Die Aufbruchstimmung in Göteborg ist einer gewissen Ernüchterung gewichen. Volvo, 2010 vom chinesischen Konzern Geely übernommen, hatte für 2011 noch ein kräftiges Absatzplus von knapp 25 Prozent vermeldet. Im vergangenen Jahr gingen die Verkäufe dagegen zurück: Im Kernmarkt Europa schrumpfte der Absatz um fast zehn Prozent auf 227.027 Stück, weltweit verkaufte Volvo mit 422.000 Fahrzeugen 6,1 Prozent weniger. Auch in Deutschland betrug das Minus 3,4 Prozent, die 32.750 Neuzulassungen reichten für einen Marktanteil von 1,1 Prozent. Zum Vergleich: VW verkaufte auf dem Heimatmarkt 672.921 Autos.

Bis 2020 will Volvo den weltweiten Absatz auf 800.000 Fahrzeuge steigern. 200.000 davon sollen in China verkauft werden. Im vorigen Jahr verkauften die Schweden in der Volksrepublik gerade einmal 42.000 Autos. Die ersten Schritte sind gemacht: Im Sommer eröffnet Volvo in China die erste Fabrik, im nächsten Jahr soll die zweite dazukommen.

Doch zunächst ist es das Ziel des seit Herbst 2012 amtierenden Volvo-Chefs Håkan Samuelsson, keinen Verlust zu schreiben. Eine neue Produktstrategie soll langfristig wieder Wachstum generieren. Grundsätzlich wollen sich die Schweden verstärkt auf ihre Kernwerte konzentrieren. "Familientauglichkeit und Praktikabilität stehen wieder etwas mehr im Vordergrund", sagt Bernhard Bauer, Deutschlandchef von Volvo. Dabei werde die dritte Kernkompetenz, die Sicherheit, natürlich nicht vernachlässigt.

SPA soll Kosten senken

Ein entscheidender Hoffnungsträger ist der Nachfolger des XC90, der Anfang 2015 erscheint. Der große SUV wird rund fünf Meter lang sein und basiert auf der neuen SPA-Plattform von Volvo. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die "Scalable Product Architecture", eine modulare Produktionsplattform, auf der künftig Modelle unterschiedlicher Größe gefertigt werden sollen. Dadurch erhofft sich Volvo geringere Produktionskosten, denn künftig sollen bis zu 40 Prozent identische Komponenten verbaut werden. Außerdem soll SPA dabei helfen, schneller auf sich ändernde Marktbedingungen oder Nachfragewünsche reagieren zu können. Ein ähnliches Baukastenprinzip – den Modularen Querbaukasten (MQB) – hat der Volkswagen-Konzern entwickelt und 2012 erstmals im Audi A3 und dem VW Golf VII angewandt.

Neben der großen Plattform ist eine kleinere geplant, auf der dann auch der XC40 aufbauen wird. Noch steht nicht fest, ob Volvo einen internationalen Partner für die Architektur heranzieht, oder sie zusammen mit der chinesischen Mutter Geely realisiert. Eine Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen. Dass die Bande zu Geely so oder so enger geknüpft werden, um Skaleneffekte zu erreichen, ist sehr wahrscheinlich. Zur Unterstützung hat Geely Carl-Peter Forster, früher Opel-Chef und danach CEO beim indischen Autobauer Tata, als nicht-geschäftsführenden Direktor verpflichtet.

Die Reduktion auf das Wesentliche betrifft auch den Motor. Künftig sollen alle Triebwerke auf einem Vierzylinder-Block aufbauen, der einen variablen Hubraum haben wird. Für PS-stärkere Modelle wird es einen Elektro-Motor an der Hinterachse geben. Einen Ausblick gibt der V60 Diesel-Hybrid mit einer Systemleistung von 285 PS. Der Kombi enthält einen Dieselmotor mit 215 PS und einen 70 PS starken E-Motor an der Hinterachse. Ende 2012 begann die Fertigung dieses weltweit ersten Diesel-Plug-in-Hybriden, bei dem sich die Lithium-Ionen-Batterie an der Steckdose laden lässt.

Um die ehrgeizigen Pläne in die Tat umzusetzen, will Volvo-Chef Samuelsson in den nächsten Jahren rund 8,5 Milliarden Euro investieren. Ende 2012 hat der schwedische Autobauer bereits eine Finanzspritze von 922 Millionen Euro von der China Bank of Development erhalten. Damit sollen laufende Kredite abgezahlt werden. Das soll den finanziellen Spielraum erhöhen, der durch die Zinslast der bestehenden Verpflichtungen zunehmend eingeengt war. Ein Teil des Kapitals soll vor allem in die Ausbildung der Verkäufer und das Händlernetz fließen.