ElektromobilitätFür VW zahlt sich zaudern aus
Seite 2/2:

Nachwehen des Ein-Liter-Autos

Kommerziell ist Volkswagen so erfolgreich wie selten in seiner Geschichte. Die Absatzzahlen sind zwar nur ein Parameter, der den aktuellen Höhenflug beschreibt, aber ein deutlicher: Mit 9,07 Millionen verkauften Autos landete der Konzern im vergangenen Jahr hinter GM (9,28 Millionen) und Toyota (9,75 Millionen) auf Platz 3 der Statistik. Es geht offenbar ohne Hybridstrategie. Oder, in Abwandlung eines bekannten IT-Spruchs: Never stop a running machine. Ändere nichts, wenn alles funktioniert.

Die Kehrseite dieser Strategie ist die Fähigkeit zur Blockade. Sie geht mit dem Erfolg einher. Denn Autopolitik bedeutet in Europa immer auch Lobbypolitik, und da hat der Volkswagen-Konzern faktisch eine Sperrminorität: Mit VW ist vieles durchsetzbar, aber nichts gegen VW.

Hieraus erwächst für die Wolfsburger eine besonders hohe Verantwortung in einer Zeit, in der noch nicht feststeht, welches Antriebskonzept sich im Auto durchsetzen wird. Fahren wir 2050 noch mit Verbrennungsmotoren? Oder wird der Umschwung zum rein elektrischen Fahren viel schneller gehen, als es heute den Anschein hat?

VW verfolgt genau, was sich global tut

Außerhalb Europas, in Japan, China und den USA, könnte der politische Druck schnell steigen, Autos ohne lokale Emissionen als Massenprodukt in den Markt zu bringen. Es wäre ein Fehlschluss anzunehmen, dass Volkswagen weltweite Entwicklungen nicht aufmerksam beobachtet. Man ist wachsam und schweigt.

Vielleicht ist der Konzern im Hinblick auf Innovationen so zurückhaltend, weil man sich mit dem Ein-Liter-Auto ein Imageproblem eingehandelt hat. Vor elf Jahren fuhr Ferdinand Piëch damit zur VW-Hauptversammlung. Seitdem gewann VW lediglich die Weltmeisterschaft im Ankündigen – was sich selbst mit der für dieses Jahr erhofften Kleinserie des Ein-Liter-Autos in den Augen der Öffentlichkeit kaum ändern wird.

Das Ein-Liter-Auto ist ein Leuchtturmprojekt: VW zeigt mit ihm, was technisch möglich ist, wenn man keine Rücksicht auf Kosten und Nutzwert legen muss. Wichtiger ist hingegen die Elektroversion des Kleinwagens up!. Rund 3.000 e-up! sind für dieses Jahr geplant. Kommt er beim Kunden an, wird er der Startschuss für Volkswagen sein, nach einer Phase des Zauderns mal wieder den Markt erfolgreich von hinten aufzurollen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Sikasuu
    • 07. Februar 2013 13:02 Uhr

    Die einzig reale Messgröße bleibt doch:
    .
    Kosten pro Personen/km, im Rahmen BWL/VWL/Recourcen.
    .
    Es kann niemand etwas daran drehen, das 1.000kg Verpackung für 80Kg Nutzlast = Individulverkehr, das schlechsteste Preis/ Leistungsverhältniss aller Verkehrsmittel haben.
    .
    Der Energieträger wird dabei uninteressant, weil Energiekostem sich immer angleichen.
    .
    Energieträger, die wir selbst erzeugen/umwandeln müssen, werden nie auf das Preisniveau kommen, das Fossile Energieträger über lange Zeit hatten.
    .
    Die mussten wir nur aufsammeln!
    .
    Individualverkehr, wie wir ihn in den letzen 30-50 Jahren gewohnt waren, ist am Ende.
    .
    War schön, hab es genossen.
    .
    Game over!
    .
    Meint
    Sikasuu

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Kosten pro Personen/km, im Rahmen BWL/VWL/Recourcen."
    Würde tatsächlich diese Grundlage gelten, würden unsere Straßen ganz anders aussehen und es würden ganze Sparten von Angeberautos fehlen ;)

    • 54m574g
    • 07. Februar 2013 14:51 Uhr

    Für die innenstädte müssen ohne zweifel andere lösungen entwickelt werden, jedoch können wir nicht einfach zuhause bleiben nur weil alte technik unwirtschaftlich läuft.

    Ich denke dass wir bald aus licht, wind, kernfusion etc. genug wasserstoff herstellen können um uns allen drehmomentstarke motoren zur verfügung zu stellen!

    • tobmat
    • 07. Februar 2013 16:24 Uhr

    "Die einzig reale Messgröße bleibt doch:
    .
    Kosten pro Personen/km, im Rahmen BWL/VWL/Recourcen."

    Die Messgröße ist leider ungeeignet, engt den Blick ausschließlich auf Kosten ein und wird daher auch nicht verwendet.

    Entscheidend sind nicht allein die Kosten, sondern ein Kosten-Nutzen-Verhältnis.
    Und je nach Fall kann ein Hubschrauber Flug besser sein als das Auto oder die Bahn.

    • RGFG
    • 07. Februar 2013 17:23 Uhr

    "Der Individualverkehr, wie wir ihn in den letzen 30-50 Jahren gewohnt waren, ist am Ende" - das ist aber schon ein ziieeemlich vorsichtiges Statement, gell?! So ganz ohne Zeitangabe und mit der gemachten Einschränkung, bei der nicht klar ist, ob sie sich auf die Technologie, den Umfang, die Stückzahl von Autos, die Nutzungsgewohnheiten bezieht (...oder auf alles zusammen).

    Sicher ist, finde ich, nur eines - nämlich dass der Individualverkehr nicht totzukriegen sein wird. Das ist ironischerweise wirklich so wie bei den Dinosauriern - die sind nämlich gar nicht wirklich ausgestorben, sondern leben in Form der Vögel immer noch unter uns. Genau so wird es bei den Autos sein - sie werden ganz sicher anders aussehen als heute, aber sie werden nicht verschwinden.

    Und insofern bin ich mir ziemlich sicher, dass sich nichts Fundamentales am Individualverkehr ändern wird.

    • Statist
    • 08. Februar 2013 15:23 Uhr

    wird es immer geben. OB man dafür wie derzeit 1t Verpackung für 50 - 200 kg Gewicht benötigt, sei mal dahin gestellt.

    Innerstädtisch wünsche ich mir sozusagen den individualisierten Massenverkehr, sprich kleine und mittelgroße Busse, die man sich vielleicht eine Stunde vor Abfahrt mit Ziel per Handy bestellt, und vom System die genaue Abfahrtszeit und den genauen Abfahrtsort geliefert bekommt, sodass diese Busse mehr oder weniger immer halb voll bis voll sind und eigentlich ständig fahren, nur nicht mehr auf festgelegten Routen, aber autonom.

    Außerstädtisch wird man über den Sammelverkehr (Reisebusse, Bahnen) wohl gar nicht hinwegkommen, und auf dem Land wird der Individualverkehr auch weiterhin per Auto erfolgen. Worum es mir geht, ist die Auslastung der Fahrzeuge jeweils anzupassen, bzw. unterschiedliche Fahrzeuge zu wählen, sodass die Auslastung halt passt. Das dürfte viel viel mehr sparen als die Anschaffung von 1-l-Autos für jeden.

    • Calzone
    • 07. Februar 2013 13:54 Uhr
    2. Falsch

    Zitat
    "So war es bei den Vans, wo Renault Espace und Chrysler Voyager ein neues Segment begründeten und VW relativ spät mit dem Touran kam – und sich sofort an die Spitze setzte"

    Auf dem heimischen Markt vielleicht, aber sonst nicht. Ansonsten hechelt VW regelmäßig Trends hinterher oder kopiert schamlos. Schiebetüren bei Vans, Benzin-Direkteinspritzer, Zylinderabschaltung etc...die Liste läßr sich beliebig verlängern.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... war nicht der Touran (die Antwort auf den Zafira ...), sondern der erste Sharan (Ford Galaxy, Seat Alhambra) von 1995 ... – qualitätsmäßig unseligen Angedenkens ...

    • coo.per
    • 07. Februar 2013 19:48 Uhr

    war der VW-Bulli -- prima Auto, fährt heute noch.

    • raner
    • 08. Februar 2013 8:20 Uhr

    Was ist den daran "Falsch" wenn man genau mit dieser Methode zum größten Hersteller aufsteigt ?? Man muss sicherlich nicht jedem Trend hinterher hecheln. Abwarten, den Markt beobachten und dann genau überlegen was der Kunde eigentlich will. Genau so macht es VW für den Kunden, genau so ist man erfolgreich.

  1. Wird der Verbrennungsmotor noch lange die beste Wahl bleiben. Man möge doch einfach den Preis des Autos mit dem des Kraftstoffes vergleichen. Da merkt man schnell viel viel Kraftstoff man für einen 50%-igen Preisaufschlag kaufen könnte. Ne ganze Menge.

    Und die alternativen Technologien können auch nicht nur billiger werden: Auch in Ihnen sind massiv Rohstoffe verbaut die tendenziell teurer werden.

    Eine Leserempfehlung
  2. "Kosten pro Personen/km, im Rahmen BWL/VWL/Recourcen."
    Würde tatsächlich diese Grundlage gelten, würden unsere Straßen ganz anders aussehen und es würden ganze Sparten von Angeberautos fehlen ;)

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Sikasuu
    • 07. Februar 2013 15:55 Uhr

    ... wird sich an diese Messgröße gewöhnen MÜSSEN!
    .
    Energiepreise kommunizieren, d.h. gleichen sich an, gleich welcher Energieträger genutzt wird.
    .
    Der Energierverbrauch ist dabei die bestimmende Größe.
    .
    Spätestens in dem Moment, wo die Kosten für Energie (auch Transport) auf den Faktor 50 des BPIs ankommen ist Ende:(
    .
    1970 100km= 1-2 Nettostundenlöhne
    1980-90 = 100Km 1 Nettostundenlohn
    2013 100KM= 1-2 Nettostundenlöhne
    Vergl. http://de.wikipedia.org/w...
    .
    Fehlmenge foss. Energie => 10 Jahre >20% steigend (Daten IEA)
    .
    Entwicklung Individualverkehr= Vergl Daten Automobilexporte in Schwellenländer
    .
    Es reichen Dreisatzkenntnisse und Wissen um unsere private und gesellschaftliche Energieabhängigkeit und MARKT, um die nächsten 20 Jahre und die Entwicklung des Individualverkehrs heutiger Prägung voraus zu sehen:((
    .
    Meint
    Sikasuu
    .
    Ps.Spatestens wenn 1/2 der Nettoeinnahmen des Einzelnen für Mobilität,Heizung u. Nahrung(sehr Energieinsensiv der Anbau) draufgehen, hat sich das mit den großen Blechbüchsen!
    .
    Die soz. Verwerfungen die durch Massenentlassungen in der Auto und Zulieferindustrie entstehen werden, sind da noch gar nicht mit eingerechnet.

    • 54m574g
    • 07. Februar 2013 14:51 Uhr

    Für die innenstädte müssen ohne zweifel andere lösungen entwickelt werden, jedoch können wir nicht einfach zuhause bleiben nur weil alte technik unwirtschaftlich läuft.

    Ich denke dass wir bald aus licht, wind, kernfusion etc. genug wasserstoff herstellen können um uns allen drehmomentstarke motoren zur verfügung zu stellen!

    • 29C3
    • 07. Februar 2013 15:06 Uhr

    Die sog. fast follower Strategie in der Wirtschaft ist keine Erfindung von VW, sondern längst und überall präsent und in Zeiten der explodierenden Konkurrenz nur angebracht.

    Zumal: etwas nicht in Serie zu bringen heißt nicht unbedingt, dass an und in der Sache nicht dennoch gearbeitet wird.

  3. ...sollte es besser heißen. Aber genau diese so clevere Strategie verhindert Änderungen sollten sie auch noch so positiv sein. Der Bauer möchte gern seine Subventionen behalten und der Autofahrer seinen großen Motor. Den braucht er ja auch wegen dem hohen Gewicht was ein Straßentauglicher Panzer so mit sich bringt.
    Zum Glück denken nicht alle Unternehmen so, sonst hätte die Deutsche Industrie wohl kaum einen so guten Ruf in der Welt.Innovationen nur wieder willig auf Grund des Marktdrucks folgen (Einführung des Katalysators Anfang der 90er, Einführung des Rußfilters vor einigen Jahren)wenn es denn mit Lobbyarbeit gar nicht mehr zu verhindern ist, kann auf Dauer keine erfolgreiche Strategie sein. Viele der Autos die in China für den Smog sorgen sind aus dem VW Konzern und zwar auf dem technologischen Stand der späten 70er Jahre. Natürlich macht man damit viel Gewinn und verkauft riesige Stückzahlen. Und dann???

    • Sikasuu
    • 07. Februar 2013 15:55 Uhr

    ... wird sich an diese Messgröße gewöhnen MÜSSEN!
    .
    Energiepreise kommunizieren, d.h. gleichen sich an, gleich welcher Energieträger genutzt wird.
    .
    Der Energierverbrauch ist dabei die bestimmende Größe.
    .
    Spätestens in dem Moment, wo die Kosten für Energie (auch Transport) auf den Faktor 50 des BPIs ankommen ist Ende:(
    .
    1970 100km= 1-2 Nettostundenlöhne
    1980-90 = 100Km 1 Nettostundenlohn
    2013 100KM= 1-2 Nettostundenlöhne
    Vergl. http://de.wikipedia.org/w...
    .
    Fehlmenge foss. Energie => 10 Jahre >20% steigend (Daten IEA)
    .
    Entwicklung Individualverkehr= Vergl Daten Automobilexporte in Schwellenländer
    .
    Es reichen Dreisatzkenntnisse und Wissen um unsere private und gesellschaftliche Energieabhängigkeit und MARKT, um die nächsten 20 Jahre und die Entwicklung des Individualverkehrs heutiger Prägung voraus zu sehen:((
    .
    Meint
    Sikasuu
    .
    Ps.Spatestens wenn 1/2 der Nettoeinnahmen des Einzelnen für Mobilität,Heizung u. Nahrung(sehr Energieinsensiv der Anbau) draufgehen, hat sich das mit den großen Blechbüchsen!
    .
    Die soz. Verwerfungen die durch Massenentlassungen in der Auto und Zulieferindustrie entstehen werden, sind da noch gar nicht mit eingerechnet.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Messgröße"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • zamm
    • 11. Februar 2013 6:37 Uhr

    …im Vergleich zu den totalen Kilometerkosten eines PKW, meiner Rechnung nach etwa 20%. Selbst eine Verdoppelung vom Diesel- und Benzinpreis wurde deshalb nur 20% ausmachen.

    Wenn man den Oelpreis betrachtet, ist die Bedeutung noch kleiner, da >50% der Krafstoffpreise (siehe Ihr Link) sind Steuern!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Angela Merkel | BMW | Ford | Toyota | Chrysler | Fiat
Service