AutotechnikWas AGM- und EFB-Batterien leisten

Der Winter setzt Starterbatterien zu. Autobesitzer sollten darum frühzeitig an Ersatz denken. Auch neue Typen wie EFB und AGM kommen infrage. Aber wann? von Wolfgang Gomoll

Ein Mann lädt eine Autobatterie.

Ein Mann lädt eine Autobatterie.  |  © Bosch

Meist passiert die Dienstverweigerung zum unpassenden Zeitpunkt. Man steigt ins Auto, dreht den Schlüssel – doch statt des gewohnten Verbrennungsgeräusches des Motors kommt nur ein erbärmliches Jammern, untermalt vom Klacken des Anlassers. Jeder Autofahrer kennt und fürchtet das Horrorszenario. Der Pannendienst kann zwar mit einem Überbrückungskabel erste Hilfe leisten, aber um langfristig die Betriebssicherheit herzustellen, ist oft eine neue Batterie unerlässlich.

Die Zeiten, in denen man sich einfach ein Modell mit passender Kapazität – erkennbar an dem angegebenen Wert der Amperestunden (Ah) – kaufte und einbaute, sind jedoch zunehmend vorbei. Die Elektrik der Autos wird immer anspruchsvoller. Vor allem bei Autos mit Start-Stopp-Technik ist die Wahl der richtigen Batterie nicht ganz trivial. Normale Nassbatterien, wie sie in herkömmlichen Automobilen zu finden sind, sind für diese Technologie ungeeignet, wie ein Test des ADAC zusammen mit der Stiftung Warentest gezeigt hat.

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Die Start-Stopp-Akkus werden durch die vielen Startvorgänge einem zusätzlichen Stress ausgesetzt. Das dauernde Entladen und Laden, also die höhere Anzahl von Ladezyklen, lässt Batterien schneller altern. Deswegen brauchen solche Akkus eine höhere Zyklenfähigkeit und müssen dabei noch einige Verbraucher, teilweise bei ausgeschaltetem Motor, mit Strom versorgen. Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor: Wie sehr der Bedarf an Energie gestiegen ist, sieht man an den immer umfangreicher werdenden Infotainment-Systemen.

EFB-Speicher für reine Start-Stopp-Systeme

Allerdings braucht niemand ein Nicht-Anspringen des Autos nach einem Stopp zu befürchten. Hier baut die Elektronik vor: Die Technik stellt den Motor erst ab, nachdem das Batteriemanagementsystem den Ladezustand des Akkus über den elektronischen Batteriesensor geprüft hat. Damit ist sichergestellt, dass die Batteriekapazität für den Motorstart nach dem Stopp ausreicht.

Doch nicht jedes Start-Stopp-System ist gleich. Entsprechend unterschiedlich sind die geeigneten Energiespeicher. Hat das Auto ein reines Start-Stopp-System ohne Rekuperationstechnik, dann sind EFB-Batterien die beste Wahl. Die drei Buchstaben stehen für Enhanced Flooded Battery.

Bei dieser Variante sind im Gegensatz zu herkömmlichen Bleiakkus die Batterien mit einem sogenannten Polyester-Scrim ausgestattet. Dieses Geflecht sitzt auf der positiven Elektrodenplatte und hält das aktive Material – bei einem Bleiakku ist es Bleidioxid – dort fest und ermöglicht ein widerstandsarmes, schnelles Auf- und Entladen. Dieser Kniff verdoppelt beinahe die Zyklenfestigkeit und damit die Lebenszeit der Batterie.

Leserkommentare
  1. Danke für diesen interessanten Artikel.

    Man hätte vielleicht noch den Umweltaspekt der verschiedenen Batterietypen erläutern können, die Batterie läuft ja nicht ewig.

    Ach ja, und der Einleitungssatz "Meist passiert die Dienstverweigerung zum unpassenden Zeitpunkt." ist schon 5 ,- € in Floskelschwein wert - oder hat schon mal jemand erlebt dass zu einem passenden Zeitpunkt der Wagen nicht ansprang?

    Ok...doch mit etwas Phantasie: Wenn man die junge Dame seines Herzens nach dem romantischen Abend eigentlich pünktlich zurück zu ihren Eltern hätte bringen sollen - aber leider, leider die Batterie...

    • zappp
    • 28. Februar 2013 10:21 Uhr

    Leerlaufverbrauch eines effizienten Motors gegen leistungsstärkere Batterien mit endlicher Lebensdauer, deren Produktion seltene Erze und Energie bedarf?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Einwand zum Energieaufwand zur Herstellung von neuen Blei-Akkus ist berechtigt.
    Seltene Erze (meinen sie seltene Erden?) aber werden meines Wissens zur Herstellung von Blei-Akkus nicht oder wenn in sehr geringen Mengen benötigt. Blei-Akkus sind fast vollständig recycelbar. Anders sieht es bei Lithium-Ionen-Akkus aus, welche aber hier nicht gemeint sind.

    Siehe: http://www.recyclingporta...

  2. "Wer sein Auto in der kalten Jahreszeit eine Weile stehen lässt, sollte ein Ladeerhaltungsgerät benutzen, die es schon für rund 70 Euro gibt."

    Erhaltungsladegeräte gibt es regelmäßig im Discounter (Aldi, Lidl & Co.) für immer genau 18,00 €. Die sind völlig ausreichend und auch für AGM-Batterien etc. ausgelegt.

    Ansonsten hätte man in diesem Artikel auf die Unart eingehen können, dass es heutzutage fast nur noch sog. wartungsfreie bzw. wartungsarme Batterien Nassbatterien gibt. Bei diesen ist oftmals eine Kontrolle des Säurestandes bzw. das Nachfüllen von destilliertem Wasser nicht möglich. Offiziell begründet wird dies damit, dass genug Wasser (Batteriesäure verdampft nicht) in den Batterien drinnen ist, um ein Batterieleben lang zu halten. Die Praxis zeigt jedoch, dass diese neueren Batterien leider wesentlich kürzer leben als konventionelle mit Schraubverschlüsssen. Glücklicherweise gibt es die von mir angesprochenen herkömmlichen Batterien noch im ausgewählten Versandhandel - und das meist günstiger als im sog. "Fachhandel".

    Und wenn es schon um Preise geht, hätte man gleich davor warnen können, dass man Batterien weder im Baumarkt noch bei den Discounterwerkstätten etc. kauft. - Schon allein deshalb, weil diese dort maßlos überteuert sind. Da ist sogar der normale Fachhandel bzw. Autoteilemarkt noch wesentlich günstiger (Internet ist dennoch am Günstigsten). Aber was will man von einem Artikel erwarten, der den Preis für Erhaltungsladegeräte mit 70 € angibt?

  3. Der Einwand zum Energieaufwand zur Herstellung von neuen Blei-Akkus ist berechtigt.
    Seltene Erze (meinen sie seltene Erden?) aber werden meines Wissens zur Herstellung von Blei-Akkus nicht oder wenn in sehr geringen Mengen benötigt. Blei-Akkus sind fast vollständig recycelbar. Anders sieht es bei Lithium-Ionen-Akkus aus, welche aber hier nicht gemeint sind.

    Siehe: http://www.recyclingporta...

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  • Schlagworte ADAC | Akku | Auto | Motor | Stiftung Warentest | Autotechnik
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