Der Verband der Automobilindustrie (VDA) weist die Ergebnisse wegen "unrealistischer Annahmen" zurück. Methodik und Prämissen der Studie seien "so gewählt, dass die Umwelt- und Unfallkosten des Autoverkehrs extrem hoch ausfallen". Andere Studien kämen zu wesentlich "und aus unserer Sicht realistischen Kostenschätzungen", teilt der VDA mit Verweis auf eine Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Berlin mit. Darin gehe man von externen Kosten in Höhe von 38 Milliarden pro Jahr in Deutschland aus.

Becker ignoriere zudem die von den Autofahrern entrichteten Steuern und Abgaben von jährlich rund 50 Milliarden Euro, von denen nur etwa 15 Milliarden Euro der Straße zugute kämen, so der VDA. Die Differenz von 35 Milliarden Euro müsse mit den externen Kosten verrechnet werden.

Genau diese Betrachtung weist Becker aber zurück. Abgaben und Gebühren, etwa eine Straßenmaut oder Parkgebühren, stünden mit einer speziellen Dienstleistung in direktem Zusammenhang und könnten daher nicht "ein zweites Mal" genutzt werden, um andere Arten von externen Kosten auszugleichen. Steuereinnahmen wie die aus der Kraftstoffsteuer seien dazu gedacht, Dienstleistungen für die Öffentlichkeit zu gewährleisten, und könnten darum nicht als Beitrag der Autofahrer betrachtet werden, Schäden, die aus ihrer Fahrt resultieren, zu kompensieren.

Die Grünen sehen sich durch die Expertise bestätigt. Die Regierung setze auf der Basis "falscher Kostenansätze" falsche Prioritäten beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Anton Hofreiter, der zugleich Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag ist. Die Schiene werde zu niedrig, die Straße dagegen zu hoch bewertet. Hofreiter forderte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auf, die Daten aus der Studie im neuen Verkehrswegeplan zu berücksichtigen und bei den Investitionen umzusteuern.