Automobildesign"Elektrofahrzeuge machen die Welt der Autoformen bunter"

Die Wegbereiter heißen Renault Twizy, BMW i3 oder VW XL1: Elektrofahrzeuge könnten den Stillstand beim Autodesign beenden, hofft Experte Lutz Fügener im Interview. von Heiko Haupt

Renault Twizy

Renault Twizy  |  © Hersteller

Das Autodesign hat sich festgefahren: Der Audi A4 sieht aus wie ein A6, ein BMW 3er lässt sich nur mit dem Maßband vom 5er unterscheiden, und der neue Golf wirkt wie schon der vorletzte. Ob in absehbarer Zeit frischer Wind in die Formgebung kommt, hängt vor allem vom Erfolg der Elektroautos ab, sagt der Autodesign-Experte Lutz Fügener, Professor für Transportation Design an der Hochschule Pforzheim.

ZEIT ONLINE: Herr Fügener, das Design moderner Autos wirkt immer verwechselbarer und wenig innovativ. Legt der Autokäufer heute weniger Wert auf die Form des Autos?

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Lutz Fügener: Das Gegenteil ist der Fall: Design ist beim Autokauf immer wichtiger geworden. Wenn ein Hersteller aber merkt, dass sich ein Modell gut verkauft hat, wird er genau aus diesem Grund beim teuer entwickelten Nachfolger kein innovatives und völlig anderes Design wählen. Audi zum Beispiel ist sehr stringent in der Formgebung, vor allem im Frontbereich. Man kann sich im Moment sehr schwer vorstellen, wie eine Ablösung aussehen soll. Mutige Designlösungen kommen eher von Herstellern, die weniger Erfolg haben – mit dem Mut der Verzweiflung sozusagen.

Lutz Fügener
Lutz Fügener

ist Diplom-Industriedesigner. Seit 2000 ist er Professor im international renommierten Studiengang Transportation Design der Hochschule Pforzheim.

ZEIT ONLINE: Ein einheitliches Designkonzept führt aber dazu, dass sich einzelne Modelle kaum unterscheiden lassen. Wie erklärt man dem Käufer eines Audi A8, dass der Wagen aussieht wie ein groß geratener A4?

Fügener: Mit der formalen Verwandtschaft will ein Hersteller vor allem sein Markenimage festigen. Aber das ist sicher kein Weg, der sich unendlich fortsetzen lässt. Das Hinterherrennen hinter aktuellen Mode-Erscheinungen allerdings funktioniert auch nicht immer. So war ein Mercedes bis in die neunziger Jahre ein Auto, das sich abseits jeglicher Modeströmungen bewegte. Das hat sich völlig geändert. Das Problem ist nur: Eine Mode kann sehr schnell vorüber sein. Andererseits lassen sich so natürlich auch Akzente setzen, wie Mercedes mit dem dramatischen Design der neuen A-Klasse in der Golfklasse gezeigt hat.

ZEIT ONLINE: Wie lässt sich das gestalterische Gefängnis aufbrechen, in das sich die Autoindustrie selbst gesperrt hat?

Fügener: Das Elektroauto ist eine große Chance, ein möglicher Ausweg aus der Falle. Es ist für die Hersteller ein Experimentierfeld und die Möglichkeit, Paradigmen aufzubrechen. Hier können sie Neues erproben und die Veränderung dem Kunden mit dem Hinweis auf das andere Grundkonzept eines Elektrofahrzeugs schmackhaft machen. BMW hat in dieser Hinsicht besonders mutig gehandelt: Der kommende BMW i3 ist das erste Auto, das der neuen Zeit entsprechend gestaltet wurde. Vom Design bis zum Image ist hier alles anders als von der Marke gewohnt.

ZEIT ONLINE: Nun sind nicht alle Hersteller vom E-Auto überzeugt. Audi hat erst kürzlich verkündet, dass dieser Weg nicht weiter verfolgt wird.

Fügener: Das ist richtig, aber was es an E-Autos schon gibt und was noch kommen wird, macht die Welt der Autoformen auf jeden Fall bunter. Nehmen wir den BMW i3, ein Fahrzeug wie den Renault Twizy oder das gerade vorgestellte Ein-Liter-Auto XL1 von Volkswagen: Alle diese Modelle erweitern das Spektrum dessen, was der Kunde als Fahrzeug interpretiert. Der Twizy ist außerdem keine Konkurrenz zu einem gewöhnlichen Auto, er ist etwas gänzlich Neues. Natürlich kann das Elektroauto auch beim Design nicht alle Problem lösen, doch es kann Wege weisen. Am Anfang ist es natürlich wie bei jeder Revolution: Die ersten werden erschossen.

ZEIT ONLINE: Das Elektroauto wird nicht so schnell das herkömmliche Auto mit Verbrennungsmotor ablösen.

Fügener: Aber es kann Anreize für neue Designwege auch für herkömmliche Autos bieten. Schon jetzt lassen sich erste Veränderungen feststellen, die sich allerdings nicht in Äußerlichkeiten zeigen. Bei der Technik etwa hat bereits ein Downsizing begonnen. Den neuen Mondeo von Ford soll es mit einem 1,0-Liter-Dreizylinder geben – das wäre vor sieben oder acht Jahren in einer Mittelklasselimousine unvorstellbar gewesen. Dass ein Umdenken da ist, belegt auch der Opel Adam. Bei ihm ist es nicht mehr so wichtig, was für einen Motor er hat.

ZEIT ONLINE: Die Hoffnung E-Auto auf der einen, die Realität des herkömmlichen Autos auf der anderen Seite: Wie haben wir uns das Automobildesign in zehn Jahren vorzustellen?

Fügener: Das Auto in zehn Jahren ist gar nicht so weit weg, wie mancher vielleicht denkt. Bei den üblichen Produktionszyklen beginnt die Entwicklung dieser Modelle schon in viereinhalb Jahren. Man kann also davon ausgehen, dass diese Autos den aktuellen durchaus noch ähneln. Aber es wird dann auch Autos geben, die eben nicht Fortsetzungen bekannter Baureihen sind, und die deswegen neue Wege im Design beschreiten.

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Leserkommentare
  1. wird sich ohne fortschrittliche speicherung oder eigene erzeugung von energie nicht durchsetzen ... ansonsten hätte es das schon längst ... und das gerede über diesbezüglich frischen wind und eine chance in dingen design ist eben genau das: nur gerede.

    design kostet geld, der automobilbranche fehlt genau das und insofern braucht man da auch nix tolles erwarten. der antrieb spielt dabei doch nur eine sekundäre rolle ... und die kleinen stadtflitzer setzen sich heute/morgen genauso gut oder schlecht durch wie gestern (Smart).

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sondern der Preis.

    Bei dem derzeitigen Stand der Technik ist das EAuto ein Zweitwagen, den sich z.B. Familien kaufen. Mit dem einen Wagen wird Familie versorgt, der andere ist ein Pendlerfahrzeug. Reichweite ist beim Zweitwagen daher unintressant. Da diese Familien meist auch Haus und Garage haben, ist auch das Aufladen kein Problem. Und mit dem Verbrenner gehts in den Urlaub, oder zur Omi.

    Meistens ist es aber so, dass diese Familien nicht das Geld haben, um mal locker 10.000 € oder mehr Aufpreis auf so ein EAuto zu bezahlen. Bei diesem Aufpreis rechnet sich der Kauf von so einem EAuto einfach nicht.

  2. "design kostet geld, der automobilbranche fehlt genau das und insofern braucht man da auch nix tolles erwarten. "

    Glaubt man den Zahlen von VW, BMW, Audi und Co. und das insbesondere im Zusammenhang mit den in der Vergangenheit gezahlten Bonuszahlungen auch für die Mitarbeiter (7.200.- Euro pro Mitarbeiter!), fehlt es derzeit genau daran nicht. Sie stellen da einen Zusammenhang her, den es so nicht gibt. Geld ist nicht das Problem.

    Die Probleme liegen derzeit noch woanders. Mit übermotorisierten Kutschen lässt sich einfach mehr Geld verdienen. Ein Smart wird nie das abwerfen, was eine Mercedes E-Klasse abwirft. Insofern kann man das schlecht den kleinen "Flitzern" anlasten. Schauen Sie sich die italienischen und französischen Autobauer an. Die haben überwiegend Kleinwagen im Sortiment und die werfen einfach weniger ab. Die Asiaten regeln das über die Masse, denn die verkaufen weltweit, die Südländer überwiegend in Europa. Und da ist entweder Luxus gefragt (Deutschland, auch Dank üppiger Subventionen in Form von Dienstwagenregelungen) oder man kauft derzeit gar keine Autos, weil Krise herrscht.

    4 Leserempfehlungen
    • 29C3
    • 05. April 2013 8:39 Uhr

    Das was Sie als "gestalterisches Gefängnis" wahrnehmen, Hr. Haupt, ist vor allem eine natürliche Folge von unzähligen grundsätzlichen geometrischen Vorgaben, die ein Fahrzeug erfüllen muss. Bedenkt man, dass es seit seiner Ursprünge vor etwa 100jahren nachwievor meistens auf 2 Achsen und 4 Rädern fahren und Platz für entweder 2 oder 4-5 (statistisch völlig unterschiedlicher) Insassen mit einem davon als Lenker mitsamt der erf. ergonomischen Spielräume und Abstände (z.B. Kopf zum Dachhimmel, Sicht nach vorn/seitlich/hinten), mindestens 2 (zwei) Türen, Platz für den Antrieb und Kofferraum undundund... bieten muss, zumal der Innenraum aus Sicherheitsgründen auch immer enger wird... bleibt nicht wirklich viel Spielraum übrig, wo sich die gestalterische Kreativität wirklich frei austoben könnte.

    Folge: Faltenpest und grassierende Seitenlinienwellen, immer verspieltere und teils lächerliche Scheinwerfer (Girlanden, böser Blick, ...), Rücklichter mit gefährlich verschachtelten Elementen (Blinker mitten im Stopplicht), Multifunktions-Bedienelemente mit hohem Ablenkungspotential ("Prämium"), usw.

    5 Leserempfehlungen
  3. 4. [...]

    Entfernt wegen Doppelposting. Die Redaktion/sam

  4. Kräht der Gockel auf dem Mist,
    ändert sich das Wetter,
    oder es bleibt, wie's ist.

    2 Leserempfehlungen
  5. Gut, das mit den E-Autos ist so eine Sache, sie werden ja gerne als Heilsbringer angesehen, aber von Reichweiten, Entsorgung, Batterien, Strom aus Kohle etc. reden die Befürworter (und die Hersteller) lieber nicht. Ich halte eher sparsame Ottos für sinnvoll, aber das ist ein anderes Thema..

    Grundsätzlich ist Design für Akzeptanz und Kaufverhalten wichtiger als es manche Hersteller verstanden haben, dies gilt nicht nur für OPEL (hier hatte man gutes Design verschlafen), sondern z.B. auch für japanische Autos, die immer als Innenraum-Billig-Plastik nach Europa kamen (auch hier wurde gelernt). Wie wichtig Design wirklich ist, zeigt sich eindeutig beim MINI. Es können Journalisten den Tacho noch ewig schlecht schreiben, die Käufer mögen das Design und kaufen kaufen kaufen...

    Deswegen sollen E-Autos auch nicht immer so zwangsweise aussehen wir aus einen SF-Film. Sie sollten eher klass. Linien aufgreifen (ist ja kein Problem, früher waren die Autos z.B. kleiner und in einigen Bereichen auch spartanischer). Man siehe auf die aktuellen BMW, der Designchef hat ein goldenes Händchen und die Marke steht, auch wegen des Designs, bestens dar.

    Eine Leserempfehlung
    • TimmyS
    • 05. April 2013 10:49 Uhr

    Ich möchte hier keine Werbung für BMW machen, aber die bayrische Marke bietet die weit intelligentere Design-Lösung für eine Zukunft der Autos. Leider macht es diese Intelligenz weniger gut, wenn man sieht welchen Wahn BMW mit seinen stetig neuen Nischen-Modellen wie X6, Konzept X4, und die GT-Modelle fährt. Da ist das durchdachte Design beim i3, sowohl technisch als auch im Aussehen, nicht dominant genug. Da kommt nun ein neues intelligentes Konzept i3, aber parallel dazu wächst die Sprit-Schlucker-Fraktion im eigenen Haus stärker an.
    Mercedes' Weg mit dem e-Smart ist auch sehr lobenswert und die Gedanken mit einer e-B-Klasse sollten weiterverfolgt werden. Denn hier überfrachtet man den Kunden nicht mit völlig neuartigen Oberflächen-Designs, sondern zeigt, dass es auch im bekannten Kleid funktionieren kann. Was der Sache dienlich sein wird, dass die Kunden den Verbrennungsmotor weiter in Frage stellen könnten.
    Warum aber das Oberflächen-Design sich kaum radikal ändern wird und sollte, ist, dass die Automobil-Branche lange ein Innovationstreiber war. Über mehrere Jahrzehnte hat sie sich austoben können und die Vielfalt an Marken hat ein bestimmten Grundmuster bei der Gestaltung herausgebildet. Das ist sogar gut, weil so ein Auto in seinem Grundnutzen zu erkennen ist.
    Wenn die Automobil-Branche wieder innovativ sein will, sollte sie sich eher auf Nutzungsinnovationen/-designs konzentrieren, statt die Modelle mit immer mehr Technik-Schnickschnack zu überladen.

  6. sondern der Preis.

    Bei dem derzeitigen Stand der Technik ist das EAuto ein Zweitwagen, den sich z.B. Familien kaufen. Mit dem einen Wagen wird Familie versorgt, der andere ist ein Pendlerfahrzeug. Reichweite ist beim Zweitwagen daher unintressant. Da diese Familien meist auch Haus und Garage haben, ist auch das Aufladen kein Problem. Und mit dem Verbrenner gehts in den Urlaub, oder zur Omi.

    Meistens ist es aber so, dass diese Familien nicht das Geld haben, um mal locker 10.000 € oder mehr Aufpreis auf so ein EAuto zu bezahlen. Bei diesem Aufpreis rechnet sich der Kauf von so einem EAuto einfach nicht.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "das elektroauto"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Volkswagen | Auto | Elektroauto | Autoindustrie
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