DieselantriebEin Motor als soziale Idee

Der Dieselmotor hat lang gebraucht, bis er sich im Pkw durchsetzte. Vor genau 120 Jahren meldete Rudolf Diesel sein Patent an. Glücklich wurde er nicht. von 

Als Rudolf Diesel am 23. Februar 1893 sein Patent 67 207 auf "Arbeitsverfahren und Ausführungsart für Verbrennungsmaschinen" bekommt, steht der Motor noch auf dem Papier. Erst im August rumst es in einer Augsburger Versuchshalle: Diesels Maschine zündet zum ersten Mal. Trotzdem dauert es noch Jahre, bis daraus ein serienreifer Motor wird.

Das Prinzip ist simpel: Wird Gas zusammengepresst, entsteht Wärme. Also, sagt sich Diesel, müsste es doch möglich sein, in einem Zylinder Luft so stark zu verdichten, dass sich eingespritzter Treibstoff von selbst entzündet und der Explosionsdruck den Kolben bewegt. Wegen der hohen Verdichtung müsste das einen viel besseren Wirkungsgrad ergeben als die Dampfmaschine und auch als der 1876 erfundene Ottomotor, rechnet Diesel aus.

Anzeige

Es ist wohl nicht nur der pure Erfindergeist, der ihn antreibt, sondern auch eine soziale Idee. Rudolf Diesel, 1858 in Paris geboren, kommt als Zwölfjähriger zu Verwandten nach Augsburg, weil seine Eltern ihre Kinder nicht mehr ernähren können. Als Handwerker in Frankreich und zuletzt in England haben sie sich durchgeschlagen, doch ihnen entzieht die industrielle Revolution die Existenzgrundlage.

Rätselhafter Tod

Deren Motor ist die Dampfmaschine. Nur in Großbetrieben arbeiten die teuren Ungetüme mit ihrem schlechten Wirkungsgrad halbwegs effizient. Karl Marx fordert die Arbeiter auf, den Kapitalisten die Produktionsmittel wegzunehmen. Diesel geht den umgekehrten Weg: Er träumt von einem für Handwerker erschwinglichen Motor, der auch in kleinen Werkstätten wirtschaftlich laufen kann.

Der Onkel, bei dem Diesel in Augsburg unterkommt, unterrichtet an der örtlichen Gewerbeschule. Im Physikunterricht sieht Rudolf, wie sich Gas im Kolben so stark verdichtet, dass Zunder zu glühen beginnt. Als er im Studium an der Technischen Hochschule München erfährt, wie viel Energie Dampfmaschinen ungenutzt lassen, notiert er den Beschluss, "diesen Missstand aus der Welt zu schaffen".

Diesels Professor Carl Linde, Begründer des Kältetechnik-Konzerns, heuert ihn als Direktor für eine Fabrik in Paris an. Sein Gehalt steckt Diesel zu großen Teilen in seine Erfindung. Die Maschinenfabrik Augsburg, später Teil von MAN, baut ihm seinen ersten Versuchsmotor. 1897 sind erste stationäre Dieselmotoren einsatzbereit. Ab 1903 treiben sie Schiffe an, bald folgen Lokomotiven und Traktoren, Lastwagen erst in den 1920er Jahren.

Rudolf Diesel bringt der Erfolg wenig Glück. Er verliert mit Spekulationen Geld, schlägt sich mit Patentprozessen herum. Als er am 29. September 1913 per Schiff nach England reist, geht er unter ungeklärten Umständen über Bord. Suizid gilt als wahrscheinlich, aber es gibt auch Mordtheorien: Der Erste Weltkrieg bahnt sich an, das Patent weckt Begehrlichkeiten.

Leserkommentare
  1. Es gab aber noch ein Problem: Der TÜV/DEKRA als staatlich beauftragte Prüfer konnten zwar einen "Lkw" konstatieren und in den papieren eintragen, das staatliche Finanzamt aber: "Waaaas, dieser LKW fährt 180 km/h Höchstgeschwindigkeit? UUUUnmöglich! Das ist ein PKW!"

    Und man kann noch was lernen aus diese unmöglichen geschichte: Gemäß der Unterschiede der Mineralölsteuer sollte der Diesel etwa 20 Cent billiger (!) sein als Benzin, nur sieht man davon an der Tankstelle nix, Ausreden dafür gibt's Legion. Das als Hinweis an alle die, die meinen, durch Senkung der Mineralölsteuer dauerhaft "billiges" Benzin kriegen zu können!

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Danke"
  2. lediglich Ausdruck der Wettbewerbsverzerrung durch staatliche Eingriffe (geringere Besteuerung des Kraftstoffes). Würden Diesel un Benzin gleich besteuert, wäre die Dieselei in Europa schlagartig um. So erzeugt man hier eine lokale Konstruktionsblase (Direkteinspritzermotoren, Harnstoffeinspritzung zur Abgasreinigung etc.), die sich weltweit nicht durchsetzen kann. Noch mal 10-20 Jahre, und die Dieselmotoren sind nicht mehr in den Autos.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Karl Marx | Mercedes | Volkswagen | Peugeot | Feinstaub | Kraftstoff
Service