Flugzeugtechnik : Tüfteln an der nächsten Concorde

Die Concorde ist seit 2003 Geschichte – nicht aber das Überschallfliegen. Konzepte wie der Spaceliner sollen ultraschnell und sparsam sein. Sind sie auch realisierbar?
Computergrafik des Überschallflugzeugs Spaceliner, das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelt wird © DLR

Im Oktober 2003 hob die Concorde zu ihrem letzten kommerziellen Flug ab. Doch auch knapp zehn Jahre nach dem Aus für das Überschallflugzeug lässt die Vorstellung, in einer guten Stunde von Frankfurt nach Tokyo zu kommen, die Luft- und Raumfahrtbranche nicht los. Natürlich am besten in einem Jet, der die Umwelt weniger belastet als heutige Maschinen.

Mit viel Phantasie tüfteln Ingenieure seit Jahren an einem Nachfolgemodell für die Concorde. Die Entwürfe haben klangvolle Namen wie Spaceliner, Sonic Star oder Gulfstream Whisper. Sie versprechen Flüge mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit, alternativen Treibstoffen und geringen Emissionen.

In neunzig Minuten von Europa nach Australien, das ist zum Beispiel das ehrgeizige Ziel des Projektes Spaceliner, an dem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeitet. Die beiden US-Flugzeughersteller Gulfstream und Boeing arbeiten an einem Überschall-Businessjet, der mit dem Slogan wirbt: in die USA und zurück an einem Arbeitstag.

Gleitflug in 100 Kilometern Höhe

Die Projekte mögen gelegentlich den Eindruck vermitteln, schon in wenigen Jahren würden die ersten Hyperschall-Jets abheben. Tatsächlich müssen aber noch einige Hürden überwunden werden. "Die größten Probleme beim Überschallfliegen sind die Lärmbelästigung durch den Überschallknall, hohe Verbrauchskosten und die Umweltverträglichkeit", sagt Werner Granzeier, Professor an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW).

Bei dem Raketen-Jet Spaceliner seien die technischen Probleme weitgehend gelöst, sagt Granzeier. Der Passagiertransporter, dessen Start an das Space-Shuttle der NASA erinnert, ist für rund 50 Passagiere ausgelegt und soll mit einer Geschwindigkeit von kurzzeitig bis zu 24.000 Kilometer pro Stunde fliegen, der 20-fachen Schallgeschwindigkeit.

Nach einem senkrechten Start bis in eine Höhe von rund 100 Kilometern beginnt ein flacher Gleitflug bis zum Zielflughafen. Zum Vergleich: Flugzeuge haben auf Langstrecken heute üblicherweise Flughöhen von zehn bis 13 Kilometer. Dadurch sei die Lärmbelästigung durch den Überschallknall relativ gering, erläutert Granzeier. Außerdem sei der raketengetriebene Jet umweltverträglicher als konventionelle Überschallflieger, da er mit einer Raketentreibstoff-Kombination aus flüssigem Wasser- und flüssigem Sauerstoff fliege.

Der Flug im Spaceliner soll einen Passagier durchschnittlich kaum teurer kommen als ein heutiger First-Class-Flug, also etwa für die Strecke Frankfurt – Shanghai hin und zurück etwa 12.000 Euro. "Das technische Konzept steht", sagt Granzeier, "doch eine Realisierung des Projektes ist in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation in Europa nicht vertretbar." Es würden wohl noch 20 bis 25 Jahre vergehen, bis das Projekt umgesetzt werden könne.

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