Die etablierten Autohersteller bieten immer mehr Modelle und Modellvarianten, und der Kunde hat immer mehr Möglichkeiten, sein Fahrzeug zu "individualisieren". Der neue Kleinwagen Adam etwa bietet laut Opel mehr als 61.000 Kombinationsmöglichkeiten außen und fast 82.000 im Innenraum: von farbigen Grillspangen, Felgen und Außenspiegeln bis hin zu verschiedenen Sitzdesigns und Dachhimmeln. Das alles kann natürlich kaum darüber hinwegtäuschen, dass die Autos der großen Hersteller Ware von der Stange sind, Fahrzeuge, die sich in enormen Stückzahlen und überall auf der Welt verkaufen sollen.

Auf Autos, die exakt auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt sind, hat sich das US-Unternehmen Local Motors spezialisiert – ganz gleich, wie klein der Kundenkreis ist. Die kleine Firma mit Sitz in Arizona und Massachusetts hat selbst nur wenige Mitarbeiter: ein gutes Dutzend Beschäftigte für Design, Marketing und Vertrieb sowie Ingenieure.

Local Motors hat aber mehr als 25.000 Mitentwickler aus 122 Ländern an der Hand: Ingenieure und Techniker, Profis ebenso wie ambitionierte Amateure. Sie entwickeln Fahrzeuge gemeinsam im virtuellen Raum, mit allem, was Open-Source-Software und Crowdsourcing inzwischen bieten. 2008 startete der heute 39-jährige Finanzanalyst und Harvard-Absolvent Jay Rogers das Unternehmen.

Baupläne sind Open-Source-Dokumente

Das Geschäftsmodell funktioniert so: Der potenzielle Interessent schreibt als Auftraggeber auf der Internetplattform von Local Motors ein Projekt aus. Exakt umreißt er, was für ein Fahrzeug er will, wo es zum Einsatz kommen und was es leisten soll. Anschließend beginnt die erste Phase des Entwicklungsprozesses: Wer liefert die beste Skizze, ein virtuelles Concept Car? Jedes registrierte Mitglied kann sich an der Ausschreibung beteiligen. In den nächsten Phasen werden dann Detaillösungen für Heck-, Front- und Seitenteile, die Räder und Reifen, Materialien, Interieur und den Antrieb gesucht und entwickelt.

Alle angemeldeten Mitglieder der Local-Motors-Community können auf sämtliche Baupläne und Zeichnungen in der Cloud zugreifen und sie weiterentwickeln. Es sind Open-Source-Dokumente, über die die Community nach Belieben verfügen kann. Patente gibt es ebenso wenig wie Lizenzgebühren.

Ganz unentgeltlich werden die Leistungen der globalen Entwicklergemeinde nicht in Anspruch genommen. In der Projektausschreibung, der "Challenge", wird ein Budget festgesetzt. Die überzeugendsten Lösungen für die einzelnen Entwicklungsphasen werden jeweils mit ein paar Tausend Dollar honoriert.