In Städten sind Autos schlecht ausgelastet, der größte Teil ist mit nur einer Person besetzt. Um das zu ändern und Staus zu verringern, hat sich Frank M. Rinderknecht ein neues Mobilitätskonzept ausgedacht: urbanSWARM nennt er es. Der Chef des Schweizer Fahrzeugentwicklers Rinspeed ist für ungewöhnliche Gefährte bekannt – und für seine Begeisterungsfähigkeit, die kaum Grenzen kennt. Nichts weniger möchte Rinderknecht diesmal, als "den urbanen Verkehr revolutionieren".

Intelligente Kollektive können weitaus mächtiger sein als die Summe ihrer Einzelwesen, schreibt Frank Schätzing in seinem Bestseller Der Schwarm. Mit dem Elektrokleinbus microMAX will Rinderknecht diese Idee der Schwarmintelligenz auf den städtischen Verkehr übertragen. Der Schweizer stellt das Fahrzeug und das darum entwickelte Konzept derzeit beim Autosalon in Genf vor. Dafür hat er knapp ein Dutzend Partner gefunden, darunter Harman, ein Hersteller von Multimedia- und Infotainmentsystemen für Autos.

Harman liefert die Cloud-Plattform, den Schlüssel für urbanSWARM. Die Plattform vernetzt die Mitglieder der Community. Das sind zum einen die registrierten Besitzer und Fahrer von microMAX-Bussen, zum anderen alle, die von A nach B wollen und eine Transfermöglichkeit suchen. Über eine Smartphone-App können die Mitglieder in Echtzeit auf die Informationen zugreifen, die alle im Schwarm verbundenen Fahrzeuge ständig liefern.

Jede Fahrt wird individuell berechnet

Ob regelmäßige Pendler in einer festen Fahrgemeinschaft oder spontane Mitfahrer: Wer mitfahren will, muss nur sein Fahrziel in der App eingeben. Startpunkte, Ziele und Fahrtrouten der microMAX-Fahrer sind dem Computersystem, das sich hinter urbanSWARM verbirgt, ebenso bekannt wie die realen Fahrgeschwindigkeiten und die Auslastung aller Fahrzeuge im Schwarm. Die Software ermittelt daraus für den Suchenden mögliche Mitfahr- und Umsteigeoptionen. Jede Fahrt wird individuell berechnet.

urbanSWARM soll eine dynamische Anpassung an die momentane Verkehrssituation möglich machen und die Vorteile von öffentlichem und individuellem Verkehr miteinander verbinden. Doch das System könne noch mehr, sagt Rinderknecht. Wer in einen microMAX einsteigt, findet seinen Platz bereits auf die eigenen Bedürfnisse eingestellt vor. Über das dort installierte Tablet ist der Zugriff auf die eigene Video- und Musiksammlung möglich, der Mitfahrer kann unterwegs E-Mails lesen oder auf seinen Computer am Arbeitsplatz zugreifen. Über eine Videofunktion können Fahrer und Mitfahrer die Bilder der Frontkameras anderer Schwarmfahrzeuge betrachten und zum Beispiel den Grund für einen Stau sehen.