Ein-Liter-AutoEine Machbarkeitsstudie für Handverlesene

Das groß angekündigte Ein-Liter-Auto kommt nur als Kleinstserie. VW zeigt, was technisch machbar ist – vieles dürfte in der Versenkung verschwinden. von 

Volkswagen XL1

Volkswagen XL1  |  © Hersteller

Einen Leuchtturm nennen ihn die Begeisterten, ein Feigenblatt die Skeptischen. In einer Kleinserie baut Volkswagen den als Ein-Liter-Auto bezeichneten XL1: Gerade einmal 250 Stück soll es geben, kündigt der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn an – "wenn die Nachfrage stimmt, können wir mehr." Die dafür entscheidende Frage nach dem Preis beantwortet er auf der Premierenfeier des Genfer Autosalons nicht. Der Ingenieur scheint sich unwohl zu fühlen, als er in die Sprache eines Verkäufers verfällt und verwaschen von "interessanten Finanzierungsmöglichkeiten" redet, die man den Kunden anbieten werde.

Aber egal – jede konkrete Zahl wäre ein Symbolpreis. Volkswagen will zeigen, was es kann, wenn es will. Ohne Rücksicht auf Kosten und Nutzwert. Wichtiger für das normale Autovolk ist, welche Elemente aus dem XL1 in eine Großserie übernommen werden könnten und welche auf absehbare Zeit Utopie bleiben.

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Zum Beispiel der Antrieb: Im XL1 steckt eine Kombination aus einem 35 kW (48 PS) starken Zweizylinder-Diesel und einem 20 kW (27 PS) starken Elektromotor, der von einer Batterie mit 5,5 Kilowattstunden Kapazität versorgt wird. Das reicht für 50 Kilometer elektrisches Fahren. Danach lässt sich die Batterie an der Steckdose wieder aufladen. Dieser Antriebsstrang passt auch in den up!. Die Hybridtechnik tatsächlich in den Kleinwagen einzubauen, kann man sich bei Volkswagen inzwischen offiziell vorstellen.

Ein-Liter-Auto – auf dem Papier

Dabei würde allerdings ein sehr teurer Kleinwagen herauskommen. Darum ist eine abgespeckte Variante genauso realisierbar: ohne Ladestecker, dafür mit einer kleineren Pufferbatterie. Das Auto wäre immer noch ein Vollhybrid, es wäre preisgünstiger und leichter. In der Studie Up-Lite zeigte VW schon vor vier Jahren, wie so ein Konzept aussehen könnte. Der Verbrauch lag bei 2,44 Litern Diesel je 100 Kilometer. Eine Umsetzung ist nicht ausgeschlossen.

Doch um die strenger werdenden CO2-Grenzwerte einzuhalten, sind Plug-In-Hybride – also Autos, deren Batterie sich über einen Ladestecker wieder befüllen lässt – für die Autohersteller immens wichtig. Sie senken den Flottenverbrauch und damit die Flottenemissionen deutlich, weil Plug-In-Hybride einer besonderen Verbrauchsformel unterliegen. 0,83 Liter Diesel je 100 Kilometer ist der laborgeprüfte Normwert des Volkswagen XL1. Das Schlagwort vom Ein-Liter-Auto relativiert sich jedoch, wenn man auf den deutlich größeren Opel Ampera blickt. Der konsumiert nach der Formel der Norm ECE R101 lediglich 1,2 Liter.

Das sind aber alles reine Rechenwerte, die wenig über das Fahren im Alltag aussagen. Wer mit dem XL1 immer Strom tankt und nie weiter als die rein elektrisch möglichen 50 Kilometer fährt, drückt den Dieselkonsum auf null. Wenn die Batterie erschöpft ist, reicht der zehn Liter fassende Dieseltank laut VW für weitere "circa 500 Kilometer". Das würde genau zwei Litern Verbrauch entsprechen. Überträgt man die von Volkswagen veröffentlichten Werte in die Norm-Formel, kommt man auf einen höheren Wert von 2,5 Litern pro 100 Kilometer, wenn der XL1 ohne Strom mit Diesel fährt.

Leserkommentare
  1. ... von elf (11!!!) Jahren "Entwicklungsarbeit", ausgehend vom "L1" von 2002, ist, läuft in Ferdinand "Burli" Piëchs Laden aber noch etwas ganz anderes aus dem Ruder als Winterkorns Gehalt ...

    Mit dem Audi A2 und dem Lupo 3L hat man Serienfahrzeuge mit im Verhältnis von Nutzbarkeit und Platzangebot niedrigerem Dieselverbrauch vor vielen Jahren ohne zwingende Gründe aus dem Angebot gestrichen, ohne sie ernsthaft vermarktet und weiterentwickelt zu haben. Schämt Euch alle miteinander. Und redet nie mehr vom Vorsprung der deutschen Autmobilindustrie. Nie mehr.

    18 Leserempfehlungen
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    • docere
    • 05. März 2013 16:57 Uhr

    "Die Hybridtechnik tatsächlich in den Kleinwagen einzubauen, kann man sich bei Volkswagen inzwischen offiziell vorstellen."
    Glückwunsch, immerhin kann man es sich schon vorstellen. Das ist doch schon mal ein gewaltiger Schritt, anscheinend ist dieser gewaltige Konzern so schwerfällig wie ein Containerschiff.

    Warum lässt es der Konzern nicht einfach?
    Wir könnten es (wohl schon länger) wollen es aber nicht wirklich, der typische VW Käufer mag sowas auch nicht, der möchte etwas solides, bewährtes und keine waghalsigen Schritte.

    Warum dann dieser Artikel?
    Wie hoch ist die Chance solch ein Wagen ünerhaupt einmal zu Gesicht zu bekommen?

    • js.b
    • 05. März 2013 17:19 Uhr

    Zitat: "Mit dem Audi A2 und dem Lupo 3L hat man Serienfahrzeuge mit im Verhältnis von Nutzbarkeit und Platzangebot niedrigerem Dieselverbrauch vor vielen Jahren ohne zwingende Gründe aus dem Angebot gestrichen"

    Und, haben Sie einen gekauft damals?

    Wenn die Leute reihenweise nach spritsparenden Autos fragen würden, würde sich automatisch eine Menge ändern. Aber haufenweise Leute kümmern sich nach wie vor - trotz immer weiter steigender Benzinpreise - einen Dreck darum. Die wachsende Fahrzeug-Kategorie heißt meines Wissens "SUV"... Wer will es den Herstellern vorwerfen, dass sie die Märkte bedienen, auf denen sich die besten Absatzchancen abzeichnen?

    die sich in den vergangenen 20 Jahren wirklich intensiv an vielen alternativen Mobilitätskonzepten versucht haben – auch wenn sie das nicht ständig in den Medien breitgetreten haben. Ich denke beispielsweise an kleine Gegenkolben-Dieselaggregate.

    Dass nicht alle diese Entwicklungen zum Erfolg führen und dass man gelegentlich auch erfolglose Konzepte wieder vom Markt nimmt, sollte kein Anlass zu Häme sein. Immerhin haben sie es versucht. Und man sollte ihnen auch zubilligen, dass sie selbst die Kriterien für einen Ausstieg festlegen, anstatt Nicht-Kunden um Erlaubnis fragen.

    Aber natürlich fällt man Urteile im heimischen Ohrensessel viel leichter – vor allem, wenn man die Konsequenzen hinterher nicht verantworten muss.

    • 29C3
    • 05. März 2013 21:06 Uhr

    ... aber der L1 von 2002 war etwas komplett anderes, als das XL1, in jedem erdenklichen Sinne. Zumal: in der Zwischenzeit haben sich auch die Zulassungsanforderungen selbst weiter entwickelt.

    es relativ einfach ist, einen Technologieträger zu bauen, der keinerlei Alltagstauglichkeit hat und nicht in Serie gefertigt werden muss.

    Der erste Entwicklungsschritt danach ist die Sicherung der Zuverlässigkeit verschiedener Einzelsysteme - eine Aufgabe, die trivial erscheint, aber in der Realität ganz schöne Tücken haben kann. Für absolute Technologiestarts darf man hier gern mehrere Jahre ansetzen (man schaue sich nur mal OLEDs an, die waren ebenfalls schon 2000 in der Entwicklung, das Grundprinzip (Elektrolumineszens) gibt es gar seit 1950. Zuverlässig (sagen wir über eine Dauer von 5-10 Jahren) funktionieren sie heute noch nicht). Dazu kommt noch mindestens ein Jahr an Nachweisen der Betriebssicherheit für den Automobilsektor.

    nächster Schritt: Design eines Serien-nahen Fahrzeugs, in dem entsprechende Technologien verbaut werden sollen. Auch hier sind gern mal zwei Jahre weg, bis man etwas hat, was man später auch mit vertretbaren Kosten realisieren kann. Da müssen Form und Funktion zusammenkommen

    auch nicht zu verachten: die Erschaffung eines automatisierten Prozesses zur Herstellung des entsprechenden Fahrzeugs. Bis entsprechende Programme für die Roboter geschrieben und Formen hergestellt sind, werden auch ein paar Monate vergehen.

    Ihnen scheint gar nicht klar zu sein, dass die Erschaffung eines "normalen" Autos auch so 3-5 Jahre in Anspruch nimmt, selbst ein "Update" in der Laufzeit des Fahrzeugs braucht 1-2 Jahre Vorlauf. 11 Jahre für sowas sind vertretbar

  2. "Utopie ist dagegen die Karosserie aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK)."
    Seh ich zwar ähnlich, aber reden Sie darüber mal mit BMW!

    "Überträgt man die von Volkswagen veröffentlichten Werte in die Norm-Formel, kommt man auf einen höheren Wert von 2,5 Litern pro 100 Kilometer, wenn der XL1 ohne Strom mit Diesel fährt."
    Das ist der interessantere Wert und er ist, den Aufwand mal außer Acht gelassen, ja garnicht mal schlecht. Ein Auto mit dem Verbrauch eines 125ccm Mopeds. "Nach Norm" gibt's von Porsche demnächst 3l/100km zusammen mit 800PS. ;-)
    http://de.wikipedia.org/w...

  3. Doch will man irgendwie wohl nicht richtig. Man baut lieber PS-Boliden, damit lässt sich noch gutes Geld verdienen.

    Irgendwie grotesk. Technisch ist man in der Lage, doch der letzte Wille ist nicht vorhanden. Mit entsprechender Vermarktung könnte man das Thema niedriger Verbrauch puschen. Was muss noch passieren, damit so etwas endlich entsprechend gepusht wird? Muss der Liter Benzin erst auf 3.- Euro springen, damit auch der letzte Depp merkt, jetzt muss was passieren?

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    • zfat99
    • 05. März 2013 16:53 Uhr

    Die ersten Deppen haben damals 5,- DM für den Liter Benzin vorgeschlagen, es sollte eigentlich schon seit 13 Jahren erreicht worden sein. Übrigens die Frau Eva Glawischnig-Piesczek -ObergrünIn in Österreich - fährt ein Porsche Cayanne. :-)

    • GDH
    • 05. März 2013 17:47 Uhr

    Egal ob sparsame Autos, sparsamer Umgang mit Mobilität allgemein oder ÖPNV: Sparsame Lösungen werden attraktiv, wenn Sprit wirklich teuer ist. Viel wirksamer als alle möglichen Förderprogramme für E-Autos wäre tatsächlich ein politisches Bekenntnis zu mittelfristig deutlich steigenden Benzinpreisen (zumindest ein paar Cent, die jedes Jahr auf die Mineralölsteuer draufkommen). Auf diese Weise würde auch da gespart, wo es wirklich was bringt anstatt sich wegen irgendwelcher Ausnahmeregelung den Flottenverbrauch mit ein paar subventionierten E-Autos schönzurechnen.

  4. Immerhin erleichtern die Flügeltüren das bodentiefe Einsteigen. Das Herauskrabbeln wird aber zum Bodenturnen, für adipöse Senioren mit Arthrose oder Titangelenken eine Herausforderung. Dann doch lieber aufrecht auf dem Elektrofahrrad. Und wenn die heute üblichen Verbraucher wie Klima oder gar Sitz- und Scheibenheizung vorhanden wären, würde der Akku nach einer halben Stunde den Geist aufgeben. Elektrisch wird nix, jedenfalls nicht so, wie sich das die heutigen SUV-Fahrer vorstellen. Keine Batterie, Druckgasflasche, Tiefstkühleinheit, Granulat usw. kann jemals die Energiedichte speichern wie ein billiger und leichter Blechtank. Die Mobilität der Zukunft wird spartanisch und teuer sein.

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    jingen Jahren da haben sie täglich ihre Bodentürnübung das hält sie fit.

    • deDude
    • 05. März 2013 16:36 Uhr

    ... Elektromobilität muss auch für die Massen bezahlbar sein. Ein E-Auto in der Preisklasse eine Nobelschlittens wird weder den Absatz befördern, noch der Umwelt in irgendeiner Weise zuträglich sein.

    Derjenige der bereit ist zwischen € 60.000 - € 80.000,- für einen Neuwagen zu investieren wird im Zweifelsfall wohl doch eher zum neuen Benziner oder Diesel greifen denn zur E-Möbilität.

    Meiner bescheidenen Meinung nach sollte man sich darauf verlegen die Fahrzeuge möglichst günstig zu halten um potenzielle Käufer über den Preisvorteil gegenüber dem konventionellen Modell anzulocken.
    Mit exklusiven Showfahrzeugen ala Tesla Roadster wird man da glaube ich nicht viel bewegen können. Man muss Tesla aber diesbezüglich zu Gute halten das Konzerne wie Daimler und Toyota vom E-Auto Know-How Teslas sowie von Bauteilen des Herstellers profitieren.

    • zfat99
    • 05. März 2013 16:47 Uhr

    ... und nicht von den wenigen Klimantologen drangsaliert werden. Askese für die "Zukunft & Co." war schon immer ein Irrweg in der menschlichen Geschichte.

    Eine Leserempfehlung
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    Und genau deswegen ist es nicht nur an der Zeit, sich um Klimaneutralität zu kümmern - es ist überfällig. Es gibt schon jetzt Millionen Menschen, deren Leben massiv durch die "man-made" Erwärmung verschlechtert wird; es werden mehr werden. Es gibt schon jetzt "Klima-Kriege", das halbvergessene Darfur gehört (auch) in diese Kategorie.

    Der Klimawandel ist stark emissionsbedingt. Der Klimawandel verursacht mehr Elendsmigration und mehr Kriege

    Dass Typen wie ZFAT99 sich von "Klimantologen" drangsaliert fühlen, soll uns nicht schrecken. Es soll uns anspornen.

    Vielleicht wissen Sie das nicht, aber Erdoel ist nur begrenzt vorhanden. Ich denke das Klimawandel-Argument ist wichtig, aber nicht vorrangig. Alle oekonomische Taetigkeit auf dem Planeten muss auf eine nachhaltige Basis gestellt werden.
    Fossile Brennstoffe sind das ganz und gar nicht. Die momentan verwendeten Batterien fuer Elektro-Auto (meines Wissens nach) aber auch nicht. Da gibt es noch viel zu tun.

    • zfat99
    • 05. März 2013 16:53 Uhr

    Die ersten Deppen haben damals 5,- DM für den Liter Benzin vorgeschlagen, es sollte eigentlich schon seit 13 Jahren erreicht worden sein. Übrigens die Frau Eva Glawischnig-Piesczek -ObergrünIn in Österreich - fährt ein Porsche Cayanne. :-)

    Eine Leserempfehlung
  5. Schöne Idee, aber ausser ein paar Lippenbekenntnissen und einem Spielzeug fuer die, die sowiso schon alles haben, sehe ich nichts Bahnbrechendes an diesem Auto.

    Greenpeace ist mit einem leicht optimierten Twingo schon vor 5 Jahren ohne Elektromotor eine beachtliche Strecke weit gekommen:
    http://www.greenpeace.de/...

    Der Wille ein umweltfreundliches, weitestgehend erschwingliches Auto zu bauen ist -besonders bei VW- nicht kaum vorhanden. Wie in Kommentar eins schon erwähnt sind alle Umweltkonzepte des VW-Konzern zusammen gestrichen worden. Dabei waren diese nur Ihrer Zeit voraus. Der Audi A2 geht als gepflegter gebrauchter fuer Wahnsinnspreise über den Tisch, so gefragt ist dieser in zwischen.

    Flagschiffe -wie der Phaeton(oder z.T. der Touareg)- werden aber weiter vertrieben, obwohl diese (zumindest in Deutschland) zu Ladehütern wurden. Selbst BMW und Mercedes haben in Sachen Umweltschonender Fahrzeuge mehr getan.
    So ein Unternehmen erhebt Ansprüche auf den Thron der Autobauer?!

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  • Schlagworte Volkswagen | Martin Winterkorn | Elektromotor
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