatt Leistung erreichen, wie es das US-Energieministerium (Department of Energy, DOE) annimmt, genügt das nicht, um den Markt aufzurollen. Wir gehen allerdings nicht davon aus, dass Brennstoffzellen so günstig werden." Das DOE geht ab einer Fertigungszahl von 500.000 Fahrzeugen pro Jahr davon aus, dass dieses Preisniveau erreicht wird. Werden weniger Autos produziert, steigert das auch die Kosten für die Brennstoffzellen.

Und das ist laut Warshay der Grund: Knackpunkt aller Aussagen über die künftigen Kosten von Brennstoffzellen sind also die Produktionszahlen – logisch, denn das gilt für die meisten anderen Technologien auch. In seinem Computermodell springen die Verkäufe der Fahrzeuge aber nur auf eine Zahl von rund 140.000 produzierten Pkw, wenn der Preis für Wasserstoff pro Kilogramm bei sechs Dollar liegt – was extrem niedrig ist – und die Kosten für die Brennstoffzellen bei 50 Dollar pro Kilowatt Leistung. Also selbst in diesem, theoretischen, Fall steigen die Absätze nicht über 500.000 Fahrzeuge (das deckt sich übrigens mit den Annahmen mehrerer Studien zu dem Thema). Skalierungseffekte treten also kaum ein.

Hier ist noch eine Grafik aus der Lux-Studie zu sehen, wie sich die Produktionszahlen mit den verschiedenen Parametern entwickeln. Man beachte allerdings auch den sehr hohen Ölpreis, der das Szenario eher günstig erscheinen lässt.

Erschienen im Portal WiWo Green der Wirtschaftswoche

Kommentare

55 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

jain.....

der Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken geht bei der Primärenergie los (dann glaube ich war's etwas um 40-50%, mit KWK noch deutlich drüber).

Der Wirkungsgrad, um den es hier geht, ist der Wirkungsgrad von Strom bis Fortbewegung, also Strom-H2-Strom-Fahren, d.h. da ist die Erzeugung des 1. Stroms noch nicht drin. Deren Wirkungsgrad liegt bei derzeit 10-15% (Solar, im Höchstfall, Labor und Multizelle etwas drüber) 40-50% (moderne Windkraftanlage im Optimalfall)

Im übrigen scheinen mir 30-50% noch ganz schön hoch für diesen Prozess, da neben der Elektrolyse auch noch die Kompression und ggf. Kühlung des Wasserstoffs (beim Komprimieren) ansteht, Prozesse, die zwangsweise verlustbehaftet sind. Rein aus dem Gefühl würde ich das bei 20% einordnen, aber da lasse ich mich gern eines besseren belehren.

Trotzdem ist ein Argument richtig: bevor ich den Stromabnehmern an der Strombörse noch Geld obendrauf zahle, damit mein Netz nicht kaputt geht (wg. Überangebot), würd ich ihn lieber bei der Wasserstofferzeugung verbraten und den dann später verkaufen.