Autoklassiker 5erEin BMW mit einem Hauch von Jaguar

Mit dem dritten 5er lehrte BMW vor 25 Jahren Mercedes und Audi das Fürchten: Die Baureihe ist für viele die schönste unter den Mittelklasse-Limousinen der Achtziger. von Wolfram Nickel

Mit dem ersten 5er setzte BMW vor 40 Jahren in der oberen Mittelklasse alles auf Anfang. Die Münchener wollten sich ein neues Image schaffen und Mercedes-Benz auch im Hinblick auf Komfort überflügeln. Die bayerischen Businessliner hatten auch tatsächlich die Qualität, um die Fahrer anderer Fabrikate zu begeistern.

Doch es ist vor allem die dritte Generation des 5er-BMW, die für viele Fans der bayerischen Marke bis heute zu den schönsten unter den schnellen Limousinen der 1980er Jahre zählt. 1988, also vor 25 Jahren, wurde die neue Baureihe E34 auf den Markt gebracht.

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BMW-Designchef Claus Luthe brachte den 5er in gänzlich neue Form. Er durfte realisieren, was ihm bei der vorausgegangenen konservativen Serie E28 durch das Finanzmanagement des Konzerns noch verwehrt geblieben war. Einen 5er zu kreieren, der die Mercedes-Benz E-Klasse alt aussehen ließ und BMW endgültig in der Liga der Premiummarken etablierte. Flacher, breiter und dynamischer als die Schwaben, aber dennoch imposant sollte die neue Münchener Businessclass aussehen.

Leistungsrennen mit Audi und Mercedes

"Jaguar-Design" bescheinigte die Fachpresse dem 5er. Luthe selbst war auf den 5er nicht ganz so stolz. Der bescheidene und zurückhaltende Designer meinte, er habe im Wesentlichen die dynamischen Konturen des 7ers auf eine kleinere Klasse übertragen. Doch genau dieser erstmals geschaffenen Familienähnlichkeit zwischen 7er und 5er verdankte BMW den Sprung an die Spitze der oberen Mittelklasse und die Akzeptanz als Dienstfahrzeug von Ministern und sogar Staatsführern.

Im Vergleich zum aktuellen 5er wirkt das motorische Leistungsband der Serie E34 beinahe bürgerlich-bescheiden. Vor einem Vierteljahrhundert aber setzte die Münchener Mittelklasse mit Werten zwischen 85 kW (115 PS) und 240 kW (350 PS) Maßstäbe. Schwächster Motor war zunächst der Turbodiesel – und dennoch rannte bereits dieser Sechszylinder-Selbstzünder sowohl dem Aerodynamik-Weltmeister Audi 100 Turbo D als auch dem großvolumigen Mercedes 300 D davon. Sehen lassen konnte sich auch sein sparsamer Normverbrauch von 5,1 Liter auf 100 Kilometer.

Die weltweit spurtstärkste Serienlimousine war der Ableger M5. Ihm genügte ein 3,6-Liter-Sechszylinder mit anfangs 232 kW (315 PS), um nach 6,3 Sekunden die 100-km/h-Marke zu passieren und die Tachonadel bis zur Abregelung bei Tempo 250 klettern zu lassen. Audi entzog sich dieser Sportschau vorläufig, lancierte aber Ende 1990 einen neuen Audi 100, erstmals optional mit Sechszylinder-Benzinern. Dies, um "in der Oberklasse für angenehme Überraschungen zu sorgen", wie die Einführungswerbung verkündete.

Leserkommentare
  1. ... ein toller Wagen!

    • Kauri
    • 01. Mai 2013 21:42 Uhr

    Ich habe diesen Wagen als 6-Zyl-Reihen-Diesel mit Intercooler als Dienstfahrzeug in den letzten Jahren seiner Bauzeit gehabt! Ein Traum von Auto! Fahrten nach Süd-Frankreich und Spanien waren pure Erholung! Mit 70 l Diesel im Tank waren Strecken von 900km im absoluten Oberklasse-Feeling möglich! Die Sitze perfekt! Die Laufruhe des Wirbelkammer-Diesels war so, dass man meinte, einen großvolumigen Benziner zu fahren! Ich bin heute noch nachträglich begeistert! Luthe hatte einen ganz tollen Job gemacht! Die Fahrwerksingenieure auch! Die Qualität stimmte von vorn bis hinten! Dagegen sind viele Modelle heute Juppi-Abklatsch! Manchmal frage ich mich, wo ist der Fortschritt wirklich?

    4 Leserempfehlungen
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    , wenn es nicht wieder mit einem Motorschaden in der Werkstatt gestanden hat. Wenigstens wurde der Wagen gewaschen...

    • UP
    • 01. Mai 2013 22:52 Uhr

    ... durften Autos noch "Freude am Fahren" UND am Geldbeutel für männliche Europaer bereiten!

    Heute können Ingenieure und Designer den vielen Zielgruppen gar nicht mehr gerecht werden.

    So entstehen "Proll-Monster" wie X6 für den Herrn und "Mini-Variant" für die Dame.

    Dreht die ruhig den Chinesen an.

    Und lasst uns diese wunderbaren Youngtimer wie zB einen handgeschalteten M5 Touring.

    Wer noch einen gepflegten hat, bitte gerne melden!!!

    via ZEIT ONLINE plus App

    2 Leserempfehlungen
  2. , wenn es nicht wieder mit einem Motorschaden in der Werkstatt gestanden hat. Wenigstens wurde der Wagen gewaschen...

    Antwort auf "Dieses Auto war top"
  3. Dieses Auto hat mich dazu gebracht endgültig zu AUDI zu wechseln. Im Prinzip ein schönes Auto, solange er neu und ohne Kinderkrankheiten war. Aber dann: Heckklappenverschluss kaputt, Klimaanlage kaputt, Fensterhebermotor hinten kaputt, ... Das Auto war ständig in der Werkstatt. Und dann ist mit 129.000 km der Motor verreckt. Und das Wort "Kulanz" ist bei BMW ein Fremdwort.
    Vielen Dank, brauche ich nicht mehr! Ich fahre seit 9 Jahren einen AUDI A8 3,3 TDI und bin völlig zufrieden, bisher 320.000km ohne Probleme. Meine Frau einen A4 2,0 TDI mit auch über 320.000km ohne Probleme.
    BMW - nie wieder !!! AUDI - Immer wieder !!!

    Eine Leserempfehlung
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    • Grumpf
    • 02. Mai 2013 9:13 Uhr

    Vielleicht sollte man den "Hauch von Jaguar" auf die Häufigkeit der Werkstatt-Aufenthalte beziehen. Im Design kann ich jedenfalls nichts von der Klasse einer Jaguar-Limousine der 80er Jahre entdecken.

    Ich kenne fast die gleichen Probleme mit Audi. Kulanz? Was war das nochmal?
    Der BMW 2500 meines Vaters wurde mit 360000 verkauft und läuft heute immer noch. Sein 520i hat nach Verkauf mit 480000 die Grätsche gemacht. Grund: der neue Besitzer dachte das Auto braucht kein Öl. Von meinem 530i musste ich mich nach nicht verschuldetem Unfall trennen. Bis dahin lief der Wagen ohne nennenswerte Probleme rund 240000 km. Beim A3 meines Sohnes ist bei gerade mal 124000 die Zentralverriegelung total ausgefallen. Kulanz Fehlanzeige. Er fährt seinen Audi trotzdem gerne.
    Mir persönlich gefallen Fahrzeuge aus beiden Häusern und ich fahre zur Zeit Opel Omega 2,0.
    Zurück zu den Vorurteilen. Bis vor 3 Jahren war ich beruflich noch täglich auf deutschen Autobahnen unterwegs (mit Audi, Passat, Mercedes und gelegentlich Ford). Im Rückspiegel tauchten überwiegend Audi und Passat mit brüllender Lichthupe auf. Vertreterautos mit eingebauter Wichtigkeit.

    @vorschnell: Sinnfreies, beidfüssiges Fahren? Sinnfreies Kommentieren wohl eher ;-)

    P.S. Man lebt und fährt viel freier, wenn man nicht dogmatisch an einer Marke festhalten muss.

  4. Das Fahrzeug ist für mich eines der schönsten Fahrzeuge, die BMW je gebaut hat.

    Der Autor vergisst aber zwei wesentliche Aspekte dieser Modellreihe:
    Zusammen mit dem 7er hatte der BMW als Alleinstellungsmerkmal damals die kleinen Scheinwerfer. Sah ein vorausfahrender Fahrer bei Dunkelheit die kleinen, hellen Lichter im Rückspiegel, wusste der sofort, dass er einen BMW hinter sich hatte.
    Das Fahrzeug ist (vom Design) eines der aggressivsten Fahrzeuge, die je gebaut wurden.
    Mein Roter hatte damals quasi eine eingebaute Vorfahrt. Alleine die Existenz dieses Fahrzeugs im Rückspiegel hat damals viele Fahrer motiviert sofort die Überholspur zu räumen.

    Beides, die identifizierende Scheinwerfergestaltung und das Auftreten, versuchte man seitdem zu kopieren. Alles größtenteils lächerliche Kopien, meilenweit entfernt vom E34.

    4 Leserempfehlungen
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    Aus der Zeit müssen auch diese kultigen Comics und Witze stammen. ;-)

    Beispiele gefällig? Per Google gefunden:
    http://www.bmw-syndikat.d...
    http://www.autoneuroticfi...
    http://www.rclineforum.de...

  5. Aus der Zeit müssen auch diese kultigen Comics und Witze stammen. ;-)

    Beispiele gefällig? Per Google gefunden:
    http://www.bmw-syndikat.d...
    http://www.autoneuroticfi...
    http://www.rclineforum.de...

    2 Leserempfehlungen
  6. wirklich nutzlosen grosserienkarren von bmw. hab ich als student für barzahlenden auftraggeber ganz ein paar von den karren von ffm/wiessbaden nach berlin überführt. nachts mit 230 sinnfrei durch die kasseler berge, na ja. aber spass wars schon, beidfüssig automatik zu fahren. heute denke ich ein bischen anders darüber und fahre lieber (fast) gleichjunge velos ohne ausfallerscheinungen > http://commonman.de/wp/?p...

    ps. und meidet die radwege > http://vimeo.com/21174774

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