Der Roadster Mazda MX-5 soll die Basis für den Alfa-Flitzer werden. © Mazda

Der Roadster Mazda MX-5 der nächsten Generation ist gerade so gut wie fertig und bereit zur Produktion – da meldet sich überraschend Fiat bei den Japanern. Fiat-Chef Sergio Marchionne braucht schleunigst einen neuen offenen Zweisitzer im Portfolio seines Konzerns. Und zwar einen, der besser sein muss als der alte Alfa Romeo Spider.

Viele dürften diese Herausforderung für relativ einfach halten. Schließlich ist der aktuelle Spider mit seinem Gewicht zwischen 1,6 und 1,8 Tonnen weit davon entfernt, ein Ausbund an Fahrdynamik zu sein. Doch ist es mit einer deutlichen Gewichtsreduzierung und einem Tausch des Antriebs nicht getan.

Aus diesem Grund wendet sich Fiat an Mazda. Die Japaner fahren mit dem MX-5 seit Jahren ihren Kritikern davon: Der MX-5 gilt mit fast einer Million verkauften Exemplaren als der meistverkaufte Roadster weltweit. Dafür sorgt vor allem der Preis: Ab 22.590 Euro ist der 1,2 Tonnen leichte MX-5 mit seinem sportlichen Heckantrieb zu haben.

Mehr als nur Re-Badging

Genau in diese Liga will Marchionne mit der Marke Alfa Romeo zurückkehren. Mazda nimmt die Aufgabe an. Ab 2015 soll der offene Alfa-Roadster in Hiroshima vom Band rollen. Einiges ist noch unklar – unwahrscheinlich ist aber sowohl, dass erneut die Treibstoffvariante Diesel eine Rolle spielen wird, als auch ein Allradkonzept für den neuen Italo-Japaner. Alfa Romeo dürfte sich vor allem zu Beginn mit eigenen Ideen zurückhalten, um einem guten Ergebnis nicht im Wege zu stehen. Schließlich ist den Italienern daran gelegen, dass das Gemeinschaftsprojekt im geplanten Zeitrahmen auf die Straße kommt.

Von dem Deal soll nicht nur Fiat profitieren. Für Mazda kommen die Italiener gerade zum richtigen Zeitpunkt, denn sie brauchen hohe Stückzahlen: Mazda ist einer der kleinsten eigenständigen Hersteller, und sein US-Partner Ford hat zuletzt sein Engagement verringert. Zudem ist der neue MX-5 nahezu fertig. Potenzielle Diskussionen oder Kompromisse mit Fiat-Ingenieuren während der für ein Fahrzeug wichtigen Entwicklungsphase können nicht mehr auftauchen.

Allerdings: Dass in Japan Mazda-Mitarbeiter einfach Alfa-Embleme auf MX-5-Exemplare kleben, ist nicht zu erwarten. Ein solches Re-Badging wie zuletzt zwischen Lancia und Chrysler bestreitet Fiat offiziell. Auf Basis des Mazda MX-5 werde ein optisch eigenständiger Roadster mit Hinterradantrieb und geringem Gewicht entwickelt, heißt es. Die Motoren sollen zudem aus der eigenen Entwicklung kommen, um zusätzlich die Markenspezifik zu erhöhen.

Rückkehr auf den US-Markt

Marchionne denkt bei der Entwicklung des neuen Spider nicht nur an seine europäischen Kunden. Dem 60-Jährigen geht es insbesondere darum, auf dem US-amerikanischen Markt wieder Fuß zu fassen. Vor 19 Jahren zog sich Alfa Romeo aus den USA zurück. Jetzt ist die Rückkehr geplant. Schließlich ist die Alfa-Mutter Fiat Mehrheitsaktionär beim US-Autohersteller Chrysler. In den USA will Alfa Romeo künftig das Händlernetz der Chrysler-Marke Jeep nutzen. Beide Marken ergänzten sich gut, sagt Alfa-Markenchef Louis-Carl Vignon. "Jeep hat das Segment des harten Offroad begründet, Alfa ist dagegen reiner Fahrspaß."

Eine Kannibalisierung mit der Fiat-Sportwagenmarke Maserati in den USA fürchtet Vignon nicht. Alfa wird in einem leicht tieferen Preissegment angesiedelt und spricht ein jüngeres Publikum an. Für die Rückkehr auf den US-Markt hat sich Fiat den Sportwagen Alfa Romeo 4C ausgesucht, einen Sportwagen mit Mittelmotor. Glasfaser-Kompositteile sollen das Gewicht des Zweisitzers niedrig halten. Der neue Aluminium-Vierzylindermotor dürfte an der 300-PS-Marke kratzen. Premiere hat der 4C im März auf dem Genfer Autosalon.

Der 4C soll als Konkurrent des Porsche Boxster der Auftakt zu einer weltweiten Produktoffensive sein. Dafür investiert Marchionne rund eine Milliarde Euro. Insgesamt neun neue Modelle sollen in den nächsten Jahren das aufholen, was Alfa Romeo in den vergangenen Jahren verpasst hat – darunter eben auch der Spider. Geplant ist zudem ein viertüriger Nachfolger des Kleinwagens MiTo und einer für das Mittelklasse-Modell Alfa 166, der vor allem für die USA wichtig ist. Auch einen SUV soll es wohl geben.

Doch Marchionne weiß: Erst muss der 4C, ein Alfa-Eigengewächs, punkten. "Wir haben nur einen Schuss, und der muss sitzen", sagt der Fiat-Chef.