Im Fond des Seat Ibiza ist es eng, aber das stört in der Ibiza-Variante Cupra vermutlich am wenigsten. Denn dort wird vermutlich ohnehin nur die Trainingstasche deponiert. Ein Großteil der Cupra-Käufer ist jünger als 29 Jahre, kinderlos und legt auf Sportlichkeit großen Wert. Diese Haltung strahlt auch der Ibiza Cupra aus. Das fängt mit dem großen trapezförmigen vorderen Lufteinlass an, geht bei den schwarzen Außenspiegelschalen und roten Bremssätteln weiter und endet mit dem breiten, mittig platzierten Auspuffrohr.

Die Optik gibt also überzeugend den sportlichen Wagen. Aber passt das Fahrverhalten auf der Straße zum Erscheinungsbild? Testfahrten zeigen, dass Seat auch hier das Ziel erreicht hat. Die Spanier setzen im Ibiza Cupra auf ein strafferes Fahrwerk als im herkömmlichen Ibiza. Außerdem wird das elektronische Sperrdifferential XDS verwendet, im Grunde ein erweitertes ESP. Es macht das Fahrzeug mit gezielten Bremseingriffen agiler, zum Beispiel am kurveninneren Vorderrad. Es verbessert die Traktion und vermindert auch in schnell gefahrenen Kurven die Neigung zum Untersteuern.

Dazu trägt auch das gut abgestimmte Sportfahrwerk bei, das zwei Zentimeter tiefer liegt als in der Standardausführung des Seat-Kleinwagens. Der 1.184 Kilogramm schwere Cupra liegt folglich satt auf der Straße und in den Kurven – bei Unebenheiten zeigt sich allerdings die Kehrseite der sportlichen Abstimmung: Hier reagiert das Fahrwerk holprig und meldet das Hindernis verlässlich an die Insassen.

Flott unterwegs, ohne hochzudrehen

Positiv fällt die Lenkung über das abgeflachte Lenkrad auf. Sie ist präzise und genügend direkt. Selbst beim flotten Beschleunigen bleibt das Steuer rüttelfrei und gibt dabei genug Rückmeldung an den Fahrer.

Wenn man dagegen eine gemütliche Fahrweise wählt, kann der 4,06 Meter lange Sportkleinwagen auch ein bequemes Reisegefährt sein. Das liegt auch am serienmäßigen Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen, das die Drehzahl und damit die Lautstärke des Motors niedrig hält. Der 1,4-TSI-Direkteinspritzer mit 132 kW (180 PS) Leistung verfügt über einen Kompressor und einen Turbolader. Der Kompressor übernimmt den Hauptteil der Arbeit bis 3.500 Umdrehungen pro Minute, dann greift der Turbolader ein.

Das maximale Drehmoment von 250 Newtonmetern steht schon bei 2.000 Umdrehungen pro Minute bereit. Damit liefert der Motor auch bei niedrigen Drehzahlen genug Vortrieb, um im Verkehr gut mitzuschwimmen. Beim Spurt vom Stand passiert die Tachonadel nach 6,9 Sekunden die Zahl 100 und kommt erst bei 228 km/h zum Stehen. Der angegebene Durchschnittsverbrauch von 5,9 Litern je 100 Kilometer gehört indes ins Reich der Fabel. Wer den Cupra auch nur ansatzweise sportlich ausfährt, kann locker zwei Liter draufschlagen.

Üppig ausgestattet

Das angenehme Reisegefühl im Cupra wird verstärkt durch die serienmäßigen Sportsitze. Sie sind bequem und bieten ausreichend Seitenhalt. Dieser könnte lediglich auf Schulterhöhe etwas besser sein. Das Cockpit mit den Rundinstrumenten ist übersichtlich, allerdings sind manche Applikationen weniger hochwertig als bei den Konzernbrüdern VW Polo und Audi A1. Zwar ist der Klavierlackanteil gestiegen, aber der Blinkerhebel, Griffmulden sowie die Einfassung des Radios sind nach wie vor aus Hartplastik.

Eine Neuheit ist das Infotainmentsystem von Seat, das nun nach und nach in den Modellen der spanischen Volkswagen-Tochter eingeführt wird. Im Ibiza Cupra gehört es zur Serienausstattung. Auf dem fünf Zoll großen Bildschirm kann man Informationen wie die Kühlwasser-Temperatur und die Drehzahl abrufen. Außerdem dient er natürlich der Navigation. Auch ein elektronischer Notizzettel steht zur Verfügung. Wie der Name "Seat Portable System" andeutet, lässt sich das Mini-Tablet auch abnehmen und außerhalb des Autos nutzen.

Der sportlichste aller Seat Ibiza ist vom 14. März an erhältlich, und zwar ausschließlich als Dreitürer. Im Preis von 23.590 Euro ist schon einiges enthalten: Serienmäßig sind neben dem "Portable System" unter anderem auch Bi-Xenon-Scheinwerfer, die Klimaautomatik und 17-Zoll-Aluräder. Der VW Polo GTI kostet mit 22.925 Euro ein paar Hunderter weniger. Dort kosten die Xenon-Scheinwerfer allerdings extra, und auch sonst ist die Serienausstattung des Ibiza Cupra besser als die des Sport-Polo.