Sportwagen 4CAlfas leichtestes Kunststück

Der Alfa Romeo 4C verbindet filigranes Design mit nur 895 Kilogramm Gewicht. Der Sportwagen weckt Begehrlichkeiten – bei Fans und der Konkurrenz. von 

Leicht sein ist schwer. Diesen Eindruck vermittelt zumindest ein Porsche 911. Er bringt bereits in der Basisversion 1.455 Kilogramm auf die Waage. In einer Zeit, in der selbst behäbigen SUVs und Kompaktwagen mit Falzen und Sicken Sportlichkeit ins Blech geprägt wird, ist echte Dynamik selten: Sie entsteht, wenn sich niedriger Schwerpunkt und wenig Gewicht zusammenfinden.

Ein würdiger Vertreter dieser raren Spezies ist der neue Alfa Romeo 4C. Mit 1,18 Meter Höhe ist er auf Augenhöhe mit einer Lotus Elise oder einem Ferrari 458. Und mit 895 Kilogramm Leergewicht beweist er, was mit einem geschickten Materialmix zu vernünftigen Preisen möglich ist.

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Die Zahlen rücken schnell in den Hintergrund. Wer zum ersten Mal vor einem Alfa 4C steht, wird sich der Form kaum entziehen können. Ästhetisches Design bleibt die große Stärke italienischer Automacher. Dieser Sportwagen ist zierlich und filigran, alles wirkt spielerisch, aber nicht verspielt. Im Vergleich dazu ist ein Porsche Cayman technisch und kalt. Auch der 4C lässt sich als technisch bezeichnen, nur eben in Verbindung mit Unbeschwertheit. Während die Reminiszenz an automobile Ahnen bei vielen Herstellern bemüht und peinlich wirkt, kann der 4C tatsächlich neben einem Alfa 33 Stradale von 1968 stehen und bestehen. In einer Reihe, nicht als modernistischer Abklatsch.

Im Innenraum fällt der Blick auf Kohlenstofffasern. Das sind nicht die Klebefolien aus dem Tuningkatalog, Fahrer und Beifahrer sitzen tatsächlich in einem Kohlefaser-Monocoque. Es wiegt 65 Kilogramm und wird bei einem Zulieferer gefertigt, der sonst an Ferrari liefert. Vorn und hinten am Monocoque sind Hilfsrahmen aus Aluminium montiert, die das Fahrwerk und den Mittelmotor aufnehmen. Die Außenhaut bezeichnet Alfa Romeo als "Verbundwerkstoff", was vereinfacht gesagt Kunststoff ist. Der Vorteil dieser klassischen Sportwagenkonstruktion: Sie verbindet überschaubare Kosten mit hoher Steifigkeit.

Überhaupt, die Kosten. Die sind sofort Thema, sobald das Stichwort Kohlenstofffaser fällt. Während Volkswagen bis heute keinen Preis für die ebenfalls carbonfaserbasierte Machbarkeitsstudie XL1 genannt hat, lässt man bei Alfa Romeos Mutter Fiat durchblicken, dass Konzernchef Sergio Marchionne keine Autos baut, mit denen sich kein Geld verdienen lässt. Der 4C ist kein Subventionsprojekt.

Übernahmegerüchte und Dementis

Marchionne positioniert sich öffentlich deutlich gegen den Volkswagen-Konzern. Unter anderem warf er den Wolfsburgern in der New York Times vor, durch eine aggressive Rabattpolitik ein "Blutbad" bei den Margen anzurichten. Zugleich verstummen die Gerüchte nicht, dass Volkswagen Alfa Romeo kaufen könnte. Die Leidenschaft von Ferdinand Piëch für das Italienische wurde zuletzt durch die Übernahme der Motorradfirma Ducati offensichtlich. Und Alfa würde gut ins Portfolio passen. Zum Beispiel als Ersatz für Seat, wo man es nie wirklich geschafft hat, sich als sportliche Marke abzusetzen.

Die Dementis für diese Spekulation nehmen kein Ende. Sicher scheint nur, dass Alfa Romeo mit dem 4C neue Begehrlichkeiten weckt. Diese setzt Marchionne aber lieber gezielt für die USA ein. Nachdem Fiat die Mehrheit an Chrysler übernommen hat, fährt der Fiat-Chef eine transatlantische Modellpolitik, die manchem das Herz bluten und anderen aufgehen lässt. So wird der Chrysler Voyager in Deutschland jetzt als Lancia Voyager vertrieben, wodurch die große Tradition der Marke Lancia weiter marginalisiert wird. Die US-Amerikaner dagegen bekommen den Fiat 500, den 500 L und den Alfa Romeo 4C angeboten. Mit dem Sportwagen kehrt Alfa nach 15 Jahren Abwesenheit in die USA zurück.

Für die limitierte Startauflage des 4C, "Launch Edition" genannt, mit üppiger Ausstattung verlangt Alfa in Deutschland 61.000 Euro. Dafür gibt es 176 kW (240 PS) Leistung, ein Doppelkupplungsgetriebe und potenziell viel Geschwindigkeit – Alfa gibt ein Höchsttempo von 250 km/h an, der 4C soll in 4,5 Sekunden vom Stand auf 100 km/h beschleunigen.

Der Sportwagen konkurriert so offenkundig direkt mit dem Porsche Cayman. Die Kunden werden sich unschwer aus dem Bauch heraus entscheiden. Entweder für die glatte Perfektion des Porsche – oder für die Leichtigkeit des Alfa Romeo 4C.

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Leserkommentare
  1. Naja, vernünftige Preise ... 61.000 Euro sind nicht wirklich wenig.
    Aber das Auto bietet wahrscheinlich deutlich mehr Spaß als all die Hypercars die erst ab doppelter tempolimitgeschwindigkeit interessant werden.

    Cool das Alfa die eier hat, mal was neues zu probieren statt mehr PS, mehr Endtempo aber auch mehr Gewicht.

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  2. der Schritt geht eindeutig in die richtige Richtung

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  3. Italien und bleibt die Nation mit den schönsten Autos und Alfa Romeo ist endlich wieder in sein angestammtes Gebiet zurückgekehrt.

    Deutsche Hersteller stellen vollkommen ausgereifte und über jeden Zweifel erhabene Meisterwerke der Technik her, aber eben kalte Perfektion. Reine Maschinen.
    Italiener schaffen etwas fürs Herz, Autos mit denen man gerne fährt und die auch beim Anschauen Spaß machen.

    Aber das ist ja nicht nur bei italienischen Autos so.

    2 Leserempfehlungen
  4. Nettes Auto, aber nicht so schön wie der Porsche Cayman. Außerdem kann ich mir für den Preis auch einen Cayman kaufen, da weiß ich was ich habe. Die Italiener bringen keine solche Qualität zustande, das ist
    leider alles nur Außenfassade.

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    "Außerdem kann ich mir für den Preis auch einen Cayman kaufen, da weiß ich was ich habe."

    dann kaufen Sie sich halt weiter einen 08/15-Porsche und waschen Ihre Wäsche mit Persil.
    "Da weiß man was man hat; guten Abend."

    --------

  5. Die Wolfsburger können zwar viel.

    Sie sind aber nun einmal nur 'ganz hervorragende Krämer'.

    Dieses Auto zeigt aber Herz und spricht das Gefühl an.

    Bei den Wolfsburgern (VW, Audi, ..) lässt setzt man Künstler nur an Machbarkeitsstudienheran, danach haben die Krämer wieder das Sagen.

    Also ...

    "Liebe Wolfsburger,

    lasst bitte die Hände von diesem Auto und dieser Marke. Davon versteht ihr einfach nichts. Dass ist was fürs Autofahrer Herz und nichts für euer Bankkonto.

    Liebe Grüße
    norbertZ"

    5 Leserempfehlungen
  6. wie immer bei alfa: sehr viel auto für nicht all zu viel geld

    vor allem, wenn man das mit der aufpreisliste des porsche caymans vergleicht!

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  7. Der sieht nämlich auch richtig klasse aus und hat auf dem Papier gut Werte.
    Laut diverser test, wartet der 8c aber mit einem scheußlichen Fahrverhalten und schlechter Alltagstauglichkeit auf. Da kann man nur hoffen, dass Alfa beim 4c dazu gelernt hat.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... aber für den wirklich massiven Aufpreis gegenüber dem Maseratigrundgerüst hätte man mehr erwarten können. Das Geld war in einem zeitgenössischen 430 oder eines seiner Derivate deutlich besser angelegt.

  8. Forever. Totgesagte leben länger. Wenn sich das Auto so fahrt wie es die Daten vermuten lassen, dann wird das ein Mördererfolg für die Mailänder.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Sergio Marchionne | Volkswagen | Sportwagen | Porsche | New York
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