VerkehrsstudieAutofahren sollte teurer werden

Der Pkw-Verkehr in Deutschland erzeugt Milliardenkosten für die Allgemeinheit. Eigentlich müsste jeder Kilometer 15 Cent teurer sein, zeigt eine neue Studie. von 

Autofahrer in Deutschland verursachen im Jahr Kosten von 88 Milliarden Euro, die von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Das stellt eine neue Studie der Technischen Universität Dresden über solche sogenannte externe Kosten des Autofahrens fest. Erstellt hat die Expertise Udo Becker, der an der TU Dresden den Lehrstuhl für Verkehrsökologie innehat. "Je Pkw liegen die nicht bezahlten Kosten bei ungefähr 2.100 Euro pro Jahr", sagt er.

Becker hat errechnet, dass jeder Autofahrer pro zurückgelegtem Kilometer mit etwa 15 Cent zusätzlich rechnen müsste, wenn die Kosten auf die Verursacher umgelegt würden. Allein die Kosten für den Klimawandel betragen rund 50 Euro pro 1.000 Fahrzeugkilometern. Daraus könne eine streckenabhängige "Klimaschutzgebühr" von fünf Cent je Kilometer abgeleitet werden, um dem Verursacherprinzip näher zu kommen, schreibt Becker in der Studie, die im Auftrag der Grünen im Europaparlament erstellt wurde.

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Als externe Kosten berücksichtigen Becker und sein Team die Folgen von Unfällen, Abgasen, Lärm und Boden- und Wasserverschmutzung sowie Klimaschäden und die Kosten für die Fahrzeugherstellung und Entsorgung. Nicht eingeflossen sind Kosten der Infrastruktur und Staukosten. Die größten Kostenblöcke sind demnach die nicht durch Versicherungen abgedeckten Folgekosten von Unfällen sowie die vom Autoverkehr verursachten Kosten des Klimawandels.

"Europäer nutzen das Auto zu häufig"

Für die Studie zog Becker Daten des Jahres 2008 heran und beleuchtete die Folgekosten des Autoverkehrs in allen 27 EU-Ländern. Für die gesamte Europäische Union errechnete er externe Kosten von 373 Milliarden Euro im Jahr oder rund 1.600 Euro je Fahrzeug. Dabei weisen vor allem die neuen Mitgliedstaaten niedrige Gesamtkosten pro Auto von unter 1.000 Euro auf, etwa Estland, Litauen und Polen. Deutschland zählt mit 2.100 Euro pro Fahrzeug und Jahr zu den Ländern mit den höchsten Werten, neben Luxemburg, Großbritannien und Österreich.

Becker zieht aus der relativ hohen Summe den Schluss, dass die Autonutzung gesellschaftlich betrachtet "ineffizient" sei: "Weil andere für große Teile der Verkehrskosten bezahlen, nutzen Europäer das Auto zu häufig." Das Argument, der gesellschaftliche Nutzen des Verkehrs sei größer als die externen Faktoren, hält Becker für nicht stichhaltig. Der externe Nutzen des Verkehrs sei gering, schreibt er, zum größten Teil profitiere der Fahrer selbst.

Beckers Fazit: "Für das Gemeinwohl ist es notwendig, alle derzeitig verursachten externen Kosten zu internalisieren." Politisches Handeln sei dringend erforderlich. Wichtig seien höhere Preise fürs Autofahren. Zugleich müsse es Alternativen zur Autonutzung geben, damit sich das Verhalten vieler Fahrer ändern könne.

Leserkommentare
  1. Stand hier nicht im Artikel, oder ich habs überlesen.

    Quelle das Grüne Auftraggeber
    http://www.tagesschau.de/...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Auftraggeber"
  2. Aber darum ging es hier so wie ich es verstenden hab nicht. Der Macher der Studie will ja nicht Parktickets oder Benzinsteuer (nicht die MWST dadrauf) gelten lassen.

    Das ist unsachlich. Vor allem da so ja autofahren niemals so teuer gemacht werden könnte, denn jedes teuerer machen würde ja nicht gelten.

  3. Dann ist da kein großer Unterschied mehr zwischen Süddeutschen und Berliner Mieten.

    Aber in Süddeutschland wird man wohl ein Auto brauchen um so gut zu leben wie in der Berliner Innenstadt. (In den Berliner Außenbezirken relativiert sich das mit dem ÖPNV schnell) Außerhalb von München oder Stuttgart.

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    ... Freiburg, Heidelberg, Heilbronn, Böblingen, Sindelfingen, Eßlingen, Ludwigsburg, Göppingen, etc. pp.? Vielleicht gelingt das in Albstadt Degerfeld oder in Bad Wildbad, aber diese Orte sind wirklich sehr abgelegen.

  4. "Der Verlust von Lebensqualität durch den Autoverkehr ist in einer Stadt wie Berlin gar nicht mit Geldsummen auszudrücken"

    Von mir (Landbewohner, aufs Auto existentiell angewiesen - jawohl: auch die Leute die für die Stadtbewohner Lebensmittel produzieren, brauchen einen Zahnarzt und eine Grundschullehrerin!) kommt dieser Verkehr in der Großstadt nicht. Vor 20 Jahren bin ich noch alle zwei, drei Wochen mit dem Auto nach München zum Einkaufen gefahren. Heute mache ich um München, wenn's irgendwie geht, einen großen Bogen: für Einkaufstouren ist das völlig uninteressant geworden, keine Auswahl mehr, nur noch hochpreisige Klamotten, Juwelierläden und ein paar Ausländer-Ramschläden, bei denen man sich fragt, mit was die wirklich ihr Geld verdienen.

    Früher brauchte man als Landbewohner ein Auto, um zum Einkaufen in die Stadt zu fahren. Heute brauchen die Stadtbewohner ein Auto, um zum Einkaufen aus der Stadt raus zu fahren. Soviel nur zum Thema "verkehrsberuhigte Zone".

    3 Leserempfehlungen
  5. ... ist nicht fair.

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    deswegen ist es ihr auch pupsegal wie toll wir im Westen im Vergleich zum Rest dastehen, und das Klima geht halt einfach trotzdem mal vor die Hunde.

    Menschen können allerdings fair sein. Es soll sogar manchmal so sein dass der eigene kurzfristige Vorteil sich auf lange Sicht zum gemeinsamen Nachteil wandelt. Um das zu erkennen, muss man natürlich über die Fähigkeit verfügen, so weit zu sehen. Der Blick auf den eigenen Vorteil ist naturgemäß ein sehr verengter.

    • Fdgo1
    • 25. Februar 2013 23:31 Uhr

    Dazu muss man nur den Auftraggeber sehen.
    Wie ist das mit dem Bruttosozialprodukt, das der Autoverkehr so umsetzt?
    Keine Autos, keine Autoproduktion, keine Straßen.

    Unabhängig davon geht mir diese Art, den Menschen vorzuschreiben, wie sie leben sollen, ziemlich auf die Nerven.
    CO2-neutral sind nur Fahrräder ohne zusätzlichen Antrieb. Also müssten nicht nur Autos (LKW machen offenbar keine Kosten), sondern auch Flugzeuge, die Kreuzfahrtschiffe usw. abgeschafft werden oder so teuer werden, dass wir uns das nicht mehr leisten können.
    Das würde unsere Gesellschaft aber gewaltig verändern und immobil machen.
    Ganz wichtig, alles teuer machen, damit nur die Menschen sich wohlfühlen, die meditativ eingestellt sind und öko und die anderen sollen halt sehen, wo sie bleiben.
    Ist doch ihre Schuld, wenn sie nicht beim Marathon mithalten können (Ironie).

    Natürlich gibt es durchaus die Vorstellung, dass irgendwann mal andere Fortbewegungsmittel möglich sind, uns aber in die Steinzeit zu bomben, macht wenig Sinn. Nicht jeder hat Lust sich sein Carsharing-Wägelchen zu organisieren. Das hat was mit Bequemlichkeit zu tun (Die einige den anderen nicht gönnen, wozu müssen wir bei -15 Grad im Winter heizen, geht auch mit warmem Pulli und ähnlicher Unsinn).
    Grüne mögen das alles hübsch finden, nur der Umwelt brächte es nichts. Die Abschaltung der AKW hat nur mehr Kohlekraftwerke gebracht. Das Flaschenpfand mehr Einweg usw.
    Ziehen wir alle in die Innenstadt = Verdrängungswettbewerb.

    2 Leserempfehlungen
  6. ... Freiburg, Heidelberg, Heilbronn, Böblingen, Sindelfingen, Eßlingen, Ludwigsburg, Göppingen, etc. pp.? Vielleicht gelingt das in Albstadt Degerfeld oder in Bad Wildbad, aber diese Orte sind wirklich sehr abgelegen.

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    Aber vor Heilbronn müssen sich Berliner Innenstadtmieten sicher nicht "verstecken" im für den Mieter negativen Sinne. Die realen Neuvermietungsmieten. Nicht die Bestandsmieten.

  7. "Regionalisierung der Märkte", wenn es um Energieeinsparung, Verringerung der Treibhausgase geht? Nein, nie lese/höre ich das! Aber das Autofahren soll wieder einmal teurer werden. Meine Stimme bekommen diese grünen Wahrheitsverdreher nicht. Wo bitte bleiben die Alternativen für Landbewohner wie mich? Ich soll wohl in meinem Kaff, in dem man nach dem Krieg Zug um Zug alle Arbeitsplätze wegrationalisiert hat einfach mein Schicksal akzeptieren. Ich habe Pech gehabt wie ein afrikanischer Ureinwohner Pech hatte, dass er im Dschungel geboren wurde. Ja, sicher ist der Autoverkehr zu viel und an vielem schuld. Aber bevor die grünen Stadtbonzen uns noch ganz das Autofahren vermiesen, sollten doch ein paar vernünftige Leute mal ein Konzept machen, wie die globale Weltwirtschaft gezähmt und den Menschen auf dem Land Chancen zur Teilhabe an der wirtschaftlichen Prosperität eingeräumt werden, ohne dass er sich tagtäglich als geplagter Pendler über die Abzockerpisten zu seinem Arbeitsplatz in die Geldmetropolen aufmachen muss.

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  • Quelle dpa
  • Schlagworte Grüne | CSU | Europäische Union | Peter Ramsauer | Abgas | Anton Hofreiter
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