PSAKooperation mit Opel soll Peugeot/Citroën helfen

Der französische Konzern PSA steckt tief in der Krise. Nach einem Rekordverlust im vorigen Jahr setzen Peugeot/Citroën auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit GM und Opel. von Wolfgang Gomoll

Fertigung eines Citroën DS5 im PSA-Werk Sochaux in Ostfrankreich (Archivbild)

Fertigung eines Citroën DS5 im PSA-Werk Sochaux in Ostfrankreich (Archivbild)  |  © Sebastien Bozon/AFP/Getty Images

Fast zwei Drittel seiner Fahrzeuge verkauft der französische Autokonzern PSA mit seinen Marken Peugeot und Citroën in Europa, vor allem in Südeuropa. Das erklärt manches an der Misere, in der PSA steckt. Während Konkurrenten wie VW oder BMW in China und den USA kräftige Gewinne einfahren, schlitterte die PSA-Gruppe, sich auf den europäischen Markt konzentrierend, mit dem alten Kontinent in die Krise. Der Konzern schrieb im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von mehr als fünf Milliarden Euro. Ein Großteil davon beruht auf Abschreibungen.

Der Druck lastet also schwer auf Frédéric Saint-Geours, dem PSA-Markenchef. Er will nun künftig die schickere DS-Reihe von Citroën in China in eigenen DS-Stores verkaufen. Der DS5 wird von 2015 an in der Volksrepublik produziert. Später folgen eine große Stufenheck-Limousine und ein SUV. Mit dem Forcieren der DS-Varianten als eigener Marke setzt PSA auf hochwertige Lifestyle-Produkte, statt sich im Kleinwagensegment, wo die Gewinnmargen deutlich geringer sind, aufzureiben.

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Zudem will der PSA-Konzern in Zukunft auch in Russland und Südamerika stärker präsent sein. Allerdings ist das kein Selbstläufer und mit großem finanziellem Einsatz verbunden, da in diesen Regionen bereits starke deutsche Konkurrenz um Marktanteile kämpft. Hier könnte die strategische Allianz mit General Motors als Türöffner helfen.

PSA verbrennt jeden Monat 100 Millionen Euro

Doch die PSA-Krise allein geografisch zu erklären, greift zu kurz. Die Malaise hat tiefe strukturelle Ursprünge. Die Autos werden zu teuer produziert, und die Fabriken sind zu wenig ausgelastet. Von einem Baukasten-System, wie es Volkswagen installiert hat, ist PSA noch weit entfernt. Die Konsequenzen sind desaströs: Im operativen Geschäft machte PSA im Jahr 2012 jeden Monat 200 Millionen Euro Verlust. In diesem Jahr soll dieser Monatswert zumindest halbiert werden. 2014 möchte PSA wieder zumindest eine schwarze Null schreiben.

Um das Ziel zu erreichen, setzt das Unternehmen auf harte Einschnitte. Rund 8.000 Arbeitsplätze sollen in naher Zukunft wegfallen. Im nächsten Jahr will PSA im Werk Aulnay-sous-Bois für immer die Bänder anhalten. Die französische Regierung geht bis an die Schmerzgrenze, um dem kränkelnden Autobauer wieder auf die Beine zu helfen: Bereits im vergangenen Herbst hatte sie Staatshilfen in Höhe von sieben Milliarden Euro zugesagt. Schließlich beschäftigt der nach Volkswagen zweitgrößte Autohersteller Europas rund 123.000 Menschen.

Einsteigen bei PSA will die Regierung allerdings nicht. Sie favorisiert eine engere Zusammenarbeit von PSA mit GM. Die Allianz mit Opel soll die Skaleneffekte und damit die Wirtschaftlichkeit erhöhen. Wichtige Schritte sind bereits eingeleitet: Die neue modulare EMP2-Plattform der Franzosen soll den produktionstechnischen Rückstand zu VW verringern. Neben den PSA-Modellen Citroën C4 Picasso oder Peugeot 308 wird auch der nächste Opel Zafira auf dieser Architektur stehen. Zwei weitere Plattformen sind geplant, vermutlich für Klein- und Mittelklasse-Fahrzeuge. So wird auch der Unterbau für die nächste Generation des Opel Meriva von PSA kommen.

Die weitreichende Kooperation bei der Fahrzeugentwicklung soll schon 2013 zu Einsparungen von 600 Millionen Euro führen. Langfristig sieht PSA in der engen Zusammenarbeit mit GM Synergien von 1,5 Milliarden Euro jährlich. Das würde die beiden angeschlagenen Autohersteller spürbar entlasten. Außerdem soll die Produktion gestrafft werden, um die Fabriken auszulasten. Dass das nicht ohne Kollateralopfer abläuft, erfahren die Mitarbeiter des Bochumer Opel-Werks gerade am eigenen Leib: 2016 soll dort das letzte Auto vom Band laufen. Genau im selben Jahr, in dem die ersten PSA-Opel-GM-Modelle auf den Markt kommen.

Doch Frédéric Saint-Geours will das Schicksal von PSA nicht nur von der Zusammenarbeit mit den bisweilen unberechenbaren Amerikanern abhängig machen. Eine Produktoffensive soll die französische Absatz-Malaise beenden. 17 neue Modelle sind in den nächsten Jahren geplant – neun in der EU und acht außerhalb. Ob das zur Rettung reicht?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Peugeot | Volkswagen | BMW | Opel | General Motors | Allianz
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