Wer Ostereier sucht, wird nicht nur im eigenen Garten fündig, sondern manchmal auch im eigenen Auto. Immer wieder gelingt es Designern und Entwicklern, versteckte Gags und Funktionen – unter Fachleuten Easter Eggs genannt – an den Controlling-Instanzen der Unternehmen vorbei zu schmuggeln. Zur eigenen diebischen Freude, und manchmal auch zur Freude des Kunden.

Zu den bekanntesten versteckten Gags zählt der Hai im Handschuhfach des Opel Corsa. Allerdings wird der Meeresräuber wohl einem Großteil der Corsa-Fahrer bislang verborgen geblieben sein. Selbst bei firmeninternen Prüfungen der Vorserienmodelle fiel der Fisch, offenbar von einem zu Scherzen aufgelegten Innenraum-Designer eingeschmuggelt, keinem der Verantwortlichen auf.

Erst als der Vorstand zur Abnahmefahrt antrat, wurde – so die Legende – der Gag im Kleinwagen enttarnt. Die Chefs hatten genau hingeschaut und den Hai an den Seitenflächen des aufgeklappten Handschuhfachs entdeckt: deutlich in den Kunststoff gepresst, komplett mit Schnauze, Kiemen und Rückenflosse. Eine Änderung wäre wohl mit etwas Aufwand noch möglich gewesen, aber offenbar hatte der vergleichsweise kostenneutrale Scherz den Geschmack des Vorstands getroffen.

Ursprung in der Software-Entwicklung

Noch heute verlassen daher alle Corsa mit einem Hai an Bord das Opel-Werk. Und mittlerweile auch andere Modelle der Marke mit dem Blitz, denn der Raubfisch ist bei Opel längst zum Running Gag geworden. Unter anderem findet er sich im Zafira unter einer Gummimatte in der Ablage und im Adam, dort gleich fünf Mal, zum Beispiel an den Becherhaltern.

Den humorvollen Handschuhfach-Entwickler wird es freuen. Er hat sein Ziel erreicht, wie vor ihm viele seiner Vorbilder. Die Ursprünge der modernen Easter Eggs liegen in der Software-Entwicklung. In den achtziger Jahren wurden PC-Spiele wie am Fließband produziert, von öffentlich unbekannten Entwicklern. Ihre Namen tauchten weder auf der Verpackung noch im Vor- oder Nachspann auf.

Darum begannen sie, eigene Spuren in das Spiel zu schmuggeln: Namen, Fotos oder andere Verweise auf ihre Person. Sichtbar wurden diese nur, wenn Spieler zufällig bestimmte Tastenkombinationen drückten oder ein verstecktes Rätsel lösten. Über die Zeit entwickelten sich mannigfache Varianten von mehr oder weniger verborgenen Easter Eggs. Aber auch schon lange vorher war das geheime Spurenlegen populär, man denke nur an die versteckten Selbstbildnisse, die Michelangelo in seine Werke montiert haben soll.