WasserstoffStudie nährt Zweifel am Erfolg der Brennstoffzelle

Daimler und andere Autohersteller arbeiten an Autos mit Wasserstoff-Antrieb. US-Forscher bezweifeln den Durchbruch der Technik: Die Brennstoffzelle sei schlicht zu teuer. von 

Brennstoffzellen, die aus Wasserstoff oder Erdgas Strom und Wärme erzeugen, werden seit Jahren als die Zukunftstechnik für Verkehr und Energieversorgung gehandelt. Manche Experten wie Jeremy Rifkin rufen gar den Beginn einer Wasserstoffwirtschaft aus. Demnach könnte grüner Strom in Wasserstoff umgewandelt werden, der dann Autos antreibt oder Gebäude beleuchtet und heizt. Das flüchtige Gas würde also sowohl Öl als auch Kohle ersetzen.

Das Charmante an der Idee: Wasserstoff lässt sich im Erdgasnetz in rauen Mengen speichern. Damit würden ganz nebenbei auch Solaranlagen und Windparks grundlastfähig. Das bedeutet: Scheint viel Sonne und weht viel Wind, wird ein Teil des Stroms in Elektrolyseuren zu Wasserstoff gemacht. Der kann am Abend und bei Flaute wieder verstromt werden.

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Kritiker bemängeln schon lange, dass das Verfahren zu viel Strom vergeudet. Denn betrachtet man den gesamten Zyklus von Strom zu Wasserstoff zu Strom und Wärme, bleiben am Ende nur rund 30 bis 50 Prozent der ursprünglichen Strommenge übrig. Die Antwort der Verfechter des Wasserstoffs: Bevor der überflüssige grüne Strom verloren geht, kann man ihn auch mit Verlust in Wasserstoff umwandeln.

Hoffnungsträger als Rohrkrepierer?

Und tatsächlich: Autohersteller wie Daimler sind davon überzeugt, dass Wasserstoff aus grünem Strom in einigen Jahren konkurrenzfähig zu Benzin und Diesel werden kann. Ohne Steuern und Abgaben ist Wasserstoff das heute schon – vor allem in Regionen wie Südtirol, die über reichlich günstige Wasserkraft verfügen. Auch große Unternehmen wie Apple und Ebay setzen für die Energieversorgung ihrer Gebäude schon auf die Brennstoffzellentechnik von Startups wie Bloom Energy.

So weit und so gut die Theorie und ansatzweise auch die Praxis. Nun bekommt die Wasserstoff-Euphorie aber aus eher unerwarteter Richtung einen Dämpfer. Nämlich bei den Kosten für Brennstoffzellen. Heute sind diese sowohl für den Einsatz in Pkw und Häusern zu teuer. Mit zunehmender Produktionszahlen, so sagen die Hersteller, würden diese aber zunehmend günstiger.

Eine neue Studie der US-Technologieberatung Lux Research sieht das – zumindest bis 2030 – nicht bestätigt. In diesem Jahr liege der weltweite Umsatz mit der Brennstoffzellentechnik gerade mal bei drei Milliarden Dollar. Der Grund dafür sind aber nicht die hohen Kosten oder Energieverluste bei der Herstellung von Wasserstoff. Die machen nur rund ein Drittel der Gesamtkosten beim Einsatz der Technik aus. Vielmehr sind die Brennstoffzellen selbst zu teuer.

Leserkommentare
    • Sikasuu
    • 19. Januar 2013 15:39 Uhr

    Was meinst du denn was foss. Öl anderes ist als umgewandelte Biomasse!
    .
    Nur leider nicht 1 zu 1.
    .
    Pack also Bio-Masse 10-20 mio. Jahre weg und verbrauch sie dann kostengünstig.
    .
    Mir sind Rechenmodelle nicht nachvollziehbar, die unseren Energieverbrauch weltweit mit Bio-Masse kostengunstig und machbar realisieren lassen.
    .
    Bio-Masse in den Mengen bereit stellen zu können, dürfte eine Illusion sein.
    .
    Ich habe zahlen im Kopf, (leider Quelle nicht mehr präsent) das die jährliche (zugreifbare) Biomassenproduktion gerade mal dem weltweiten foss. Energieverbrauch entspricht.
    .
    Daneben muss auch die Konkurenznutzung gesehen werden. Thema Brot oder Sprit= fahren/warm haben oder verhungern?
    .
    Hübsche Idee, leider OHNE tragfähige Fakten.
    .
    Meint
    Sikasuu

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    Was Sie schreiben basiert auf alten Vorurteilen und Teilwissen.Ich hatte Ihnen doch empfohlen erst zu lesen und dann zu antworten.
    „...nach Untersuchungen des Instituts für Energie Leipzig (stünden in Deutschland) im Jahre 2030 ca. 90 Mio. ha für die Produktion von Energie zur Verfügung. mit der in 2030 möglichen Ernteerträgen könnte man dann ca. 90.000 PJ Biomasseenergie erzeugen. Auf Deutschland entfallen dabei rechnerisch 16.000 PJ ... Bei einem Anteil von 70% Bio-Wasserstoff an der Energiewirtschaft benötigt Deutschland ca. 2.500 PJ, um alle atomaren und fossilen Energien zu ersetzen. Mehr dazu dann hier:
    http://www.bio-wasserstoff.de/h2/Bio-Potenzial/bio-potenzial.html
    http://www.h2works.org/de/inhaltliches/h2herstellung/wasserstoffprodukti...
    http://www.aud24.net/pi/index.php?StoryID=317&articleID=167043
    http://www.hzwei.info/blog/2011/09/02/herstellung-von-wasserstoff-aus-bi...

  1. Nö, nö, nö!

    (Mit Vorschriften, Abgaben und "politischer Landschaftspflege" lässt sich jeder technische Fortschritt verzögern, bis die betreffende Technik Allgemeingut geworden ist, das sich nicht mehr unterdrücken lässt. Der marktverzerrende Einfluss von Staats- und Industrieinteressen im Bereich der Energie ist doch ein hervorragendes Beispiel -- was kosten Öl/Strom/Gas auf dem freien Weltmarkt, was in D, und wie hoch ist der Aufwand, alternative Energien legal nutzen zu dürfen?)

    Kai Hamann

  2. Die Brennstoffzelle kann schwächer sein als die Maximalstärke. Mann kann einen kleinen Akku oder Katalysator einbauen für die Zusatzenergie die man beim Beschleunigen braucht. Den braucht man eh um die Bremsenergie nicht zu verlieren.

    Antwort auf "Viele Fragezeichen "
    • Tiroler
    • 19. Januar 2013 16:19 Uhr

    ""Und tatsächlich: Autohersteller wie Daimler sind davon überzeugt, dass Wasserstoff aus grünem Strom in einigen Jahren konkurrenzfähig zu Benzin und Diesel werden kann. Ohne Steuern und Abgaben ist Wasserstoff das heute schon – vor allem in Regionen wie Südtirol, die über reichlich günstige Wasserkraft verfügen."" Diese Behauptung ist so unsinnig und so weit von der Realität entfernt, dass man nur den Kopf schütteln kann. Elektrische Energie (aus Wasserkraft gewonnen) ist in Südtirol wesentlich teurer als z. B. in Nordtirol. Der energieintensive Siliziumhersteller MEMC in Sinich bei Meran hat daher vorübergehend sein Werk geschlossen und wartet darauf, dass die aus politischen Gründen in den 60er-Jahren unterbrochene Stromleitung über den Brenner wieder instand gesetzt wird, um billigeren Strom aus Nordtirol oder aus Bayern importieren zu können.

    • genius1
    • 19. Januar 2013 19:21 Uhr
    • genius1
    • 19. Januar 2013 19:36 Uhr

    http://www.bio-wasserstoff.de/h2/H2-Herst_/h2-herst_.html

    Stadtgas:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Stadtgas

    Da ich kein Gas verbrauche und daher keine Gaspreise kenne, ein Link zu einem Stadtgasanbieter:

    http://www.stadtwerke-landsberg.de/angebote-preise/erdgas-produkte/stadt...

    Falls der Link gelöscht wird, wegen Unerlaubter Werbung, dann bitte Goggeln unter stadtwerke-landsberg. Komme selbst aus 58...Hagen NRW.

    Jetzt würde mich Interessieren, ob das Stadtgas billiger ist, als das Gas aus Russland?

    Stadtgas und Wasserstoff - Produktion im eigenen Land, dann bleibt auch das Geld hier. Und für Technische Probleme - dafür haben wir hervorragende Ingeneuere und Techniker.

  3. ...nur mal rasch bei Wikipedia nachgeschaut: Capital / Lux Research:

    "Lux Capital's portfolio companies include (...) Lux Research (...) (Anm.: insgesamt 20 verschiedene Firmen). (...) "Lux's principals have been interested in developing improved methods for the treatment or remediation of nuclear waste, to assist the nuclear power industry."

    Was ich damit sagen möchte: Mir ist im Text vielleicht etwas zuwenig - um nicht zu sagen gar keine - Information über den Hintergrund dieses "Studien-Betreibers" vorhanden. Daher könnte es möglicherweise angeraten sein, solche Aussagen mit etwas Vorsicht zu verbreiten und zunächst erst mal die Company zum Gegenstand einer kurzen Recherche zu machen, bevor man auf die Verkündung ihrer "Botschaft" verlegt. Dies befähigt allzu unkritische Leser (...vermutlich die Masse) etwas genauer hinzuschauen.

    Dieser Kritikpunkt ist generell ein Knackpunkt in der deutschen Presselandschaft und nur böse Zungen würden behaupten, es handelt sich dabei zumindest gelegentlich um einen beliebten Ansatzpunkt gewisser Verleger, selbst ein wenig "Politik" im Lande zu machen.

    2 Leserempfehlungen
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    • Xdenker
    • 19. Januar 2013 22:45 Uhr

    "es handelt sich dabei zumindest gelegentlich um einen beliebten Ansatzpunkt gewisser Verleger, selbst ein wenig "Politik" im Lande zu machen."

    Beispiel: Die Bertelsmannstiftung, die in letzter Zeit allenaslang mit irgendwelchen (politischen) Studien aufwartet.

  4. 1989, also in der Mitte zwischen Ihren beiden Betrachtungszeitpunkten, war Auto fahren meiner Beobachtung nach wesentlich günstiger. Ein Auto hat nur ein halbes Jahresgehalt gekostet, für einen Facharbeiter-Stundenlohn hat man eher 20 Liter Benzin/Diesel bekommen und ein Golf II Diesel war (wie eigentlich heute immer noch) mit 5 Litern zufrieden.

    Das ist die Messlatte, wegen der heute Alle über das teure Auto klagen.

    Was die regenerativen Energieträger angeht: Selbst gemachter Solarstrom ist schon heute günstiger als Strom aus der Steckdose und die Preise fallen weiter. Während Ihr Auto vor der Arbeit steht, dudelt die Solaranlage zu Hause den Wasserstoff/das Methan/das synthetische Benzin für die nächsten Tage zusammen. Ist das nichts?

    Freilich, das klappt nicht für Alle. Doch je mehr dank eigenem Solardach unabhängig werden, desto billiger werden, dank sinkender Nachfrage, die traditionellen oder zentral hergestellten Kraftstoffe.

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