Eine Käuferschicht war ganz offenkundig vorhanden, in der Wirtschaftsboom-Ära Anfang der 1950er Jahre in den USA. Zahlreiche Sportwagen fuhren dort über die Straßen – nur waren es europäische Modelle wie Jaguar oder Triumph, keine amerikanischen. Die US-Hersteller fabrizierten nach wie vor Straßenkreuzer. "Was die Europäer können, können wir schon lange", dachten sich US-Autodesigner und -ingenieure bei General Motors. Sie wollten nicht länger hinnehmen, dass es an einem Sportwagen made in USA mangelte.

Letztlich war es ausgerechnet ein Deutscher, der den amerikanischen Sportwagentraum zum Leben erweckte. Carl Heinz Renner war 1927 als Kleinkind mit seiner Familie von Deutschland ins amerikanische Detroit ausgewandert und hatte Mitte der 1940er Jahre zunächst mit seinem Bleistift für strahlende Kindergesichter gesorgt: Er war Zeichner bei Walt Disney in Kalifornien. Doch schon 1945 zog es ihn zurück nach Detroit und zu General Motors.

Dort wurde Renner 1946 Senior Designer für Chevrolet und war zusammen mit GM-Chefdesigner Harley Earl maßgeblich am intern "Opel" genannten Projekt beteiligt: der Entwicklung eines Sportwagens. Earl ließ sich vom Jaguar XK 120 mit Aluminiumkarosserie inspirieren. Vom britischen Design überzeugt, bauten Renner und Earl aus bereits vorhandenen Teilen und Motoren bestehender Chevrolet-Modelle ein Freizeit-Cabrio. Zwei Sitze, eine Karosserie aus Fiberglas, keine Türgriffe, keine Seitenfenster – ein auf den ersten Blick fast billig wirkendes Modell war geboren. Und es gefiel. Am 2. Juni 1952 genehmigte GM-Präsident Harlow Curtice den Bau eines Prototyps.

Premiere auf der Motorama

Mit der Entwicklung des richtigen Aussehens und Fahrverhaltens begann zeitgleich die Suche nach einem passenden Namen für den neuen Sportler. Der Legende nach blätterte ein Mitarbeiter ein Wörterbuch durch und stieß auf "Corvette", die Bezeichnung für ein kleines, wendiges Kriegsschiff. Das Wort soll ihm so gut gefallen haben, dass er es gleich als Namen vorschlug. Mit Erfolg.

Passend zum patriotischen Entwicklungsgedanken der Corvette zeigte ihr Logo anfangs neben der schwarz-weiß karierten Zielflagge die amerikanische Flagge. Diese wurde vier Tage vor der finalen Präsentation jedoch gegen ein Banner mit dem Chevrolet-Logo ausgetauscht, da damals die Darstellung der Nationalflagge auf kommerziellen Produkten nicht erlaubt war.

Anfang 1953, auf der Messe Motorama in New York, stand die C1 schließlich im Scheinwerferlicht. Der Zuspruch der Besucher war gewaltig, das Design des 4,25 Meter langen Modells gefiel. Also beschloss GM die Serienfertigung, die gut ein halbes Jahr später begann. Am 30. Juni 1953 verließ die erste C1 das Werk in Flint im Bundesstaat Michigan. Bis Jahresende wurden von Hand 300 Fahrzeuge produziert, welche ausschließlich in Weiß und als Cabriolet erhältlich waren. Ein Jahr darauf verließen 3.640 Fahrzeuge das Werk.

Die erste Generation der Corvette hatte einen 3,8 Liter großen Reihensechszylinder, der 150 PS lieferte. Damit schaffte der 1,3 Tonnen schwere Wagen den Sprint aus dem Stand bis Tempo 100 in zur damaligen Zeit unglaublichen elf Sekunden. Das Höchsttempo lag bei 170 km/h, was aus heutiger Sicht nicht berauschend klingt. Die C1 wurde neun Jahre lang gebaut und bekam während des knappen Jahrzehnts einige Modellpflegen und stärkere Motoren mit bis zu 360 PS verpasst.