Oldtimer : Wie der alte Wagen ans H kommt

Um das Oldtimer-Kennzeichen kursieren Halb- und Unwahrheiten: Der alte Wagen dürfe keinerlei Gebrauchsspuren haben, Tuning sei absolut verboten. Heiko Haupt klärt auf.

Fast perfekt muss der Oldtimer sein, sagen die einen: Schlechter als Zustandsnote 2 geht gar nicht, absoluter Originalzustand ist Pflicht. Ach was, tönen andere, in einen Golf I darf ruhig ein Motor vom Golf II. Hauptsache, die Optik der Karosserie stimmt. Wenn es um den Erhalt eines H-Kennzeichens für Oldtimer geht, kursieren viele Un- und Halbwahrheiten. Das Internet ist voll von widersprüchlichen Aussagen. Mal werden längst nicht mehr gültige Regelungen zitiert, mal aktuelle Aussagen falsch interpretiert.

Dass überhaupt so viel über die Grundlagen des H-Kennzeichens gesprochen wird, hat gute Gründe. Schließlich ist das schwarze H auf dem Nummernschild Statussymbol, Sparschwein und Türöffner zugleich.

Das Statussymbol H zeichnet ein mindestens 30 Jahre altes Fahrzeug ganz offiziell als erhaltenswertes "kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut" aus. Als Sparschwein bietet es den Zugang zu speziellen und oft günstigeren Oldtimer-Versicherungen, außerdem gilt für ausgewiesene Autoklassiker ein einheitlicher Steuersatz von weniger als 200 Euro. Zum Türöffner schließlich wird das H-Kennzeichen in Städten mit Umweltzonen: Musste der alte Stinker eben noch Umwege um solche Zonen fahren, darf er nun ohne jegliche Plakette die Feinstaubwerte erhöhen.

Verwirrung um Zustandsnoten

Seit 1997 gibt es das H-Kennzeichen und damit auch die Voraussetzungen zur Erteilung. Wer das Nummernschild wollte, musste mit dem Wagen zu TÜV oder Dekra, wo Sachverständige den Klassiker unter die Lupe nahmen, bevor sie das H zuteilten. Irgendwann verbreitete sich dann die Meinung, die ursprünglichen Regeln seien überarbeitungswürdig – und so kam Ende 2011 die neue "Richtlinie für die Begutachtung von Oldtimern nach Paragraf 23 StVZO". Spätestens seit diesem Zeitpunkt herrscht Verwirrung.

Den wohl meist verbreiteten Irrtum haben sich die Verfasser der Richtlinie selbst zuzuschreiben. Bei den Kriterien für die Einstufung als Oldtimer wird von einem "guten Pflege- und Erhaltungszustand" gesprochen. Nun bewerten Liebhaber klassischer Fahrzeuge deren Zustand gewohnheitsmäßig nach Schulnoten: von 1 für "besser als neu" bis 5 für "ziemlich heruntergeritten und restaurierungsbedürftig".

In der ursprünglichen Regelung von 1997 wurde von einem Fahrzeug der Zustandsnote 3 ausgegangen, was einem ordentlichen Erhaltungszustand mit Gebrauchsspuren entspricht. Der in der neuen Richtlinie festgehaltene "gute" Erhaltungszustand wird nun oft mit der Note 2 gleichgesetzt: Die bedeutet für Oldtimer "sehr gut, mängelfrei, original erhalten oder aufwändig restauriert" – also ein echtes Topfahrzeug.

"Es ist aber nicht richtig, dass ein Auto zur Erteilung des H-Kennzeichens die Zustandsnote 2 haben muss", widerspricht Thomas Rusch, Sachverständiger und Oldtimer-Experte des TÜV Nord in Essen. "Die aktuelle Richtlinie kennt keine Zustandsnoten mehr." Der genannte gute Zustand diene lediglich als Abgrenzung zu ungepflegtem Altmetall gleichen Baujahres.

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