Verkehrssicherheit : Autovermieter verurteilen privates Carsharing als riskant

Auf Websites wie Nachbarschaftsauto kann man seinen eigenen Pkw zum Verleih anbieten. Viele der Autos seien ein Verkehrsrisiko, behaupten nun etablierte Autovermieter.
Website von Tamyca © tamyca, Screenshot ZEIT ONLINE

Es sind harte Anschuldigungen, die der Bundesverband der Autovermieter Deutschlands (BAV), ein Interessensverband von aktuell rund 300 Mietwagenunternehmen, gegen seine Konkurrenz vorbringt. "Wir kritisieren, dass die privaten Carsharing-Anbieter sich nicht an die Regeln halten", beklagt Michael Brabec, Sprecher des Verbands.

Mit Anbietern sind die Betreiber von Plattformen wie Nachbarschaftsauto oder Tamyca gemeint, auf denen jeder Autobesitzer sein Auto zum Verleih anbieten kann. Was die Startups von herkömmlichen Anbietern unterscheidet: Hier stellen Privatleute ihre Autos zum Verleih ein, die Website fungiert also hauptsächlich als Vermittler zwischen Verleiher und Leiher und besitzt die Autos nicht selber.

Der BAV behauptet, dass auf Seiten wie Nachbarschaftsauto.de Fahrzeuge angeboten würden, die die Verkehrssicherheit gefährden. Außerdem würden die Betreiber der Seiten mit ihrer Geschäftspraxis gegen deutsches Recht verstoßen. Die privaten Carsharing-Plattformen wehren sich vehement und sehen die Aktion als Versuch, durch Fehlinformation ihr Geschäftsmodell zu zerstören.

"Unsere Autos sind keine Mietwagen – das wissen unsere Nutzer"

Doch wo genau liegt die Kritik des Bundesverbandes? "Der Zustand vieler Fahrzeuge in den Privat-Carsharing-Plattformen gefährdet die Verkehrssicherheit. Nicht nur die Mieter selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer müssen durch die Anhäufung grober Mängel der vermieteten Fahrzeuge wie poröser Reifen, Bremsproblemen oder Lenkungsschäden Angst bekommen", sagt Brabec.

Dieser Text stammt von WiWo Green. Auf dem Nachhaltigkeitsportal der WirtschaftsWoche finden Sie Analysen und Kommentare zum grünen Wandel der Wirtschaft.

Er erhebt die Anschuldigungen aufgrund von Gutachten der Dekra an verdeckt ausgeliehenen Autos. Drei der Gutachten liegen WiWo Green vor. Dabei reichen die Mängel von pedantischer Kritik an verschlissenen Scheibenwischern bis zu tatsächlich ernsthaften Problemen, wie einer zu schwachen Bremskraft.

Christian Piepenbrock von Nachbarschaftsauto argumentiert dagegen: "Unsere Autos sind keine Mietwagen. Das wissen unsere Nutzer. Der Autoverleiher ist dafür verantwortlich, dass sein privates Auto zugelassen, verkehrssicher, betriebsbereit und TÜV-geprüft ist. Ein Übergabeprotokoll dokumentiert den Fahrzeugzustand bei Übergabe."

Eine Frau, deren Fahrzeug verdeckt durch den Bundesverband getestet wurde, habe sich anschließend bei Nachbarschaftsauto gemeldet. "Die Dame hat uns erklärt, dass ihr Auto vor erst einem Jahr problemlos durch den TÜV gekommen ist", erklärt Piepenbrock. Damit sei der Fall für ihn klar: "Wenn ein Auto in Deutschland durch den TÜV kommt, ist es verkehrssicher. Eine andere Kontrollinstanz gibt es nicht. Auch der Bundesverband der Autovermieter hat uns keinen Vorschlag gemacht, wie die Sicherheit unserer Fahrzeuge anders kontrolliert werden sollte, als durch den TÜV."

Außerdem gebe es bei den privaten Carsharing-Plattformen eine soziale Kontrollkomponente, sagt Piepenbrock: "Jemanden, der bei mir nebenan wohnt, behandele ich fair."

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