Es wird eng in der Stadt. Fachleute sprechen von urbaner Verdichtung und meinen damit: Jede Hinterhofbaracke wird abgerissen, um Baugrund für neue Wohnungen zu schaffen. Und die letzte Baulücke, die der Krieg gerissen hat, wird mit Stadthäusern geschlossen. Dann verschwinden auch Abstellmöglichkeiten für die vielen Autos. Anwohner im Hamburger Bezirk Eimsbüttel sind nun mit der Idee auf die SPD-Fraktion zugekommen, Parkplätze nur für kleine Autos zu reservieren.

Die SPD brachte den Antrag in die Bezirksversammlung ein, er wurde mit den Stimmen der rot-grünen Mehrheit angenommen. Das bedeutet, dass in dem Hamburger Bezirk in Zukunft ein Smart in Längsparkbuchten quer parken dürfte – bisher erlaubt das die Straßenverkehrsordnung nicht. Große Autos müssten künftig woanders abgestellt werden.

"Wir sind nicht die Lobby für Smarts", korrigiert Hans-Dieter Ewe von der SPD-Fraktion Eimsbüttel den Eindruck, hier könnten bestimmte Modelle bevorzugt werden. Es gehe generell um kleine Autos. Näheres müsse noch definiert werden, sagt der pensionierte Amtsrichter. Allerdings räumt Ewe ein, die inflationäre Verbreitung großer Geländewagen als "im Zusammenleben unsozial" zu empfinden. Der knappe Platz müsse vernünftig verwaltet werden. Mit dem Pilotprojekt wolle man "dafür werben, kleinere Autos zu kaufen".

In Japan, wo die Raumnot groß ist, hat der Gesetzgeber längst klare Grenzen gezogen. Die so genannten Kei-Cars dürfen höchstens 3,40 Meter lang, 1,48 Meter breit und zwei Meter hoch sein, und der Motor darf einen Hubraum von maximal 660 Kubikzentimetern haben. Wer ein Kei-Car kauft, muss in der Region Tokyo keinen eigenen Parkplatz nachweisen. Entsprechend beliebt ist diese Fahrzeugklasse, und die Fantasie der Autohersteller ist keineswegs auf rollende Schuhkartons begrenzt. Das Klappdach-Cabrio Copen von Daihatsu gehört zum Beispiel zu den Kei-Cars. Zum Bedauern der Fangemeinde wurde dessen Verkauf in Deutschland eingestellt.

Dass in Europa eine ähnliche Fahrzeugklasse festgelegt wird, ist politisch unwahrscheinlich. Hart treffen in den Städten die Interessen aufeinander, nicht nur zwischen Autofahrern, Radlern und Fußgängern, sondern immer mehr zwischen den Autofahrern untereinander. Wenn es um die Privilegierung einzelner Nutzergruppen geht, wird kein Spaß verstanden. Wie sehr die Meinungen auseinander gehen, zeigt auch die unterschiedliche Haltung zweier Vereine: des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und des ADAC.

Gerd Lottsiepen, politischer Sprecher des ökologisch ausgerichteten VCD, findet, man könne ein Pilotprojekt für Kleinwagenparkplätze ruhig ausprobieren. Aber: "Viel wichtiger finde ich die Privilegierung von Carsharing-Autos. Die brauchen eigene Parkplätze, und zwar ohne Größenbegrenzung", sagt Lottsiepen. Nur so ergebe Carsharing einen Sinn. Eine Familie würde das eigene Auto nur dann abschaffen, wenn sie sicher sein könne, ein ausreichend großes Fahrzeug im Carsharing-Pool zu finden.