China-Marke Qoros"Wir haben den Anspruch, deutsche Qualität zu bieten"

Der chinesische Autobauer Qoros will Europa mit niedrigen Preisen erobern, aber kein Billigheimer sein. Als Messlatte dient dem Qoros-Chef sein Exarbeitgeber: VW. von Martin Seiwert

Volker Steinwascher (r.) mit dem Designer des Qoros 3, Gert Hildebrand

Volker Steinwascher (r.) mit dem Designer des Qoros 3, Gert Hildebrand  |  © Denis Balibouse/Reuters

Frage: Herr Steinwascher, seit vier Jahren bauen Sie in China den Autohersteller Qoros auf. Wann wird das erste Modell, der Qoros 3, vor Ihrem Haus in Hannover stehen?

Volker Steinwascher: Noch in diesem Jahr.

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Frage: Was werden die Nachbarn sagen?

Steinwascher: Gucken werden Sie bestimmt. Viele wissen ja, wer ich bin...

Volker Steinwascher

ist Chef des Autoherstellers Qoros. Der 70-Jährige war zuvor für den Volkswagen-Konzern tätig, unter anderem als Vize-Chef in den USA. 2009 begann er im Auftrag des Mischkonzerns Israel Corporation und des chinesischen Autobauers Chery, Qoros als neuen Autohersteller aufzubauen.

Frage: Der Ex-VW-Top-Manager, der ein Auto auf den Markt bringt, das von westlichen Automanagern konzipiert und zu niedrigsten Kosten in China produziert wird. Wie gefährlich sind Sie für Ihren Ex-Arbeitgeber?

Steinwascher: Wir sind nicht in einer Größenordnung, die für Volkswagen gefährlich wird.

Frage: Aber gefährlich genug, um VW-Chef Martin Winterkorn zu einem unschönen Gespräch mit Ihnen auf dem Genfer Automobilsalon im März zu provozieren.

Steinwascher: Er kam an unseren Messestand. Das Gespräch war nicht nett.

Frage: Worum ging es?

Steinwascher: Ich könnte mir vorstellen, dass es ihn ärgert, dass ich mich nicht mehr für VW engagiere.

Frage: Auf was muss er sich einstellen?

Steinwascher: Bis Ende 2015 kommt erst der Qoros 3 als Stufenheck-Limousine, dann eine Schrägheck-Limousine, dann ein Schrägheck als Crossmodell, dann ein Geländewagen, wahlweise mit Hybridantrieb, und schließlich ein Kombi.

Frage: Gibt es auch ein Elektroauto?

Steinwascher: Da sind wir vorsichtig, weil die Komponenten erst noch günstiger werden müssen. Wir können den Hybrid aber leicht auch als Plug-in-Hybrid anbieten, der rein elektrisch fahren kann, weil wir ein flexibles, modulares Baukastensystem haben. Die Konzepte für diesen Wagen liegen schon in der Schublade.

Frage: VW baut ebenfalls mit einem Baukastensystem Millionen Autos aus gleichen Bauteilen. Wie wollen Sie da mithalten?

Steinwascher: An manchen Stellen ist unser System womöglich sogar besser, weil wir von vornherein alle geplanten Varianten in unseren Konzepten einarbeiten und die Produktion nicht aufwendig umbauen müssen.

Leserkommentare
  1. Es wird dauern, aber sie werden kommen. Mit dem Support deutscher Ingenieure. Eines der Probleme wird das fehlende Prestige sein. Aber in einer Welt, in welcher Produktionskosten und das Verhältnis Preis/Leistung an der Verkaufsfront immer wichtiger werden, gibt es nichts, was es nicht gibt.

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  2. sind Autos aus China. Zum einen sieht es auf dem europäischen Absatzmarkt düster aus, was die heimischen Produzenten bereits unter Druck setzt und Arbeitsplätze kostet. Zum anderen finde ich es empörend, wenn deutsches Know-how mit diesen ehrenwerten grauen Herren durch die Hintertür wieder zurück kommt, nachdem es durch die Verhökerung in Billiglohnländer hiesige Arbeitsplätze ruiniert hat.

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    Das hat es immer schon gegeben und wenn dadurch die durchaus tollen VWs und Audis etwas günstiger werden, ist das doch nichts Schlechtes, oder? Wettkampf hat Deutschland groß gemacht!

  3. ... "Qualität" von Volkswagen oder Mercedes-Benz orientiert, wird's nicht weit her damit sein. Leider.

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  4. ... wohldotierten Beratervertrag zu geben. Aber so weit denkt mancher "Top"-Manager nicht, eher dann an seinen eigenen Vertrag.

  5. Er lässt entwickeln, u.a. deutsche Zulieferer;
    von build-to-print ist der Qoros noch weiter entfernt, da schlicht das know-how fehlt.
    Anders würde es vermutlich auch nicht klappen.

    Ich bin gespannt wie sich der Hersteller schlagen wird.

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  6. ..."billig" ist nicht Alles (sonst wäre Dacia Marktführer). Ob diese Marke in Deutschland wirklich schnell Fuss fassen wird, darf bezweifelt werden. Auch wenn man hier mit Qualität glänzen möchte - einen guten Ruf muss man sich erst mühsam aufbauen, Negativschlagzeilen drücken den Ruf hingegen schnell (bei Neuem und Unbekannten).
    Da kann auch ein deutscher Ex-Manager nichts daran ändern.
    Zumal, soweit ich das richtig verstanden habe, kosten auch diese Fahrzeuge einiges an Geld. 17.500€? - ich denke mal wer sich heute mal eben so ein Fahrzeug NEU leisten kann, zahlt auch noch ein paar tausend € mehr für einen Passat oder für gleiches Geld "NUR" einen Golf.

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  7. RAPEX Meldungen durchlesen, um zu wissen, dass zwischen "wollen" und "können" gewaltige Unterschiede liegen.

    http://ec.europa.eu/consu...

    Bitte auf "Country of origin" achten !

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    jede Menge Toyotas....

  8. jede Menge Toyotas....

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