ElektroautosTeure Batterien lassen Audi zurückschrecken

Nach dem R8 e-tron stoppt Audi auch die Entwicklung des Elektroautos A2. Tesla dagegen startete den Verkauf des Models S. Sind die Amerikaner besser – oder nur mutiger? von Franz W. Rother

Das elektrisch angetriebene Model S des US-Herstellers Tesla

Das elektrisch angetriebene Model S des US-Herstellers Tesla  |  © Noah Berger/Reuters

Ein Klick, ein kurzes Surren – der knallrote Flitzer ist startklar. Als Rennfahrer Marc Basseng den rechten Fuß aufs Fahrpedal drückt, macht der Audi R8 e-tron einen Schuss nach vorn, als hätten im Heck Raketen gezündet. Nach einem Wimpernschlag ist Tempo 100 erreicht, und die Tachonadel fliegt weiter auf die 200 km/h-Marke zu, während aus dem Motorraum ein Summen erklingt, als wäre ein Schwarm Hummeln zum Sturzflug übergegangen. "Krass", sagt der 34-jährige Pilot am Steuer, der auf PS-starken Autos von Porsche, BMW, Mercedes und Audi schon Dutzende von Rennen bestritten hat und in diesem Jahr die Fia GT-1-Weltmeisterschaft gewann. Aber die Beschleunigungswerte des Elektromobils beeindrucken ihn einfach: "Toll, wie der am Gas hängt."

Schon im Dezember sollte die elektrogetriebene Version des Hochleistungssportwagens R8 in den Handel kommen. Angedacht war eine Kleinserie von 100 Autos, die für einen Preis zwischen 150.000 und 200.000 Euro zu haben sein sollten. Doch kurz vor der Freigabe stoppte der Audi-Vorstand jetzt das Vorhaben.

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Nicht etwa, weil die Technik versagt hätte. Allein aus betriebswirtschaftlichen Gründen beendete Audi-Chef Rupert Stadler das Projekt, das in den zurückliegenden drei Jahren 200 Spezialisten beschäftigt hatte und laut Audi einen "kleinen dreistelligen Millionenbetrag" verschlang. Aus, vorbei, das Auto wird jetzt nur noch als Technologieträger genutzt.

An der Batterie gescheitert

Der Grund: Eine Rechnung war nicht aufgegangen. Die Kaufleute des Konzerns hatten darauf gesetzt, dass die Kosten für das Herzstück des Elektroautos, die Lithium-Ionen-Batterie, bis Ende 2012 auf rund 200 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität fallen würden. Tatsächlich aber kostet die Kilowattstunde immer noch etwa 450 Euro. Zu dem Preis aber wurde aus dem R8 e-tron kein Geschäftsmodell.

Denn die 530 Lithium-Ionen-Zellen des japanischen Herstellers Panasonic, aus denen die beiden Elektromotoren an Bord ihren Strom beziehen, speichern 48,6 Kilowattstunden. Der Akkublock allein hätte also fast 22.000 Euro gekostet. Auch sorgten sich die Audi-Vorstände wohl um die Entwicklung der Garantiekosten: Kaum jemand kann heute sagen, wie lange Hochleistungsbatterien im Alltagsstress halten. Reparaturen am Akku würden bei dem R8 e-tron schon deshalb sehr teuer, weil das flüssigkeitsgekühlte Batteriesystem ein mittragendes und versteifendes Element der ultraleichten Karosserie aus Aluminium und Kohlefaserteilen ist.

Dabei sollte 2013 das Jahr werden, in dem die deutsche Autoindustrie mit neuen E-Mobilen in den Wettbewerb mit japanischen, französischen und amerikanischen Herstellern einsteigen wollte, um Deutschland bis 2020 zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen. Tatsächlich aber häufen sich nun die Hiobsbotschaften. So gab Opel Ende vergangenen Jahres bekannt, die geplante Elektroversion des Kleinwagens Adam vorerst nicht zu bauen. Begründung: Die hohen Kosten für die Batterietechnik könne man seinen Kunden nicht zumuten.

Und auch beim Kleinwagenprojekt Audi A2 brach jetzt die Spannung zusammen: Audis neuer Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer hat den Stecker gezogen. "Wenn Sie heute ein rein elektrisch angetriebenes Automobil kostendeckend und gewinnbringend am Markt positionieren wollen, müssen Sie derzeit einen Preis definieren, bei dem die Kaufbereitschaft der Kunden relativ gering ist und für den Hersteller keine großen Stückzahlen übrig bleiben", begründete Dürheimer seiner Entscheidung. Die Elektromobilität brauche noch Zeit. "Mittelfristig setzen wir auf Plug-In-Hybride, die deutlich mehr sind als eine Übergangstechnologie", sagte der ehemalige Porsche-Technikchef. 

Leserkommentare
  1. sind eine teuere Tasse Tee!
    Nirgendwo auf der Welt wird Autofahren und Fliegen
    so verteuert wie bei uns

    2 Leserempfehlungen
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    ist absoluter Blödsinn...

    Haben Sie z.B. mal auf der chinesischen Audi Homepage geschaut was dort manche Autos kosten?

    Der A5 Sportback geht dort z.B. bei 50.000€ los, bei uns bei 33.000€.
    Der A8 W12 kostet dort im günstigsten Fall 300.000€ und bei uns 140.000€.

    Da sagt noch mal jemand die Autos wären hier teuer. Im weltweiten Vergleich stimmt das jedenfalls nicht.

    • 29C3
    • 16. Februar 2013 20:22 Uhr

    tut so, als müsse das neue e-A2 vom Anfang an Gewinne erzielen, ja als würde er den Begriff der Quersubventionierung zur frühen Marktpositionierung gar nicht kennen. Oder sind das Artefakte aus seiner Porsche-Zeit?

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  2. "Wenn Sie heute ein rein elektrisch angetriebenes Automobil kostendeckend und gewinnbringend am Markt positionieren wollen, müssen Sie derzeit einen Preis definieren, bei dem die Kaufbereitschaft der Kunden relativ gering ist und für den Hersteller keine großen Stückzahlen übrig bleiben"

    Und sowas ist Forschungsvorstand. Man könnte meinen, dass dies bei Markteinführung von fast jedem innovativen Produkt der Fall ist. BWL ist halt nicht jedermanns Sache.

    IBM hat am Anfang auch nicht tausende Computer verkauft. Aber WEIL man am Anfang das Risiko kleiner Margen und möglicher Verluste eingegangen ist, war die Firma bei Marktreife plötzlich führend.
    Wenn stattdessen sämtliche Großabnehmer (Mercedes hat seine e-Sparte ja auch erstmal abgespeckt/auf Eis gelegt) mit schlackernden Knien Investitionen in Batterietechnik aufschieben, wird der Preis dieser Technik auch in absehbarer Zeit bei uns nicht fallen. Also überlassen wir den Amis und Asiaten mal wieder das Feld und später muss dann vermutlich der Steuerzahler über weitere Milliarden Forschungssubventionen - denn davon zahlen wir gerade den großen Konzernen bereits viel zu viel - den Rückstand aufholen helfen!

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    Man kann auch die Innovation hinterfragen. Immerhin baut man ein Akku-Auto. Keine Akkus. Wichtig ist die Fähigkeit Akkuautos bauen zu können, WENN man damit Geld verdient. So extern kann man da sicher zu falschen Schlüssen kommen.

    Vom Akku abgesehen, ist ein Elektroauto ein vergleichsweise einfaches Konstrukt. Daher ist die Sinnhaftigkeit -neben dem PR Effekt- von Quersubventionen schon zu hinterfragen.

  3. ist absoluter Blödsinn...

    Haben Sie z.B. mal auf der chinesischen Audi Homepage geschaut was dort manche Autos kosten?

    Der A5 Sportback geht dort z.B. bei 50.000€ los, bei uns bei 33.000€.
    Der A8 W12 kostet dort im günstigsten Fall 300.000€ und bei uns 140.000€.

    Da sagt noch mal jemand die Autos wären hier teuer. Im weltweiten Vergleich stimmt das jedenfalls nicht.

    4 Leserempfehlungen
    • zfat99
    • 16. Februar 2013 21:43 Uhr

    Der Tesla fährt in Kalifornien, der E-Audi sollte in Deutschland gefahren werden. Einfach mal auf die Wetterkarte schauen, die Antwort steht darauf.

    Eine Leserempfehlung
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    Der Tesla fährt in Kalifornien, der E-Audi sollte in Deutschland gefahren werden. Einfach mal auf die Wetterkarte schauen, die Antwort steht darauf.

    Was steht eigentlich auf Ihrer norwegischen Wetterkarte?
    Dort fahren nicht nur heute schon viele Tesla Roadster, sondern bezogen auf die Einwohnerzahl insgesamt sehr viel mehr E-Autos als bei uns.
    Der Nissan Leaf ist sogar in der Top 15 bei den Neuzulassungen.
    http://www.focus.de/auto/...

    Das kann doch nicht, das darf doch nicht, die können doch nicht, das geht doch nicht, nein, nein, neiiiiiin!

    • zfat99
    • 16. Februar 2013 21:47 Uhr

    "Preis: 416.500 Euro."

    1.000.000 E-Autos bis 2020! Prosit!

    Eine Leserempfehlung
  4. Die Firma Audi will uns also erzählen, dass bei einem angepeilten Grundpreis von 150.000 Euro aufwärts die unerwarteten 22.000 Euro für die Akkus einen kaufentscheidenden Unterschied machen. Und dass diese 100 Stück, von denen dann vielleicht nur 90 verkauft würden, die Firma ... überfordern? ... ruinieren? ... würde?

    Man hat einfach weiche Knie. Traut sich die Technik nicht zu, bzw. fühlt sich nicht in der Lage, mit den auftretenden Schwierigkeiten, die ganz sicher kommen, umzugehen. Der Haken: der Ruf als Technologieführer ist damit auch futsch.

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    Audi war eigentlich nie ein "Technologieführer", sondern eher ein Führer im Marketing.

    Von der rein technischen Seite ist solch ein Auto auch nicht besonders anspruchsvoll. Entsprechende Hochleistungselektromotoren gibt es schon länger. Das Thema Kabelei und Steuerung sollte wohl ebenfalls kein Thema sein, oder haben wir es hier mit einem "neuen TT" zu tun, der dann bei 5 Minuten Höchstgeschwindigkeit durchschmort?

    Ich denke die Wahrheit ist viel banaler: Die werden keine oder nicht genug Käufer für die Schaukeln gefunden haben.

    Der R8 fällt schon nicht mehr in die Kategorie Alltagsauto sondern ist für viele Käufer eher ein Sammelobjekt. Die Fahrzeuge werden eher weniger bewegt und müssen auch nicht so viel aushalten, wie ein Alltagsauto. Auf der anderen Seite ist der Nutzungszeitraum von solchen Sammlerautos sehr lang. Wenn sich dann die Reichweite unter Optimalbedingungen auf 100km reduziert und keine Ersatzteile zu bekommen sind, weil sich diese Technologie erst noch etablieren muss, dann haben auch diese Sammler eine Investitionsruine in der Garage.

    Das Auto war offensichtlich als Werbeträger gedacht. Die 100 Akkus könnte Audi aus ihrem Werbebudget problemlos verschenken. Da sie bereits erhebliche Entwicklungskosten in das Projekt investiert haben gibt es nur 2 mögliche Gründe weshalb es nicht gebaut wird.

    Entweder das Auto funktioniert nicht zuverlässig oder es gibt keine Kaufinteressenten. Man möchte wohl lieber BMW und Mercedes den Vortritt bei den befürchteten Negativschlagzeilen überlassen.

  5. Wäre der Audi A2. Da braucht man keine Akkus für. Von der Kfz-Batterie abgesehen. Damals brauchte der A2 2,9 Liter. Mit heutiger Technik könnte man das vielleicht unter 2,5 Liter drücken.
    Die Akkus kann man dann einbauen, wenn der Preis stimmt. Falls der Tag kommt.

    Ob Tesla so viel Know-How erarbeitet, bezweifel ich irgendwie. Denn die bauen ja keine Akkus. Das ist ja die eigentliche Wertschöpfung.

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  • Quelle WirtschaftsWoche
  • Schlagworte Audi | BMW | Mercedes | Panasonic | Toyota | Akku
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