Verkehrsstudie : Autofahren sollte teurer werden
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Grüne fordern mehr Geld für die Schiene

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) weist die Ergebnisse wegen "unrealistischer Annahmen" zurück. Methodik und Prämissen der Studie seien "so gewählt, dass die Umwelt- und Unfallkosten des Autoverkehrs extrem hoch ausfallen". Andere Studien kämen zu wesentlich "und aus unserer Sicht realistischen Kostenschätzungen", teilt der VDA mit Verweis auf eine Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Berlin mit. Darin gehe man von externen Kosten in Höhe von 38 Milliarden pro Jahr in Deutschland aus.

Becker ignoriere zudem die von den Autofahrern entrichteten Steuern und Abgaben von jährlich rund 50 Milliarden Euro, von denen nur etwa 15 Milliarden Euro der Straße zugute kämen, so der VDA. Die Differenz von 35 Milliarden Euro müsse mit den externen Kosten verrechnet werden.

Genau diese Betrachtung weist Becker aber zurück. Abgaben und Gebühren, etwa eine Straßenmaut oder Parkgebühren, stünden mit einer speziellen Dienstleistung in direktem Zusammenhang und könnten daher nicht "ein zweites Mal" genutzt werden, um andere Arten von externen Kosten auszugleichen. Steuereinnahmen wie die aus der Kraftstoffsteuer seien dazu gedacht, Dienstleistungen für die Öffentlichkeit zu gewährleisten, und könnten darum nicht als Beitrag der Autofahrer betrachtet werden, Schäden, die aus ihrer Fahrt resultieren, zu kompensieren.

Die Grünen sehen sich durch die Expertise bestätigt. Die Regierung setze auf der Basis "falscher Kostenansätze" falsche Prioritäten beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Anton Hofreiter, der zugleich Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag ist. Die Schiene werde zu niedrig, die Straße dagegen zu hoch bewertet. Hofreiter forderte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auf, die Daten aus der Studie im neuen Verkehrswegeplan zu berücksichtigen und bei den Investitionen umzusteuern.

Kommentare

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regt euch ruhig auf

autofahren sollte um 15 euro pro kilometer teurer werden. und fliegen um 150. und damit gibtz dann kostenlosen nahverkehr für alle. vor allem für die die 'japsen'. und die anderen können sich dann auch mal an das 'japsen' in den vollen zügen gewöhnen. aber vlt. findet sich dann ja der ein oder andere zusätzliche RE. und ich muss neben der autobahn nicht mehr 'japsen'

Gaaanz langsam:

'Externe Kosten sind "liegenbleibende Kosten", die niemand übernimmt, und die daher zwangsweise von anderen übernommen werden.'
Dies stimme ich ganz zu, obwohl man über deren detaillierte Bewertung (Trauerkosten, usw.) streiten kann…

'Die Studie gibt völlig zu Recht an, dass Nutzen stets internalisiert wird'
Das ist totaler Unsinn: Dies würde bedeuten, dass von den Nutzen NUR die individuellen Verkehrsteilnehmer profitieren.

Wenn wir etwas im Laden kaufen kriegt zwar der Transporteur etwas Geld, aber die Hauptverdiener sind wir, in Form von tieferen Preisen und höherer Verfügbarkeit (Privat und in der Wirtschaft). Das IST eine Externalität (i.e. eine Leistung zugunsten von Dritten, für die der Transporteur keine Entgelt bekommt).

"Die Aussage, dass Verkehrsinfrastruktur im Allgemeinen für unsere Gesellschaft gut sei, ist nur eine Binsenweisheit und kein Gegenargument gegen die Studie, die Sie angreifen. "
Diese Infrastruktur wird hauptsächlich von den privaten Verkehrsteilnehmern bezahlt, ebenfalls ohne Entgelt, was der Gesellschaft allgemein sehr hohe Summen erspart, i.e. entspricht "negativen liegenbleibenden Kosten" = "liegenbleibenden Nutzen".

Alle grüne "Studien" begehen aus ideologischer Sturheit den gleichen Fehler, seit >20 Jahren…

All das, was Sie beschreiben

sind Beispiele, wie Nutzen internalisiert wird, d.h. irgend wer zieht einen Vorteil für sich daraus, dass es eine Verkehrsinfrastruktur gibt.

"Externer Nutzen" wäre - um es nochmals zu sagen - dass ein Vorteil ungenutzt liegen bleibt. So etwas lässt sich z.B. über ein Taxi sagen: jeder kann es nutzen, der dafür zu zahlen bereit ist.

Der deutlichste externe Nutzen liegt im Krankentransport. Wenn Sie nach einem Schlaganfall binnen Minuten in der Klinik sind und erstversorgt werden können, ist dies ein externer Nutzen (den Sie hoffentlich nie werden wahrnehmen müssen.)

Beim privaten MIV allerdings gibt es keinen externen Nutzen - und Sie konnten ja auch keinen nennen, der nicht internalisiert wird. Die allgemein bekannten Vorzüge einer Straßeninfrastruktur haben damit nichts zu tun.

Schlussendlich haben Sie offensichtlich tatsächlich nicht verstanden, worum es in der Studie geht, oder wollen es nicht verstehen.

Gleichwohl verdammen Sie sie mit knalligen Worten ("Selten einen derart absurden Unsinn gelesen"), was wieder einmal zeigt, dass Eröffnungsphrasen voller Polemik ein untrügliches Anzeichen von inhaltlicher Armut und mangelnden Argumenten sind und eigentlich keine Antwort verdienen.)

Dies würde nur stimmen…

…wenn ich für ein Liter Benzin genau den gleichen Steuersatz wie für einen Fahrrad oder einen Becher Joghurt zahlen würde.

Meine Aussage wäre nur falsch, wenn es weder eine Zweckbindung von Steuern noch produktspezifische Steuersätze geben würde: Im Gegenteil: Alle % über der üblichen MwSt gelten als spezifische "Leistung", und fallen in die positive Bilanz.

Nein, Steuern

sind und bleiben nicht zweckgebunden; sie sind per definitionem eine Zwangsabgabe ohne Anspruch auf Gegenleistung. Wäre es anders, wäre es sinnlos Steuern überhaupt zu erheben. Das Geld ginge zurück an die Einkommensteuerzahler zahlen, an die Raucher oder Hundebesitzer und hätte daher gleich bei ihnen bleiben können.

Eben so ist es mit dem Mythos, die Autofahrer hätten durch die Mineralölsteuer bereits mehrfach das deutsche Straßensystem bezahlt. Sie haben Steuern auf Benzin gezahlt, weil sie es vorgezogen haben, sich mit Hilfe von Benzin fortzubewegen.

Dass Sie Steuern auf Mineralölprodukte zahlen verschafft Ihnen keinerlei Anspruch auf irgendetwas - das ist das Wesen der Steuern. (Es ist auch bemerkenswert, dass diese Ansicht immer nur im Zusammenhang mit dem Automobil erscheint - ich habe noch keinen Raucher erlebt, der die Tabaksteuer in irgendeiner Weise gutgeschrieben haben will oder Gegenleistungen dafür erwartet.)

Bei einer Abstimmung hätten Sie keine Chance!

"Wir nehmen von Ihnen eine Zwangsabgabe, ohne Anspruch auf Gegenleistung" - das tönt nach Raubritterei!
Denken Sie ehrlich, dass sich mit solchen Argumenten Abstimmungen in denjenigen Ländern, wo sie üblich sind (e.g. Schweiz) gewinnen lassen? Und trotzdem werden dort (manchmal) Steuern angenommen - sicher weil die Leute Lust daran haben, ausgeplündert zu werden :-)
Man kommt deshalb nicht die Themen "Steuergerechtigkeit" und "Gegenleistung" um! Einige Prinzipien:
1) Wir zahlen (ideal) Personalsteuern nach eigener Finanzkraft. Gegenleistung:

#172 (Folge)

Öffentliche Dienste (Polizei, Feuerwehr, Sozial, Gesundheit) -> eine Art Versicherung gegen viele mögliche Probleme. Wie bei Versicherungen üblich bin ich nicht sicher, dass ich genau das gleiche Geld bekomme, das ich bezahle, aber trotzdem kann man damit die allgemeine Personalsteuer rechtfertigen.
2) Neben Personalsteuern kommen auch indirekte Steuern wie MwSt, auch nach dem Prinzip, dass stärker Ausgebende (und Vermögende) mehr bezahlen - es ist auch schwieriger, der MwSt auszuweichen… Um diesen Effekt zu erreichen werden oft differenzierte Sätze auf Basis- und Luxusprodukte angewandt.
3) Dazu kommen Zusatzsteuer, wie auf Tabak, Benzin, usw. derer Rechtfertigung genau auf Gegenleistungen basiert (im breiten Sinne, der auch sog. externe Kosten umfasst):
- Benzin/Diesel: Strassenbau & -wartung, Klimaschaden, Gesundheit, usw.
- Tabak: Zusatzkosten wegen Gesundheitsschäden
(Ein Raucher kriegt keine Gegenleistungen? Und medizinische Behandlung?)
Auch wenn es im Gesetzt nicht explizit immer so steht (formale Zweckbindung), ist "Zweck" immer die Basis der Rechtfertigung. Aber wenn man wie in DE zu keiner Volksabstimmung gezwungen ist, kann man sich solche Debatten bequem ersparen…

Ich glaube...

...Sie haben nicht verstanden worum es geht.

"Beim privaten MIV allerdings gibt es keinen externen Nutzen - und Sie konnten ja auch keinen nennen, der nicht internalisiert wird. Die allgemein bekannten Vorzüge einer Straßeninfrastruktur haben damit nichts zu tun."

Das ist einfach Unsinn. Sie ziehen die Grenze einfach beliebig weit, so dass jeder Nutzen irgendwo internalisiert ist. Und behaupten dann, der Autofahrer würde nur externe Kosten verursachen (die Sie nicht externalisieren).

Internalisiert ist der Nutzen aber nur, wenn er dem Fahrer nutzt. Wenn der Fahrer durch das Fahren einen Nutzen herbeiführt, der der Gesellschaft zu Gute kommt, entsteht dadurch ein externer Nutzen. Wenn auf Grund von Autoverkehr die Steuern steigen, die Einnahmen der Sozialkassen steigen usw., dann klären Sie mich mal auf, wie damit ein internalisierter Nutzen für den Fahrer entsteht?!

Sie missverstehen mich

Steuern sind keine neue Idee, die ich propagiere. Ich habe Sie lediglich um eine Illusion erleichtert - nehmen Sie einfach zur Kenntnis, was Steuern nun mal sind (und schon immer waren.)

Bezüglich des Themas dieses Artikels steht fest, dass Steuern keine Ansprüche irgendwelcher Art begründen, dass also auch die deutschen Autofahrer niemals "das Straßennetz finanziert" haben können oder ähnliches.

Die Absurdität dieses Gedankens zeigt sich, wenn man sich einen Fahranfänger ohne eigenes Einkommen mit seinem ersten, mühsam bezahlten Gebrauchtauto vorstellt - soll der sich als Miteigentümer des deutschen Autobahnnetzes fühlen?
Und was ist mit all den "Besitzern", die bereits das zeitliche gesegnet haben? Wem haben die das Straßennetz vererbt? Allen Deutschen - oder nur denen, die ein Auto besitzen?

Nein, Steuern sind ein denkbar untaugliches Beispiel für das, was Autofahrern zugute gerechnet werden könnte.

Zum Abschluß der Debatte mein Lieblingszitat über das Auto, vom vormaligen (Motorsportler und garantierten Nicht-Öko) ADAC-Boss Otto Flimm:

"Die Vorteile des Autos werden individuell empfunden, während die Nachteile mehr genereller Natur sind, das heißt die Allgemeinheit betreffen."

Externe Kosten "externalisieren"?

Ich muss wiederum fragen, ob Sie eigentlich selbst verstehen, was Sie schreiben.

Ich ziehe auch keine Grenzen "beliebig weit". Ich bringe zwei Beispiele:

Beispiel 1) der Privatwagen eines Arbeitnehmers:

Er wird für alles mögliche benutzt, statistisch betrachtet zu etwa einem Drittel für den Weg zur Arbeit, ansonsten zum Abholen, Einkaufen oder um die Oma zu besuchen. All das aber kommt aussschließlich dem Besitzer zu Gute.

Beispiel 2) der Rettungswagen:

Er stößt vermutlich mehr Emissionen aus als ein Privatwagen, doch im Verhältnis zu dem potenziellen Nutzen (schnelle Hilfe bei Notfällen) sind diese für die Allgemeinheit hinnehmbar.

Niemand muss ich im Falle Beispiel 2) groß erklären, worin der externe Nutzen besteht.

Im Falle 1) dagegen werden meist irgendwelche Aussagen gebracht wie "ohne Auto wäre ich arbeitslos".

Abgesehen davon, dass es nicht unbedingt im Interesse der Allgemeinheit sein muss, dass Sie Arbeit haben (wenn Sie z.B. in einer aufgeblähten Stadtverwaltung sitzen) kann dies auch an der Konkurrenz liegen, die mit Hilfe von Autos ihren Radius bis in Ihre Stadt hinein vergrößert hat und dort mit Ihnen um Arbeitsplätze konkurriert.

So befriedigt das Auto, wie schon gesagt, Bedürfnisse, die erst durch es selbst in dieser Ausprägung entstanden sind. Es stellt keine Wert dar, dass Menschen besonders weit zur Arbeit fahren - im Gegenteil, es schadet.

…Inzwischen gibt es einige Prinzipien.

Wikipedia macht's besser, z.B.:
http://de.wikipedia.org/w...

Die Regel einer modernen, demokratischen, pluralistischen Gesellschaft haben sich inzwischen etwas verändert… Natürlich erwarten wir - und bekommen - eine (kollektive) Gegenleistung für unsere Steuern und Abgaben, und eine faire Verteilung der Lasten. Das sehen Ihre meisten Kontrahenten glücklicherweise offensichtlich auch so.

Es gibt noch Hoffnung für Deutschland: Alle Gehirne sind noch nicht ausgemerkelt!

Mannomann

"Sie beschreiben selbst ausschließlich Sachverhalte, die allein durch Autobesitz möglich wurden. De Katze beißt sich in den Schwanz."

Darauf kommt es überhaupt nicht an. Es kommt einzig darauf an, dass durch die individuelle Mobilität ein gesamtgesellschaftlicher Nutzen (durch Wirtschaftswachstum, höhere Steuereinnahmen, bessere Bildung usw.) entsteht, was sie vehement bestreiten. Ich dagegen halte dass nicht nur für evident - es ist auch empirisch belegt. Wie gesagt, ich bin gespannt auf den Staat, der auch nur annähernd ein Wohlstandsniveau und ein Niveau der sozialen Sicherheit erreicht hat, wie Europa, ohne dass es dort individuelle Mobilität gibt.

Es soll schon Menschen gegeben haben, die Personen in Notfällen mit dem eigenen PKW in ein Krankenhaus gebracht haben und dadurch eine Leben retten oder Krankheitskosten minimieren konnten. Der gesellschaftliche Nutzen besteht also daraus, dass KEIN Krankentransport durchgeführt werden musste.

Ihre Haltung entspricht übrigens verblüffend genau der Haltung von Verfechtern von Studiengebühren. Schließlich nutzt das Studium eigentlich ausschließlich den Studierenden. Trotzdem wird es nicht nur praktisch ausschließlich aus Steuergeldern bezahlt. Der Staat verzichtet sogar durch dieses Angebot bewusst auf die Einnahmen aus der Einkommenssteuer, die die Studierenden in normalen Berufen verdienen würden. Offenbar ist es gesamtgesellschaftlich nützlich, wenn Menschen studieren (oder in die Schule gehen).

Was das Willkürverbot

in diesem Zusammenhang zu suchen hat bleibt wohl Ihr Geheimnis.

Wenn ich der gängigen Mentalität widerspreche, dass durch das Autofahren ein wirtschaftlicher Mehrwert erwirtschaftet werde, und dass die Autofahrer die "Melkkühe der Nation" seien, hat das mit dem fiskalischen Willkürverbot exakt was zu tun? (Ich denke, Sie sparen sich die Antwort besser, denn es sind ja nur weitere Beleidungen zu erwarten.)

Dass Ihnen darauf nichts Besseres einfällt, als mich der "Mittelalterlichkeit" zu bezichtigen, zeigt nur Ihre Armut an Argumenten.

Das Auto hat die Wege des Menschen bedeutend verlängert - nicht aber vermehrt.

Glaubt man der gängigen Lehrmeinung, nach der mehr Verbrauch von Rohstoffen, mehr Produktion von Autos als "Wachstum" zu begrüßen sei, ist diese Entwicklung ein Fortschritt.

Doch in diese Rechnung gehört eben auch all das hinein, was die Becker-Studie auflistet - nicht nur das, was der individuelle Autofahrer an Vorzügen seiner Fortbewegungsart wahrzunehmen meint.

Das brauche ich doch nicht...

"Bitte benennen Sie die Vorteile, die SIE davon haben, wenn ICH ein Auto besitze und benutze."

Es geht nicht um die Vorteile die ICH konkret davon habe, das SIE ein Auto besitzen. Es geht um die Vorteile, die der Gesellschaft als ganzer daraus erwachsen. Sie leugnen einfach vehement dass das passiert.

Sonst kann man ja auch andersrum argumentieren: Ich fahre nicht gegen einen Baum (hoffe ich), also sollte ich auch nicht pauschal für die Krankentransportkosten anderer Menschen herangezogen werden.

Ich habe auch konkret keine Vorteil davon, dass Sie studieren, trotzdem bezahlt die Allgemeinheit die Kosten Ihres Studiums aus dem nach ihrer Lesart ausschließlich Ihnen Vorteile erwachsen.

Wenn Sie die Vorteile

für sich nicht benennen können, gibt es keine. Wir sind beide Mitglieder der selben Gesellschaft. Sie könnten ganz allgemeine Vorteile benennen, wie etwa den, dass ich Sie im Auto mitnehmen könnte (wobei Sie ja wissen, dass das praktisch nicht vorkommt.)

Im Übrigen lenken Sie ab. Dass ich studiert habe hat nichts mit dem Benutzen eines Autos im öffentlichen Raum zu tun, wodurch anderen Nachteile entstehen. Auch womit ich mein Studium finanziert habe (selbstverdient, meistenteils) tut nichts zur Sache.

Im Gegensatz zu Autos sind Wissen und Bildung sich ständig weiterentwickelnde Güter, die mit Mehrwert von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Menschen in den Industrieländern verdanken ihren Wohlstand und ihre hohe Lebenserwartung diesem Wissen, z.B. in Medizin - nicht Autos.

Der Verbrennungsmotor dagegen befindet sich technisch heute noch auf dem Stand seiner Erstentwicklung. Praktisch alle Innovationen, die seine Emissionen hätten verbessern können, wurden durch den Wunsch nach mehr Leistung konterkariert, oder nur gegen den verbissenen Widerstand der Autofahrer (siehe KAT) eingeführt, denn das Auto ist natürlich in erster Linie ein Lustgegenstand und kein gottgegebenes Fortbewegungsmittel. Es hat unsere Wege verlängert, es hat die Bedürfnisse mitgeschaffen, wegen derer es heute angeblich unentbehrlich ist - wozu soll das grundsätzlich gut sein?

(Zugegeben: Autos sind besser als Pferdetransport, mit all dem Kot, wie um 1900 üblich.)

Selbstverständlich...

"Im Übrigen lenken Sie ab. Dass ich studiert habe hat nichts mit dem Benutzen eines Autos im öffentlichen Raum zu tun, wodurch anderen Nachteile entstehen. Auch womit ich mein Studium finanziert habe (selbstverdient, meistenteils) tut nichts zur Sache."

...hat es das. Durch ein Studium im öffentlichen Raum sind ganz konkret Kosten entstanden, die der Studierende extrenalisiert hat. Nicht nur für den Bau der Universitäten - wobei das Infrastruktur des Straßenbaus vergleichbar wäre - sondern für die laufende Unterhaltung, Professorengehältern, Verbrauchsmaterialen, Quersubventionierung für Semestertickets usw. Außer Ihrer Verachtung für den Individualverkehr habe ich bisher keine Argumente gelesen, die auch nur entfernt belegen, dass vom Individualverkehr KEIN Nutzen für die Gesellschaft insgesamt und damit auch für den Einzelnen entsteht.

Dass ein Auto für viele Menschen ein Lustobjekt oder auch ein Statussymbol ist, ist natürlich richtig, aber in diesem Zusammenhang uninteressant - man kann das sogar als eine Win-Win-Situation ansehen. Ein Rennrad ist auch (a) ein Statussymbol und kann (b) gesellschaftlich sinnvoll sein, weil es externe Kosten minimiert - nämlich die Krankheitskosten des Fahrers auf Grund von Übergewicht oder Diabetes.

Es sei denn man will ein vollkommen egalitäre Gesellschaft - in den realen Lebensverhältnissen, nicht in den Chancen versteht sich.

Sehr richtig

"Es hat unsere Wege verlängert, es hat die Bedürfnisse mitgeschaffen, wegen derer es heute angeblich unentbehrlich ist - wozu soll das grundsätzlich gut sein?"

Da haben Sie Recht - und während es unsere Wege verlängert hat, hat es unsere Lebensverhältnisse radikal verbessert. Natürlich kann man wieder auf 15 qm leben, wie das in vielen Metropolen ja inzwischen wieder notwendig ist. Natürlich kann man wieder zurück zu den Zeiten, wo wegen mangelnder Mobilität nur ein Beruf oder ein Arbeitgeber in Frage kommt. Aber warum soll man das wollen?! Man kommt ja auch nicht auf die Idee aus den Kohlekraftwerken die Rauchgasentschwefelung und aus Autos den Kat auszubauen...

Und haben Sie sich mit der Studie auseinander gesetzt?

Da wird nun also eine Studie ob des Auftraggebers kritisiert, als hätte nicht jede Studie immer einen solchen, der damit natürlich immer auch eigene Interessen verfolgt. (Und mal ganz nebenbei: glauben Sie lieber Studien, die von großen Industrieverbänden, multinationalen Konzernen & Co. in Auftrag gegeben wurden oder glauben Sie lieber Studien, die von NGOs, Ministerien und politischen Parteien in Auftrag gegeben wurden? (Und noch mehr nebenbei: glauben Sie lieber Parteien, die ihre Politik im Wesentlichen an Spenden, Lobbyisten und Geldgebern finanzkräftiger Verbände orientieren oder glauben Sie lieber Parteien, die noch weitestgehend versuchen, wissenschaftliche Expertise einzubeziehen?))

Aber zurück zur Studie, bei der es sich um eine Meta-Studie handelt, im Wesentlichen also Literaturarbeit, ein Vergleich mehrerer Studien zum Thema. Und wenn Sie dann noch genauer nachschauen werden Sie sehen: die allermeisten der zum Vergleich herangezogenen Studien sind alles andere als »Gefälligkeitsstudien« für «Grüne und andere Öko-Freaks«. Glauben Sie nicht, dass jede Kritik an dieser Studie á la »Gefälligkeitsstudie« damit logisch ungültig ist?

Ich sehe beim Besten Willen nicht

wie 15 qm Wohnfläche mit dem Besitz/Nichtbesitz eines Autos zusammenhängen sollen.

Ich habe Nachbarn, die zu viert in ~80 qm leben und die einen 5er BMW vor der Tür stehen haben. Das ist natürlich ein Einzelfall - doch wer sagt Ihnen denn, dass erst der flächendeckende Autobesitz den Menschen die heute üblichen Wohnfächen beschert?

Den zusätzlichen Radius, der Ihnen ein Auto verleiht, können Sie theoretisch zum Zweck einer besserbezahlten Arbeitsstelle, oder auch einer günstigeren Wohnung nutzen, richtig.

Doch wenn praktisch jeder um Sie herum durch Autobesitz zum gleichen Vorteil kommt, sind Sie alle da, wo Sie vorher waren. Nur verbrauchen Sie jetzt ein Mehrfaches an teurem Sprit.

Und genau das...

"Doch wenn praktisch jeder um Sie herum durch Autobesitz zum gleichen Vorteil kommt, sind Sie alle da, wo Sie vorher waren. Nur verbrauchen Sie jetzt ein Mehrfaches an teurem Sprit."

...ist falsch. Denn nun kommt jeder dahin, wo er selbst seine Arbeitskraft und seine Talente am besten und wirtschaftlichsten einsetzen kann und kann da wohnen, wo er am besten, wirtschaftlichsten und für ihn leben kann. Weil die Ressourcenallokation effizienter ist, entsteht damit ein Nutzen für den Einzelnen UND für die Allgemeinheit.

Das heisst natürlich nicht, dass man alle Fahrten mit dem PKW durchführen muss. Andere Verkehrsmittel können sowohl für den einzelnen sinnvoller als auch in bestimmten Konstellationen für die Gesellschaft günstiger sein. Natürlich ist es oft Unsinn mit dem privaten PKW von einem Punkt einer Großstadt zu einem anderen zu fahren - der öffentliche Nahverkehr oder das Fahrrad sind hier oft genauso schnell und/oder preiswert.

Das war nicht mein Punkt

Klar, jeder kommt mit dem Auto dahin, "wo er seine Arbeitskraft und seine Talente am besten und wirtschaftlichsten einsetzen kann."

Alle anderen aber auch.

Mein Punkt ist, dass der zusätzliche Radius eines Autos nur für den ein Vorteil ist, der allein eins (nebst den benötigten Straßen) hat, und seine Mitmenschen (vulgo: Konkurrenz) keines.

Statt 100 Menschen, die innerhalb 10 km2 um den besten Job und die beste Wohnung konkurrieren, konkurrieren nun 10.000 Menschen innerhalb 1.000 km2 um all das. Möglich dank des Autos.

Das Zeitalter der Massenmotorisierung bringt gewissermaßen den Zwang mit sich, mit Hilfe eines Autos "mobil" zu sein.
Doch am Ende fahren alle nur mehr als früher.

(Dass es von einem Teil der Autobesitzer durchaus gewünscht ist, einen Grund zum fahren zu haben, und dies mit einer möglichst stark motorisierten Maschine, steht auf einem anderen Blatt.)

So right !

Mein jetziger Arbeitgeber ist 4 km entfernt :
Mit ÖPN kostet mich das täglich 5,80€ hin und zurück, die Kosten für Versicherung und Steuern für das Auto, das ich in diesem Falle nicht benutze, kommen noch obendrauf, also round about 9,00 € !Zeitverbrauch: ca.45 Minuten
Mit dem Auto :
Durchschnittsverbrauch 6,7 l (34 PS) x 1,60 auf 100km = 10,72 /100*8km = 0,86 € + 3,20 Steuern und Versicherung = 4,06 € Zeitverbrauch: 30 Minuten
Wenn man dann noch bedenkt, daß man direkt nach der Arbeit noch einkaufen gehen kann, ohne mit den Taschen in eine vollbesetzte U-Bahn einzusteigen...ja dann hat der ÖPN leider verloren !!

Bei solchen Ansichten...

wird deutlich, das man von einer allen gerechten Problemlösung weit entfernt sein dürfte. Man kann sich leicht in den eigenen Finger schneiden, wenn Handlungsfolgen gegeneinander aufgerechnet werden. Bestes Beispiel,wenn Grüne, NABU oder BUND Wohnungsbau verhindern, in dem einzelne bislang unbekannte Tiere angeblich geschützt werden müssen, bereitet das soziale, ökonomische und ökologische Probleme. Dieses läßt sich für jede Maßmahme bilanzieren. Wer meckert denn in diesen Fällen? Übrigens auch ÖPNV wird mit den aktuell üblichen Energieträgern versorgt, nur das merkt ja keiner.....

Zumutbar für Schüler

Mit 4 km ist man als Siebtklässler noch gut dran. Für einen Abiturienten in der 11. oder 12. Klasse in Dresden sind 35 km einfacher Weg, d.h. 70 km Hin- und Rückweg, zumutbar. Auch im tiefsten Winter, wenn es Tage gibt, an denen dass Thermometer 7.00 Uhr morgens -20°C anzeigt und auch den ganzen Tag nicht über -15°C steigt. Und ja, auch Dresden ist hügelig und hat ordentliche Anstiege, solange man nicht nur in der Innenstadt radelt.

http://www.dresden.de/med...

Aber komisch sobald man einen Job hat, sind 5 km Radfahren viel zu viel...

subventionierung ?

[...] die autofahrer subventionieren massiv die allgemeinheit,
ohne daß wie bei der einkommensteuer die finanzielle leistungsfähigkeit des einzelnen berücksichtigt wird. über 100% steuern duerfte es auf gar kein produkt geben, auch nicht auf benzin.
der lärm des pkw-verkehrs ist äußerst mäßig, es sein denn man wohnt direkt an
einer hauptverkehrsstraße. aber da muß niemand wohnen, es gibt genug verkehrsberuhigte wohnquartiere, die jeden, der ruhe haben will, zufrieden stellen sollten

Gekürzt. Bitte achten Sie auf einen angemessen Tonfall. Danke, die Redaktion/ls

Für weniger Fleischkonsum (durch Anpassung der realen Kosten)

Schon mal auf die Idee gekommen, dass der Fleischkonsum auch keinen normalen Verhältnissen mehr entspricht und in Supermärkten zu pervers niedrigen Preisen verramscht wird? (U.a. dadurch dass die realen Kosten der Massentierhaltung auch (noch) niemand zahlt)

Nicht die Verteuerung ist das Problem - sondern dass eigentlich teure Luxusartikel mittlerweile billig und in Massen verfügbar sind.
Und sobald ihre Kosten wieder ihrem eigentlichen Wert (und hier kommen Subventionen für Autofahrten) entsprechen sollen, schreien die Leute. An Luxus gewöhnt es sich eben sehr schnell...