ElektromobilitätFür VW zahlt sich zaudern aus

Volkswagen hält sich mit der Brennstoffzelle zurück. Traditionell wartet VW bei Innovationen ab, bis ein Markt entsteht – die Taktik hat sich bewährt. von 

Die Elektro-Variante des Kleinwagens up! kommt Ende 2013 auf den Markt.

Die Elektro-Variante des Kleinwagens up! kommt Ende 2013 auf den Markt.  |  © Hersteller

Spötter sind sicher, wann die Brennstoffzelle im Auto kommt: immer in ungefähr fünf Jahren vom heutigen Datum an gezählt. Dass Daimler jüngst den Serienstart der B-Klasse mit der sogenannten F-Cell von 2014 auf 2017 verschoben hat, scheint den Skeptikern Recht zu geben.

Den Unkenrufen zum Trotz bekennen sich alle internationalen Autohersteller zu dieser Technik, die Elektroautos langstreckentauglich macht. Toyota kooperiert mit BMW, um die Stückzahlen zu steigern und die Kosten zu senken. Daimler arbeitet mit Nissan-Renault und Ford zusammen. Honda propagiert die Brennstoffzelle offensiv, Hyundai produziert eine Kleinserie, und die Prototypen von GM/Opel fahren durch Berlin.

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Nur von Volkswagen kommen ganz leise Töne – die im Chor der lauten Stimmen leicht als Totschweigen missdeutet werden können. In Wolfsburg stapelt man bewusst tief. Man forsche intensiv an der Brennstoffzellentechnologie, teilt das Unternehmen mit, und sei Mitglied in der Clean Energy Partnership (CEP). Das ist eine von Politik und Industriepartnern ins Leben gerufene Initiative zur Förderung der Wasserstoff-Technologie in Fahrzeugen. Allerdings sehe man keinen Markt, so lange das Problem der Tankstellen-Infrastruktur nicht gelöst sei.

VW macht's wie die Kanzlerin

Übersetzt heißt das: Die Wolfsburger warten ab, was sich so tut, und wollen sich nicht an der Fackel der Innovation verbrennen, die andere vorantragen. Volkswagen verhält sich wie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Statt große Töne zu spucken, schaut man nach links und nach rechts, wie sich die Dinge entwickeln, um dann kraft der eigenen Macht den Diskurs zu bestimmen.

Für diese Strategie gab es in der Vergangenheit immer wieder Beispiele. Der erste Dieseldirekteinspritzer lief bei Fiat mit dem Croma vom Band. Massenrelevant wurde die Technik aber erst, als Volkswagen unter dem Label TDI für ihren Durchbruch sorgte. In anderen Fällen gab es bereits einen großen Markt, bevor Europas größter Autokonzern mitmachte. So war es bei den Vans, wo Renault Espace und Chrysler Voyager ein neues Segment begründeten und VW relativ spät mit dem Touran kam – und sich sofort an die Spitze setzte. Das gleiche gilt für die mittleren SUV. Honda CRV und Toyota RAV4 bedienten die Kunden, bevor der Tiguan abräumte. Volkswagen zögert, um dann nach- und schließlich vorbeizuziehen.

Klar ist: Der sogenannte modulare Querbaukasten (MQB), auf dem die wichtigsten Volkswagen-Modelle der kommenden Jahre beruhen, bietet alle Voraussetzungen, um die Brennstoffzelle zu integrieren. Der Baukasten kann Benzin-, Diesel- und Erdgasmotoren aufnehmen, außerdem Elektro-, Hybrid- und Plug-In-Hybridvarianten. Dann ist der Schritt zur Brennstoffzelle nicht mehr weit, denn vereinfacht beschrieben ist diese Technik ein Elektroauto, das sein eigenes Minikraftwerk an Bord hat.

Leserkommentare
    • Sikasuu
    • 07. Februar 2013 13:02 Uhr

    Die einzig reale Messgröße bleibt doch:
    .
    Kosten pro Personen/km, im Rahmen BWL/VWL/Recourcen.
    .
    Es kann niemand etwas daran drehen, das 1.000kg Verpackung für 80Kg Nutzlast = Individulverkehr, das schlechsteste Preis/ Leistungsverhältniss aller Verkehrsmittel haben.
    .
    Der Energieträger wird dabei uninteressant, weil Energiekostem sich immer angleichen.
    .
    Energieträger, die wir selbst erzeugen/umwandeln müssen, werden nie auf das Preisniveau kommen, das Fossile Energieträger über lange Zeit hatten.
    .
    Die mussten wir nur aufsammeln!
    .
    Individualverkehr, wie wir ihn in den letzen 30-50 Jahren gewohnt waren, ist am Ende.
    .
    War schön, hab es genossen.
    .
    Game over!
    .
    Meint
    Sikasuu

    4 Leserempfehlungen
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    "Kosten pro Personen/km, im Rahmen BWL/VWL/Recourcen."
    Würde tatsächlich diese Grundlage gelten, würden unsere Straßen ganz anders aussehen und es würden ganze Sparten von Angeberautos fehlen ;)

    • 54m574g
    • 07. Februar 2013 14:51 Uhr

    Für die innenstädte müssen ohne zweifel andere lösungen entwickelt werden, jedoch können wir nicht einfach zuhause bleiben nur weil alte technik unwirtschaftlich läuft.

    Ich denke dass wir bald aus licht, wind, kernfusion etc. genug wasserstoff herstellen können um uns allen drehmomentstarke motoren zur verfügung zu stellen!

    • tobmat
    • 07. Februar 2013 16:24 Uhr

    "Die einzig reale Messgröße bleibt doch:
    .
    Kosten pro Personen/km, im Rahmen BWL/VWL/Recourcen."

    Die Messgröße ist leider ungeeignet, engt den Blick ausschließlich auf Kosten ein und wird daher auch nicht verwendet.

    Entscheidend sind nicht allein die Kosten, sondern ein Kosten-Nutzen-Verhältnis.
    Und je nach Fall kann ein Hubschrauber Flug besser sein als das Auto oder die Bahn.

    • RGFG
    • 07. Februar 2013 17:23 Uhr

    "Der Individualverkehr, wie wir ihn in den letzen 30-50 Jahren gewohnt waren, ist am Ende" - das ist aber schon ein ziieeemlich vorsichtiges Statement, gell?! So ganz ohne Zeitangabe und mit der gemachten Einschränkung, bei der nicht klar ist, ob sie sich auf die Technologie, den Umfang, die Stückzahl von Autos, die Nutzungsgewohnheiten bezieht (...oder auf alles zusammen).

    Sicher ist, finde ich, nur eines - nämlich dass der Individualverkehr nicht totzukriegen sein wird. Das ist ironischerweise wirklich so wie bei den Dinosauriern - die sind nämlich gar nicht wirklich ausgestorben, sondern leben in Form der Vögel immer noch unter uns. Genau so wird es bei den Autos sein - sie werden ganz sicher anders aussehen als heute, aber sie werden nicht verschwinden.

    Und insofern bin ich mir ziemlich sicher, dass sich nichts Fundamentales am Individualverkehr ändern wird.

    • Statist
    • 08. Februar 2013 15:23 Uhr

    wird es immer geben. OB man dafür wie derzeit 1t Verpackung für 50 - 200 kg Gewicht benötigt, sei mal dahin gestellt.

    Innerstädtisch wünsche ich mir sozusagen den individualisierten Massenverkehr, sprich kleine und mittelgroße Busse, die man sich vielleicht eine Stunde vor Abfahrt mit Ziel per Handy bestellt, und vom System die genaue Abfahrtszeit und den genauen Abfahrtsort geliefert bekommt, sodass diese Busse mehr oder weniger immer halb voll bis voll sind und eigentlich ständig fahren, nur nicht mehr auf festgelegten Routen, aber autonom.

    Außerstädtisch wird man über den Sammelverkehr (Reisebusse, Bahnen) wohl gar nicht hinwegkommen, und auf dem Land wird der Individualverkehr auch weiterhin per Auto erfolgen. Worum es mir geht, ist die Auslastung der Fahrzeuge jeweils anzupassen, bzw. unterschiedliche Fahrzeuge zu wählen, sodass die Auslastung halt passt. Das dürfte viel viel mehr sparen als die Anschaffung von 1-l-Autos für jeden.

  1. "Kosten pro Personen/km, im Rahmen BWL/VWL/Recourcen."
    Würde tatsächlich diese Grundlage gelten, würden unsere Straßen ganz anders aussehen und es würden ganze Sparten von Angeberautos fehlen ;)

    2 Leserempfehlungen
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    • Sikasuu
    • 07. Februar 2013 15:55 Uhr

    ... wird sich an diese Messgröße gewöhnen MÜSSEN!
    .
    Energiepreise kommunizieren, d.h. gleichen sich an, gleich welcher Energieträger genutzt wird.
    .
    Der Energierverbrauch ist dabei die bestimmende Größe.
    .
    Spätestens in dem Moment, wo die Kosten für Energie (auch Transport) auf den Faktor 50 des BPIs ankommen ist Ende:(
    .
    1970 100km= 1-2 Nettostundenlöhne
    1980-90 = 100Km 1 Nettostundenlohn
    2013 100KM= 1-2 Nettostundenlöhne
    Vergl. http://de.wikipedia.org/w...
    .
    Fehlmenge foss. Energie => 10 Jahre >20% steigend (Daten IEA)
    .
    Entwicklung Individualverkehr= Vergl Daten Automobilexporte in Schwellenländer
    .
    Es reichen Dreisatzkenntnisse und Wissen um unsere private und gesellschaftliche Energieabhängigkeit und MARKT, um die nächsten 20 Jahre und die Entwicklung des Individualverkehrs heutiger Prägung voraus zu sehen:((
    .
    Meint
    Sikasuu
    .
    Ps.Spatestens wenn 1/2 der Nettoeinnahmen des Einzelnen für Mobilität,Heizung u. Nahrung(sehr Energieinsensiv der Anbau) draufgehen, hat sich das mit den großen Blechbüchsen!
    .
    Die soz. Verwerfungen die durch Massenentlassungen in der Auto und Zulieferindustrie entstehen werden, sind da noch gar nicht mit eingerechnet.

    • Calzone
    • 07. Februar 2013 13:54 Uhr
    2. Falsch

    Zitat
    "So war es bei den Vans, wo Renault Espace und Chrysler Voyager ein neues Segment begründeten und VW relativ spät mit dem Touran kam – und sich sofort an die Spitze setzte"

    Auf dem heimischen Markt vielleicht, aber sonst nicht. Ansonsten hechelt VW regelmäßig Trends hinterher oder kopiert schamlos. Schiebetüren bei Vans, Benzin-Direkteinspritzer, Zylinderabschaltung etc...die Liste läßr sich beliebig verlängern.

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  2. Wird der Verbrennungsmotor noch lange die beste Wahl bleiben. Man möge doch einfach den Preis des Autos mit dem des Kraftstoffes vergleichen. Da merkt man schnell viel viel Kraftstoff man für einen 50%-igen Preisaufschlag kaufen könnte. Ne ganze Menge.

    Und die alternativen Technologien können auch nicht nur billiger werden: Auch in Ihnen sind massiv Rohstoffe verbaut die tendenziell teurer werden.

    Eine Leserempfehlung
    • Sikasuu
    • 07. Februar 2013 15:55 Uhr

    ... wird sich an diese Messgröße gewöhnen MÜSSEN!
    .
    Energiepreise kommunizieren, d.h. gleichen sich an, gleich welcher Energieträger genutzt wird.
    .
    Der Energierverbrauch ist dabei die bestimmende Größe.
    .
    Spätestens in dem Moment, wo die Kosten für Energie (auch Transport) auf den Faktor 50 des BPIs ankommen ist Ende:(
    .
    1970 100km= 1-2 Nettostundenlöhne
    1980-90 = 100Km 1 Nettostundenlohn
    2013 100KM= 1-2 Nettostundenlöhne
    Vergl. http://de.wikipedia.org/w...
    .
    Fehlmenge foss. Energie => 10 Jahre >20% steigend (Daten IEA)
    .
    Entwicklung Individualverkehr= Vergl Daten Automobilexporte in Schwellenländer
    .
    Es reichen Dreisatzkenntnisse und Wissen um unsere private und gesellschaftliche Energieabhängigkeit und MARKT, um die nächsten 20 Jahre und die Entwicklung des Individualverkehrs heutiger Prägung voraus zu sehen:((
    .
    Meint
    Sikasuu
    .
    Ps.Spatestens wenn 1/2 der Nettoeinnahmen des Einzelnen für Mobilität,Heizung u. Nahrung(sehr Energieinsensiv der Anbau) draufgehen, hat sich das mit den großen Blechbüchsen!
    .
    Die soz. Verwerfungen die durch Massenentlassungen in der Auto und Zulieferindustrie entstehen werden, sind da noch gar nicht mit eingerechnet.

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    Antwort auf "Messgröße"
    • RGFG
    • 07. Februar 2013 17:23 Uhr

    "Der Individualverkehr, wie wir ihn in den letzen 30-50 Jahren gewohnt waren, ist am Ende" - das ist aber schon ein ziieeemlich vorsichtiges Statement, gell?! So ganz ohne Zeitangabe und mit der gemachten Einschränkung, bei der nicht klar ist, ob sie sich auf die Technologie, den Umfang, die Stückzahl von Autos, die Nutzungsgewohnheiten bezieht (...oder auf alles zusammen).

    Sicher ist, finde ich, nur eines - nämlich dass der Individualverkehr nicht totzukriegen sein wird. Das ist ironischerweise wirklich so wie bei den Dinosauriern - die sind nämlich gar nicht wirklich ausgestorben, sondern leben in Form der Vögel immer noch unter uns. Genau so wird es bei den Autos sein - sie werden ganz sicher anders aussehen als heute, aber sie werden nicht verschwinden.

    Und insofern bin ich mir ziemlich sicher, dass sich nichts Fundamentales am Individualverkehr ändern wird.

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    • Sikasuu
    • 07. Februar 2013 18:30 Uhr

    Da sind wir einer Meinung: Angepasst an die Möglichkeiten.
    .
    Ich schrieb: "Der Individualverkehr, wie wir ihn in den letzen 30-50 Jahren gewohnt waren, ist am Ende"
    .
    Ist also kein Widerspruch, Kleinsttransportmittel,(deine Vögel) besser an die Bedingungen in der Stadt/Ballungsraum angepasst und draussen auf der Steppe die Herde (Bahn Buss, XYZ....)
    .
    und die paar bunten Federn fürs Balzen werden wir dann auch noch neu erfinden :)

    .
    Wir sind doch einer Meinung
    meint
    Sikasuu

    • RGFG
    • 07. Februar 2013 19:34 Uhr

    um Elektro- oder Brennstoffzellenfahrzeuge handelt, die den heutigen Autos in Design, Komfort und Fahrspass verdächtig ähneln und die gleichzeitig die 'Kleinsttransportmittel' im Ballungsraum sind - ja, dann sind wir tatsächlich einer Meinung.

    Aber wenn wir von Elektroklappstühlen in der Stadt und ausschließlich Bus und Bahn auf der Fläche reden sollten, dann sind wir fundamental anderer Meinung.

    • Sikasuu
    • 07. Februar 2013 18:22 Uhr

    Ok, erwischt, da war ich vielleicht unpräzise.
    .
    Aber Kosten ist eine klare Sache, Nutzen ist immer "Glaubensbekenntniss! :-)
    .
    Das Kosten/Nutzen Verhältniss eines Hubschraubers für eine Organtrasport oder ein Unfallopfer liegt aber im Bereich der MORAL!
    .
    Ob ein "Vorstandsvorsitzenden/Bundeskanzler" per Hubi reisen muss, (weil Kosten/Nutzen) sich rechnen ist auch keine belastbare Größe, weil einschätzen von Wert und Zeit systemabhängig sind.
    .
    Die m.M.n. einzige belastbare Größe ist Zeit=Arbeitszeit und der Aufwand, der sich in eine wie auch immer geartete "Währung"/Vergleichsgröße (Muscheln bis KW/h) unrechnen lässt.
    .
    In einer Überflussgesellschaft kein Thema, in einer Gesellschaft mit knappen Resourcen DAS Kriterium!
    .
    These: Für Massenmobilität ist Individualverkehr HEUTIGER Prägung ungeeignet, weil VWL/BWL vom Resourcenverbrauch zu teuer. Da gibt es andere mit Resourcen (sozialen, natürlichen, usw....) schonender umgehende Mobilitätskonzepte!
    .
    Behauptet
    Sikasuu

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    Antwort auf ".............."
    • RGFG
    • 07. Februar 2013 19:34 Uhr

    um Elektro- oder Brennstoffzellenfahrzeuge handelt, die den heutigen Autos in Design, Komfort und Fahrspass verdächtig ähneln und die gleichzeitig die 'Kleinsttransportmittel' im Ballungsraum sind - ja, dann sind wir tatsächlich einer Meinung.

    Aber wenn wir von Elektroklappstühlen in der Stadt und ausschließlich Bus und Bahn auf der Fläche reden sollten, dann sind wir fundamental anderer Meinung.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Angela Merkel | BMW | Ford | Toyota | Chrysler | Fiat
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