QorosNeue Automarke aus China kommt nach Europa

Bisher sind die Auftritte chinesischer Autohersteller in Europa schief gegangen. Nun wagt sich Qoros auf den alten Kontinent – mit westlicher Technik. von Stefan Grundhoff

Die Limousine 3 des chinesischen Herstellers Qoros

Die Limousine 3 des chinesischen Herstellers Qoros  |  © Hersteller

Mit ihren bisherigen Modellen sind chinesische Autohersteller in Europa kläglich gescheitert. Die Fahrzeuge fielen bei Crashtests reihenweise durch, Käufer fanden sich auch kaum. Qoros will jetzt zeigen, wie es besser geht. Die junge Marke aus der Volksrepublik – hinter der Chery Quantum Automotive, einer der größten Autohersteller in China, steht – präsentiert sich Anfang März auf dem Genfer Salon.

Die Marke Qoros existiert erst seit 2011, die Firmengründung erfolgte ein paar Jahre davor. Ende des Jahres will das Unternehmen auf dem Heimatmarkt China starten, wie Stefano Villanti erläutert, ehemaliger McKinsey-Autoexperte und jetzt bei Qoros verantwortlich für Marketing und Produktstrategie. "2015 planen wir dann nach Europa zu kommen."

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Von dort kommt ohnehin ein Großteil der Entscheidungsträger bei Qoros. Chery Quantum kaufte sich aus der Automobilwelt einige Topleute zusammen. Der ehemalige Mini-Chefdesigner Gert-Volker Hildebrand verantwortet das Aussehen der Qoros-Modelle, und im Vorstand hat neben Chery-Chef Guo Qian der frühere Volkswagen-Manager Volker Steinwascher Platz genommen. Bei Magna in Graz läuft seit drei Jahren der Großteil der Entwicklungsarbeit.

Komponenten aus Europa

Das Ziel: Autos für die breite Masse, aber dennoch im gehobenen Segment – also in der Sparte, die deutsche Hersteller gern mit dem Begriff Premium betiteln. Qoros will Autos bauen, die praktisch sind, aber auch ansehnlich und qualitativ hochwertig. Um den Anspruch zu verwirklichen, kommen viele der Komponenten von bekannten Zulieferern wie ZF, Bosch oder Continental, die die Teile auch für deutsche Fahrzeuge liefern. Bei den Motoren hätte Chery gerne mit einem europäischen Schwergewicht kooperiert, entschied sich letztlich aber dafür, eigene Motoren zu verwenden.

Die Autos von Designer Hildebrand können sich durchaus sehen lassen. Zwar gibt es keine visuellen Experimente, spektakulär ist an den Qoros-Modellen wenig. Doch der Auftritt ist solide, er soll Zutrauen zur neuen Marke wecken. Schließlich soll das Startmodell Qoros 3 auch in der westlichen Welt gefallen, um eine ganze Modellfamilie nachfolgen zu lassen.

Die Mittelklasse-Limousine Qoros 3 ist das Kernmodell: 4,61 Meter lang, mit gefälligem Aussehen, üppigem Platzangebot und einem Preis von deutlich unter 20.000 Euro. Sie soll in erster Linie Modelle wie den Volkswagen Passat oder Skoda Octavia angreifen. Die Front würde auch einem VW oder Opel zur Ehre gereichen. Die Limousine fällt zudem durch kurze Überhänge und markig-große Rückleuchten mit LED-Bögen auf.

Leserkommentare
  1. werden auch die Chinesen uns dort einholen. Es wird sogar noch viel preiswerter als bei den Japanern.
    Und da die Deutschen und Europa insgesamt, keinen ordentlichen Lohn mehr bekommen, werden Deutsche Autos bald noch mehr nur noch zu Leasinggefährten verkommen, die höchstens noch in Fuhrparks zu finden sein werden.

    Schöne Aussichten, und keiner unserer "Eliten" ist schlau genug echte Lösungen zu bringen, obwohl in einer echten Demokratie genug zu finden sind.

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    Ganz genau meine Meinung - und Beobachtung.

    daran überhaupt interessiert sind??

    Was hätten die denn davon, Lösungen für jedermann zu finden??

    Moment mal! Die Japaner sind in Sachen Motorentechnik mindestens auf dem gleichen Stand wie die deutschen Autobauer (wenn nicht sogar ein paar Schritte vorraus)! Wer hier Qoros mit Honda oder Toyota vergleicht, kann auch Dacia mit BMW vergleichen!

    Bitte... Einen Saugmotor mit 125 PS aus 1,6 Litern!? Dagegen ist jeder Dacia ein technologisches Wunderwerk. Das Vergasermotoren bei uns seit 20 Jahren ausgestorben sind liegt vorallem an den hohen Emissions- und Verbrauchswerten gegenüber den Einspritzern.

    Vor diesem "Auto" braucht sich nun wirklich niemand am europäischen Automarkt fürchten!

    • RGFG
    • 18. Februar 2013 19:04 Uhr

    ...als die bedingungslose Kapitulation der deutschen Autoindustrie vor den in allen Belangen überlegenen Japanern unmittelbar bevorstand? Also wenn es diesmal ähnlich läuft, dann können wir ja ganz beruhigt sein.

    Im Ernst: Mercedes, BMW, und Audi verkaufen mittlerweile ca. 30% des Volumens nach China (und machen vermutlich einen deutlich höheren Anteil des Gewinns dadurch). Was passiert, wenn man es nicht mitspielt, sieht man ja an den Franzosen.

    Wie da eine "echte Lösung" ausschauen soll - angesichts eines Marktes von hunderten Millionen potenziellen Kunden und eines schrumpfenden europäischen Marktes - das müssen Sie uns bei Gelegenheit mal skizzieren, worin das bestehen könnte...

  2. Ganz genau meine Meinung - und Beobachtung.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wie in Japan"
  3. Der Qoros wird in China, durch chinesische Arbeiter produziert und dann hier für relativ wenig Geld verkauft. Der deutsche Autobauer verkauft zwar ebenfalls Wagen in China, doch die werden nicht etwa hier in Deutschland gebaut, sondern auch in China.

    Das wird dahin fuehren, dass Autos "Made in China" nicht nur den chinesischen Markt dominieren, sondern auch ganz bald im Geiz-ist-geil Land gute Marktanteile haben werden.

    Die Autobauer haben jahrelang technisches know-how für den Autobau und die Produktion nach China verlagert und sich so nicht nur auf dem chinesischen Markt, sondern auch bald hier auf dem europäischen Markt, einen ernstzunehmenden Konkurrenten gezüchtet.

    Bezweifelt wirklich noch irgendjemand, dass ein wirtschaftliches Engagement in China nicht wirklich nachträglich ist, sondern ein eher kurzes Vergnügen?

    Die Geister, die ich rief ...

    9 Leserempfehlungen
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    Schon mal dran gedacht, dass "Geiz" für mehr und mehr Menschen in Deutschland nicht "geil" ist, sondern angesichts jahrelanger Lohndrückerei und sich ausbreitender atypischer Beschäftigungsverhältnisse (vom Niedriglohnsektor ganz zu schweigen) eine reine Notwendigkeit zum Bestreiten des Lebensunterhalts?

    Recht haben Sie allerdings was die deutschen Autobauer betrifft: Die schaufeln sich ihr eigenes Grab. Und ich wage zu behaupten, dass sie sich dessen voll bewusst sind. Sie geben es nur nicht zu.

    • DS23
    • 18. Februar 2013 14:31 Uhr

    "Der ehemalige Mini-Chefdesigner (...)der frühere Volkswagen-Manager ..."

    Und genau so sieht das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen dann auch aus....

    Eine Leserempfehlung
  4. daran überhaupt interessiert sind??

    Was hätten die denn davon, Lösungen für jedermann zu finden??

    Antwort auf "Wie in Japan"
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    Mehr Umsatz und Gewinn.

  5. Schon mal dran gedacht, dass "Geiz" für mehr und mehr Menschen in Deutschland nicht "geil" ist, sondern angesichts jahrelanger Lohndrückerei und sich ausbreitender atypischer Beschäftigungsverhältnisse (vom Niedriglohnsektor ganz zu schweigen) eine reine Notwendigkeit zum Bestreiten des Lebensunterhalts?

    Recht haben Sie allerdings was die deutschen Autobauer betrifft: Die schaufeln sich ihr eigenes Grab. Und ich wage zu behaupten, dass sie sich dessen voll bewusst sind. Sie geben es nur nicht zu.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Heimische Produktion"
    • deDude
    • 18. Februar 2013 15:54 Uhr

    .... dann bleibt ihnen einkommensbedingt gar nichts anderes mehr übrig als auf ein chinesisches Fabrikat zu setzen.

    Mercedes, BMW, Audi und und und? Nichts für den Pöbel am Band, das ist nur für die "Leistungsträger" der Gesellschaft, also die Maschmeyers, die Zinsmanipulatoren der Deutschen Bank, die Ausbeuter von Amazon und und und....

    Schöne neue Welt, kann man hier irgendwo aussteigen?

    12 Leserempfehlungen
    • slide
    • 18. Februar 2013 16:29 Uhr

    Dem Problem könnte man sich ganz einfach und fair entgegenstellen.Einfach die gleichen Einfuhrzölle wie die Chinesen auf deutsche Autos verlangen.Unsere Politiker sind doch sowas von blauäugig.

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    nicht so einfach wie Sie denken, da ein Großteil deutscher Hersteller im Land der Mitte schon eigene Werke hat, wo fast ausschließlich für den eigenen, bzw. asiatischen Markt produziert wird und somit sich Einfuhrzölle fast von selbst aufheben oder unwichtig werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte China | Europa | BMW | Volkswagen | Audi | Bosch AG
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